Hamburg

Hamburg nimmt nimmt weiterhin eine Spitzenposition beim Studium ohne Abitur in Deutschland ein. Der Stadtstaat belegt sowohl bei den Studienanfänger*innen als auch bei den Hochschulabsolvent*innen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife aktuell den 1. Platz im Bundesländervergleich. Bei den Erstsemestern überschreitet die Hansestadt sogar als einziges Bundesland die Fünf-Prozent-Marke. Insgesamt sind die Zahlen beim Studium ohne Abitur in Hamburg aber leicht rückläufig. In dem Stadtstaat gibt es bereits seit den 1950er Jahren weitreichende Zugangsmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte. 2014 hat Hamburg im Zuge einer Gesetzesnovelle weitere Anstrengungen auf diesem Sektor unternommen. Zentrale Aspekte der Reform waren die Einführung einer Vorabquote bei der Studienplatzvergabe in Höhe von drei Prozent für Studienbewerber*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung sowie die Möglichkeit zur pauschalen Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf das Studium seitens der Hochschulen.

 

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch an der Hochschule

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung

Berufserfahrung (3 Jahre, in Ausnahmefällen 2 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja

Gesetzliche Regelungen

Neu und einzigartig im Vergleich mit den anderen Bundesländern ist die ausdrückliche Vorschrift im Hochschulgesetz, dass Hochschulen die Bedürfnisse beruflich Qualifizierter ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bei der Studiengangsplanung berücksichtigen und besondere Angebote für diese Personengruppe erarbeiten sollen. Zudem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um den Studienerfolg dieser Personengruppe zu verbessern. (§ 3 Abs. 6 HmbHG)

 

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Laut § 37 Abs. 1 HmbHG haben folgende Personen einen direkten Hochschulzugang: Meister*innen, Fachwirt*innen sowie Inhaber*innen anderer Fortbildungsabschlüsse im Sinne des Berufsbildungsgesetzes und der Handwerksordnung (Lehrgang muss mindestens 400 Stunden umfassen), Inhaber*innen von Befähigungszeugnissen nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, von Fachschulabschlüssen und von Abschlüssen landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe und von ausländischen Qualifikationen, welche den zuvor genannten gleichwertig sind.

Die Hochschulen sollen durch Satzung vorsehen, dass die oben genannten Bewerbergruppen die Teilnahme an einem von der Hochschule angebotenen Beratungsgespräch nachweisen müssen (§ 37 Abs. 2 HmbHG).

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Laut § 38 Abs. 1 und 2 HmbHG sind Personen zu einem Studium berechtigt, wenn sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung und daran anschließend über mindestens drei – in begründeten Ausnahmefällen zwei – Jahre Berufspraxis verfügen sowie ihre Studierfähigkeit für den gewählten Studiengang in einer Eingangsprüfung nachweisen. Das Nähere regeln die Hochschulen durch Satzung (§ 38 Abs. 6 HmbHG). Außerdem regelt § 38 Abs. 6 Satz 2 des HmbHG, dass in bestimmten Fällen der Erforderlichkeit einer Hochschule oder eines Faches davon abweichende Zulassungsvoraussetzungen festgelegt werden können. Die Bewerber*innen können unabhängig von ihrer beruflichen Vorbildung prinzipiell jeden Studiengang wählen, sofern sie die jeweilige studiengangbezogene Eingangsprüfung bestehen.

  • § 38 Abs. 2 HmbHG: „Zeiten einer Kindererziehung, einer Pflegetätigkeit oder eines Wehr-, Ersatz- oder Freiwilligendienstes können bis zur Dauer von zwei Jahren […] auf die Zeit der Berufstätigkeit angerechnet werden“. Wenn nur zwei Jahre Berufstätigkeit gefordert werden, dann können diese Zeiten bis zur Dauer von einem Jahr angerechnet werden.
  • § 38 Abs. 3 HmbHG: Der Nachweis einer mindestens einjährigen erfolgreichen Teilnahme an einem Probestudium kann die Eingangsprüfung ersetzen.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 39 Abs. 3 HmbHG: Zum Studium in einem weiterbildenden Masterstudiengang ist auch berechtigt, wer eine Eingangsprüfung bestanden hat, in der eine fachliche Qualifikation nachgewiesen wird, die der eines abgeschlossenen grundständigen Studiums gleichwertig ist. Näheres regeln die Hochschulen durch Satzung.

