Niedersachsen

Die niedersächsischen Hochschulen verfügen über langjährige Erfahrungen mit dem Studium ohne Abitur, da dieses dort bereits seit den 1970er Jahren möglich ist. Aktuell ist eine leichte Zunahme bei der Anzahl der Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife zu beobachten. In dieser Kategorie wird 2019 der höchste Stand innerhalb der letzten 10 Jahre erreicht. Zwar ist die Zahl der Studierenden ohne (Fach-)Abitur leicht rückläufig, übersteigt jedoch die Werte der Jahre zuvor. Trotz dieser positiven Tendenz hat sich Niedersachsen im Bundesländervergleich in beiden Bereichen etwas verschlechtert und liegt nun auf den Plätzen 11 und 10. Anders sieht die Situation beim Anteil der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur aus. Hier ist im Bundesländervergleich ein Sprung auf den 4. Platz zu verzeichnen. Eine Besonderheit in Niedersachsen ist, dass Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung keine Eignungsprüfung absolvieren müssen, um sich für einen Studiengang zu bewerben, der eine fachliche Nähe zum Beruf aufweist. Sie haben dadurch ähnliche Zugangsbedingungen wie Personen mit abgeschlossener Aufstiegsfortbildung, welche aber ihr Studienfach frei wählen dürfen. 


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (3 Jahre)

Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)

Oder:

Eine von der Hochschule studiengangbezogen und als gleichwertig festgestellte Vorbildung oder eine nach beruflicher Vorbildung fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung durch Prüfung.

Eignungsprüfung erforderlich:
Nein (aber möglich)
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 18 Abs. 4 NHG: Ein Studium in jeder Fachrichtung an jeder Hochschule kann aufnehmen, wer eine der folgenden Qualifikationen besitzt: Meisterprüfung, staatlich geprüfte*r Techniker*in oder staatlich geprüfte*r Betriebswirt*in, Fortbildungsabschluss i. S. des Berufsbildungsgesetzes (§§ 53 oder 54) oder der Handwerksordnung (§§ 42 oder 42a) mit mindestens 400 Unterrichtsstunden, Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst, Fachschulabschluss, eine landesrechtliche Fortbildungsregelung für Berufe im Gesundheitswesen oder für sozialpflegerische oder sozialpädagogische Berufe im Umfang von mindestens 400 Unterrichtsstunden.

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 18 Abs. 4 NHG: Personen, die eine durch Bundes- oder Landesrecht geregelte, mindestens dreijährige Berufsausbildung abgeschlossen und eine sich daran anschließende mindestens dreijährige Berufstätigkeit ausgeübt haben, besitzen auch ohne Prüfung eine unmittelbare fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung. Die Bewerber*innen müssen in einem dem angestrebten Studiengang fachlich nahestehenden Bereich gearbeitet haben. Ferner berechtigt eine andere von der Hochschule studiengangsbezogen als gleichwertig festgestellte Vorbildung oder eine nach beruflicher Vorbildung fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung durch Prüfung zum Studium einer entsprechenden Fachrichtung an jeder Hochschule.

§ 18 Abs. 3 NHG: „Die Fachhochschulreife berechtigt zum Studium in jeder Fachrichtung an jeder Fachhochschule und zum Studium in der entsprechenden Fachrichtung an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen.“

§ 18 Abs. 4 Satz 2 NHG: Stipendiat*innen des Aufstiegsstipendiums des Bundes benötigen eine mindestens zweijährige Berufspraxis in einem fachlich nahe stehenden Bereich.

§ 3 HZbPrüfVO: Pflege- und Betreuungszeiten gelten als hauptberufliche Tätigkeit. Folgende Tätigkeiten werden auf die Zeit hauptberuflicher Tätigkeit außerdem angerechnet: Weitere abgeschlossene Berufsausbildungen, Dienstpflicht (maximal ein Jahr), freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr (maximal ein Jahr), betreute, mindestens vierwöchige Praktika (maximal ein halbes Jahr). „Zeiten einer Teilzeitbeschäftigung werden entsprechend dem Verhältnis der Teilzeitarbeitszeit zur regelmäßigen Arbeitszeit berücksichtigt, wenn die Teilzeitarbeitszeit mindestens die Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit beträgt.“

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

§ 3 HZbPrüfVO: Als Zulassungsvoraussetzung zur Prüfung sind erforderlich: Abschluss der Sekundarstufe I (oder gleichwertiger Abschluss), eine mindestens zweijährige Ausbildung und anschließende mindestens zweijährige hauptberufliche Tätigkeit in diesem Beruf (oder eine mindestens fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit, die mit der eines entsprechenden Ausbildungsberufs vergleichbar ist) und ein Nachweis über die Prüfungsvorbereitung durch eine Bescheinigung (Einrichtung der Erwachsenenbildung, Verwaltungs- oder Wirtschaftsakademie, Fernstudieneinrichtung oder durch eine Person mit abgeschlossenem Hochschulstudium, die auf Fachoberschulniveau Nachhilfe in den Fächern des allgemeinen Prüfungsteils gegeben hat).

