Saarland

Im April 2017 hat das Saarland neue Regelungen bezüglich des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte durchgesetzt. Hierbei entfällt der Hochschulzugang über die Zugangsprüfung. Ein Zugang zum Studium ist also nur noch über das Probestudium möglich. Darüber hinaus ist es nun Voraussetzung, dass das Abschlusszeugnis eines/einer beruflich qualifizierten Bewerbers/Bewerberin mindestens eine Durchschnittsnote von 2,5 aufweisen muss. Inwiefern diese Neuerungen der Berufsqualifikationsverordnung das Studium ohne Abitur im Saarland beeinflussen wird, wird sich wohl erst im Laufe der nächsten Jahre zeigen. In diesem Jahr ist ein Anstieg der Studienanfänger(innen) sowie der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an saarländischen Hochschulen zu verzeichnen, das Bundesland liegt dennoch weit unter dem Bundesdurchschnitt.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich einschlägige Berufsausbildung (mind. 2 Jahre)

Fachlich einschlägige Berufserfahrung (mind. 2 Jahre bei einem qualifizierten Ergebnis der Berufsausbildung)

Erforderliche Sprachkenntnisse für das Studium (mind. 6 jähriger Schulbesuch mit deutscher Unterrichtssprache/ mind. DSH-2)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja (kann durch das Bestehen einer Vor- oder Zwischenprüfung im Probestudium ersetzt werden)
Probestudium möglich:
Ja, obligatorisch (Voraussetzung: Beratung durch Hochschule)

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Folgende Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung besitzen eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung: Meister(innen) nach Handwerksordnung, Inhaber(innen) von mindestens 400 Stunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen im Sinne der §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes und §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung, Inhaber(innen) vergleichbarer Qualifikationen i. S. des Seemannsgesetzes, Inhaber(innen) von Abschlüssen von Fachschulen, Inhaber(innen) von mindestens 400 Stunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen für Berufe im Gesundheitswesen und im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe (§ 77 Abs. 1 bis 3 SHSG/§ 2a QVOU).

§ 7 Abs. 2 QVOU: „Zum Studium aller Studiengänge an der Universität des Saarlandes sind auch Inhaber einer fachgebundenen Hochschulreife berechtigt, die auf Grund dieser Qualifikation zu einem Studiengang an einer wissenschaftlichen Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland außerhalb des Saarlandes zugelassen wurden und diesen Studiengang mit einer Hochschulprüfung oder einer staatlichen Prüfung ordnungsgemäß abgeschlossen haben.“

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 77 Abs. 5 SHSG/ § 2 Abs. 1 Nr. 3 BerufsQualV: Eine fachgebundene Studienberechtigung kann erhalten, wer ein Probestudium mit einer anschließenden positiven Eignungsfeststellung absolviert.

Die Eignungsfeststellung ist in modularisierten Bachelor- und Lehramtsstudiengängen nach zwei Semestern Probestudium sowie 40 erbrachten ECTS-Punkten festzustellen (§ 5 Abs. 3 BerufsQualV). Bei Studiengängen, die mit einer Hochschulprüfung abschließen sowie in den Studiengängen Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin beträgt das Probestudium höchstens vier Semester. Die Eignung ist von der Hochschule festzustellen, wenn das Erbringen von mindestens zwei Dritteln der Studien- oder Prüfungsleistungen nachgewiesen wird. Im Studiengang Pharmazie müssen mindestens zwei Drittel der Unterrichtsstunden, die für die Vor- oder Zwischenprüfung oder für das Grundstudium vorgeschrieben sind, nachgewiesen werden (§ 5 Abs. 4 BerufsQualV). In den Rechtwissenschaften muss das erste Studienjahr erfolgreich abgeschlossen sein. Näheres hierzu regelt die Ausbildungsordnung für Juristen.

An die Stelle der Eignungsfeststellung im Anschluss an ein Probestudium können auch eine Vor- oder Zwischenprüfung oder die Erbringung gleichwertiger Leistungen treten (§ 5 Abs. 5 BerufsQualV).

Über die Zulassung zum Probestudium entscheidet eine spezielle Kommission der Hochschule (§ 4 Abs.1 BerufsQualV).

