Thüringen

In jüngster Zeit wurden weitere Erleichterungen für den Zugang zum Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Thüringen eingeführt. So ist seit 2014 neben der bislang vorgesehenen Eingangsprüfung auch ein Probestudium für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung plus Berufserfahrung möglich. Zudem können beruflich qualifizierte Bewerber(innen) unter bestimmten Bedingungen nun auch ohne Bachelorabschluss direkt auf dem Master-Niveau ins Studium einsteigen. Dies gilt allerdings ähnlich wie beispielsweise in Rheinland-Pfalz nur für das Weiterbildungsstudium und nicht für das traditionelle Bachelor- und Masterangebot. Trotz dieser Ausweitung der Zugangsmöglichkeiten hält sich die Nachfrage jedoch in Grenzen. Aktuell setzt sich der seit 2011 beobachtbare Abwärtstrend beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Thüringen fort. Insgesamt liegen die Studienanfänger(innen)-, Studierenden- sowie Absolvent(inn)enanteile im Vergleich mit den anderen 15 Bundesländern weiterhin im unteren Mittelfeld.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
(fachlich verwandte) Berufsausbildung (2 Jahre)

(fachlich verwandte) Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung möglich:
Berufsausbildung (2 Jahre)
Berufserfahrung (3 Jahre)
Probestudium möglich:
Ja. Berufsausbildung und Berufserfahrungen müssen aber zum angestrebten Studiengang fachlich verwandt sein.
Vorher Beratungsgespräch an der Hochschule.

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 60 Abs. 1 Nr. 3 Buchstaben b bis e ThürHG: Zum Studium berechtigt sind Personen mit erfolgreich abgeschlossener Prüfung zum/zur Meister(in) oder zum/zur staatlich geprüften Techniker(in) bzw. Betriebswirt(in) oder mit einer als gleichwertig festgestellten sonstigen beruflichen Fortbildungsprüfung (nach Berufsbildungsgesetz, nach Handwerksordnung oder einer sonstigen öffentlich-rechtlichen Regelung) oder Personen mit erfolgreichem Abschluss einer sonstigen beruflichen Fortbildung, sofern sie durch Rechtsverordnung als mit der Meisterprüfung gleichwertig festgestellt ist oder von der Hochschule als gleichwertig festgestellt wird.

In der Thüringer Verordnung über die Gleichwertigkeit beruflicher Fortbildungen für den Hochschulzugang sind die Kriterien für die mit einer Meisterprüfung gleichwertigen beruflichen Fortbildungen geregelt sowie in der Anlage sonstige gleichwertige und gleichgestellte berufliche Fortbildungen aufgelistet, z. B. der Abschluss als Wirtschaftsprüfer(in) bzw. als Steuerberater(in) (und einer danach mindestens zweijährigen affinen Berufspraxis), die Befähigung zum gehobenen Dienst bzw. ein gleichwertiger Bildungsstand im öffentlichen Dienst (und eine danach mindestens zweijährige einschlägige Berufstätigkeit), der Abschluss einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (und einer zuvor mindestens zweijährigen Berufsausbildung).

§ 60 Abs. 2 ThürHG regelt, dass Absolvent(inn)en, die ursprünglich aufgrund einer fachgebundenen Hochschulreife erfolgreich studiert haben, eine der allgemeinen Hochschulreife entsprechende Qualifikation besitzen.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 60 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe a und § 63 ThürHG: Bewerber(innen), die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und mindestens drei Jahre hauptberuflich tätig waren, sind durch das Bestehen einer Eingangsprüfung „zum Studium in einem bestimmten Studiengang“ berechtigt. Jede Hochschule regelt in ihren Satzungen Details des Verfahrens gemäß § 63 ThürHG, wie z. B. für welche Studiengänge Eingangsprüfungen zugelassen werden, Form und Inhalt der zu erbringenden Prüfungsleistungen, die Zusammensetzung der Prüfungskommission und die Bestimmung der Prüfer(innen) für die einzelnen Prüfungsteile sowie das Prüfungsverfahren.

