Niedersachsen

Niedersachsen zählt ebenso wie Hamburg zu den Pionieren beim Studium ohne Abitur und Fachhochschulreife. In den 1970er Jahren öffnete das Bundesland sein gesamtes Hochschulsystem für beruflich Qualifizierte. Über entsprechend viel Erfahrung verfügen die niedersächsischen Hochschulen in diesem Bereich. Anfang 2016 hat das Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) eine Initiative gestartet, welche auf eine weitere Öffnung der Studienangebote u. a. für Interessierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung abzielt. Diese sieht Investitionen in Höhe von 10,6 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 vor. Speziell für nicht-traditionelle Studierende sollen u. a. Weiterbildungsmaßnahmen ausgebaut, Beratungsangebote geschaffen sowie Unterstützungsmaßnahmen gefördert werden. Trotz dieser günstigen Rahmenbedingungen verlief die Entwicklung beim Studium ohne (Fach-)Abitur in den zurückliegenden Jahren wechselhaft. Aktuell verzeichnet Niedersachsen bei den beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n wieder sinkende Werte, hält jedoch in dieser Kategorie weiterhin den 8. Platz im Bundesländervergleich. Eine Abnahme lässt sich auch bei der Absolvent(inn)enquote beobachten. Einzig die Studierendenquote verzeichnet ein Plus und erreicht damit im Bundesländervergleich Platz sieben.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (3 Jahre)

Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)

Oder:

Eine von der Hochschule studiengangbezogen und als gleichwertig festgestellte Vorbildung oder eine nach beruflicher Vorbildung fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung durch Prüfung.

Eignungsprüfung erforderlich:
Nein (aber möglich)
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 18 Abs. 4 NHG: Ein Studium in jeder Fachrichtung an jeder Hochschule kann aufnehmen, wer eine der folgenden Qualifikationen besitzt: Meisterprüfung, staatlich geprüfte(r) Techniker(in) oder staatlich geprüfte(r) Betriebswirt(in), Fortbildungsabschluss i. S. des Berufsbildungsgesetzes (§§ 53 oder 54) oder der Handwerksordnung (§§ 42 oder 42a) mit mindestens 400 Unterrichtsstunden, Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst, Fachschulabschluss, eine landesrechtliche Fortbildungsregelung für Berufe im Gesundheitswesen oder für sozialpflegerische oder sozialpädagogische Berufe im Umfang von mindestens 400 Unterrichtsstunden.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 18 Abs. 4 NHG: Personen, die eine durch Bundes- oder Landesrecht geregelte, mindestens dreijährige Berufsausbildung abgeschlossen und eine sich daran anschließende mindestens dreijährige Berufstätigkeit ausgeübt haben, besitzen auch ohne Prüfung eine unmittelbare fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung. Die Bewerber(innen) müssen in einem dem angestrebten Studiengang fachlich nahestehenden Bereich gearbeitet haben. Ferner berechtigt eine andere von der Hochschule studiengangbezogen als gleichwertig festgestellte Vorbildung oder eine nach beruflicher Vorbildung fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung durch Prüfung zum Studium einer entsprechenden Fachrichtung an jeder Hochschule.

§ 18 Abs. 3 NHG: „Die Fachhochschulreife berechtigt zum Studium in jeder Fachrichtung an jeder Fachhochschule und zum Studium in der entsprechenden Fachrichtung an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen.“ In § 1 der Verordnung über die Gleichwertigkeit beruflicher Vorbildung für den Hochschulzugang sind Kriterien für die Gleichwertigkeitsfeststellung festgelegt: Gleichwertigkeit liegt vor nach Abschluss einer mindestens zweijährigen Ausbildung und nach einer einschlägigen Weiterbildung. Letztere muss auf der Ausbildung aufbauen, auf bundes- oder landesrechtlichen Rechtsvorschriften beruhen, sich nicht nur auf einzelne Kenntnisse und Fertigkeiten beziehen und mindesten 720 Unterrichtsstunden umfassen. Im Anhang der Verordnung sind berufliche Weiterbildungen aufgeführt, die als gleichwertige Vorbildungen gelten.

  • § 18 Abs. 4 Satz 2 NHG: Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendiums des Bundes benötigen nur eine mindestens zweijährige Berufspraxis in einem fachlich nahestehenden Bereich.
  • § 3 HZbPrüfVO: Pflege- und Betreuungszeiten gelten als hauptberufliche Tätigkeit. Folgende Tätigkeiten werden auf die Zeit hauptberuflicher Tätigkeit außerdem angerechnet: weitere abgeschlossene Berufsausbildungen, Dienstpflicht (maximal ein Jahr), freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr (maximal ein Jahr), betreute, mindestens vierwöchige Praktika (maximal ein halbes Jahr). „Zeiten einer Teilzeitbeschäftigung werden entsprechend dem Verhältnis der Teilzeitarbeitszeit zur regelmäßigen Arbeitszeit berücksichtigt, wenn die Teilzeitarbeitszeit mindestens die Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit beträgt.“

