Glossar

Eignungsprüfung? KMK-Beschluss? Anrechnung? Hier finden Sie wichtige Begriffe zum Studieren ohne Abitur erklärt. Falls Sie in der Liste einen Begriff vermissen sollten, würden wir uns über eine kurze Nachricht an soa@che.de freuen!

A

Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung

Mit einer allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung können Sie sich für sämtliche Fächer an Universitäten und Fachhochschulen bewerben. In der Regel besitzen Sie eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung, wenn Sie Inhaber(in) eines Meistertitels sind oder eines mit dem Meister gleichgestellten Fortbildungsabschlusses. Bitte überprüfen Sie im Vorfeld, welche Detailregelungen es in Ihrem Bundesland gibt und ob an Ihrer Wunschhochschule gegebenenfalls zusätzliche Voraussetzungen erfüllt werden müssen.

Anrechnung beruflicher Kompetenzen

In vielen Bundesländern gibt es gemäß den jeweiligen Hochschulgesetzen die Möglichkeit, sich berufliche Kompetenzen auf das Studium anrechnen zu lassen und so die Studiendauer zu verkürzen. Erkundigen Sie sich im Einzelfall bei Ihrer Hochschule oder Ihrem Studiengang, welche Möglichkeiten existieren. Derzeit laufen in einigen Bundesländern auch Modellprojekte zur Anrechnung. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufstiegsstipendium

Das Aufstiegsstipendium richtet sich an Berufstätige – mit und ohne Abitur – die erstmals ein Studium beginnen wollen. Gefördert werden kann ein Studium in Vollzeit oder berufsbegleitend. Vollzeitstudierende erhalten monatlich 750 Euro sowie ggf. eine Betreuungspauschale für Kinder unter zehn Jahren. Bewerbungen müssen in der Regel vor Aufnahme eines Studiums erfolgen.

B

Begabtenprüfung

Gemäß dem Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahre 1982 zur Vereinbarung über die Prüfung für den Hochschulzugang von besonders befähigten Berufstätigen, können in einigen Bundesländern Studieninteressierte den Hochschulzugang über die Begabtenprüfung erlangen. Die Begabtenprüfung fällt bei den Hochschulzugangsmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte insofern aus dem Rahmen, als sie vom Charakter her eher dem Zweiten Bildungsweg zuzuordnen ist. Die Begabtenprüfung ist eine Möglichkeit, die allgemeine Hochschulreife nicht über den Besuch eines Abendgymnasiums oder einer ähnlichen Bildungseinrichtungen zum Nachholen des Abiturs zu erwerben, sondern durch das Ablegen einer individuellen Prüfung. Die Prüfungsvorbereitung erfolgt eigenständig, d. h. eine Schule muss nicht besucht werden. Es gelten ähnliche Zulassungsvoraussetzungen wie bei den in den vorherigen Kapiteln dargestellten Verfahren: Eine abgeschlossene Berufsausbildung, einige Jahre Berufstätigkeit sowie ein Mindestalter von in der Regel 25 Jahren. Die sonstigen Voraussetzungen weichen in den Bundesländern geringfügig voneinander ab. Die Prüfungsanforderungen entsprechen den Anforderungen von Leistungskursen bzw. von Grundkursen in den Abiturprüfungen.

Blended Learning

Blended Learning kann auf Deutsch übersetzt werden mit "vermischtes Lernen". Es handelt sich um eine Lernform, bei der Präsenzveranstaltungen und E-Learning kombiniert werden. E-Learning ist die Unterstützung von Lehre und Lernen durch elektronische Medien.

D

Dritter Bildungsweg

Der Dritte Bildungsweg bezeichnet die Studienaufnahme ohne Abitur oder Fachabitur. Die Qualifikation für ein Studium wird erlangt über eine berufliche Vorbildung oder eine Begabtenprüfung und nicht über einen schulischen Leistungsnachweis in Form des Abiturs. In Abgrenzung dazu bezeichnet der Zweite Bildungsweg die Möglichkeit von Berufstätigen, durch ein schulisches Angebot das Abitur nachzuholen.

E

Eignungsprüfung

Beruflich Qualifizierte mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung müssen in der Regel zusätzlich eine Eignungsprüfung bestehen, bevor sie ein Studium aufnehmen können. Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung unterscheiden sich zum Teil erheblich von Bundesland zu Bundesland. Nähere Informationen erteilen die Studienberatungen der Hochschulen. Informieren Sie sich bitte rechtzeitig über die Termine der Eignungsprüfungen.

F

Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung

Im Gegensatz zur allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung ist der Hochschulzugang bei der fachgebundenen Hochschulzugangsberechtigung auf bestimmte Studienfächer begrenzt. Fachgebunden studieren können in der Regel Personen, die eine mindestens zweijährige Ausbildung abgeschlossen haben, mindestens drei Jahre in ihrem Beruf tätig waren und eine Eignungsprüfung erfolgreich bestanden haben. In der Regel müssen Sie eine fachliche Verwandtschaft zu Ihrer Berufsausbildung und/oder zu Ihrer mehrjährigen Berufspraxis nachweisen. Bitte achten Sie auf mögliche Abweichungen in Ihrem Bundesland und auf eventuell zusätzliche Voraussetzungen an Ihrer Wunschhochschule.

