Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt hat vor geraumer Zeit den Hochschulzugang für Personen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife erleichtert. Bislang fanden hier dennoch wenig beruflich Qualifizierte den Weg ins Studium. Jedoch scheint sich im diesen Jahr ein Aufwärtstrend anzukündigen. Sachsen-Anhalt kann seine Anteile in allen Quoten erheblich steigern. Vor allem die Steigerung der Anteile der Studienanfänger(innen) und Studierenden ohne schulische HZB ist enorm, sodass beide Quoten erstmals die Ein-Prozent-Marke knacken. Auch der Anteil der Absolvent(inn)en ohne Abitur ist nach dem Negativtrend der letzten zwei Jahre erneut gestiegen. Sachsen-Anhalt schneidet im Bundesvergleich zwar unterdurchschnittlich ab, konnte seine Platzierung in allen Quoten jedoch nach vorne verlagern.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Mindestens Realschulabschluss oder gleichgestellter Abschluss
Berufsabschluss
Berufserfahrung (3 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 2 Nr. 13 HSQ-VO: Folgende Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung sind der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt, sofern ihnen eine mindestens zweijährige anerkannte und erfolgreich abgeschlossene berufliche Ausbildung voranging: Meister(innen) im Handwerk, Fortbildungsabschlüsse nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung (Lehrgänge müssen mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen), vergleichbare Qualifikationen i. S. der Seeleute-Befähigungsverordnung (mind. 400 Unterrichtsstunden umfassend), Abschlüsse von Fachschulen, Abschlüsse einer beruflichen Aufstiegsfortbildung gleichwertigen, mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe. Für letztgenannte Fortbildungsabschlüsse im Gesundheits- und Sozialwesen gilt ferner, dass diese als Voraussetzung mindestens einen Realschulabschluss oder einen gleichwertigen Bildungsabschluss) fordern, auf bundes- oder landesrechtlichen Rechtsvorschriften oder nach den Weiterbildungsempfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft beruhen und sich nicht nur auf einzelne Kenntnisse und Fertigkeiten beziehen.

Auch das Abschlusszeugnis einer Berufsakademie eröffnet den allgemeinen Hochschulzugang (§ 2 Nr. 2 HSQ-VO).

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 27 Abs. 4 HSG LSA: „Besonders befähigte Berufstätige, die aufgrund ihrer Begabung, ihrer Persönlichkeit und ihrer Vorbildung für ein Studium in Frage kommen, aber keine Hochschulreife besitzen, können die für das Studium einer bestimmten Fachrichtung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten durch ein erfolgreiches Ablegen einer Prüfung zur Feststellung der Studienbefähigung nachweisen. Das Nähere regeln die Hochschulen in einer Ordnung. Das Ministerium wird ermächtigt, Rahmenvorschriften für diese Ordnungen durch Rechtsverordnung zu erlassen.“ In der KMK-Synopse vom August 2014 werden die Zulassungsvoraussetzungen für die Feststellungsprüfung näher spezifiziert: mindestens ein Realschulabschluss oder ein gleichgestellter Abschluss, ein Berufsabschluss und eine dreijährige Berufstätigkeit (jeweils in einem fachlich einschlägigen Beruf zum angestrebten Studiengang). Gemäß der Synopse genügen bei Aufstiegsstipendiat(inn)en des Bundes zwei Jahre Berufserfahrung.

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 16 Abs. 1 und 2 HSG LSA: Ein weiterbildendes Studium steht auch „Personen offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise nachweisen.“ Ferner wird explizit erwähnt, dass berufspraktische Erfahrungen für die Lehre nutzbar zu machen sind, das Weiterbildungsangebot aus in sich geschlossenen Abschnitten bestehen „und die aus der beruflichen Praxis entstandenen Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigen“ soll. „Weiterbildung kann in eigenen Studiengängen oder einzelnen Studieneinheiten angeboten werden. Weiterbildende Studiengänge können mit einem Hochschulgrad oder einem Zertifikat abgeschlossen werden.“

