Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz hatte bereits Mitte der 1990er Jahre begonnen, seine Hochschulen für Studierende ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung zu öffnen. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit einem Modellversuch und dem Bestreben, die Hochschulen für beruflich Qualifizierte zu öffnen, können Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung nun ohne zusätzliche mehrjährige Berufserfahrung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten studieren. Damit nimmt das Land eine deutschlandweite Vorreiterrolle ein. Im Ländervergleich rangiert Rheinland-Pfalz weiterhin im oberen Drittel und belegt Platz 5 bei den Studienanfänger*innen, Platz 4 bei den Studierenden und Platz 3 bei den Absolvent*innen.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch vor der Einschreibung

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung

(Fachlich unbeschränkter Zugang zu Fachhochschulen, fachgebundener Zugang zu Universitäten)

Voraussetzungen:
Berufsausbildung mit qualifiziertem Ergebnis (Gesamtnotenschnitt von 2,5 bzw. 10 Punkten im Falle einer Ausbildung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis)

Für ein Studium an Universitäten muss die Berufsausbildung zum gewählten Studiengang fachlich verwandt sein. Ist der fachliche Bezug der Ausbildung zum Studium nicht hinreichend, können in Ausnahmefällen auch Kenntnisse und Fähigkeiten berücksichtigt werden, die während der beruflichen oder vergleichbaren Tätigkeit nachweislich erworben wurden.

Beratungsgespräch vor der Einschreibung

Eignungsprüfung erforderlich:
Nein

(Die Hochschule kann für einzelne Studienangebote eine Eignungsprüfung oder besondere Zugangsvoraussetzungen vorsehen, z. B. in den Bereichen Sport, Kunst und Musik oder bei berufsintegrierten Studienangeboten.)

Probestudium nötig/möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 65 Abs. 2 HochSchG/§ 1 Abs. 2 und § 4 der Landesverordnung über die unmittelbare Hochschulzugangsberechtigung beruflich qualifizierter Personen (LVO): Personen, die eine Meisterprüfung oder eine vergleichbare Prüfung abgeschlossen haben, besitzen die unmittelbare Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Fachhochschulen und an Universitäten. Meisteräquivalente Prüfungen sind: Ein mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassender Lehrgang mit Fortbildungsabschluss i. S. von §§ 53 und 54 des Berufsbildungsgesetzes oder von §§ 42 und 42a der Handwerksordnung, eine vergleichbare Qualifikation i. S. des Seemannsgesetzes, der Abschluss einer Fachschule, ein Abschluss auf der Grundlage einer landesrechtlichen Weiterbildungsregelung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen oder sozialpädagogischen Berufe oder ein sonstiger Fortbildungsabschluss nach mindestens 400 Unterrichtsstunden, der eine abgeschlossene Berufsausbildung erfordert. In der Anlage 1 zu § 4 Abs. 2 der LVO sind Fortbildungsabschlüsse aufgeführt, die in besonderem Maße äquivalent zur Meisterprüfung sind.

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 65 Abs. 2 HochSchG und § 1 Abs. 1 LVO: Personen, die eine anerkannte berufliche Ausbildung mit qualifiziertem Ergebnis abgeschlossen haben, erhalten damit die unmittelbare (allgemeine) Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und die unmittelbare fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Universitäten. Zwischen der Ausbildung und dem gewählten Studiengang an einer Universität müssen gemäß § 2 Abs. 2 LVO „hinreichende inhaltliche Zusammenhänge“ bestehen (es können auch Kenntnisse der beruflichen oder einer vergleichbaren Tätigkeit in die Bewertung eines inhaltlichen Zusammenhangs einfließen). Eine berufliche Ausbildung ist mit qualifiziertem Ergebnis abgeschlossen, wenn mindestens ein Gesamtnotenschnitt von 2,5 (bzw. 10 Punkte bei einer Ausbildung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis) erreicht wurde (§ 3 LVO).

In § 2 Abs. 3 der LVO wird geregelt, dass eine berufliche oder vergleichbare Tätigkeit mindestens 50 % einer Vollzeitbeschäftigung betragen muss. Als gleichwertig zur beruflichen Tätigkeit zählen auch die selbstständige Führung eines Haushalts mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person, eine Tätigkeit als Entwicklungshelfer*in, der Jugendfreiwilligendienst oder ein einjähriges gelenktes Praktikum bei schulischer Berufsausbildung (§ 2 Abs. 4 LVO).

