Nordrhein-Westfalen

Seit 2010 zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein regelrechter Boom beim Studium ohne allgemeine Hochschul-und Fachhochschulreife. Der Anteil beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) gehört mit Abstand zu den höchsten im Bundesländervergleich und übersteigt jetzt zum ersten Mal sogar die 5 Prozent-Marke. Damit liegt Nordrhein-Westfalen im Bundesländervergleich gleich hinter dem Spitzenreiter Hamburg auf dem zweiten Platz. Auch die Absolvent(inn)enquote konnte in den zurückliegenden Jahren stetig erhöht werden, wodurch sich das Bundesland in dieser Kategorie vom sechsten Platz im Jahr 2012 auf den nunmehr dritten Platz steigern konnte. Einen wesentlichen Anteil am sehr guten Abschneiden Nordrhein-Westfalens in puncto Studium ohne Abitur hat die FernUniversität in Hagen. 2014 nahmen dort etwas mehr als 2.000 beruflich Qualifizierte ein Studium auf. Diesen ungewöhnlich hohen Wert erreichte keine andere deutsche Hochschule.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich entsprechende Berufsausbildung (2 Jahre)

Fachlich entsprechende Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Nur bei Wahl eines nicht verwandten Studienfaches

Freiwillig möglich für Personen mit hochqualifiziertem Fortbildungsabschluss (empfehlenswert für Bewerbung bei Medizin, Pharmazie und Tiermedizin)

Probestudium möglich:
Ja, in nicht-zulassungsbeschränkten Studiengängen

Freiwillig möglich für Personen mit hochqualifiziertem Fortbildungsabschluss

Gesetzliche Regelungen

§ 49 Abs. 4 HZG: „Das Ministerium regelt im Einvernehmen mit dem für das Schulwesen zuständigen Ministerium durch Rechtsverordnung den Zugang zu einem Hochschulstudium auf Grund einer beruflichen Vorbildung.“

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 2 der Berufsbildungshochschulzugangsverordnung: Folgende Abschlüsse einer Aufstiegsfortbildung berechtigen zur Aufnahme des Studiums in jedem Studiengang an jeder Hochschule: Meisterbrief, Fortbildungsabschluss i. S. von §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes oder §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung (sofern die Lehrgänge mindestens 400 Stunden umfassen), eine vergleichbare Qualifikation i. S. des Seemannsgesetzes, der Abschluss einer Fachschule, eine vergleichbare landesrechtlich geregelte Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe, der Abschluss einer sonstigen vergleichbaren landesrechtlich geregelten Fortbildung.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Beruflich Qualifizierte die ein fachnahes Hochschulstudium aufnehmen möchten, müssen laut § 3 der Verordnung einen Abschluss einer nach Berufsbildungsgesetz oder Handwerksordnung oder einer sonstigen nach Bundes- oder Landesrecht geregelten mindestens zweijährigen Berufsausbildung sowie eine anschließende und darauf aufbauende mindestens dreijährigen Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studium fachlich entsprechenden Bereich) vorweisen. Für Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendienprogramms des Bundes sind zwei Jahre berufliche Tätigkeit ausreichend.

Bei Beabsichtigung der Aufnahme eines fachfremden Hochschulstudiums haben beruflich Qualifizierte in NRW die Möglichkeit an einer Zugangsprüfung teilzunehmen oder, in nicht zulassungsbeschränkten Studiengängen, alternativ ein Probestudium aufnehmen (§ 4). Die Zulassungsvoraussetzungen für Zugangsprüfung oder Probestudium werden in § 4 Abs. 1 der Verordnung geregelt:   

  • Zugelassen wird, wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und eine danach mindestens dreijährige berufliche Tätigkeit (für Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendienprogrammes des Bundes sind zwei Jahre ausreichend) auch in einem der Ausbildung fachlich nicht entsprechenden Beruf nachweisen kann. Die hauptverantwortliche und selbstständige Kindererziehung oder Pflege eines Angehörigen sind der beruflichen Tätigkeit gleichgestellt. Eine mindestens hälftige Teilzeitbeschäftigung ist mit dem entsprechenden Anteil als berufliche Tätigkeit anzurechnen. 