§ 57 Abs. 2: „Zugangsvoraussetzung zu weiterbildenden Studien ist die für eine Teilnahme erforderliche Eignung, die durch berufspraktische Tätigkeit oder auf eine andere Weise erworben sein kann.“ Diese berufspraktische Tätigkeit sollte in der Regel nicht weniger als ein Jahr umfassen (§ 39 Abs. 1 HmbHG).

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 40 Abs. 2 HmbHG: „Auf andere Weise als durch ein Studium erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten, die jenen gleichwertig und für einen erfolgreichen Abschluss eines Studiengangs erforderlich sind, sind in einem Umfang von bis zur Hälfte auf die zu erbringenden Studien- und Prüfungsleistungen anzurechnen.“

§ 40 Abs. 3 HmbHG: „Die Hochschulen können die Anrechnung von Kenntnissen und Fähigkeiten nach Absatz 2, die durch bestimmte berufliche Aus- und Fortbildungen vermittelt werden, in allgemeiner Form regeln; sie veröffentlichen diese Regelungen. Für in der Hochschulpraxis häufig vorkommende Aus- und Fortbildungen soll dies erfolgen. Soweit es sich um eine berufliche Aus- oder Fortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz handelt, ist die für die Berufsbildung zuständige Stelle (Kammer) vorher anzuhören.“

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 38 Abs. 5 HmbHG: Nach erfolgreichem, mindestens einjährigem Studium an einer deutschen Hochschule kann im gleichen Studiengang oder in einem Studiengang derselben Fachrichtung an einer Hamburger Hochschule weiterstudiert werden.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Im Hochschulzulassungsgesetz ist eine Vorabquote von drei Prozent für Bewerber*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung in grundständigen Studiengängen festgelegt, welche nach dem Ergebnis eines Auswahlverfahrens gemäß § 5 HZG vergeben wird (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4). Sofern Studienplätze sowohl in der Härtefall- als auch der Spitzensportlerquote frei bleiben sollten, werden diese für beruflich qualifizierte Bewerber*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bereitgehalten (§ 3 Abs. 3 Nr. 2 HZG). Sollten in der Quote für beruflich Qualifizierte Studienplätze nicht in Anspruch genommen werden, werden diese den Hauptquoten zugeteilt (§ 3 Abs. 3 Nr. 1 HZG).

Gemäß § 5 Abs. 4 Satz 1 HZG können die Hochschulen „für entsprechende Studiengänge durch die Gestaltung der Auswahlkriterien [...] dafür Sorge tragen, dass Bewerberinnen und Bewerber ohne allgemeine Hochschulreife beziehungsweise Fachhochschulreife besondere Zulassungschancen erhalten." Weiterhin wird im zweiten Satz selbigen Paragraphes des HZG geregelt, dass im Bachelorstudiengang Sozialökonomie der Universität Hamburg bis zu 40 Prozent der zu vergebenden Studienanfängerplätze für beruflich qualifizierte Bewerber*innen „ohne Zeugnis der Hochschulreife" vorbehalten sind.

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Laut den jüngsten verfügbaren Daten ist die Entwicklung beim Studium ohne Abitur in Hamburg rückläufig. Dennoch kann 2019 die Fünf-Prozent-Marke beim Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung erneut überschritten werden. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Quote um 0,5 Prozent zurückgegangen, sodass der Anteil im aktuellen Berichtszeitraum bei 5,32 Prozent liegt. Damit hält Hamburg im Bundesländervergleich weiterhin den 1. Platz in dieser Kategorie – und dies schon seit 2012.

Bei den Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) hat Hamburg gegenüber dem Vorjahr einen Platz verloren und liegt an 2. Position. Hier ist der Anteil der Studierenden ohne Abitur an allen Studierenden im Bundesland um 0,88 Prozent gesunken und liegt aktuell bei 4,35 Prozent. Auch die Absolvent*innenquote hat um 0,4 Prozent abgenommen. Dennoch erreicht sie mit 3,55 Prozent immer noch Rang 1 im Bundesländervergleich. Damit liegt Hamburg bei den Anteilen in allen drei Kategorien weit über dem Bundesdurchschnitt.