§ 66 Abs. 1 HochSchG: Für Studiengänge, die zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führen und eine besondere Eignung oder Fähigkeiten erfordern, kann die Hochschule durch Satzung eine Eignungsprüfung oder besondere Zugangsvoraussetzungen vorsehen. Durch die Landesverordnung bleiben die besonderen Zugangsvoraussetzungen, die durch Bestimmungen über Eignungsprüfungen nach § 66 HochSchG festgelegt sind, unberührt (§ 1 Abs. 6 LVO).

Die Landesverordnung gilt nicht für Studiengänge, die mit einer kirchlichen Prüfung abschließen (§ 1 Abs. 4 LVO).

 

Zulassung zu weiterbildenden Studiengängen

§ 35 Abs. 2 HochSchG: "Masterstudiengänge der hochschulischen Weiterbildung setzen einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss und qualifizierte berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr voraus. Den Zugang vermittelt auch der Erwerb der erforderlichen Eignung im Beruf, wenn nach Erwerb der Zugangsvoraussetzungen gemäß § 65 Abs. 1 oder Abs. 2 eine mindestens dreijährige einschlägige Berufstätigkeit absolviert und eine Eignungsprüfung der Hochschule bestanden wurde, durch die die Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation mit der eines abgeschlossenen grundständigen Studiums festgestellt wird. Eignungsprüfungen nach Satz 2 sind in der Prüfungsordnung zu regeln. In begründeten Ausnahmefällen können auf die Dauer der Berufstätigkeit Zeiten angerechnet werden, die vor dem Erwerb der Zugangsvoraussetzungen liegen, wenn die Tätigkeit einschlägig ist und auf einem angemessenen Qualifikationsniveau ausgeübt wurde. Einschlägige berufliche Fortbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung werden nach Maßgabe der Rechtsverordnung nach § 65 Abs. 2 auf die Dauer der Berufstätigkeit angerechnet."

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 25 Abs. 4 HochSchG: „Außerhalb des Hochschulbereichs erworbene gleichwertige Kenntnisse und Qualifikationen werden in einem Umfang bis höchstens zur Hälfte des Hochschulstudiums angerechnet; die Verfahren und Kriterien für die Anrechnung werden in der Prüfungsordnung festgelegt. Zum Zweck einer pauschalierten Anrechnung sollen die Hochschulen gemäß § 10 Abs. 1 mit geeigneten Einrichtungen außerhalb des Hochschulbereichs zusammenarbeiten.“

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 33 Abs. 4 HochSchG: Personen ohne Hochschulzugangsberechtigung, die an einer Hochschule eines anderen Bundeslandes  mindestens ein Jahr erfolgreich studiert haben, sind berechtigt, in fachlich verwandten Studiengängen an einer Hochschule des Landes weiter zu studieren.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Die Gesetzeslage in Rheinland-Pfalz sieht keine Vorabquoten oder spezielle Auswahlverfahren für Bewerber*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.

 

Sonstiges

§ 65 Abs. 2 HochSchG: „Beruflich Qualifizierte haben Anspruch auf eine umfassende Beratung gemäß § 23 durch die Hochschule; die Hochschule kann in der Prüfungsodnung festlegen, dass dem Studium im Falle von beruflich Qualifizierten eine solche Beratung vorauszugehen hat.“

(Stand: Januar 2021)


Daten-Monitoring

 

Rheinland-Pfalz hatte bereits Mitte der 1990er Jahre seine Universitäten und Fachhochschulen weit für das Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife geöffnet, was dem Bundesland stetig steigende Quoten beim Studium ohne (Fach-)Abitur beschert. 2018 werden in allen drei Kategorien neue Höchstwerte erreicht. Der Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur ist im aktuellen Berichtszeitraum erneut um 0,22 Prozentpunkte gestiegen und liegt nun bei 3,67 Prozent, was auf Länderebene erneut den 5. Rang bedeutet. Auch die Studierenden- und Absolvent*innenquoten ohne (Fach-)Abitur verzeichnen im Berichtsjahr 2018 ein Plus, und zwar von 0,23 und 0,22 Prozentpunkten. Damit kann Rheinland-Pfalz mit einem Anteil von 2,71 Prozent der Studierenden seinen 4. Rang aus dem letzten Jahr halten sowie mit einem Anteil von 2,17 bei den Absolvent*innen den 3. Rang. In allen drei Bereichen liegt Rheinland-Pfalz über dem Bundesdurchschnitt und gehört damit zu den stärksten Vertreterländern des Studiums ohne (Fach-)Abitur.