Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt hat vor geraumer Zeit den Hochschulzugang für Personen ohne Abitur und Fachhochschulreife erleichtert. Noch finden hier allerdings nur wenige beruflich Qualifizierte den Weg ins Studium. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung eher niedrig einzustufen.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Mindestens Realschulabschluss
Berufsabschluss
Berufserfahrung (3 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 2 Nr. 13 HSQ-VO: Folgende Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung sind der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt: Meister(innen) im Handwerk, Fortbildungsabschlüsse nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung (Lehrgänge müssen mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen), vergleichbare Qualifikationen i. S. des Seemannsgesetzes, Abschlüsse von Fachschulen, Abschlüsse einer beruflichen Aufstiegsfortbildung gleichwertigen, mindestens 720 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe. Für letztgenannte Fortbildungsabschlüsse im Gesundheits- und Sozialwesen gilt ferner, dass diese als Voraussetzung mindestens einen Realschulabschluss (oder einen gleichwertigen Bildungsabschluss), eine abgeschlossene mindestens zweijährige berufliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf fordern, auf bundes- oder landesrechtlichen Rechtsvorschriften beruhen und sich nicht nur auf einzelne Kenntnisse und Fertigkeiten beziehen.

Auch das Abschlusszeugnis einer Berufsakademie eröffnet den allgemeinen Hochschulzugang (§ 2 Nr. 2 HSQ-VO).

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 27 Abs. 4 HSG LSA: „Besonders befähigte Berufstätige, die aufgrund ihrer Begabung, ihrer Persönlichkeit und ihrer Vorbildung für ein Studium in Frage kommen, aber keine Hochschulreife besitzen, können die für das Studium einer bestimmten Fachrichtung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten durch ein erfolgreiches Ablegen einer Prüfung zur Feststellung der Studienbefähigung nachweisen. Das Nähere regeln die Hochschulen in einer Ordnung. Das Ministerium wird ermächtigt, Rahmenvorschriften für diese Ordnungen durch Rechtsverordnung zu erlassen.“ In der KMK-Synopse vom Juli 2011 werden die Zulassungsvoraussetzungen für die Feststellungsprüfung näher spezifiziert: mindestens ein Realschulabschluss oder ein gleichgestellter Abschluss, ein Berufsabschluss und eine dreijährige Berufstätigkeit (jeweils in einem fachlich einschlägigen Beruf zum angestrebten Studiengang). Gemäß der Synopse genügen bei Aufstiegsstipendiat(inn)en des Bundes zwei Jahre Berufserfahrung.

Zulassung in weiterbildende Studiengänge

§ 16 Abs. 1 und 2 HSG LSA: Ein weiterbildendes Studium steht auch „Personen offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise nachweisen.“ Ferner wird explizit erwähnt, dass berufspraktische Erfahrungen für die Lehre nutzbar zu machen sind, das Weiterbildungsangebot aus in sich geschlossenen Abschnitten bestehen „und die aus der beruflichen Praxis entstandenen Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigen“ soll. „Weiterbildung kann in eigenen Studiengängen oder einzelnen Studieneinheiten angeboten werden. Weiterbildende Studiengänge können mit einem Hochschulgrad oder einem Zertifikat abgeschlossen werden.“

§ 27 Abs. 7 HSG LSA: In einen weiterbildenden Masterstudiengängen können auch Personen zugelassen werden, die keinen ersten Hochschulabschluss vorweisen können, aber eine Eignungsprüfung bestehen. „Die Hochschule regelt in einer Ordnung die Eingangsprüfung, die insbesondere die Zugangsvoraussetzungen näher bestimmt. Diese Ordnung bedarf der Genehmigung durch das Ministerium. Die Zugangsvoraussetzungen sind im Rahmen der Akkreditierung zu überprüfen.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 15 Abs. 1 und 4 HSG LSA: „In einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) können Studienbewerber oder Studienbewerberinnen mit Hochschulzugangsberechtigung nachweisen, dass sie über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die eine Einstufung in ein höheres Fachsemester rechtfertigen.“ Ferner gilt: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden“. Die Voraussetzungen für den Hochschulzugang müssen erfüllt sein und die anzurechnenden Kenntnisse müssen den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen gleichwertig sein. Höchstens 50 % des Studiums dürfen ersetzt werden. Kriterien der Anrechnung regeln die Hochschulen in ihren Prüfungsordnungen. „Die Anrechnung setzt die Überprüfung der Kriterien im Rahmen der Akkreditierung voraus.“

(Stand: März 2014)

Daten-Monitoring

In Sachsen-Anhalt geht der Trend beim Studium ohne Abitur und Fachhochschulreife nach einem Einbruch im Jahr 2007 wieder leicht nach oben. Dennoch liegt der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife mit aktuell 1,19 % weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Im Bundesländervergleich belegt Sachsen-Anhalt in dieser Kategorie den zwölften Platz. Ähnlich sieht es bei der Quote der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) aus. So bewegt sich diese mit 0,99 % ebenfalls deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts, womit Sachsen-Anhalt den elften Platz belegt. Oberhalb des Bundesdurchschnitts liegt hingegen der Anteil von 1,01 % Hochschulabsolvent(inn)en ohne schulische HZB. Hier rangiert Sachsen-Anhalt im Bundesländervergleich auf dem siebten Platz.