Wesen und Inhalte der Zugangsprüfung:

  • § 6 Verordnung: Mit der Zugangsprüfung sollen die fachlichen und methodischen Kenntnisse der Bewerber(innen) hinsichtlich eines Studiums im angestrebten Studiengang überprüft werden. Inhalt der Prüfung ist sowohl allgemeines als auch fachbezogenes Wissen, das in der Regel in schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen nachgewiesen werden muss. Die Hochschulen regeln durch Ordnung das Nähere des Zugangsprüfungsverfahrens und die Inhalte der Zugangsprüfung.
  • § 8 Verordnung: „Sofern die persönlichen Voraussetzungen nach § 4 Absatz 1 erfüllt sind und eine ordnungsgemäße Bewerbung nach § 9 vorliegt, hat die sich bewerbende Person auch dann Zugang zum Studium im ersten Fachsemester des angestrebten Studiengangs der Hochschule, wenn die Hochschule den Termin zur Abnahme der Zugangsprüfung nicht oder später als zwei Monate nach Ablauf der Bewerbungsfrist angesetzt hat. In diesem Fall gilt die Zugangsprüfung als mit der Note 1,0 bestanden.“ 
  • § 8 Verordnung: Personen mit einer Aufstiegsfortbildung (oder Personen mit beruflicher Tätigkeit im Ausbildungsberuf, die ein fachlich entsprechendes Studium anstreben) können an einer Zugangsprüfung teilnehmen über deren Erfolg sie selbst entscheiden. In diesem Fall hat das Ergebnis der Zugangsprüfung keinen Einfluss auf die Hochschulzugangsberechtigung.

Wesen und Inhalte des Probestudiums:

  • § 4 Abs. 3 Verordnung: Personen mit einer Aufstiegsfortbildung oder Personen mit beruflicher Tätigkeit im Ausbildungsberuf, die ein fachlich entsprechendes Studium anstreben „können ein Probestudium aufnehmen, über dessen Erfolg sie selbst entscheiden; die Hochschule ist an diese Entscheidung gebunden“.
  • § 4 Abs. 4 Verordnung: Das Probestudium ist nicht auf einen der Berufsausbildung oder der beruflichen Tätigkeit oder der Erziehungs- und Pflegetätigkeit fachlich entsprechenden Studiengang beschränkt.
  • § 5 Abs. 1 Verordnung: „Das erfolgreiche Probestudium berechtigt studiengangbezogen zur Fortsetzung des Studiums im jeweiligen Studiengang.“ Bei nicht fachlich entsprechendem Studiengang durch Studierende ohne Aufstiegsfortbildung muss der Erfolg des Probestudiums nachgewiesen werden (in B.A.-Studiengängen pro Probesemester mindestens 20 LP oder mind. 2/3 erfolgreiche Leistungen für den Zeitraum bei Studiengängen mit staatlicher oder kirchlicher Abschlussprüfung).
  • § 5 Abs. 2 Verordnung: Das Probestudium dauert mindestens vier Semester. Nach Ablauf des Probestudiums erlischt für die auf Probe studierende Person als solche der Anspruch auf Teilnahme an den nach der Prüfungsordnung erforderlichen Prüfungen.
  • § 5 Abs. 3 Verordnung: Die Hochschule kann durch Ordnung Einzelheiten zum Probestudium regeln.

Zulassung in weiterbildende Studien

§ 62 Abs. 1 HZG: An einem weiterbildenden Studium kann auch teilnehmen, wer die erforderliche Eignung im Beruf erworben hat. „Das Weiterbildungsangebot ist mit den übrigen Lehrveranstaltungen abzustimmen und soll berufspraktische Erfahrungen einbeziehen. Die Hochschule regelt die Voraussetzungen und das Verfahren des Zugangs und der Zulassung. Sie kann die Zulassung insbesondere beschränken, wenn wegen der Aufnahmefähigkeit oder der Art oder des Zwecks der Weiterbildung eine Begrenzung der Teilnehmerzahl erforderlich ist.“ Gemäß § 62 Abs. 3 HG können beruflich Qualifizierte an einem weiterbildenden Studium teilnehmen, welches mit einem Weiterbildungszertifikat endet, aber ohne einschlägigen berufsqualifizierenden Studienabschluss besitzen sie keine Zugangsberechtigung für einen weiterbildenden Masterstudiengang. Damit steht beruflich Qualifizierten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung und ohne ersten Studienabschluss nur eine Weiterbildung offen, die nicht zum Masterabschluss führt. Das Nähere regelt die Prüfungsordnung.