Zugangsvoraussetzungen zum Probestudium

Ein Probestudiums kann aufnehmen, wer eine Abschlussprüfung mit qualifiziertem Ergebnis in einem einschlägigen anerkannten Ausbildungsberuf mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung abgeschlossen hat und eine anschließende mindestens zweijährige hauptberufliche Tätigkeit in diesem oder einem verwandten Beruf nachweisen kann. „Eine Abschlussprüfung mit qualifiziertem Ergebnis wird durch das Bestehen der Berufsausbildungsabschlussprüfung mit mindestens 80 Punkten oder einer Note von mindestens 2,5 nachgewiesen“ (§ 2 Abs. 2 BerufsQualV).

Außerdem müssen Studieninteressierte ohne schulische HZB neuerdings zudem die erforderlichen Sprachkenntnisse für das Studium nachweisen. Für Deutsch können diese Sprachkenntnisse entweder durch den mindestens sechsjährigen Besuch einer Schule mit deutscher Unterrichtssprache oder durch das Bestehen der Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) mit mindestens dem Gesamtergebnis DSH-2. Alternativ kann auch eine gleichwertige Prüfung erfolgreich abgelegt werden.

Neben den genannten Voraussetzungen müssen beruflich Qualifizierte vor dem Probestudium eine umfassende Beratung durch die Hochschule vorausgehen.

Sonstige Berechtigungen:

  • § 77 Abs. 4 SHSG: „Eine der allgemeinen Hochschulreife entsprechende Qualifikation hat auch, wer ein Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen hat, ohne die allgemeine Hochschulreife zu besitzen. Eine der fachgebundenen Hochschulreife entsprechende Qualifikation hat auch, wer den Nachweis über 60 ECTS-Leistungspunkte in den laut Studien- und Prüfungsordnung für das erste Studienjahr vorgesehenen Pflicht- und Wahlpflichtfächern erbringt.“

  • § 5 QVOU: Inhaber(innen) eines Abschlusszeugnisses der Akademie für Arbeit und Sozialwesen des Saarlandes sind zur Aufnahme eines Studiums der Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre oder Soziologie berechtigt, sofern in der Abschlussprüfung mindestens die Gesamtnote „gut“ erreicht wurde und zusätzliche Unterrichtsveranstaltungen in Mathematik und einer Fremdsprache nachgewiesen werden. Ein Abschlusszeugnis der Berufsakademie nach dem Saarländischen Berufsakademiegesetz berechtigt zum fachgebundenen Studium. Der Nachweis über 60 ECTS in einer unter § 5 genannten Fachrichtung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes berechtigt zum dort aufgelisteten Studium an der Universität des Saarlandes. Alle unter § 5 genannten Inhaber(innen) einer fachgebundenen Hochschulreife können alle Studiengänge an der Universität des Saarlandes studieren, wenn sie aufgrund dieser Qualifikation zu einem wissenschaftlichen Studiengang an der Universität des Saarlandes zugelassen wurden und diesen Studiengang mit einer Hochschulprüfung oder einer staatlichen Prüfung ordnungsgemäß abgeschlossen haben (§ 4 QVOU).

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und sonstigen weiterbildenden Studien

§ 61 Abs. 1 SHSG: Das weiterbildende Studium steht auch Bewerber(inne)n offen, die die für das Studium erforderliche Eignung im Beruf erworben haben. Berufspraktische Erfahrungen sollen für die Lehre nutzbar gemacht werden.

Der Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen steht somit auch Personen offen, die dem Bachelor-Abschluss vergleichbare Kompetenzen in der beruflichen Praxis erworben haben. Diese qualifizierten berufspraktischen Erfahrungen müssen mindestens ein Jahr umfassen und dem für den angestrebten Studiengang einschlägigen ersten Hochschulabschluss entsprechen. Sie werden mittels Eignungsprüfung festgestellt (§ 61 Abs. 4 Satz 3 SHSG). Weiterhin werden die in der Eignungsprüfung nachzuweisenden Kompetenzen in der Prüfungsordnung von der jeweiligen Hochschule festgelegt (§ 61 Abs. 3 Satz 4 bis 6 SHSG).

