Hessen

In Hessen bestehen traditionell weitgehende Möglichkeiten des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte. Das gilt auch für zugangsbeschränkte Fächer. In Folge dessen ist der Anteil der Studienanfänger(innen), die weder die allgemeine Hochschulreife noch die Fachhochschulreife besitzen, konstant relativ hoch. Dennoch lässt sich 2014 ein rückläufiger Trend bei der Nachfrage nach einem Studium ohne Abitur in Hessen beobachten. Es bleibt abzuwarten, ob der im Dezember 2015 gestartete Modellversuch an den Hochschulen in Hessen im Rahmen der Erprobung neuer Wege des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte (nach § 54 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 in Verbindung mit Abs. 6 Satz 2 HHG) dieser Abwärtsbewegung möglicherweise entgegenwirkt. Der Modellversuch ermöglicht es hessischen Hochschulen, Personen mit einer Berufsausbildung ohne die sonst nötige dreijährige Berufserfahrung unter bestimmten Bedingungen eine Hochschulzugangsberechtigung im Sinne einer Fachhochschulreife zu erteilen.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf (2 Jahre)

Berufserfahrung nach erfolgter Ausbildung (3 Jahre)

Wenn keine fachliche Verwandtschaft zwischen der Berufsausbildung/-tätigkeit und dem angestrebten Studiengang besteht:
Zusätzlich Nachweis einer fachlich einschlägigen und qualifizierten Weiterbildung in einem zum angestrebten Studium fachlich verwandten Bereich im Umfang von mindestens 400 Stunden

Eignungsprüfung erforderlich:

Ja
Probestudium möglich:
Nein
Berechtigung im Rahmen des Modellversuchs bis zum Sommerstemester 2021:



Fachhochschulreife
Voraussetzungen:
Mittlerer Schulabschluss

Abschluss einer anerkannten Berufsausbildung (mind. 3 Jahre), die nach dem 01. Januar 2011 und mit einer Mindestnote von 2,5 abgeschlossen wurde

Abschluss einer Studienvereinbarung bei Immatrikulation, die beinhaltet:

  • Verpflichtende Beteiligung an Befragungen und Erhebungen im Rahmen des Modellversuchs sowie
  • Erbringung von mind. 18 Leistungspunkten (ECTS) im ersten Semester oder alternativ 30 ECTS im ersten Studienjahr
Eignungsprüfung erforderlich:

Nein
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 54 Abs. 2 HHG/§ 1 Abs. 1 der Verordnung über den Zugang beruflich Qualifizierter zu den Hochschulen in Hessen: Das Bestehen der Meisterprüfung berechtigt zum Studium aller Fachrichtungen. Als der Meisterprüfung gleichgestellte vergleichbare Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung gelten: Fortbildungsabschlüsse nach §§ 53 oder 54 Berufsbildungsgesetz und §§ 42 oder 42a Handwerksordnung, wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst, Fortbildungsabschlüsse nach Seemannsgesetz, ein Fachschulabschluss, vergleichbare landesrechtliche Fort- und Weiterbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen und im Bereich sozialpflegerischer oder sozialpädagogischer Berufe, Abschlüsse vergleichbarer bundesrechtlicher Fort- und Weiterbildungsregelungen wie beispielsweise Steuerberaterinnen und Steuerberater, Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 2 Abs. 1 der Verordnung: Zum Test der Vorbildung und Eignung für einen bestimmten Studienbereich kann eine Hochschulzugangsprüfung abgelegt werden. Zur Prüfung wird nach § 3 Abs. 1 der Verordnung zugelassen, wer eine mindestens zweijährige fachlich verwandte Berufsausbildung abgeschlossen (nach Berufsbildungsgesetz, Handwerksordnung, Bundes- oder Landesrecht) und daran anschließend mindestens  zwei Jahre hauptberuflich in diesem Bereich gearbeitet hat. Laut § 3 Abs. 2 kann eine fachlich nicht einschlägige Berufsausbildung oder -tätigkeit  durch eine mindestens 400 Stunden umfassende qualifizierte Weiterbildung in einem zum angestrebten Studium fachlich verwandten Bereich ersetzt werden. Geeignete Weiterbildungsmaßnahmen sind demnach: Fernlehrgänge und weiterbildende Studien an Hochschulen, inner- oder überbetriebliche Fortbildungsmaßnahmen, Kurse der Volkshochschulen und anderer Träger der Erwachsenenbildung.

  • § 3 Abs. 1 der Verordnung: Die Berufstätigkeit muss nicht zum Zeitpunkt des Antrags ausgeübt werden. Bei erzieherischen und sozialpflegerischen Berufen können Pflege- und Erziehungszeiten mit bis zu zwei Jahren angerechnet werden.
  • § 1 Abs. 2 der Verordnung: „Absolventinnen und Absolventen von Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien, die eine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen, sowie Absolventinnen und Absolventen eines einjährigen Lehrgangs an der Europäischen Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt am Main besitzen eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung.“