§ 62 Abs. 2 HZG: „Wird die Weiterbildung in öffentlich-rechtlicher Weise angeboten, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Weiterbildung Gasthörerinnen und Gasthörer. Die Hochschule kann Weiterbildung auch auf privatrechtlicher Grundlage anbieten oder mit Einrichtungen der Weiterbildung außerhalb des Hochschulbereichs in privatrechtlicher Form zusammenarbeiten.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

In § 49 Abs. 12 HZG ist geregelt, dass studienrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten, die in anderer Weise als durch ein Studium erworben wurden, in einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) nachgewiesen werden können. Die Bewerber(innen) sollen nach Ergebnis dieser Prüfung in einen entsprechenden Studienabschnitt des Studiengangs zugelassen werden. „Das Nähere regeln die Prüfungsordnungen, die für Studiengänge, die mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen werden, im Einvernehmen mit den jeweils zuständigen Fachministerien erlassen werden.“

§ 63a Abs. 7 regelt weiterhin, dass sonstige Kenntnisse und Qualifikationen in Form eines Antrages und auf Grundlage vorgelegter Unterlagen, für Prüfungsleistungen anerkannt werden können, wenn sie diesen bezüglich des Inhalts und Niveaus gleichen.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 11 Abs. 4 Verordnung: Der Hochschulwechsel nach NRW ist nach einem Jahr nachweislich erfolgreich absolviertem Studiums möglich; ein Hochschulwechsel nach NRW ist auch möglich, wenn eine Studienaufnahme in NRW ursprünglich nicht möglich gewesen wäre. § 11 der Verordnung regelt auch den Hochschulwechsel innerhalb von NRW.

Sonstiges

§ 10 Abs. 1 der Verordnung: Bewerber(innen) nehmen in der Regel an einem von der Hochschule angebotenen Beratungsgespräch teil. Im Beratungsgespräch soll fehlendes fachliches oder methodisches Vorwissen ermittelt und über die Möglichkeiten des Ausgleichs des fehlenden Vorwissens i. S. einer Studienerfolgsprognose informiert werden.

§ 10 Abs. 2 der Verordnung: „Die Hochschule bietet allen Bewerbern, die keine Zugangsprüfung ablegen, einen Test an, in dem vor Beginn des Studiums die Eignung für den angestrebten Studiengang getestet wird. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Testergebnis hat keinen Einfluss auf den Zugang zum Studium.“

§ 10 Abs. 3 Verordnung: „Die Hochschule kann besondere Angebote zum Ausgleich des fehlenden fachlichen oder methodischen Vorwissens bereitstellen.“

§ 12 der Verordnung legt fest, dass die Hochschulen dem Ministerium jährlich folgende statistische Daten zum Studium mit beruflicher Qualifikation liefern: der Anteil von Studierenden in Studiengängen nach Aufstiegsfortbildung, nach Berufsausbildung und Berufserfahrung, nach Probestudium, nach Zugangsprüfung (abgelegte und bestandene Zugangsprüfungen), Studienerfolg, Alter und Geschlecht, Dauer der beruflichen Tätigkeit.

Teilzeitstudium

Es ist Aufgabe der Hochschulen, die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Erziehung zu fördern (§ 3 Abs. 5 HZG). Zudem sollen sie Teilzeitstudiengänge einrichten. „Die Liste der für ein Studium in Teilzeit geeigneten Studiengänge ist in geeigneter Weise zu veröffentlichen.“ (§ 62 a Abs. 2 Satz 2 HZG)

(Stand: März 2016)

Daten-Monitoring

 

Seit 2010 zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein regelrechter Boom beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. Nachdem das Land zwei Jahre hintereinander die Liste der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im bundesweiten Ländervergleich angeführt hat, belegt es nun seit drei Jahren und mit einem aktuellen Anteil von 5,06 Prozent einen sehr guten zweiten Platz, hinter Hamburg als Erstplatziertem. Damit kann Nordrhein-Westfalen seinen leichten Verlust vom Jahr zuvor wieder einholen und überschreitet sogar erstmals die 5 Prozent-Grenze und übertrifft damit den Bundesdurchschnitt mit 2,77 Prozent deutlich. Interessant an der Verteilung der Studienanfänger(innen) ohne Abitur in NRW ist, dass sich circa 55 Prozent davon ausschließlich auf die FernUniversität in Hagen und die private Internationale Hochschule Bad Honnef -Bonn (IUBH) verteilen. Bei den Studierendenanteilen wurde NRW 2011 anteilig von Berlin sowie im darauffolgenden Jahr dann auch von Hamburg übertroffen und rangiert seitdem im Bundesländervergleich trotz kontinuierlichen Wachstumsquoten auf dem dritten Platz. Aktuell ist die Quote der beruflich qualifizierten Studierenden um 0,2 Prozentpunkte gestiegen und liegt bei 2,63 Prozent. Was die Absolvent(inn)enquote anbelangt, gehört Nordrhein-Westfalen zwar nicht zum Spitzentrio, dennoch hatte es sich im Bundesländervergleich von dem neunten Platz im Jahr 2012 auf den sechsten Platz im Jahr 2013 vorgearbeitet und kann diesen mit einem nochmals gestiegenen Anteil auf 1,33 Prozent halten.