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

  • § 3 der HZbPrüfVO: Als Zulassungsvoraussetzung zur Prüfung sind erforderlich: Abschluss der Sekundarstufe I (oder gleichwertiger Abschluss), eine mindestens zweijährige Ausbildung und anschließende mindestens zweijährige hauptberufliche Tätigkeit in diesem Beruf (oder eine mindestens fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit, die mit der eines entsprechenden Ausbildungsberufs vergleichbar ist) und ein Nachweis über die Prüfungsvorbereitung durch eine Bescheinigung (Einrichtung der Erwachsenenbildung, Verwaltungs- oder Wirtschaftsakademie, Fernstudieneinrichtung oder durch eine Person mit abgeschlossenem Hochschulstudium, die auf Fachoberschulniveau Nachhilfe in den Fächern des allgemeinen Prüfungsteils gegeben hat).
  • § 4 und 5 HZbPrüfVO: Die Prüfung gliedert sich in einen allgemeinen und einen besonderen Teil. Im allgemeinen Teil ist jeweils eine schriftliche Arbeit in den Fächern Deutsch und Englisch und dem Fach Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie zu schreiben sowie ein Prüfungsgespräch zu führen, das sich auf allgemeine Kenntnisse zu kulturellen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen bezieht. Der besondere Teil der Prüfung besteht aus einer schriftlichen Arbeit und einem Prüfungsgespräch, in dem die für den Beginn eines Studiums wesentlichen fachlichen Grundlagen des gewählten Studienbereichs oder des gewählten Studienfachs nachgewiesen werden müssen.
  • § 6 HZbPrüfVO: „Eine durch Prüfung erworbene fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung kann für einen weiteren Studienbereich oder ein weiteres Studienfach durch eine auf den besonderen Teil beschränkte Prüfung erweitert werden.“

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 18 Abs. 8 Satz 1 Nr. 2 NHG: Die Zugangsberechtigung zu weiterführenden Studiengängen und Masterstudiengängen setzt einen Bachelorabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss sowie berufspraktische Erfahrungen von mindestens einem Jahr voraus.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 7 Abs. 3 NHG: Die Hochschulen gestalten ihre Prüfungsordnungen so, dass die Anerkennung von beruflich erworbenen Kompetenzen nach Maßgabe der Gleichwertigkeit gewährleistet ist. Prüfungsordnungen sollen auch Regelungen über eine Einstufungsprüfung enthalten.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 18 Abs. 4 Satz 5 und 6 NHG: Nach einem erfolgreich absolvierten Studium von zwei Semestern kann das mit dieser Zugangsberechtigung begonnene Studium in einem Studiengang der gleichen Fachrichtung an einer anderen Hochschule fortgesetzt werden. Gleiches gilt auch für Studierende, die nach den Regelungen eines anderen Bundeslandes über eine Hochschulzugangsberechtigung nach beruflicher Vorbildung verfügen und an eine niedersächsische Hochschule wechseln wollen.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 5 Abs. 1 NHZG:  Es existiert eine Vorabquote für beruflich Qualifizierte. Die Höhe dieser Quote berechnet sich nach dem Anteil der Bewerber(innen), welche die Hochschulzugangsberechtigung „aufgrund beruflicher Vorbildung“ nach § 18 Abs. 4 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes besitzen, an der Gesamtzahl aller Bewerber(innen) für den entsprechenden Studiengang. Die Vorabquote darf dabei jedoch maximal 10 Prozent der zur Verfügung stehenden Studienplätze betragen. Weiterführende Studiengänge oder Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung unterliegen keiner Vorabquote (§ 5 Abs. 1 Satz 1 NHZG).

Artikel 9 Abs. 6 und 7 HSchulZulStVtr ND: Der Staatsvertrag bestimmt, dass sich das Auswahlverfahren für Bewerber(innen), die der Quote unterfallen, nach deren Qualifikationen richtet (Artikel 9 Abs. 6 HSchulZulStVtr ND). Die Hochschulen können ergänzende Auswahlkriterien gemäß § 5 Abs. 2 Satz 1 NHZG bestimmen (§ 5 Abs. 6 NHZG). Die ergänzende Auswahlentscheidung wird auf Basis der Durchschnittsnote oder der Durchschnittsnote in Kombination mit „a) eine[r] Gewichtung der in der Hochschulzugangsberechtigung ausgewiesenen Leistungen in Fächern, die über die Eignung für den gewählten Studiengang besonderen Aufschluss geben" oder b) einer besonderen Eignung getroffen (§ 5 Abs. 2 Satz 1 NHZG). Die Hochschulen stellen die besondere Eignung gemäß §5 Abs. 3 NHZG fest.

Nicht in Anspruch genommene Studienplätze aus den Quoten werden laut Artikel 9 Abs. 2 Satz 4 HSchulZulStVtr ND der Wartezeitquote hinzugerechnet.

(Stand: März 2017)

Daten-Monitoring

 

Die Entwicklung der Quote der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in Niedersachsen ist seit 2010 recht wechselhaft. Nach einem leichten Anstieg der Anteile auf 1,87 Prozent im Jahre 2014, zeigen die aktuellen Daten für 2015 mit 1,73 Prozent erneut einen dezenten Abwärtstrend, welcher Niedersachsens Positionierung auf dem 8. Platz in der Rangfolge des Bundesländervergleichs jedoch nicht verändert. Ähnlich wechselhaft, nur auf einem niedrigeren Niveau, sehen die Entwicklungen der Absolvent(inn)enquote seit 2011 aus. Nachdem die Quote im Vorjahr auf 1,39 Prozent stieg, fällt sie 2015 leicht auf 1,33 Prozent zurück. Dies kostet Niedersachsen jedoch in dieser Kategorie zwei Plätze im bundesweiten Ländervergleich, womit das Land nun auf Platz 7 rangiert und nur noch knapp über dem Bundesdurchschnitt von 1,30 Prozent liegt. Anders verhält es sich mit dem Anteil der beruflich qualifizierten Studierenden in Niedersachsen. Die Studierendenquote zeigt seit 2011 ein langsames aber konstantes Wachstum und liegt bei aktuellen 1,57 Prozent. Niedersachsen bewegt sich beim Studium ohne Abitur insgesamt im guten Mittelfeld.