Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt hat vor geraumer Zeit den Hochschulzugang für Personen ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife erleichtert. So können sich Personen mit einem Realschulabschluss, einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung nun ohne Eignungsprüfung auf einen Platz in einem Studiengang bewerben, der eine fachliche Nähe zum Beruf aufweist. Die Zahl der Studierenden ohne (Fach-)Abitur erreicht 2019 einen neuen Höchststand in Sachsen-Anhalt. Im Bundesländervergleich kann das Bundesland damit in dieser Kategorie seinen 11. Platz aus dem Vorjahr halten. Die Quote der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur verzeichnet im aktuellen Berichtsjahr einen marginalen Rückgang. Dagegen bleibt der Anteil der Hochschul-absolvent*innen ohne (Fach-)Abitur auf dem Vorjahresniveau. In beiden Kategorien gehört Sachsen-Anhalt im Bundesländervergleich zum unteren Drittel und schneidet insgesamt weiterhin unterdurchschnittlich ab.

 

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

In § 2 Nr. 13 HSQ-VO wird die Gleichwertigkeit mit der allgemeinen Hochschulreife für folgende Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung festgestellt, sofern ihr eine mind. zweijährige anerkannte und erfolgreich abgeschlossene berufliche Ausbildung voranging:

  • Meister*innen im Handwerk,
  • Fortbildungsabschlüsse i. S. des Berufsbildungsgesetzes (§§ 53, 54) und der Handwerksordnung (§§ 42, 42a) sowie Fortbildungsabschlüsse von Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien, sofern die Lehrgänge mind. 400 Unterrichtsstunden umfassen,
  • vergleichbare Qualifikationen i. S. der Seeleute-Befähigungsverordnung (staatliche Befähigungszeugnisse für den nautischen oder technischen Schiffsdienst),
  • Abschlüsse von Fachschulen,
  • Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung vergleichbaren Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe, die als Voraussetzung mindestens einen Realschulabschluss oder einen als gleichwertig anerkannten Bildungsabschluss, eine abgeschlossene mind. zweijährige berufliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf fordern, auf bundes- oder landesrechtlichen Rechtsvorschriften beruhen, mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen und sich nicht nur auf einzelne Kenntnisse und Fertigkeiten beziehen.

Auch das Abschlusszeugnis einer Berufsakademie eröffnet den allgemeinen Hochschulzugang (§ 2 Nr. 2 HSQ-VO).

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 27 Abs. 4 HSG LSA: Beruflich Qualifizeirte können nach erfolgreich abgeschlossener zweijähriger Berufsausbildung und entsprechender dreijähriger Berufspraxis  ein Probestudium aufnehmen. Nach dessen Ablauf entscheidet die Hochschule anhand der erbrachten Leistungen über das Bestehen des Probestudiums und die Einstufung in ein Fachsemester. Die während des Probestudiums erbrachten Studien- und Prüfungsleistungen sind anzuerkennen. Näheres regeln die Hochschulen in einer Ordnung.

§ 27 Abs. 5 HSG LSA: „Beruflich Qualifizierte ohne Hochschulzugangsberechtigung, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und mindestens drei Jahre hauptberuflich tätig waren, berechtigt zum Studium in einem bestimmten Studiengang auch das Bestehen einer Eingangsprüfung." Näheres regeln die Hochschulen in einer Ordnung.

 

Zugangsvoraussetzungen zum Probestudium

§ 27 Abs. 4 HSG LSA: „Beruflich Qualifizierte ohne Hochschulzugangsberechtigung, die über eine durch Bundes- oder Landesrecht geregelte und erfolgreich abgeschlossene mindestens zweijährige Berufsausbildung in einem zum angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich verfügen und eine mindestens dreijährige hauptberufliche Berufspraxis in einem zum angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich nachweisen, können auf Probe ein Studium aufnehmen. Nach Ablauf des Probestudiums entscheidet die Hochschule anhand der während des Probestudiums erbrachten Leistungen über das Bestehen des Probestudiums und die Einstufung in ein Fachsemester [...]. Das Nähere zu dem Probestudium, insbesondere die Dauer des Probestudiums, die Zugangsvoraussetzungen und die während des Probestudiums zu erbringenden Studien- und Prüfungsleistungen, regeln die Hochschulen in einer Ordnung."