Fernstudium

Im Gegensatz zu einem Präsenzstudium findet bei einem Fernstudium der größte Teil des Studiums nicht vor Ort an der Hochschule statt. Bei einem Fernstudium arbeiten Sie Studienunterlagen selbstständig durch, teilweise auch mithilfe elektronischer Lernplattformen. Ein Vorteil des Fernstudiums ist, dass Sie flexibel studieren können. In Deutschland ist die FernUniversität Hagen die größte und die einzige staatliche Fernuniversität. Daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer und kommerzieller Anbieter.

G

Gleichwertige Fortbildungsabschlüsse

Laut den Rahmenvorgaben der KMK sind folgende hochqualifizierte Bildungsabschlüsse der allgemeinen Hochschulreife gleichzu­stellen:

  • Meister(innen) im Handwerk nach §§ 45, 51a und 122 der Handwerksordnung (HwO);
  • Inhaber(innen) von Fortbildungsabschlüssen, für die Prüfungsregelungen nach §§ 53, 54 Berufsbildungsgesetz (BBiG) sowie nach §§ 42, 42a HwO bestehen, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen;
  • Inhaber(innen) vergleichbarer Qualifikationen im Sinne des Seemannsgesetzes (staatliche Befähigungszeugnisse für den nautischen oder technischen Schiffsdienst);
  • Inhaber(innen) von Abschlüssen von Fachschulen entsprechend der „Rahmenverein­barungen über Fachschulen“ der Kultusministerkonferenz in der jeweils geltenden Fassung;
  • Inhaber(innen) vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpäda­gogischen Berufe.

Grundständige Studiengänge

Grundständige Studiengänge führen zu einem ersten Hochschulabschluss (Bachelor, Diplom, Magister, Staatsexamen).

K

KMK-Beschluss

Im März 2009 einigten sich die Kultusminister der Bundesländer bei der Kultusministerkonferenz (KMK), den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung zu vereinheitlichen und zu verbessern. Insgesamt hat die Umsetzung der KMK-Initiative in den meisten Bundesländern zu Erleichterungen beim Hochschulzugang ohne Abitur und Fachhochschulreife geführt. Diese gelten für zwei Personengruppen: Zum einen für Personen mit abgeschlossener Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung, die jetzt in allen Bundesländern die Möglichkeit besitzen, ein fachgebundenes Hochschulstudium aufzunehmen. Zum anderen für Personen mit hochqualifizierten Berufs­bildungsabschlüssen wie Meister(in), Fachwirt(in) und als gleichwertig anerkannten Qualifikationen, die mit Ausnahme von Brandenburg und Sachsen nunmehr im gesamten Bundesgebiet Personen mit allgemeiner Hochschulreife gleichgestellt sind.

N

Numerus Clausus

Der Numerus Clausus ergibt sich aus dem aktuellen Verhältnis von Studienplätzen zur konkreten Bewerberzahl. Als Studienbewerber(in) ohne Abitur zählt bei Ihnen in der Regel die Note der Eignungsprüfung oder des hochqualifizierten Fortbildungsabschlusses. An einigen Hochschulen gibt es auch spezielle Sonderquoten für Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Neben dem Numerus Clausus werden Studienplätze auch noch über Wartezeit oder spezielle Vorkenntnisse vergeben. Erkundigen Sie sich am besten direkt bei Ihrer Wunschhochschule über den Bewerbungsprozess.

P

Probestudium

Derzeit bieten sechs Bundesländer (Bayern, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein) die Möglichkeit an, ein Probestudium zu absolvieren. Das Probestudium ersetzt die Eignungsprüfung, die Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis in der Regel bestehen müssen, um ein fachgebundenes Hochschulstudium aufzunehmen. Das Probestudium dauert in der Regel zwei bis vier Semester, danach wird auf Grundlage der bisher erbrachten Leistungen über die endgültige Einschreibung entschieden.

S

Schulische Hochschulzugangsberechtigung

Der klassische Weg eine Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen war bisher der Nachweis der Hochschulreife mittels eines Schulzeugnisses der allgemeinen, der fachgebundenen oder der Fachhochschulreife. Mit der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) können Sie sich für sämtliche Studiengänge an allen Hochschulen bewerben (ggf. sind weitere Zulassungsvoraussetzungen zu erfüllen). Mit der fachgebundenen Hochschulreife können Sie nur bestimmte Fächer studieren. In der Regel steht auf Ihrem Schulzeugnis, welche Fächer dies sind. Mit der Fachhochschulreife können Sie in der Regel nur an Fachhochschulen studieren, dort allerdings jedes Studienfach. Der umgangssprachliche Begriff "Fachabitur" wird sehr schwammig verwendet, jeweils als Synonym für die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife. Studierende ohne Abitur besitzen keine schulische Hochschulzugangsberechtigung.

W

Weiterführende Studiengänge

Ein weiterführender Studiengang ist ein Studiengang, der in der Regel einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss voraussetzt und zu einem weiteren berufsqualifizierenden Abschluss führt (z. B. Masterstudiengänge).

Eine spezielle Variante sind weiterbildende Masterstudiengänge.