Saarland

Vor geraumer Zeit hat das Saarland seine gesetzlichen Regelungen für den Hochschulzugang ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife ausgeweitet. Auch wenn sich das Land hinsichtlich seiner Anteile beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) in jüngster Zeit gesteigert und im Bundesländervergleich aktuell sogar um zwei Positionen auf den 13. Platz verbessert hat, erfolgt diese Entwicklung auf einem sehr niedrigen Niveau. Insgesamt nähert sich das Saarland mit seiner Studienanfänger(innen)quote langsam dem unteren Mittelfeld in Deutschland an, gehört aber bei den Anteilen der Studierenden und Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung nach wie vor zu den Schlusslichtern. Bemerkenswert ist, dass 2014 überhaupt nur zwei saarländische Hochschulen beruflich Qualifizierte zum Studium zugelassen haben (Näheres dazu finden Sie hier).

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich einschlägige Berufsausbildung (2 Jahre)

Fachlich einschlägige Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja (kann durch Zwischenprüfung ersetzt werden)
Probestudium möglich:
Ja (Voraussetzung: Beratung durch Hochschule)

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Folgende Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung besitzen eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung: Meister(innen) nach Handwerksordnung, Inhaber(innen) von mindestens 400 Stunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen im Sinne der §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes und §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung, Inhaber(innen) vergleichbarer Qualifikationen i. S. des Seemannsgesetzes, Inhaber(innen) von Abschlüssen von Fachschulen, Inhaber(innen) von mindestens 400 Stunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen für Berufe im Gesundheitswesen und im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe (§ 69 Abs. 2 UG/§ 65 Abs. 2 FhG/§ 2a QVOU).

§ 7 Abs. 2 QVOU: „Zum Studium aller Studiengänge an der Universität des Saarlandes sind auch Inhaber einer fachgebundenen Hochschulreife berechtigt, die auf Grund dieser Qualifikation zu einem Studiengang an einer wissenschaftlichen Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland außerhalb des Saarlandes zugelassen wurden und diesen Studiengang mit einer Hochschulprüfung oder einer staatlichen Prüfung ordnungsgemäß abgeschlossen haben.“

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 69 Abs. 4 UG/§ 65 Abs. 6 FhG/§§ 1 und 2 Verordnung über die Studienberechtigung: Nach mindestens zweijähriger anerkannter und fachlich einschlägiger Berufsausbildung und einer in der Regel mindestens dreijährigen hauptberuflichen Tätigkeit in diesem oder einem verwandten Beruf und dem Nachweis von deutschen Sprachkenntnissen erhält man eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für Universitäten und Fachhochschulen, wenn eine Hochschulzugangsprüfung mit Erfolg abgelegt wird. Alternativ kann eine Eignungsfeststellung im Anschluss an ein Probestudium von mindestens zwei und höchstens vier Semestern erfolgen. Dem Antrag auf Zulassung zur Hochschulzugangsprüfung oder zur Aufnahme eines Probestudiums muss eine umfassende Beratung durch die Hochschule vorausgehen. An die Stelle einer Eignungsfeststellung kann auch eine Zwischenprüfung treten. Über die Studienberechtigung entscheidet die Hochschule und bildet zur Abnahme der Hochschulzugangsprüfung und zur Entscheidung über die Zulassung zum Probestudium eine Kommission.

Es genügt eine mindestens zweijährige hauptberufliche Tätigkeit bei Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendiums des Bundes, bei Bestehen der Berufsabschlussprüfung mit mindestens 87 Punkten bzw. einem Notendurchschnitt von mindestens 1,9 oder einer besonders erfolgreicher „Teilnahme an einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb“ (§ 2 Abs. 2 Verordnung über die Studienberechtigung). Pflege- und Betreuungszeiten können mit bis zu einem Jahr als hauptberufliche Tätigkeit angerechnet werden (§ 2 Abs. 3 Verordnung über die Studienberechtigung). Teilzeitbeschäftigung von mindestens 50 % der durchschnittlichen regelmäßigen Arbeitszeit eines/r Vollzeitbeschäftigten gilt als hauptberufliche Tätigkeit (§ 2 Abs. 4 der Verordnung über die Studienberechtigung).

Wesen und Inhalte der Prüfung und des Probestudiums:

§§ 3 bis 9 der Verordnung über die Studienberechtigung regeln u. a. das Zulassungsverfahren und die Dauer des Probestudiums, die Zusammensetzung der von der Hochschule einzurichtenden Kommission sowie Gegenstand und Durchführung der Hochschulzugangsprüfung.