§ 61 Abs. 5 SHSG: „Zugangsvoraussetzungen, Organisation und Abschluss weiterbildender Studien können in Ordnungen geregelt werden.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 65 Abs. 5 SHSG: „Nachgewiesene gleichwertige Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden, sind bis zur Hälfte der für den Studiengang vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 6 QVOU: Alle Hochschulzugangsberechtigungen anderer Bundesländer berechtigen gemäß den Vereinbarungen der KMK oder bilateralen Vereinbarungen des Saarlandes mit anderen Ländern zum Studium an der Universität des Saarlandes. Die Entscheidung über das Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen trifft das Ministerium für Bildung.

§ 9 QVOU: Landesspezifische Regelungen anderer Bundesländer werden nach einem Jahr erfolgreichen Studiums an einer Hochschule zum Zwecke des Weiterstudiums in dem gleichen oder in einem affinen Studiengang anerkannt (Probestudium wird nicht mitgerechnet).

Quoten, Auswahlverfahren und Vergabe ungenutzter Studienplätze

§ 6 Abs. 2 Nr. 3 der Vergabeverordnung Saarland bestimmt eine Vorabquote in Höhe von maximal 5 Prozent für Bewerber(innen), welche die „Studienberechtigung für die staatlichen Hochschulen des Saarlandes durch besondere berufliche Qualifikation […] durch erfolgreiches Ablegen der Hochschulzugangsprüfung erworben haben oder im Rahmen eines Probestudiums zu erwerben versuchen […]“. Im Rahmen der Quote muss bei ausreichend vorhandenen Studienplätzen mindestens ein Studienplatz zur Verfügung gestellt, wenn mindestens eine Bewerberin oder ein Bewerber zu berücksichtigen ist (§ 6 Abs. 2 Satz 2 Vergabeverordnung Saarland).

Im Zuge des Auswahlverfahrens werden Ranglisten für diese Quote nach § 4 der Vergabeverordnung Saarland gebildet, „wenn die die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber die Zahl der im Rahmen dieser Quoten verfügbaren Studienplätze übersteigt“ (§ 6 Abs. 3 Vergabeverordnung Saarland). „Personen mit erfolgreicher Zugangsprüfung haben Vorrang vor Personen im Probestudium; im Übrigen entscheidet das Los“ (§ 6 Abs. 2 Nr. 3 Vergabeverordnung Saarland).

Die nach dem Auswahlverfahren frei bleibenden Studienplätze werden durch ein Nachrückverfahren vergeben (§ 18 Abs. 1 Vergabeverordnung Saarland).

(Stand: März 2018)

Daten-Monitoring

 

Das Saarland gehört beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Deutschland zu den Schlusslichtern. Nach einem deutlichen Abfall im Jahr 2015 auf 0,83 Prozent ist im Berichtsjahr 2016 jedoch zumindest wieder eine leichte Steigerung der Studienanfänger(innen) ohne Abitur erkennbar. Die Quote von aktuell 0,87 Prozent liegt nach wie vor weit unter dem Bundesdurchschnitt von 2,58 Prozent und landet auf dem letzten Platz im Bundesländervergleich in dieser Kategorie. Selbigen Platz erreicht das Bundesland in der Gruppierung der Studierenden ohne HZB. Deren Anteil ist im Saarland im Vergleich zum letzten sowie den Jahren davor mit 0,2 Prozentpunkten vergleichsweise stark gestiegen. Ein genauerer Blick auf hochschulspezifische Zahlen verrät, dass dies im Saarland im Wesentlichen auf die im Vergleich zum Jahr 2015 stark gestiegene Anzahl an Begabtenprüfungen zurückzuführen ist, die bei den Studierenden an der Hochschule der Bildenden Künste Saar am auffälligsten gestiegen ist. Dies ist wahrscheinlich auch auf die Änderungen der HZB-Systematik (siehe Informationen zu den verwendeten Daten) in der Hochschulstatistik zurückzuführen. Auch diese Entwicklung sollte somit im nächsten Jahr genauer im Blick behalten werden. Bei der Absolvent(inn)enquote ohne Abitur ist nach den steigenden Tendenzen seit 2013 erstmals wieder ein Rückgang von 0,45 Prozent auf 0,32 Prozent erkennbar. Trotz dieser Entwicklung steigt das Saarland mit dieser Quote im Bundesländervergleich um einen Platz und erreicht den 14. Rang. Insgesamt gesehen rangiert das Bundesland eher auf den hinteren Rängen beim Studium ohne Abitur.