Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein hat seine Universitäten und Fachhochschulen relativ spät für Studierende ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife geöffnet. Nachdem sich zunächst ein Aufwärtstrend bei den Studienanfänger(inne)n ohne Abitur gezeigt hatte, ist in jüngster Zeit wieder ein leichter Rückgang der Quote zu beobachten. Verglichen mit den anderen Bundesländern rangiert Schleswig-Holstein in dieser Hinsicht im unteren Mittelfeld.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Keine

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)

Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja (bei einer mit mindestens befriedigendem Ergebnis abgeschlossenen Berufsausbildung und einer sich daran anschließenden fünfjährigen Berufstätigkeit)

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 39 Abs. 2 HSG: Bei folgenden mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen können deren Inhaber(innen) ein Studium in allen Fachrichtungen aufnehmen: Meisterabschluss, Fortbildungsabschluss auf der Grundlage von §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes, von §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung oder einer gleichwertigen bundes- oder landesrechtlichen Regelung, vergleichbare Qualifikation i.S. des Seemannsgesetzes, Fortbildungsabschluss einer Fachschule oder Abschluss vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung hat auch, wer ein Hochschulstudium oder ein Studium an einer Berufsakademie, das einem Fachhochschulstudium gleichgestellt ist, abgeschlossen hat, ohne die allgemeine Hochschulreife zu besitzen (§ 39 Abs. 5 HSG).

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 39 Abs. 2 HSG: Nach einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und einer mindestens dreijährigen Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich) wird die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung über eine bestandene Hochschuleignungsprüfung erworben. Die Hochschule entscheidet auf der Grundlage der in dem Abschlusszeugnis ausgewiesenen Qualifikationen über die fachliche Verwandtschaft mit dem angestrebten Studiengang. Bei einer Bewerbung um zentral vergebene Studienplätze in der gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung müssen die Studieninteressierten vor der Bewerbung eine Bescheinigung über die fachliche Verwandtschaft bei der gewünschten Hochschule einholen und bei der Bewerbung einfügen.

§ 39 Abs. 5 HSG: Ein fachgebundener Hochschulzugang ist auch möglich für Bewerber(innen), die in einem akkreditierten Bachelorstudiengang an einer Fachhochschule oder einer Berufsakademie Leistungspunkte in einem drei Semester entsprechenden Umfang erworben haben. Die Hochschule entscheidet über die fachliche Verwandtschaft des angestrebten Studiengangs.

Teilzeitarbeit ist ausreichend als Nachweis der Berufspraxis, wenn diese mindestens 50 % der regelmäßigen Vollzeitarbeitszeit beträgt (§ 39 Abs. 2 HSG).

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

  • Die Hochschuleignungsprüfungsverordnung (HEigPrüfVO) regelt Zulassungsvoraussetzungen und -verfahren, Umfang, Durchführung und Bewertung der Prüfung sowie die Erhebung einer Prüfungsgebühr.

Probestudium:

  • § 39 Abs. 4 HSG: Bewerber(innen), die eine Berufsausbildung mit mindestens befriedigendem Ergebnis abgeschlossen haben und eine sich daran anschließende fünfjährige Berufstätigkeit oder entsprechende Ersatzzeiten nachweisen, können für die Dauer von zwei bis maximal vier Semester für ein Probestudium eingeschrieben werden. Danach entscheidet die Hochschule über die endgültige Einschreibung unter Berücksichtigung der erbrachten Leistungen. Einzelheiten sind in der Einschreibordnung der Hochschule geregelt.

Zulassung in weiterbildende Studiengänge

§ 58 Abs. 2 HSG: In Ausnahmefällen kann bei weiterbildenden Masterstudiengängen eine Eingangsprüfung den Hochschulabschluss ersetzen. Für berufsbegleitende Studiengänge, die nicht weiterbildende Masterstudiengänge sind, „gelten die in den §§ 38, 39, 48 bis 53 erlassenen Verordnungen.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 51 Abs. 2 HSG: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kompetenzen und Fähigkeiten sind auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn ihre Gleichwertigkeit mit den Kompetenzen und Fähigkeiten nachgewiesen ist, die im Studium zu erwerben sind und ersetzt werden sollen. Insgesamt bis zu 50 % der für den Studiengang erforderlichen Leistungspunkte können angerechnet werden. Insgesamt dürfen nicht mehr als 50 % der Prüfungsleistungen angerechnet werden. Die Hochschulen regeln in der Prüfungsordnung, unter welchen Voraussetzungen Kenntnisse und Fähigkeiten, die außerhalb von Hochschulen erworben wurden, ohne Einstufungsprüfung angerechnet werden. In Einzelfällen ist eine Einstufungsprüfung zulässig.“

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 39 Abs. 3 HSG: Weitergehende Regelungen aus anderen Bundesländern bzgl. des Hochschulzugangs beruflich qualifizierter Bewerber(innen) werden nach einem Jahr erfolgreichen Studiums zum Zwecke des Weiterstudiums im entsprechenden oder fachlich verwandten Studiengang anerkannt.

(Stand: Februar 2016)

Daten-Monitoring

 

In den Jahren 2002 und 2007 konnte für die Daten zum Studium ohne Abitur in Schleswig-Holstein eine Untererfassung festgestellt werden. Für die Zahlen aus den Jahren 2010 bis 2014 gibt es dafür keine Anhaltspunkte mehr. Bis zum Jahr 2011 zeigte sich in der Langfristperspektive ein positiver Trend beim Anteil der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. Nachdem die Quote 2012 mit 1,58 Prozent sowohl unter dem Wert von 2011 als auch unter dem Bundesdurchschnitt lag, gab es 2013 und 2014 erneut leichte Rückgänge. Mit einer Quote von 1,39 Prozent belegt Schleswig-Holstein im Bundesländervergleich nunmehr den elften Platz. Ähnlich sieht es bei den Anteilen der beruflich qualifizierten Studierenden und Absolvent(inn)en in Höhe von 1,01 Prozent und 0,69 Prozent aus. Beide Werte liegen unterhalb des Bundesdurchschnitts, trotz einer deutlichen Steigerung des Anteils der Absolvent(inn)en in 2014. Im Bundesländervergleich bewegt sich Schleswig-Holstein in diesen beiden Kategorien im unteren Drittel.