Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt hat vor geraumer Zeit den Hochschulzugang für Personen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife erleichtert. Bislang fanden hier dennoch wenig beruflich Qualifizierte den Weg ins Studium. Jedoch scheint sich in den vergangenen zwei Jahren ein Aufwärtstrend anzukündigen. Sachsen-Anhalt steigert nicht nur erneut seine Studienanfänger(innen)quote, sondern weist 2017 auch einen enormen Anstieg an Studienabsolvent(inn)en ohne Abitur auf. Damit liegen die Anteile aller Personengruppen ohne (Fach-)Abitur in Sachsen-Anhalt über der Ein-Prozent-Marke. Einzigartig im Vergleich zu den anderen Bundesländern ist zudem, dass die Quote der Absolvent(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an Hochschulen in Sachsen-Anhalt auf einem fast gleichen Niveau mit den Studienanfänger(innen)- und  Studierendenquoten liegt. Sachsen-Anhalt schneidet im Bundesvergleich insgesamt weiterhin unterdurchschnittlich ab und weist, ähnlich wie Sachsen, einen vergeichweise hohen Anteil an Begaptenprüfungen unter den Studienanfänger(inne)n ohne Abitur auf. 


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Mindestens Realschulabschluss oder gleichgestellter Abschluss
Berufsabschluss
Berufserfahrung (3 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 2 Nr. 13 HSQ-VO: Folgende Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung sind der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt, sofern ihnen eine mindestens zweijährige anerkannte und erfolgreich abgeschlossene berufliche Ausbildung voranging: Meister(innen) im Handwerk, Fortbildungsabschlüsse nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung (Lehrgänge müssen mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen), vergleichbare Qualifikationen i. S. der Seeleute-Befähigungsverordnung (mind. 400 Unterrichtsstunden umfassend), Abschlüsse von Fachschulen, Abschlüsse einer beruflichen Aufstiegsfortbildung gleichwertigen, mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe. Für letztgenannte Fortbildungsabschlüsse im Gesundheits- und Sozialwesen gilt ferner, dass diese als Voraussetzung mindestens einen Realschulabschluss oder einen gleichwertigen Bildungsabschluss) fordern, auf bundes- oder landesrechtlichen Rechtsvorschriften oder nach den Weiterbildungsempfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft beruhen und sich nicht nur auf einzelne Kenntnisse und Fertigkeiten beziehen.

Auch das Abschlusszeugnis einer Berufsakademie eröffnet den allgemeinen Hochschulzugang (§ 2 Nr. 2 HSQ-VO).

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 27 Abs. 4 HSG LSA: „Besonders befähigte Berufstätige, die aufgrund ihrer Begabung, ihrer Persönlichkeit und ihrer Vorbildung für ein Studium in Frage kommen, aber keine Hochschulreife besitzen, können die für das Studium einer bestimmten Fachrichtung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten durch ein erfolgreiches Ablegen einer Prüfung zur Feststellung der Studienbefähigung nachweisen. Das Nähere regeln die Hochschulen in einer Ordnung. Das Ministerium wird ermächtigt, Rahmenvorschriften für diese Ordnungen durch Rechtsverordnung zu erlassen.“ In der KMK-Synopse vom August 2014 werden die Zulassungsvoraussetzungen für die Feststellungsprüfung näher spezifiziert: mindestens ein Realschulabschluss oder ein gleichgestellter Abschluss, ein Berufsabschluss und eine dreijährige Berufstätigkeit (jeweils in einem fachlich einschlägigen Beruf zum angestrebten Studiengang). Gemäß der Synopse genügen bei Aufstiegsstipendiat(inn)en des Bundes zwei Jahre Berufserfahrung.

 

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 16 Abs. 1 und 2 HSG LSA: Ein weiterbildendes Studium steht auch „Personen offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise nachweisen.“ Ferner wird explizit erwähnt, dass berufspraktische Erfahrungen für die Lehre nutzbar zu machen sind, das Weiterbildungsangebot aus in sich geschlossenen Abschnitten bestehen „und die aus der beruflichen Praxis entstandenen Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigen“ soll. „Weiterbildung kann in eigenen Studiengängen oder einzelnen Studieneinheiten angeboten werden. Weiterbildende Studiengänge können mit einem Hochschulgrad oder einem Zertifikat abgeschlossen werden.“