§ 4 und 5 HZbPrüfVO: Die Prüfung gliedert sich in einen allgemeinen und einen besonderen Teil. Im allgemeinen Teil ist jeweils eine schriftliche Arbeit in den Fächern Deutsch und Englisch und dem Fach Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie zu schreiben sowie ein Prüfungsgespräch zu führen, das sich auf allgemeine Kenntnisse zu kulturellen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen bezieht. Der besondere Teil der Prüfung besteht aus einer schriftlichen Arbeit und einem Prüfungsgespräch, in dem die für den Beginn eines Studiums wesentlichen fachlichen Grundlagen des gewählten Studienbereichs oder des gewählten Studienfachs nachgewiesen werden müssen.

§ 6 HZbPrüfVO: „Eine durch Prüfung erworbene fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung kann für einen weiteren Studienbereich oder ein weiteres Studienfach durch eine auf den besonderen Teil beschränkte Prüfung erweitert werden.“

 

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 18 Abs. 8 Satz 1 Nr. 2 NHG: Die Zugangsberechtigung zu weiterführenden Studiengängen und Masterstudiengängen setzt einen Bachelorabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss sowie berufspraktische Erfahrungen von mindestens einem Jahr voraus.

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 7 Abs. 3 NHG: Die Hochschulen gestalten ihre Prüfungsordnungen so, dass die Anerkennung von beruflich erworbenen Kompetenzen nach Maßgabe der Gleichwertigkeit gewährleistet ist. Prüfungsordnungen sollen auch Regelungen über eine Einstufungsprüfung enthalten.

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 18 Abs. 4 Satz 5 und 6 NHG: Nach einem erfolgreich absolvierten Studium von zwei Semestern kann das mit dieser Zugangsberechtigung begonnene Studium in einem Studiengang der gleichen Fachrichtung an einer anderen Hochschule fortgesetzt werden. Gleiches gilt auch für Studierende, die nach den Regelungen eines anderen Bundeslandes über eine Hochschulzugangsberechtigung nach beruflicher Vorbildung verfügen und an eine niedersächsische Hochschule wechseln wollen.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 5 Abs. 3 NHZG:  Es existiert eine Vorabquote für beruflich Qualifizierte. Die Höhe dieser Quote berechnet sich nach dem Anteil der Bewerber*innen, welche die Hochschulzugangsberechtigung „aufgrund beruflicher Vorbildung“ nach § 18 Abs. 4 NHG besitzen, an der Gesamtzahl aller Bewerber*innen für den entsprechenden Studiengang. Die Vorabquote darf dabei jedoch maximal 10 Prozent der zur Verfügung stehenden Studienplätze betragen. Weiterführende Studiengänge oder Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung unterliegen keiner Vorabquote.

§ 5 Abs. 12 NHZG: Sind Studienplätze in einem Auswahlverfahren frei geblieben oder nach Verfahrensschluss zusätzlich bereitgestellt worden, so werden sie nach dem Ergebnis der Hochschulzugangsberechtigung oder in einem Losverfahren vergeben.

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Die Entwicklung der Anteile der Studienanfänger*innen, Studierenden sowie Absolvent*innen ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife zeigt in Niedersachsen innerhalb der letzten Jahre zwar einige Schwankungen, insgesamt weist der Trend aber leicht nach oben. Die aktuelle Quote der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur übersteigt das Vorjahresniveau nur leicht und liegt nun bei 2,05 Prozent. Dennoch rutscht Niedersachsen im Bundesländervergleich hier von Platz 10 auf Rang 11. Bei den Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) ist der Anteil minimal rückläufig und liegt nun bei 1,71 Prozent. Auch hier verliert das Bundesland einen Rang und rutscht auf Platz 10.

Eine positive Entwicklung ist bei der Quote der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur zu beobachten. Diese ist zwar gegenüber dem Vorjahr nur marginal auf 1,59 Prozent gestiegen, dennoch klettert Niedersachsen in dieser Kategorie im Ländervergleich von Platz 8 auf Rang 6. Insgesamt betrachtet liegen die Quoten aller drei Kategorien unter dem jeweiligen Bundesdurchschnitt.