Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein hat seine Universitäten und Fachhochschulen relativ spät für Studierende ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife geöffnet. Mittlerweile stehen die Rahmenbedingungen denen in anderen Bundesländer jedoch in nichts nach. Eine Besonderheit ist u. a., dass Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis alternativ zum Ablegen einer Eignungsprüfung auch die Möglichkeit haben, ein ein- bis zweijähriges Probestudium zu absolvieren. Auch in diesem Jahr zeigt sich im Bereich der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) ein nahezu konstanter Wert, der sich seit 2013 kaum zu verändern scheint. Im Bereich der Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife macht sich entgegen der fallenden Zahlen der letzten zwei Jahre ein Aufschwung bemerkbar, wodurch Schleswig-Holstein seinen Anteil in dieser Kategorie steigern konnte. Anders sieht es im Bereich der Absolvent(inn)en ohne schulische HZB aus, hier ist der Anteil erneut gefallen, wodurch das Bundesland im Ländervergleich noch weiter nach hinten rutscht. Insgesamt liegt das Bundesland im Vergleich zu den bundesweiten Quoten aller Personengruppen ohne Abitur weit unter dem Durchschnitt.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Keine

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)

Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja (bei einer mit mindestens befriedigendem Ergebnis abgeschlossenen Berufsausbildung und einer sich daran anschließenden fünfjährigen Berufstätigkeit)

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 39 Abs. 2 HSG: Bei folgenden mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen können deren Inhaber(innen) ein Studium in allen Fachrichtungen aufnehmen: Meisterabschluss, Fortbildungsabschluss auf der Grundlage von §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes, von §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung oder einer gleichwertigen bundes- oder landesrechtlichen Regelung, vergleichbare Qualifikation i. S. des Seemannsgesetzes, Fortbildungsabschluss einer Fachschule oder Abschluss vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung hat auch, wer ein Hochschulstudium oder ein Studium an einer Berufsakademie, das einem Fachhochschulstudium gleichgestellt ist, abgeschlossen hat, ohne die allgemeine Hochschulreife zu besitzen (§ 39 Abs. 5 HSG).

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 39 Abs. 2 HSG: Nach einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und einer mindestens dreijährigen Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich) wird die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung über eine bestandene Hochschuleignungsprüfung erworben. Die Hochschule entscheidet auf der Grundlage der in dem Abschlusszeugnis ausgewiesenen Qualifikationen über die fachliche Verwandtschaft mit dem angestrebten Studiengang. Bei einer Bewerbung um zentral vergebene Studienplätze in der gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung müssen die Studieninteressierten vor der Bewerbung eine Bescheinigung über die fachliche Verwandtschaft bei der gewünschten Hochschule einholen und bei der Bewerbung einfügen.

§ 39 Abs. 5 HSG: Ein fachgebundener Hochschulzugang ist auch möglich für Bewerber(innen), die in einem akkreditierten Bachelorstudiengang an einer Fachhochschule oder einer Berufsakademie Leistungspunkte in einem drei Semester entsprechenden Umfang erworben haben. Die Hochschule entscheidet über die fachliche Verwandtschaft des angestrebten Studiengangs.

Teilzeitarbeit ist ausreichend als Nachweis der Berufspraxis, wenn diese mindestens 50 Prozent der regelmäßigen Vollzeitarbeitszeit beträgt (§ 39 Abs. 2 HSG).

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

  • Die Hochschuleignungsprüfungsverordnung (HEigPrüfVO) regelt Zulassungsvoraussetzungen und -verfahren, Umfang, Durchführung und Bewertung der Prüfung sowie die Erhebung einer Prüfungsgebühr.

Probestudium:

  • § 39 Abs. 4 HSG: Bewerber(innen), die eine Berufsausbildung mit mindestens befriedigendem Ergebnis abgeschlossen haben und eine sich daran anschließende fünfjährige Berufstätigkeit oder entsprechende Ersatzzeiten nachweisen, können für die Dauer von zwei bis maximal vier Semester für ein Probestudium eingeschrieben werden. Danach entscheidet die Hochschule über die endgültige Einschreibung unter Berücksichtigung der erbrachten Leistungen. Einzelheiten sind in der Einschreibordnung der Hochschule geregelt.