Sonstige Berechtigungen:

  • § 5 QVOU: Inhaber(innen) eines Abschlusszeugnisses der Akademie für Arbeit und Sozialwesen des Saarlandes sind zur Aufnahme eines Studiums der Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre oder Soziologie berechtigt, sofern in der Abschlussprüfung mindestens die Gesamtnote „gut“ erreicht wurde und zusätzliche Unterrichtsveranstaltungen in Mathematik und einer Fremdsprache nachgewiesen werden. Ein Abschlusszeugnis der Berufsakademie nach dem Saarländischen Berufsakademiegesetz berechtigt zum fachgebundenen Studium. Der Nachweis über 60 ECTS in einer unter § 5 genannten Fachrichtung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes berechtigt zum dort aufgelisteten Studium an der Universität des Saarlandes. Alle unter § 5 genannten Inhaber(innen) einer fachgebundenen Hochschulreife können alle Studiengänge an der Universität des Saarlandes studieren, wenn sie aufgrund dieser Qualifikation zu einem wissenschaftlichen Studiengang an der Universität des Saarlandes zugelassen wurden und diesen Studiengang mit einer Hochschulprüfung oder einer staatlichen Prüfung ordnungsgemäß abgeschlossen haben (§ 4 QVOU).
  • § 69 Abs. 3 UG: Bewerber(innen) besitzen die fachgebundene Hochschulreife, wenn sie ein Grundstudium in einem Fachhochschulstudiengang, in einem gestuften Studiengang an einer Universität oder einen vergleichbaren Studienabschnitt abgeschlossen haben.

Zulassung in weiterbildende Studiengänge

§ 55 Abs. 1 und 2 UG/§ 53 Abs. 1 und 2 FhG: Die Regelungen zum weiterbildenden Studium sind an der Hochschule und der Fachhochschule größtenteils identisch: Das weiterbildende Studium steht auch Bewerber(inne)n offen, die die für das Studium erforderliche Eignung im Beruf erworben haben. Berufspraktische Erfahrungen sollen für die Lehre nutzbar gemacht werden. „Zugangsvoraussetzungen, Organisation und Abschluss weiterbildender Studien können in Ordnungen geregelt werden.“ In § 53 Abs. 1 FhG heißt es noch ergänzend für die Fachhochschule: „Das Lehrangebot für das weiterbildende Studium soll aus in sich geschlossenen Abschnitten bestehen und die aus der beruflichen Praxis entstandenen Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berücksichtigen.“
§ 69 Abs. 5 UG/§ 65 Abs. 5 FhG: „Die Zugangsberechtigung zu weiterführenden Studiengängen und Masterstudiengängen hat, wer hierzu besonders geeignet ist. Der Zugang zu konsekutiven Masterstudiengängen setzt den Bachelorabschluss oder einen äquivalenten Abschluss voraus und ist insbesondere von einer Eignungsprüfung, einem qualifizierten Notendurchschnitt oder anderen geeigneten Verfahren abhängig zu machen."

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 60 Abs. 6 UG/§ 58 Abs. 4 FhG: „Prüfungsordnungen können bestimmen, unter welchen Voraussetzungen außerhalb des Hochschulwesens erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten, soweit sie gleichwertig sind, auf Studien- und Prüfungsleistungen angerechnet werden können. Eine Anrechnung ist nur bis zu einem Anteil von 50 vom Hundert zulässig.“

§ 65 Abs. 3 FhG: „Die Praktikumsordnung kann bestimmen, dass einzelne abgeschlossene Berufsausbildungen, die einen fachlichen Bezug zum gewählten Studiengang aufweisen, teilweise oder voll auf die praktische Vorbildung angerechnet werden.“

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 6 QVOU: Alle Hochschulzugangsberechtigungen anderer Bundesländer berechtigen gemäß den Vereinbarungen der KMK oder bilateralen Vereinbarungen des Saarlandes mit anderen Ländern zum Studium an der Universität des Saarlandes. Die Entscheidung über das Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen trifft das Ministerium für Bildung.
§ 9 QVOU: Landesspezifische Regelungen anderer Bundesländer werden nach einem Jahr erfolgreichen Studiums an einer Hochschule zum Zwecke des Weiterstudiums in dem gleichen oder in einem affinen Studiengang anerkannt (Probestudium wird nicht mitgerechnet).

Sonstiges

§ 80 Abs. 3 UG regelt die Zulassung von beruflich Qualifizierten in staatlich anerkannte Hochschulen in freier Trägerschaft. Die Studienbewerber(innen) müssen folgendes nachweisen: eine mindestens zweijährige Berufsausbildung in einem einschlägig anerkannten Ausbildungsberuf, eine mindestens vierjährige hauptberufliche Tätigkeit in diesem oder einem verwandten Beruf und eine berufliche Weiterbildung. „Die Zulassung erfolgt im Rahmen eines Zulassungsverfahrens, das die Hochschule in freier Trägerschaft mit Zustimmung des Ministeriums für Wirtschaft und Wissenschaft regelt.“

(Stand: März 2016)

Daten-Monitoring

 

Das Saarland gehört beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Deutschland seit Jahren zu den Schlusslichtern. Laut den jüngsten Zahlen ist jedoch eine deutliche Steigerung zu erkennen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Der Anteil von 1,14 Prozent beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) erreicht 2014 zum ersten Mal die 1 Prozent-Marke und lässt das Saarland in dieser Hinsicht vom ehemals vorletzten auf den aktuell 13. Platz im Bundesländervergleich aufsteigen. Hingegen sind die Quoten der Studierenden und Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung noch weit vom Bundesdurchschnitt entfernt, allerdings haben beide an Prozentpunkten zugelegt. Die Absolvent(inn)enquote beträgt nunmehr 0,27 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr auf knapp das Doppelte gewachsen. Die Studierendenquote liegt nach einem Zuwachs von 0,15 Prozentpunkten bei 0,62 Prozent, was allerdings nur für den vorletzten Platz im Bundesländervergleich reicht.