§ 27 Abs. 7 HSG LSA: In einen weiterbildenden Masterstudiengängen können auch Personen zugelassen werden, die keinen ersten Hochschulabschluss vorweisen können, aber eine Eignungsprüfung bestehen. „Die Hochschule regelt in einer Ordnung die Eingangsprüfung, die insbesondere die Zugangsvoraussetzungen näher bestimmt. Diese Ordnung bedarf der Genehmigung durch das Ministerium. Die Zugangsvoraussetzungen sind im Rahmen der Akkreditierung zu überprüfen.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 15 Abs. 1 und 4 HSG LSA: „In einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) können Studienbewerber oder Studienbewerberinnen mit Hochschulzugangsberechtigung nachweisen, dass sie über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die eine Einstufung in ein höheres Fachsemester rechtfertigen.“ Ferner gilt: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden“. Die Voraussetzungen für den Hochschulzugang müssen erfüllt sein und die anzurechnenden Kenntnisse müssen den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen gleichwertig sein. Höchstens 50 % des Studiums dürfen ersetzt werden. Kriterien der Anrechnung regeln die Hochschulen in ihren Prüfungsordnungen. „Die Anrechnung setzt die Überprüfung der Kriterien im Rahmen der Akkreditierung voraus.“

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 5 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 4 HVVO bestimmen, dass eine Vorabquote für Bewerber(innen), „die die Hochschulzugangsberechtigung für einen Studiengang durch eine Feststellungsprüfung im Land Sachsen-Anhalt erworben haben“ (§ 5 Abs. 4 HVVO), gebildet wird. Zu dem Personenkreis zählen besonders befähigte berufstätige Bewerber(innen), welche keine Hochschulreife besitzen, aber „[…] die für das Studium einer bestimmten Fachrichtung erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten durch ein erfolgreiches Ablegen […]“ (§ 27 Abs. 4 Satz 1 HSG LSA) der Feststellungsprüfung nachweisen. Die Höhe dieser Vorabquote richtet sich nach „dem Anteil des Personenkreises an der Gesamtzahl der Bewerberinnen und Bewerber“ (§ 5 Abs. 4 HVVO). In der Quote muss mindestens ein Studienplatz zu Verfügung gestellt werden (§ 5 Abs. 2 HVVO).

Die Studienplätze werden nach dem Ergebnis der Feststellungsprüfung gemäß § 13 HVVO vergeben. „Die Rangfolge wird durch die in der Feststellungsprüfung erreichte Gesamtnote bestimmt“ (§ 13 Abs. 2 HVVO).

Nach dem Auswahlverfahren frei bleibende Studienplätze werden der Quote des Hochschulauswahlverfahrens zugewiesen (§ 5 Abs. 5 HVVO und Abs. 6 Nr. 3 HVVO).

(Stand: März 2018)

Daten-Monitoring

 

Nach dem zweijährigen Abwärtstrend insbesondere in Bezug auf die Gruppe der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul-und Fachhochschulreife in Sachsen-Anhalt ist 2016 seitdem erstmals wieder ein starker Aufschwung erkennbar. Lag die Quote der Studienanfänger(innen) 2015 noch bei 0,78 Prozent, so kann sie sich 2016 um 0,51 Prozentpunkte auf 1,29 Prozent steigern. Zwar liegt das Bundesland damit immer noch unter dem Bundesdurchschnitt von 2,58 Prozent, jedoch nicht mehr auf dem letzten sondern auf dem 14. Rang. Auch im Bereich der Studierenden ohne schulische HZB zeichnet sich ein rasanter Aufschwung ab. Lag die Quote 2015 noch bei 0,97 Prozent, so liegt sie 2016 bei 1,39 Prozent, womit Sachsen-Anhalt im Länderranking zwei Plätze aufsteigt auf den jetzigen 11. Platz. Ähnlich wie auch in manchen anderen Bundesländern fallen auch bei den Entwicklungen der Studienanfänger(innen) sowie der Studierenden ohne Abitur in Sachen-Anhalt bei näherer Betrachtung die Begabtenprüfungen besonders ins Gewicht. Diese müssen aufgrund der geänderten HZB-Systematik bei den Daten des Statistischen Bundesamtes (siehe Informationen zu den verwendeten Daten) bei der Interpretation der genannten Entwicklungen beim Studium ohne schulische HZB im Bundesland berücksichtigt werden. Die Absolvent(inn)enquote steigt nur gering um 0,11 Prozentpunkte auf 0,95 Prozent. Sachsen-Anhalt liegt damit auch in dieser Kategorie unter dem Bundesdurchschnitt von 1,46 Prozent, kann sich aber trotzdem vom 12. auf den 9. Rang verbessern. Insgesamt gehört Sachsen-Anhalt zwar immer noch zu den Schlusslichtern, jedoch zeichnen sich in allen Personengruppen positive Entwicklungen ab.