Hamburg

Jahrzehntelang nahm Hamburg beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife eine besondere Stellung ein. In der Hansestadt gab es so weitreichende Zugangsmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte wie sonst kaum in Deutschland. Auch im Jahr 2014 führt der Stadtstaat den Bundesländervergleich wieder an. Die aktuelle Quote der Studienanfänger(innen) liegt in Hamburg seit dem Jahr 2002 erstmals wieder über fünf Prozent und beträgt damit mehr als das Doppelte des bundesweiten Durchschnitts. Zudem hat Hamburg weitere Anstrengungen auf diesem Sektor unternommen. So wurden im Zuge der letzten Gesetzesnovelle weitere Erleichterungen für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung geschaffen. Im Dezember 2014 erfolgte die Umsetzung der Reform des Hamburgischen Hochschulgesetzes. Zentrale Aspekte der Neuerung sind: Die Einführung einer 3 Prozent-Quote für beruflich qualifizierte Studienbewerber(innen) sowie die Möglichkeit zu pauschalen Anrechnungsregelungen seitens der Hochschulen.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch an der Hochschule

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung

Berufserfahrung (3 Jahre, in Ausnahmefällen 2 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja

Gesetzliche Regelungen

Neu und einzigartig im Vergleich mit den anderen Bundesländern ist die ausdrückliche Vorschrift im Hochschulgesetz, dass Hochschulen die Bedürfnisse beruflich Qualifizierter ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bei der Studiengangsplanung berücksichtigen und besondere Angebote für diese Personengruppe erarbeiten sollen. Zudem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um den Studienerfolg dieser Personengruppe zu verbessern. (§ 3 Abs. 6 HmbHG)

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Laut § 37 Abs. 1 HmbHG haben folgende Personen einen direkten Hochschulzugang: Meister(innen), Fachwirte und Fachwirtinnen sowie Inhaber(innen) anderer Fortbildungsabschlüsse im Sinne des Berufsbildungsgesetzes und der Handwerksordnung (Lehrgang muss mindestens 400 Stunden umfassen), Inhaber(innen) von Befähigungszeugnissen nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, von Fachschulabschlüssen und von Abschlüssen landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe und von ausländischen Qualifikationen, welche den zuvor genannten gleichwertig sind.

Die Hochschulen sollen durch Satzung vorsehen, dass die oben genannten Bewerbergruppen die Teilnahme an einem von der Hochschule angebotenen Beratungsgespräch nachweisen müssen (§ 37 Abs. 2 HmbHG).

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Laut § 38 Abs. 1 und 2 HmbHG sind Personen zu einem Studium berechtigt, wenn sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung und daran anschließend über mindestens drei – in begründeten Ausnahmefällen zwei – Jahre Berufspraxis verfügen sowie ihre Studierfähigkeit für den gewählten Studiengang in einer Eingangsprüfung nachweisen. Das Nähere regeln die Hochschulen durch Satzung (§ 38 Abs. 6 HmbHG). Die Bewerber(innen) können unabhängig von ihrer beruflichen Vorbildung prinzipiell jeden Studiengang wählen, sofern sie die jeweilige studiengangbezogene Eingangsprüfung bestehen.

  • § 38 Abs. 2 HmbHG: „Zeiten einer Kindererziehung, einer Pflegetätigkeit oder eines Wehr-, Ersatz- oder Freiwilligendienstes können bis zur Dauer von zwei Jahren […] auf die Zeit der Berufstätigkeit angerechnet werden“. Wenn nur zwei Jahre Berufstätigkeit gefordert werden, dann können diese Zeiten bis zur Dauer von einem Jahr angerechnet werden.
  • § 38 Abs. 3 HmbHG: Der Nachweis einer mindestens einjährigen erfolgreichen Teilnahme an einem Probestudium kann die Eingangsprüfung ersetzen.