§ 27 Abs. 7 HSG LSA: In einen weiterbildenden Masterstudiengängen können auch Personen zugelassen werden, die keinen ersten Hochschulabschluss vorweisen können, aber eine Eignungsprüfung bestehen. „Die Hochschule regelt in einer Ordnung die Eingangsprüfung, die insbesondere die Zugangsvoraussetzungen näher bestimmt. Diese Ordnung bedarf der Genehmigung durch das Ministerium. Die Zugangsvoraussetzungen sind im Rahmen der Akkreditierung zu überprüfen.“

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 15 Abs. 1 und 4 HSG LSA: „In einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) können Studienbewerber oder Studienbewerberinnen mit Hochschulzugangsberechtigung nachweisen, dass sie über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die eine Einstufung in ein höheres Fachsemester rechtfertigen.“ Ferner gilt: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden“. Die Voraussetzungen für den Hochschulzugang müssen erfüllt sein und die anzurechnenden Kenntnisse müssen den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen gleichwertig sein. Höchstens 50 % des Studiums dürfen ersetzt werden. Kriterien der Anrechnung regeln die Hochschulen in ihren Prüfungsordnungen. „Die Anrechnung setzt die Überprüfung der Kriterien im Rahmen der Akkreditierung voraus.“

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 5 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 4 HVVO bestimmen, dass eine Vorabquote für Bewerber(innen), „die die Hochschulzugangsberechtigung für einen Studiengang durch eine Feststellungsprüfung im Land Sachsen-Anhalt erworben haben“ (§ 5 Abs. 4 HVVO), gebildet wird. Zu dem Personenkreis zählen besonders befähigte berufstätige Bewerber(innen), welche keine Hochschulreife besitzen, aber „[…] die für das Studium einer bestimmten Fachrichtung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten durch ein erfolgreiches Ablegen […]“ (§ 27 Abs. 4 Satz 1 HSG LSA) der Feststellungsprüfung nachweisen. Die Höhe dieser Vorabquote richtet sich nach „dem Anteil des Personenkreises an der Gesamtzahl der Bewerberinnen und Bewerber“ (§ 5 Abs. 4 HVVO). In der Quote muss mindestens ein Studienplatz zu Verfügung gestellt werden (§ 5 Abs. 2 HVVO).

Die Studienplätze werden nach dem Ergebnis der Feststellungsprüfung gemäß § 13 HVVO vergeben. „Die Rangfolge wird durch die in der Feststellungsprüfung erreichte Gesamtnote bestimmt“ (§ 13 Abs. 2 HVVO).

Nach dem Auswahlverfahren frei bleibende Studienplätze werden der Quote des Hochschulauswahlverfahrens zugewiesen (§ 5 Abs. 5 HVVO und Abs. 6 Nr. 3 HVVO).

(Stand: April 2019)


Daten-Monitoring

 

Nach dem starken Aufschwung der Studienanfänger(innen) ohne schulische HZB im Vorjahr kann Sachsen-Anhalt hier auch 2017 wieder einen Anstieg verzeichnen. Der Anteil liegt somit aktuell bei 1,37 Prozent und hat sich seit 2015 fast verdoppelt. Trotz der anhaltenden Positiventwicklung in diesem Berichtsjahr verliert das Bundesland im Ländervergleich einen Platz und liegt nun auf dem 15. Rang. Im Bereich der Studierenden ohne Hochschul- und Fachhochschulreife liegt der Anteil bei 1,37 Prozent und somit marginal unter dem Höchstwert von 2016. Trotzdem kann Sachsen-Anhalt den 11. Rang im bundesweiten Vergleich halten. Ähnlich wie in Sachsen fällt auch in Sachsen-Anhalts Entwicklung beim Studium ohne (Fach-)Abitur der hohe Anteil von rund 30 Prozent an Personen ohne schulische HZB, die einen Hochschulzugang über eine Eignungs- oder Begabtenprüfung erhalten haben, seit der Änderung der HZB-Systematik in der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes (siehe Informationen zu den verwendeten Daten) seit dem Berichtsjahr 2016 besonders ins Gewicht und sollten bei der Interpretation der genannten Entwicklungen im Bundesland berücksichtigt werden. Die Absolvent(inn)enquote steigt mit 0,37 Prozentpunkten Plus in 2017 ebenfalls stark an und erreicht mit einem Niveau von 1,32 Prozent den bisherigen Höchstwert in Sachsen-Anhalt. Dennoch bleibt das Bundesland damit auch weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt von 1,62 Prozent und fällt im Ländervergleich auf den 10. Rang zurück. Insgesamt liegt Sachsen-Anhalt eher in der unteren Mittelbereich beim Studium ohne Abitur, jedoch zeichnen sich bei allen Personengruppen positive Zukunftsentwicklungen ab.