Thüringen

Nachdem der Trend beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Thüringen bis zum Jahr 2011 nach oben ging, war in den darauffolgenden Jahren ein Abwärtstrend zu verzeichnen, der nun jedoch stoppt. Im Bundesländervergleich liegt Thüringen 2014 bei den Quoten bezogen auf Studienanfänger(innen), Studierende und Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im (unteren) Mittelfeld. In jüngster Zeit wurden weitere Erleichterungen für den Zugang zum Studium ohne Abitur eingeführt. So ist seit 2014, nach der Umsetzung des Gesetzesentwurfs zur Änderung hochschulrechtlicher Vorschriften vom Dezember 2013 im Hochschulgesetz, neben der bislang vorgesehenen Eingangsprüfung auch ein Probestudium für beruflich Qualifizierte möglich. Zudem können diese Bewerber(innen) unter bestimmten Bedingungen nun ein weiterbildendes Masterstudium aufnehmen.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung

Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 60 Abs. 1 Nr. 3 Buchstaben b bis e ThürHG: Zum Studium berechtigt sind Personen mit erfolgreich abgeschlossener Prüfung zum/zur Meister(in) oder zum/zur staatlich geprüften Techniker(in) bzw. Betriebswirt(in) oder mit einer als gleichwertig festgestellten sonstigen beruflichen Fortbildungsprüfung (nach Berufsbildungsgesetz, nach Handwerksordnung oder einer sonstigen öffentlich-rechtlichen Regelung) oder Personen mit erfolgreichem Abschluss einer sonstigen beruflichen Fortbildung, sofern sie durch Rechtsverordnung als mit der Meisterprüfung gleichwertig festgestellt ist oder von der Hochschule als gleichwertig festgestellt wird.

In der Thüringer Verordnung über die Gleichwertigkeit beruflicher Fortbildungen für den Hochschulzugang sind die Kriterien für die mit einer Meisterprüfung gleichwertigen beruflichen Fortbildungen geregelt sowie in der Anlage sonstige gleichwertige und gleichgestellte berufliche Fortbildungen aufgelistet, z. B. der Abschluss als Wirtschaftsprüfer(in) bzw. als Steuerberater(in) (und einer danach mindestens zweijährigen affinen Berufspraxis), die Befähigung zum gehobenen Dienst bzw. ein gleichwertiger Bildungsstand im öffentlichen Dienst (und eine danach mindestens zweijährige einschlägige Berufstätigkeit), der Abschluss einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (und einer zuvor mindestens zweijährigen Berufsausbildung).

§ 60 Abs. 2 ThürHG regelt, dass Absolvent(inn)en, die ursprünglich aufgrund einer fachgebundenen Hochschulreife erfolgreich studiert haben, eine der allgemeinen Hochschulreife entsprechende Qualifikation besitzen.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 60 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe a und § 63 ThürHG: Bewerber(innen), die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und mindestens drei Jahre hauptberuflich tätig waren, sind durch das Bestehen einer Eingangsprüfung „zum Studium in einem bestimmten Studiengang“ berechtigt. Jede Hochschule regelt in ihren Satzungen Details des Verfahrens gemäß § 63 ThürHG, wie z. B. für welche Studiengänge Eingangsprüfungen zugelassen werden, Form und Inhalt der zu erbringenden Prüfungsleistungen, die Zusammensetzung der Prüfungskommission und die Bestimmung der Prüfer(innen) für die einzelnen Prüfungsteile sowie das Prüfungsverfahren.

§ 63 Abs. 1 und § 60 Abs. 1 Nr. 3a: Bewerber(innen), die eine mindestens zweijährige Berufsausbildung in einem zum Studiengang fachlich verwandten Bereich abgeschlossen haben und über eine dreijährige hauptberufliche Berufspraxis in dem entsprechenden Fachgebiet verfügen, „können für die Dauer von mindestens einem bis höchstens zwei Semestern auf Probe ein Studium aufnehmen. Nach Ablauf des Probezeitraums entscheidet die Hochschule auf der Grundlage der während des Studiums nach Satz 1 erbrachten Leistungen über die endgültige Einschreibung; die Hochschule entscheidet auch über die weitere Anrechnung der während des Studiums nach Satz 1 erbrachten Leistungen. Dem Probestudium muss eine umfassende Beratung durch die Hochschule vorausgehen.“ Weitere Regelungen zu dem Probestudium, darunter die während dieses Studiums zu erbringenden Leistungen, werden von den Hochschulen in ihren Satzungen festgelegt.

 Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 48 Abs. 5 ThürHG: Im In- oder Ausland erbrachte Studien- oder Prüfungsleistungen werden auf Antrag anerkannt, wenn die Gleichwertigkeit festgestellt ist. Die Feststellung der Gleichwertigkeit trifft die in der Prüfungsordnung vorgesehene Stelle.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 48 Abs. 10 ThürHG: Außerhalb von Hochschulen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden, wenn die Voraussetzungen für den Hochschulzugang erfüllt sind, "die anzurechnenden Kenntnisse und Fähigkeiten den Studien- und Prüfungsleistungen, die sie ersetzen sollen, gleichwertig sind" und "die Kriterien für die Anrechnung im Rahmen der Akkreditierung überprüft worden sind." Ferner ist geregelt: "Insgesamt dürfen nicht mehr als 50 vom Hundert der Prüfungsleistungen angerechnet werden. Die Hochschulen regeln in der Prüfungsordnung, unter welchen Voraussetzungen Kenntnisse und Fähigkeiten, die außerhalb von Hochschulen erworben wurden, ohne Einstufungsprüfung angerechnet werden. In Einzelfällen ist eine Einstufungsprüfung, in der Studienbewerber nachweisen, dass sie über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die eine Einstufung in ein höheres Fachsemester rechtfertigen, zulässig."

§ 48 Abs. 11 ThürHG: „Wer sich in seiner Berufspraxis, im Rahmen der Weiterbildung oder auf andere Weise den Studien- und Prüfungsordnungen entsprechende Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden angeeignet hat, kann den Studienabschluss im externen Verfahren erwerben. Die Voraussetzung für die Zulassung zu einem externen Verfahren, die Anforderungen und das Verfahren der Prüfung werden in der Prüfungsordnung geregelt.“

Weiterbildendes Studium und Zulassung

§ 51 Abs. 1: „Die Hochschulen bieten im Rahmen ihrer Aufgaben Möglichkeiten des weiterbildenden Studiums an. Dabei können sie auch mit anderen Einrichtungen der Weiterbildung außerhalb des Hochschulbereichs auf privatrechtlicher Grundlage zusammenarbeiten. Die Hochschulen können das weiterbildende Studium auch auf privatrechtlicher Grundlage anbieten. Die Durchführung von Lehrveranstaltungen im Rahmen eines weiterbildenden Studiums, das in Kooperation gemeinsam mit einer Einrichtung der Weiterbildung außerhalb des Hochschulbereichs durchgeführt wird, gehört in der Regel nicht zu den Dienstaufgaben des Personals mit Lehraufgaben der Hochschule.“

§ 51 Abs. 2: „Das weiterbildende Studium steht Bewerbern mit abgeschlossenem Hochschulstudium und solchen Bewerbern offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. Die Hochschule regelt die Voraussetzungen und das Verfahren des Zugangs und der Zulassung zum weiterbildenden Studium. Sie kann die Zulassung insbesondere beschränken, wenn wegen der Aufnahmefähigkeit, der Art oder des Zwecks des weiterbildenden Studiums eine Begrenzung der Teilnehmerzahl erforderlich ist.“

§ 63 Abs. 3 ThürHG: Es „können zu einem weiterbildenden Masterstudiengang in von der Hochschule zu definierenden Ausnahmefällen auch Bewerber zugelassen werden, die nur eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen; Berufsausbildung und -erfahrung müssen einen fachlichen Bezug zum angestrebten Studium aufweisen. Die Bewerber müssen im Rahmen einer Eignungsprüfung einen Kenntnisstand nachweisen, der dem eines für den angestrebten Studiengang einschlägigen ersten Hochschulabschlusses entspricht. Näheres regelt die Hochschule im Rahmen ihrer Satzungen.“

(Stand: Februar 2016)

Daten-Monitoring

 

Der seit 2011 abwärtsweisende Trend beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Thüringen wurde 2014 unterbrochen. Laut den jüngsten Zahlen ist der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne Abitur gegenüber dem Vorjahr um 0,11 Prozentpunkte gestiegen. Die damit erreichte Quote von 1,26 Prozent liegt jedoch noch deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts, wenngleich sie Thüringen im Bundesländervergleich leicht nach vorne bringt und zwar von dem 13. auf den 12. Platz. Ähnlich sieht es bei den Anteilen der beruflich qualifizierten Studierenden und Absolvent(inn)en aus. Diese haben sich leicht erhöht und betragen 1,15 Prozent und 0,85 Prozent. In diesen beiden Kategorien rangiert Thüringen im Mittelfeld des Bundesländervergleichs.