Sachsen

Die Zugangsregelungen für das Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife waren in Sachsen lange Zeit vergleichsweise restriktiv. Im Januar 2013 traten jedoch Neuregelungen in Kraft mit der Folge, dass sich die Voraussetzungen nun nicht mehr so deutlich von anderen Bundesländern unterscheiden. Zusätzlich ist im Februar 2017 erstmals eine Vorabquote in Höhe von bis zu 20 Prozent eingeführt worden, die u.a. auch Studienbewerber(innen) ohne Abitur einbezieht. Möglicherweise sind diese Faktoren der Grund für das extreme Wachstum der Anteile der beruflich Qualifizierten an sächsischen Universitäten und Fachhochschulen. Die Quote der Studienanfänger(innen) ohne Abitur konnte erneut gesteigert werden und ist nun mehr als dreimal so hoch wie noch vor zwei Jahren. Herausstechend ist aber vor allem die Quote der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB). Innerhalb eines Jahres konnte sich der Anteil mehr als verdoppeln. Lediglich der Anteil der Absolvent(inn)en ohne schulische HZB ist leicht gefallen. Diese insgesamt positive Entwicklung hat Sachsen im bundesweiten Vergleich bereits in diesem Jahr erneut bessere Platzierungen gebracht. Es bleibt abzuwarten, ob das Bundesland seine Anteile weiter steigern kann und somit bald die hinteren Ränge vollends verlässt.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)
Berufspraxis im erlernten Beruf (3 Jahre)
Beratungsgespräch
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Laut § 17 Abs. 3 SächsHSFG besitzen nach einem Beratungsgespräch folgende Abschlüsse einer beruflichen Aufstiegsfortbildung eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung: die Meisterprüfung, ein Fortbildungsabschluss auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (§§ 53, 54) oder der Handwerksordnung (§§ 42, 42a) mit mindestens 400 Stunden, ein staatliches Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, ein Fachschulabschluss entsprechend der Rahmenvereinbarung über Fachschulen, ein vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsabschluss für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Nach § 17 Abs. 4 SächsHSFG besitzen auch andere berufliche Fortbildungsabschlüsse die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung, wenn sie durch die Hochschule als gleichwertig anerkannt sind. Voraussetzungen für die Anerkennung der beruflichen Fortbildung sind: Die berufliche Fortbildung baut auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung auf, beinhaltet eine Aufstiegsfortbildung, umfasst mindestens 400 Unterrichtsstunden und entspricht in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung. Nach § 17 Abs. 4 gilt gleiches auch für "Fortbildungen, die an staatlichen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien angeboten werden und in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung entsprechen".

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 17 Abs. 5 SächsHSFG: "Beruflich Qualifizierte, die eine mindestens zweijährige staatlich geregelte Berufsausbildung abgeschlossen haben und über eine dreijährige Berufserfahrung im erlernten Beruf verfügen sowie ein Beratungsgespräch an der Hochschule, an der ein Studium begonnen werden soll, wahrgenommen haben, verfügen über die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung, sofern sie die entsprechende Hochschulzugangsprüfung dieser Hochschule bestanden haben."

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

§ 17 Abs. 6 SächsHSFG: "Die Anforderungen an die Hochschulzugangsprüfung sind so zu gestalten, dass deren Bestehen die grundsätzliche Befähigung des Bewerbers nachweist, das Studium nach Maßgabe der Studien- und Prüfungsordnung innerhalb der Regelstudienzeit erfolgreich abzuschließen. Sie besteht aus einem mündlichen und schriftlichen Teil. Das Nähere, insbesondere Form, Inhalt und Umfang der zu erbringenden Prüfungsleistungen, die Bewertungskriterien, die Zusammensetzung der Prüfungskommission, das Verfahren bei Unregelmäßigkeiten während der Prüfung und die Wiederholbarkeit der Prüfung regeln die Hochschulen durch Ordnung."

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 38 Abs. 2 SächsHSFG: "Weiterbildende Studiengänge setzen einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss voraus und führen nach Maßgabe verbindlicher Studien- und Prüfungsordnungen zu einem weiteren berufsqualifizierenden Abschluss. Weiterbildende Masterstudiengänge setzen eine berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr voraus. Weiterbildende Studiengänge können auch als Fernstudiengänge angeboten werden."

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 34 Abs. 1 Nr. 10 SächsHSFG: Die Prüfungsordnungen der Hochschulen müssen "die Anrechnung von außerhalb des Studiums erworbenen Qualifikationen" regeln, "soweit diese Teilen des Studiums nach Inhalt und Anforderung gleichwertig sind und diese damit ersetzen können".

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 17 Abs. 7 SächsHSFG: Nach einem Studium von zwei Semestern an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule und dem Erbringen der geforderten Leistungsnachweise, besitzen beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung die Hochschulzugangsberechtigung zum Zwecke des Weiterstudiums im gleichen oder entsprechenden Fach.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Die Gesetzeslage in Sachsen sieht keine Vorabquoten oder spezielle Auswahlverfahren für Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.

(Stand: März 2018)

Daten-Monitoring

 

Nachdem es in Sachsen bis 2014 eher leicht wechselhafte Entwicklungen gab, scheint seit 2015 ein regelrechter Boom im Bereich des Studiums ohne schulische HZB zu herrschen. So konnte sich die Quote der Studienanfänger(innen) ohne Abitur seit 2014 mehr als verdreifachen, sodass sie nun bei 1,44 Prozent liegt. Im bundesweiten Vergleich ist Sachsen damit das zweite Jahr in Folge das Bundesland mit der stärksten Wachstumsrate der Studienanfänger(innen). Diese Entwicklung sorgt dafür, dass Sachsen nun nicht mehr auf dem 13., sondern auf dem 11. Platz im Vergleich der Bundesländer bei dieser Personengruppe des Studiums ohne Abitur rangiert. Auch hier wird jedoch bei näherer Betrachtung der hochschulspezifischen Zahlen in Sachsen deutlich, dass insbesondere die Zahlen der Begabtenprüfungen einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag dazu leisten und deshalb auch in Sachsens Entwicklung beim Studium ohne Abitur die Änderungen der HZB-Systematik in der Hochschulstatistik (siehe Informationen zu den verwendeten Daten) besonders zu berücksichtigen sind. Die Zahlen der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung weisen ein ähnlich exponentielles Wachstum auf. So kann Sachsen seinen Anteil innerhalb nur eines Jahres knapp verdoppeln und überschreitet in dieser Kategorie erstmals die Ein-Prozent-Grenze. Doch auch hier fallen insbesondere starke Sprünge bei den Zahlen der Begabtenprüfungen bei den Musik- und Kunsthochschulen auf. Dennoch liegt Sachsen hier weiterhin unter Bundesdurchschnitt und rangiert auf dem 14. Platz. Im Bereich der Absolvent(inn)enquote ist ein marginaler Abwärtstrend zu erkennen. Laut aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts fällt der Anteil um 0,05 Prozentpunkte auf aktuell 0,26 Prozent. Jedoch ist dieser Trend durch die niedrigen Studienanfänger(innen)- sowie Studierendenquoten der letzten Jahre erklärbar. Eine Steigerung in dieser Kategorie ist wohl erst in den nächsten Jahren zu erwarten, sodass Sachsen hier nur den vorletzten Platz belegen kann.