Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz hatte bereits Mitte der 1990er Jahre begonnen, seine Universitäten und Fachhoch­schulen weit für Studierende ohne Abitur zu öffnen. Dementsprechend gibt es hier einen relativ hohen Anteil beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen), der auch im Jahr 2014 einen erneut positiven Trend verzeichnete und erstmals knapp die 3 Prozent-Marke überspringt. Auch gelingt es Rheinland-Pfalz, die Quote der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung seit Jahren konstant zu steigern. Vor diesem Hintergrund klettert Rheinland-Pfalz im Bundesländervergleich aktuell um zwei Plätze nach oben und zwar auf Platz 4. Vor geraumer Zeit novellierte die Landesregierung die gesetzlichen Reglungen, was zu nochmals verbesserten Zugangsmöglich­keiten vor allem für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis führte. Für bestimmte Studienangebote in Rheinland-Pfalz entfällt für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung neuerdings das zusätzliche Zulassungskriterium „Berufserfahrung“ (Näheres dazu finden Sie hier).

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch vor der Einschreibung

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung

(Fachlich unbeschränkter Zugang zu Fachhochschulen, fachgebundener Zugang zu Universitäten)

Voraussetzungen:
Berufsausbildung mit qualifiziertem Ergebnis (Gesamtnotenschnitt von 2,5 bzw. 10 Punkten im Falle einer Ausbildung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis)

Berufserfahrung (2 Jahre) - In einzelnen Studiengängen ist ein Hochschulzugang auch gänzlich ohne Berufserfahrung möglich.

Für ein Studium an Universitäten muss die Berufsausbildung zum gewählten Studiengang fachlich verwandt sein. Ist der fachliche Bezug der Ausbildung zum Studium nicht hinreichend, können in Ausnahmefällen auch Kenntnisse und Fähigkeiten berücksichtigt werden, die während der beruflichen oder vergleichbaren Tätigkeit nachweislich erworben wurden.

Beratungsgespräch vor der Einschreibung

Eignungsprüfung erforderlich:
Nein

(Die Hochschule kann aber für einzelne Studienangebote eine Eignungsprüfung oder besondere Zugangsvoraussetzungen vorsehen, z.B. in den Bereichen Sport, Kunst und Musik oder im Falle von berufsintegrierten Studienangeboten.)

Probestudium nötig/möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 65 Abs. 2 HochSchG/§ 1 Abs. 2 und 4 LVO: Personen, die eine Meisterprüfung oder eine vergleichbare Prüfung abgeschlossen haben, besitzen die unmittelbare Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Fachhochschulen und an Universitäten. Meisteräquivalente Prüfungen sind: ein mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassender Lehrgang mit Fortbildungsabschluss i. S. von §§ 53 und 54 des Berufsbildungsgesetzes oder von §§ 42 und 42a der Handwerksordnung, eine vergleichbare Qualifikation i. S. des Seemannsgesetzes, der Abschluss einer Fachschule, ein Abschluss auf der Grundlage einer landesrechtlichen Weiterbildungsregelung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen oder sozialpädagogischen Berufe oder ein sonstiger Fortbildungsabschluss nach mindestens 400 Unterrichtsstunden, der eine abgeschlossene Berufsausbildung erfordert. In der Anlage 1 zu § 4 Abs. 2 der LVO sind Fortbildungsabschlüsse aufgeführt, die in besonderem Maße äquivalent zur Meisterprüfung sind.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 65 Abs. 2 HochSchG und § 1 Abs. 1 der Landesverordnung: Personen, die eine anerkannte berufliche Ausbildung mit qualifiziertem Ergebnis abgeschlossen und danach eine mindestens zweijährige berufliche oder vergleichbare Tätigkeit ausgeübt haben, erhalten damit die unmittelbare (allgemeine) Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Fachhochschulen und die unmittelbare fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Universitäten. Zwischen der Ausbildung und dem gewählten Studiengang an einer Universität müssen gemäß § 2 Abs. 2 LVO „hinreichende inhaltliche Zusammenhänge“ bestehen (in Ausnahmefällen können auch Kenntnisse der beruflichen oder einer vergleichbaren Tätigkeit in die Bewertung eines inhaltlichen Zusammenhangs einfließen). Eine berufliche Ausbildung ist mit qualifiziertem Ergebnis abgeschlossen, wenn mindestens ein Gesamtnotenschnitt von 2,5 bzw. 10 Punkten (Ausbildung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis) erreicht wurde (§ 3 LVO).

In § 2 Abs. 3 der LVO wird geregelt, dass eine berufliche oder vergleichbare Tätigkeit mindestens 50 % einer Vollzeitbeschäftigung betragen muss. Als gleichwertig zur beruflichen Tätigkeit zählen auch die Pflege mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person, eine Tätigkeit als Entwicklungshelfer(in), der Jugendfreiwilligendienst oder ein einjähriges gelenktes Praktikum bei schulischer Berufsausbildung (§ 2 Abs. 4 LVO).

§ 66 Abs. 1 HochSchG: Für Studiengänge, die zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führen und eine besondere Eignung oder Fähigkeiten erfordern, kann die Hochschule neben oder anstelle der allgemeinen Zugangsvoraussetzungen (§ 65 Abs. 1 Satz 2 oder Abs. 2) im Einvernehmen mit dem fachlich zuständigen Ministerium durch Satzung eine Eignungsprüfung oder besondere Zugangsvoraussetzungen vorsehen. Durch die Landesverordnung bleiben die besonderen Zugangsvoraussetzungen, die durch Bestimmungen über Eignungsprüfungen nach § 66 HochSchG festgelegt sind, unberührt (§ 1 Abs. 5 LVO).