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen

§ 58 Abs. 2 HSG: In Ausnahmefällen kann bei weiterbildenden Masterstudiengängen eine Eingangsprüfung den Hochschulabschluss ersetzen. Zudem sind berufspraktische Erfahrungen von mindestens einem Jahr vorzuweisen. „Im Übrigen gelten §§ 46, 48 bis 53 [HSG] entsprechend“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 51 Abs. 2 HSG: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kompetenzen und Fähigkeiten sind auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn ihre Gleichwertigkeit mit den Kompetenzen und Fähigkeiten nachgewiesen ist, die im Studium zu erwerben sind und ersetzt werden sollen. Insgesamt bis zu 50 % der für den Studiengang erforderlichen Leistungspunkte können angerechnet werden. Insgesamt dürfen nicht mehr als 50 Prozent der Prüfungsleistungen angerechnet werden. Die Hochschulen regeln in der Prüfungsordnung, unter welchen Voraussetzungen Kenntnisse und Fähigkeiten, die außerhalb von Hochschulen erworben wurden, ohne Einstufungsprüfung angerechnet werden. In Einzelfällen ist eine Einstufungsprüfung zulässig.“

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 39 Abs. 3 HSG: Weitergehende Regelungen aus anderen Bundesländern bzgl. des Hochschulzugangs beruflich qualifizierter Bewerber(innen) werden nach einem Jahr erfolgreichen Studiums zum Zwecke des Weiterstudiums im entsprechenden oder fachlich verwandten Studiengang anerkannt.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Das Hochschulzulassungsgesetz regelt eine Teilgruppenübergreifende Vorabquote in Höhe von maximal 20 Prozent, welche Bewerbern und Bewerberinnen „[…] mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, die über keine sonstige Studienberechtigung verfügen [...]“ und Bewerbern und Bewerberinnen für ein Probestudium mit einschließen kann (§ 5 Abs. 1 Nr. 5 und 6 HZG). Dabei kann das Ministerium bestimmen, dass „der Anteil der Studienplätze für die Bewerbergruppen […] an der Gesamtzahl der Studienplätze je Bewerbergruppe nicht größer sein darf als der Anteil der jeweiligen Bewerbergruppe an der Bewerbergesamtzahl“ (§ 5 Abs. 2 Satz 1 HZG).

Die Auswahl von durch den Beruf qualifizierten Bewerbern und Bewerberinnen, ohne sonstige Studienberechtigung, erfolgt nach deren „Eignung und Befähigung“ (§ 5 Abs. 7 HZG). Bewerber(innen) für ein Probestudium werden „nach Wartezeit ausgewählt“ (§ 5 Abs. 8 HZG). „Bewerberinnen und Bewerber, für die die Ablehnung des Zulassungsantrages eine außergewöhnliche Härte gemäß Absatz 3 bedeuten würde, sind vorrangig auszuwählen“ (§ 5 Abs. 8 Satz 2 HZG).

§ 5 Abs. 2 Satz 3 und 4 HZG: Die nach dem Auswahlverfahren nicht in Anspruch genommenen Studienplätze werden zunächst über ein Nachrückverfahren vergeben. Sollten Studienplätze im Nachrückverfahren frei bleiben, werden diese der Wartezeitquote gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 HZG zugeteilt.

(Stand: März 2018)

Daten-Monitoring

 

Die aktuelle Quote der Studienanfänger(innen) ohne Abitur in Schleswig-Holstein zeigt eine Stagnation. Nach dem Anteilshoch von 1,84 Prozent im Jahr 2011 sind die Zahlen kontinuierlich gefallen, seit 2014 ist nahezu keine neue Entwicklung mehr zu erkennen. Mit 1,40 Prozent in dieser Kategorie liegt Schleswig-Holstein weit unter dem Bundesdurchschnitt und fällt um drei Plätze im Bundesländervergleich auf einen aktuellen 12. Platz. Im Bereich der Studierenden ohne HZB erreicht das Bundesland 2016 den Spitzenwert von 2014 in Höhe von 1,14 Prozent. Diese Entwicklung ist hauptsächlich den gestiegenen Begabtenprüfungen zuzuschreiben, welche vermutlich auch zu einem großen Teil mit der neuen HZB-Systematik in der Hochschulstatistik zu tun haben (siehe Informationen zu den verwendeten Daten) und in den nächsten Jahren weiter beobachtet werden sollten. Mit einer Steigerung von 0,15 Prozentpunkten in dieser Kategorie kann Schleswig-Holstein seine Platzierung im Ländervergleich dennoch nicht verbessern und bleibt auf dem 13. Rang. Die Absolvent(inn)enquote fällt nach dem Höchstwert 2015 um 0,27 Prozentpunkte auf 0,72 Prozent, womit das Bundesland in dieser Kategorie drei Plätze verliert und nun auf dem 12. Rang liegt. Insgesamt liegen alle Werte unterhalb des Bundesdurchschnitts. Schleswig-Holstein rutscht im Ländervergleich noch weiter nach hinten und liegt in allen Kategorien im unteren Viertel.