Bremen

Bremen hat in den letzten Jahren die Zugangsmöglichkeiten zum Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife erheblich erweitert. Danach sind mittlerweile Meister- und ähnlich hochwertige Berufsbildungsabschlüsse der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Personen mit diesen Qualifikationen können ihr Studienfach frei wählen. Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung erhalten einen fachgebundenen Hochschulzugang. Die Nachfrage nach dem Studium ohne Abitur hat sich in Bremen in jüngster Zeit positiv entwickelt und bleibt auch nach aktuellen Zahlen konstant. Gehörte das Bundesland diesbezüglich im Jahr 2012 noch zu den Schlusslichtern im Bundesländervergleich, rangiert es nach einer Verdoppelung der Quote beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) aktuell im unteren Mittelfeld. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch bei den Absolvent(inn)enzahlen.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)

Berufserfahrung (3 Jahre)

Oder:

Abschluss eines Kontaktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbildenden Studiums an einer Bremer Hochschule

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja (Einstufungsprüfung)
Probestudium möglich:
Ja, mit abgeschlossener Berufsausbildung und fünfjähriger Erwerbstätigkeit

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 33 Abs. 3a BremHG: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, wer eine Meisterprüfung bzw. eine der Meisterfortbildung vergleichbare Ausbildung mit vergleichbarer Prüfung bestanden, einen Bildungsgang einer zweijährigen Fachschule mit staatlicher Prüfung bzw. einen vergleichbaren Bildungsgang absolviert hat, über einen Fortbildungsabschluss nach §§ 53 oder 54 Berufsbildungsgesetz oder §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung (mit mindestens 400 Unterrichtsstunden) oder über einen Abschluss nach vergleichbarer Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen bzw. im Bereich der sozialpflegerischen/sozialpädagogischen Berufe verfügt.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 33 Abs. 5 Nr. 1 BremHG: Eine fachgebundene Hochschulreife kann durch eine bestandene Einstufungsprüfung erlangt werden.

  • FachgHSchRVO Teil II regelt die Voraussetzungen für die Zulassung zur Einstufungsprüfung: Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss eine mindestens zweijährige Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen sein (entweder in einem anerkannten oder gleichwertig geregelten Ausbildungsberuf, schulisch oder in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis) und eine sich daran anschließende mindestens dreijährige Berufstätigkeit nachgewiesen werden (oder eine Gesamtdauer von mindestens fünf Jahren). Abweichend genügt auch eine mindestens fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit, die mit den Anforderungen eines entsprechenden Ausbildungsberufs vergleichbar ist. Auch der erfolgreich abgeschlossene Besuch einer zweijährigen Berufsfachschule oder Fachschule gilt als Berufsausbildung.
  • Teil II der FachgHSchRVO regelt u. a. auch die Antragstellung zur Einstufungsprüfung und die Zuständigkeit der Hochschule bezüglich Zulassung, Durchführung und Bewertung der Einstufungsprüfung. Die Regelungen müssen in einer von Rektor oder Rektorin zu erlassenden Ordnung schriftlich vorliegen.
  • § 33 Abs. 4 BremHG: Eine bestandene Zwischenprüfung an der Universität hebt die Fachbindung auf.
  • Gemäß FachgHSchRVO Teil II können u. a. die selbstständige Führung eines Familienhaushaltes mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person oder vom Arbeitsamt bescheinigte Zeiten der Arbeitslosigkeit von maximal einem Jahr auf die Zeit der Berufstätigkeit angerechnet werden, sofern während der Arbeitslosigkeit Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen erfolgt sind. Auch der Facharbeitertätigkeit vergleichbare Tätigkeiten von mindestens fünf Jahren oder Tätigkeiten, die nicht unbedingt eine einschlägige Berufsausbildung voraussetzen, werden anerkannt.