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung

  • § 4 Abs. 4 und 5 der Verordnung regeln das Antragsverfahren, die optionale Durchführung eines Beratungsgesprächs, die mögliche Anerkennung von Eignungsfeststellungsverfahren anderer Länder und die Bildung von hochschulübergreifenden Prüfungsausschüssen in Hessen, die jeweils für einen Studienbereich oder ein Teilgebiet des Studienbereichs zuständig sind. Gegenstandsbereich der Prüfung sind allgemeine und fachliche Grundlagen des gewünschten Studiums; die Prüfung „knüpft an den besonderen berufsbezogenen Erfahrungen und Fähigkeiten der Bewerberin oder des Bewerbers an“ (§ 6 Abs. 2 der Verordnung). Die Prüfung besteht aus einem Prüfungsgespräch und einer schriftlichen Prüfung (§ 6 Abs. 3 der Verordnung). Unter bestimmten Voraussetzungen kann auf den schriftlichen Prüfungsteil verzichtet werden (§ 6 Abs. 5 der Verordnung). Zur Durchführung der Prüfung wird ein Prüfungsausschuss gebildet; das Prüfungsverfahren soll drei Monate nach Ablauf der Antragsfrist abgeschlossen sein (§ 7 Abs. 6 der Verordnung).

Zulassung in weiterbildende Studiengänge

§ 16 Abs. 1 und 2 HHG: Die Hochschulen sind aufgefordert, Weiterbildungsangebote zur wissenschaftlichen Vertiefung und Ergänzung berufspraktischer Erfahrungen zu entwickeln. In weiterbildende Masterstudiengänge können auch Personen zugelassen werden, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen. Ausbildung und Berufserfahrung müssen einen fachlichen Bezug zum angestrebten Studium aufweisen. In einer Eignungsprüfung wird festgestellt, ob der Kenntnisstand "dem eines für den angestrebten Studiengang einschlägigen ersten Hochschulabschluss entspricht".

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 18 Abs. 6 HHG: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden, wenn die anzurechnenden Kenntnisse und Fähigkeiten den Studien- und Prüfungsleistungen, die sie ersetzen sollen, gleichwertig sind und die Kriterien für die Anrechnung im Rahmen der Akkreditierung nach § 12 Abs. 2 überprüft worden sind. Insgesamt dürfen nicht mehr als 50 vom Hundert der in dem Studiengang erforderlichen Prüfungsleistungen durch die Anrechnung ersetzt werden. Die §§ 23 und 54 bleiben unberührt." Gemäß § 23 HHG besteht die Möglichkeit einer Einstufungsprüfung: „Prüfungsordnungen können vorsehen, dass Bewerberinnen und Bewerbern mit einer Hochschulzugangsberechtigung nach § 54, die auf andere Weise als durch ein Hochschulstudium besondere Fähigkeiten und Kenntnisse erworben haben, die für die erfolgreiche Beendigung des Studiums erforderlich sind, Studien- und Prüfungsleistungen nach dem Ergebnis einer Einstufungsprüfung erlassen werden können. Sie sind in einem dem Prüfungsergebnis entsprechenden Abschnitt des gewählten Studiengangs zuzulassen.“

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 1 Abs. 4 der Verordnung: Landesspezifische Hochschulzugangsberechtigungen werden nach einem Jahr nachweislich erfolgreichen Studiums zwecks Weiterstudiums in einem gleichen oder fachlich verwandten Studiengang anerkannt (mind. 45 Kreditpunkte müssen erreicht werden). Auch ein erfolgreich absolviertes Probestudiums aus anderen Ländern wird anerkannt. Nach § 4 Abs. 6 der Verordnung kann darüber hinaus der jeweils zuständige Prüfungsausschuss Eignungsfeststellungsverfahren anderer Länder ganz oder teilweise anerkennen und auf eine eigene Prüfung verzichten.

Sonstiges

§ 54 Abs. 4 HHG: „Bei nachgewiesener hervorragender wissenschaftlicher oder künstlerischer Begabung kann auf eine Hochschulzugangsberechtigung für den betreffenden Studiengang verzichtet werden, sofern er mit einer Hochschulprüfung abgeschlossen wird.“ (Laut KMK-Synopse gilt dies nicht für medizinische und pharmazeutische Studiengänge, die mit einer staatlichen Prüfung abschließen.)

(Stand: März 2016)

Daten-Monitoring

 

Nach einem starken Anstieg der Studienanfänger(innen)quote ohne Abitur auf 2,78 Prozent im Jahr 2012 befindet sich Hessen im bundesweiten Vergleich nun auf dem sechsten Platz und damit im oberen Mittelfeld. Die jüngsten Entwicklungen zeigen 2014 einen rückläufigen Trend, der sich in Form einer um 0,77 Prozentpunkte gesunkenen Studienanfänger(innen)quote von 2,01 Prozent bemerkbar macht. Der Anteil der Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife ist in Hessen seit 2011 auf einem ungefähr konstantem Niveau von circa 1,70 Prozent und damit nah am Bundesdurchschnitt von 1,85 Prozent. Dennoch verliert Hessen in dieser Kategorie gegenüber dem Vorjahr einen Platz und belegt im Bundesländervergleich nun den sechsten Platz. Bei der Absolvent(inn)enquote zeigt sich in Hessen, nach negativen Tendenzen in 2013, ein aktuell positiver Aufwärtstrend. Mit 1,30 Prozent wird der für das Bundesland bislang höchste Wert erreicht, welcher zudem über dem Bundesdurchschnitt liegt.