§ 65 Abs. 2 HochSchG/§ 1 Abs. 3 LVO: Zur Erprobung neuer Modelle des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte kann mit Zustimmung des für das Hochschulwesen zuständigen Ministeriums auch ohne mindestens zweijährige berufliche oder vergleichbare Tätigkeit eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung für Fachhochschulen und eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für Universitäten erteilt werden.

Die Landesverordnung gilt nicht für theologische Studiengänge und Studiengänge, die mit einer kirchlichen Prüfung abschließen (§ 1 Abs. 4 LVO).

Zulassung in weiterbildende Studiengänge

§ 35 Abs. 1 HochSchG: "Die Hochschulen entwickeln für Personen mit Berufserfahrung und für Berufstätige Angebote wissenschaftlicher Weiterbildung. Am weiterbildenden Studium und an sonstigen Weiterbildungsangeboten kann teilnehmen, wer ein Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen oder die erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben hat. Für das weiterbildende Studium ist dies insbesondere der Fall, wenn nach Vorliegen der Zugangsvoraussetzungen gemäß § 65 Abs. 1 oder Abs. 2 [HSchG] eine mindestens dreijährige einschlägige Berufstätigkeit absolviert und eine Eignungsprüfung der Hochschule bestanden wurde, durch die die Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation mit der eines abgeschlossenen grundständigen Studiums festgestellt wird." Solche Eignungsprüfungen sind in der Prüfungsordnung zu regeln. Die Veranstaltungen sollen mit dem übrigen Lehrangebot abgestimmt werden und berufspraktische Erfahrungen für die Lehre nutzbar machen.

Hinweis: Auch Personen ohne schulisch erworbene Hochschulzugangsberechtigung und ohne abgeschlossenes grundständiges Studium können unter den vorgenannten Bedingungen über einen Zugang zu einem weiterbildenden Studiengang verfügen. In diesen Fällen muss zum qualifizierten Berufsabschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf eine anschließende summierte mindestens fünfjährige Berufstätigkeit hinzukommen bzw. alternativ nach einem Meister- bzw. vergleichender Fortbildungsprüfung eine mindestens dreijährige einschlägige Berufstätigkeit vorliegen. Sodann kann durch die Eignungsprüfung der Hochschule die Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation mit der eines abgeschlossenen grundständigen Studiums festgestellt werden.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 25 Abs. 3 HochSchG: „Außerhalb des Hochschulbereichs erworbene gleichwertige Kenntnisse und Qualifikationen werden in der Regel bis zur Hälfte des Hochschulstudiums anerkannt; die Verfahren und Kriterien für die Anerkennung werden in der Prüfungsordnung festgelegt. Zum Zweck einer pauschalierten Anerkennung sollen die Hochschulen mit geeigneten Einrichtungen außerhalb des Hochschulbereichs zusammenarbeiten.“

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 33 Abs. 4 HochSchG: Personen ohne Hochschulzugangsberechtigung, die in einem anderen Bundesland an einer Hochschule mindestens ein Jahr erfolgreich studiert haben, sind berechtigt, in fachlich verwandten Studiengängen an einer Hochschule des Landes weiter zu studieren.

Sonstiges

§ 65 Abs. 2 HochSchG/§ 6 LVO: „Vor der Einschreibung in den gewählten Studiengang führt die Hochschule nach einer schriftlichen Information eine umfassende, in der Regel mündliche Beratung durch; die Beratung soll die Anforderungen des Studiums im gewählten Studiengang deutlich machen, dazu die Vorbildung und die Beweggründe für die Wahl des Studienganges in Bezug setzen und auf die beruflichen Zielvorstellungen der beruflich qualifizierten Person eingehen. Die Hochschule stellt über die Beratung eine Bescheinigung aus, die bei der Einschreibung vorliegen muss.“

(Stand: März 2016)

Daten-Monitoring

 

Rheinland-Pfalz hatte bereits Mitte der 1990er Jahre seine Universitäten und Fachhoch­schulen sehr weit für das Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife geöffnet, was dem Bundesland zunächst steigende Quoten bei den Studienanfänger(inne)n ohne Abitur bescherte. 2010 zeigte sich indes erstmals ein Rückgang, der aber laut den jüngsten Zahlen offenbar nur vorübergehend war, denn seitdem ist wieder ein steiler Aufwärtstrend beobachtbar. Mit einem gestiegenen Anteil von aktuell 3,03 Prozent Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung kann Rheinland-Pfalz sich nicht nur im Bundesländervergleich auf dem im Vorjahr erlangten vierten Platz behaupten, sondern erreicht auch erstmals einen Anteil von 3 Prozent beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n an den Hochschulen des Landes. Der diesbezügliche Anteil der Studierenden entwickelt sich ebenfalls positiv und wächst von 1,67 Prozent auf einen Anteil von 1,92 Prozent an, welcher nun wieder über dem Bundesdurchschnitt liegt. Dadurch verbessert sich das Land um weitere zwei Plätze gegenüber 2013 und rangiert nun auf dem vierten Platz im Vergleich der Bundesländer. Hinsichtlich der Quote der Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur verzeichnet Rheinland-Pfalz, nach zwei Jahren sinkender Anteile, aktuell wieder einen Zuwachs und steigt mit 1,07 Prozent einen Platz auf den achten Rang auf.