§ 33 Abs. 5 Nr. 2 BremHG und Teil III der FachgHSchRVO: Auch nach erfolgreichem Beste­hen eines (jeweils für die angestrebte fachgebun­dene Hochschulreife fach­lich einschlägigen) Kon­taktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbil­denden Studiums an einer Hochschule der Freien Hansestadt Bremen erhält man die fachgebundene Hochschulreife. Vorausset­zung für die Zulassung ist i. d. R. eine dreijährige Berufstätigkeit. Wird eine der o. g. Studienvarianten erfolgreich abgeschlossen, erteilt die Hochschule ein Zertifikat, das die fachge­bundene Hochschulreife bescheinigt. Näheres zum Kontaktstudium auch unter § 58 BremHG.

Probestudium („Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel“):

  • § 35 Abs. 1, 2 und 4 BremHG gestattet den Hochschulen, die Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel bei Bewerber(inne)n ohne Hochschulzugangsberech­tigung nach § 33 BremHG. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine fünfjährige Erwerbstätigkeit (oder entsprechende Er­satzzeiten). Diese Perso­nen werden jeweils für ein Semester immatrikuliert (insgesamt maximal für vier Semester) und müssen glaubhaft machen, inner­halb von zwei Jahren die Hochschulzugangsberech­tigung erwerben zu wollen. Die Hochschule entscheidet über die endgültige Immatrikulation und über die Anrechnung bereits erbrachter Studien­leistungen auf das weitere Studium. Näheres regeln die Immatrikulationsord­nungen.

Zulassung in weiterbildende Studiengänge

§ 33 Abs. 8 BremHG: In der Regel genügt eine mindestens einjährige einschlägige Berufserfahrung, um die Zugangsvoraussetzungen für weiterbildende Masterstudiengänge und weiterbildende Zertifikatsstudien zu erfüllen. § 60 Abs. 2 BremHG: Das weiterbildende Studium steht auch Personen offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. „Hierbei ist die besondere Lebenssituation von Frauen zu berücksichtigen.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 56 Abs. 2 BremHG: „Über die Anrechnung und gegebenenfalls das Nichtbestehen wesentlicher Unterschiede entscheidet die Hochschule. Nachgewiesene Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden und keine wesentlichen Unterschiede zu den in einer Hochschule erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten aufweisen, sind bis zur Hälfte der für das Studienangebot vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

§ 57 BremHG: Studienbewerber(innen), die Kenntnisse und Fähigkeiten in anderer Weise als durch ein Studium erworben haben, können diese in einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) nachweisen und dann unter Anrechnung dieser Kenntnisse in einen entsprechenden Abschnitt oder ein entsprechendes Modul des Studiums zugelassen werden.

(Stand: März 2016)

Daten-Monitoring

 

Im Gegensatz zu Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, die in den zurückliegenden Jahren einen steilen Aufwärtstrend beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife zu verzeichnen haben, entwickelt sich die Situation in Bremen eher wechselhaft. War beispielsweise im Jahr 2010 noch ein starker Aufwärtstrend beim Anteil der Studienanfänger(innen) ohne Abitur feststellbar, zeigte sich in den beiden darauffolgenden Jahren wieder ein deutlicher Rückgang auf 0,69 Prozent. Den deutlichen Anstieg im Jahr 2013 kann Bremen jedoch auch im Jahr 2014 weiterhin konstant halten und erzielt mit seinem gleichbleibenden Anteil von 1,42 Prozent den zehnten Platz im Bundesländervergleich der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Damit verbessert sich das Land im Vergleich zum Vorjahr wiederum um einen Platz. Auch bei der Absolvent(inn)enquote steigt Bremen im bundesweiten Ländervergleich um einen Platz auf und erzielt nach einem Zuwachs von 0,2 Prozentpunkten zum Vorjahr einen Anteil von 0,79 Prozent beruflich qualifzierter Hochschulabsolvent(inn)en. Dieser liegt allerdings weiterhin weit unter dem Bundesdurchschnitt von 1,15 Prozent. Bei den Studierenden ohne Abitur entfernt sich Bremen seit 2012 stetig vom Bundesdurchschnitt und zeigt auch bei den aktuellen Zahlen einen negativen Trend. Mit 1,06 Prozent rangiert das Land im unteren Mittelfeld.