§ 63 Abs. 1 und § 60 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe a: Bewerber(innen), die eine mindestens zweijährige Berufsausbildung in einem zum Studiengang fachlich verwandten Bereich abgeschlossen haben und über eine dreijährige hauptberufliche Berufspraxis in dem entsprechenden Fachgebiet verfügen, „können für die Dauer von mindestens einem bis höchstens zwei Semestern auf Probe ein Studium aufnehmen. Nach Ablauf des Probezeitraums entscheidet die Hochschule auf der Grundlage der während des Studiums nach Satz 1 erbrachten Leistungen über die endgültige Einschreibung; die Hochschule entscheidet auch über die weitere Anrechnung der während des Studiums nach Satz 1 erbrachten Leistungen. Dem Probestudium muss eine umfassende Beratung durch die Hochschule vorausgehen.“ Weitere Regelungen zu dem Probestudium, darunter die während dieses Studiums zu erbringenden Leistungen, werden von den Hochschulen in ihren Satzungen festgelegt.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 48 Abs. 5 ThürHG: Im In- oder Ausland erbrachte Studien- oder Prüfungsleistungen werden auf Antrag anerkannt, wenn die Gleichwertigkeit festgestellt ist. Die Feststellung der Gleichwertigkeit trifft die in der Prüfungsordnung vorgesehene Stelle.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 48 Abs. 10 ThürHG: Außerhalb von Hochschulen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden, wenn die Voraussetzungen für den Hochschulzugang erfüllt sind, "die anzurechnenden Kenntnisse und Fähigkeiten den Studien- und Prüfungsleistungen, die sie ersetzen sollen, gleichwertig sind" und "die Kriterien für die Anrechnung im Rahmen der Akkreditierung überprüft worden sind." Ferner ist geregelt: "Insgesamt dürfen nicht mehr als 50 vom Hundert der Prüfungsleistungen angerechnet werden. Die Hochschulen regeln in der Prüfungsordnung, unter welchen Voraussetzungen Kenntnisse und Fähigkeiten, die außerhalb von Hochschulen erworben wurden, ohne Einstufungsprüfung angerechnet werden. In Einzelfällen ist eine Einstufungsprüfung, in der Studienbewerber nachweisen, dass sie über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die eine Einstufung in ein höheres Fachsemester rechtfertigen, zulässig."

§ 48 Abs. 11 ThürHG: „Wer sich in seiner Berufspraxis, im Rahmen der Weiterbildung oder auf andere Weise den Studien- und Prüfungsordnungen entsprechende Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden angeeignet hat, kann den Studienabschluss im externen Verfahren erwerben. Die Voraussetzung für die Zulassung zu einem externen Verfahren, die Anforderungen und das Verfahren der Prüfung werden in der Prüfungsordnung geregelt.“

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 51 Abs. 2 ThürHG: „Das weiterbildende Studium steht Bewerbern mit abgeschlossenem Hochschulstudium und solchen Bewerbern offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. Die Hochschule regelt die Voraussetzungen und das Verfahren des Zugangs und der Zulassung zum weiterbildenden Studium. Sie kann die Zulassung insbesondere beschränken, wenn wegen der Aufnahmefähigkeit, der Art oder des Zwecks des weiterbildenden Studiums eine Begrenzung der Teilnehmerzahl erforderlich ist.“

§ 63 Abs. 3 ThürHG: In von der Hochschule zu definierenden Ausnahmefällen können auch Bewerber(innen) zu weiterbildenden Masterstudiengängen zugelassen werden, die lediglich über eine fachaffine Berufsausbildung sowie mehrjährige Berufserfahrung mit fachlichem Bezug zum angestrebten Studium verfügen. „Die Bewerber müssen im Rahmen einer Eignungsprüfung einen Kenntnisstand nachweisen, der dem eines für den angestrebten Studiengang einschlägigen ersten Hochschulabschlusses entspricht. Näheres regelt die Hochschule im Rahmen ihrer Satzungen.“

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Die Gesetzeslage in Thüringen sieht keine Vorabquoten oder spezielle Auswahlverfahren für Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.

(Stand: März 2017)

Daten-Monitoring

Der seit 2011 abwärtsweisende Trend beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Thüringen wurde 2014 unterbrochen und setzt sich 2015 jedoch weiterhin langsam fort. Laut den jüngsten Zahlen ist der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne Abitur gegenüber dem Vorjahr geringfügig gefallen und erreicht aktuell 1,23 Prozent. Damit liegt Thüringen in dieser Kategorie deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts, behauptet sich im Bundesländervergleich dagegen weiterhin auf dem 12. Platz. Gleichwohl Thüringen in der Absolvent(inn)enquote um 0,05 Prozentpunkte auf 0,90 Prozent steigt, büßt das Land in dieser Kategorie im bundesweiten Vergleich zwei Plätze ein und hält dadurch gegenwärtig den 11. Platz. Ähnlich sieht es bei den Anteilen der beruflich qualifizierten Studierenden ohne Abitur und Fachhochschulreife aus. Diese sind leicht gesunken und betragen 1,12 Prozent, wodurch das Land vom 10. auf den 11. Platz im Bundesländervergleich fällt. Im Ganzen rangiert Thüringen in allen Kategorien im unteren Mittelfeld des Bundesvergleichs.