Zulassung in weiterbildende Masterstudiengänge und Studien

§ 39 Abs. 3 HmbHG: Zum Studium in einem weiterbildenden Masterstudiengang ist auch berechtigt, wer eine Eingangsprüfung bestanden hat, in der eine fachliche Qualifikation nachgewiesen wird, die der eines abgeschlossenen grundständigen Studiums gleichwertig ist. Näheres regeln die Hochschulen durch Satzung. § 57 Abs. 2: „Zugangsvoraussetzung zu weiterbildenden Studien ist die für eine Teilnahme erforderliche Eignung, die durch berufspraktische Tätigkeit oder auf eine andere Weise erworben sein kann.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 40 Abs. 2 HmbHG: „Auf andere Weise als durch ein Studium erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten, die jenen gleichwertig und für einen erfolgreichen Abschluss eines Studiengangs erforderlich sind, sind in einem Umfang von bis zur Hälfte auf die zu erbringenden Studien- und Prüfungsleistungen anzurechnen.“

§ 40 Abs. 3HmbHG: „Die Hochschulen können die Anrechnung von Kenntnissen und Fähigkeiten nach Absatz 2, die durch bestimmte berufliche Aus- und Fortbildungen vermittelt werden, in allgemeiner Form regeln; sie veröffentlichen diese Regelungen. Für in der Hochschulpraxis häufig vorkommende Aus- und Fortbildungen soll dies erfolgen. Soweit es sich um eine berufliche Aus- oder Fortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz handelt, ist die für die Berufsbildung zuständige Stelle (Kammer) vorher anzuhören.“

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 38 Abs. 5 HmbHG: Nach erfolgreichem, mindestens einjährigem Studium an einer deutschen Hochschule kann im gleichen Studiengang oder in einem Studiengang derselben Fachrichtung an einer Hamburger Hochschule weiterstudiert werden.

Quoten und Auswahlverfahren

Im Hochschulzulassungsgesetz ist eine Vorabquote von 3 Prozent für Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung in grundständigen Studiengängen festgelegt, welche nach dem Ergebnis eines Auswahlverfahrens gemäß § 5 HZG vergeben wird (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4). Sofern Studienplätze sowohl in der Härtefall als auch der Spitzensportlerquote frei bleiben sollten, werden diese für beruflich qualifizierte Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bereitgehalten (§ 3 Abs. 3 Nr. 2, HZG).

Gemäß § 5 Abs. 4 Satz 1 können die Hochschulen „für entsprechende Studiengänge durch die Gestaltung der Auswahlkriterien dafür Sorge tragen, dass Bewerberinnen und Bewerber ohne allgemeine Hochschulreife beziehungsweise Fachhochschulreife besondere Zulassungschancen erhalten.“

(Stand: März 2016)

Daten-Monitoring

 

Seit dem Jahr 2012 belegt Hamburg mit seinen Anteilen an Studienanfänger(inne)n und Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im bundesweiten Ländervergleich den ersten Platz. Den aktuellsten Daten zufolge weist Hamburg mit 5,60 Prozent einen erneut starken Anstieg der Studienanfänger(innen)quote auf. Für die Aufwärtsbewegung könnte unter anderem die 2010 durchgeführte Novellierung des Hochschulgesetzes auf Basis der KMK-Vorgaben verantwortlich sein. Der bedeutendste Faktor dürfte jedoch die Behebung einiger Probleme der Datenerfassung auf der Ebene der Hochschulen sein, die zuvor stellenweise zu einer Untererfassung der beruflich qualifizierten Studienanfänger(innen) und Studierenden geführt hatte. Die Anteile der Studierenden ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife steigen im Vergleich zum Vorjahr auf 5,32 Prozent wieder leicht an, nachdem sie im Jahr 2013 um 0,21 Prozentpunkte zurückgefallen waren. Damit erhält Hamburg seinen großen Vorsprung zum zweitplatzierten Land Berlin. Nachdem es der Stadtstaat durch einen rasanten Anstieg der Absolvent(inn)enquoten von 2,27 Prozentpunkten zwischen 2012 und 2013 von dem fünften auf den ersten Platz im Bundesländervergleich geschafft hat, verzeichnen die aktuellen Zahlen nun wieder einen dezenten Negativtrend. Mit einer Absolvent(inn)enquote von 2,82 Prozent nimmt Hamburg aber auch in dieser Kategorie nach wie vor den ersten Platz ein.