 

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 27 Abs. 8 HSG LSA: „Voraussetzung für die Zulassung in einem Masterstudiengang an einer Hochschule ist der Nachweis eines Bachelorabschlusses, eines Hochschuldiploms oder eines vergleichbaren Abschlusses einer staatlichen oder staatlich anerkannten Berufsakademie, eines Magisterstudienganges oder eines mit einer staatlichen oder kirchlichen Prüfung abgeschlossenen Studienganges.“ Für den Zugang zu weiterbildenden und künstlerischen Masterstudiengängen kann anstelle eines Abschlusses auch eine Eingangsprüfung treten.

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 15 Abs. 1 und 4 HSG LSA: „In einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) können Studienbewerber oder Studienbewerberinnen mit Hochschulzugangsberechtigung nachweisen, dass sie über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die eine Einstufung in ein höheres Fachsemester rechtfertigen.“ Ferner gilt: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden“. Die Voraussetzungen für den Hochschulzugang müssen erfüllt sein und die anzurechnenden Kenntnisse müssen den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen gleichwertig sein. Höchstens 50 % des Studiums dürfen ersetzt werden. Kriterien der Anrechnung regeln die Hochschulen in ihren Prüfungsordnungen. „Die Anrechnung setzt die Überprüfung der Kriterien im Rahmen der Akkreditierung voraus.“

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 28 Abs. 4 VergabeVST 2019 bestimmt, dass eine Vorabquote „nach dem Ergebnis einer Feststellungsprüfung" für Bewerber*innen, „die die Hochschulzugangsberechtigung für einen Studiengang durch eine Feststellungsprüfung im Land Sachsen-Anhalt erworben haben", gebildet wird. Diese wird von der Hochschule nach dem Anteil des Personenkreises an der Gesamtzahl der Bewerber*innen ermittelt.

Die Studienplätze werden nach dem Ergebnis der Feststellungsprüfung gemäß § 34 VergabeV ST 2019 vergeben. „Die Rangfolge wird durch die in der Feststellungsprüfung erreichte Gesamtnote bestimmt“ (§ 34 Abs. 2 VergabeVST 2019).

Sofern nach dem Abschluss des Vergabeverfahrens noch Studienplätze verfügbar sind, entscheidet ein Losverfahren über die Zulassung (§ 43 Abs. 1 VergabeVST 2019).

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Die quantitative Entwicklung des Studiums ohne Abitur ist in Sachsen-Anhalt sehr wechselhaft. Nach einem Einbruch der Quoten im Jahr 2015 steigen die Werte jedoch aktuell wieder an und erreichen im Berichtsjahr 2019 bei den Studierenden sogar neue Spitzenwerte. Der Anteil der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an allen Studierenden liegt im Bundesland bei 1,56 Prozent. Das entspricht einer Steigerung von 0,04 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Ländervergleich bleibt Sachsen-Anhalt hier auf Platz 11.

Beim Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur ist ein kleiner Rückgang in Höhe von 0,05 Prozent zu verzeichnen, sodass die Quote aktuell 1,74 Prozent beträgt. In dieser Kategorie fällt das Bundesland um einen Platz auf Rang 12 zurück. Dieselbe Platzierung erreicht auch der Anteil der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur. Hier gibt es im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderungen, sowohl in der Rangfolge als auch in der Quote. Diese liegt unverändert bei 1,23 Prozent. Insgesamt bleibt Sachsen-Anhalt mit seinen Werten unter dem Bundesdurchschnitt.