Bremen

Bremen hat in den letzten Jahren die Zugangsmöglichkeiten zum Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife ausgebaut. Wie in den anderen Bundesländern auch sind Meister- und ähnlich hochwertige Fortbildungsabschlüsse der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Personen mit diesen Qualifikationen können ihr Studienfach frei wählen. Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung können einen fachgebundenen Hochschulzugang erhalten, sofern sie eine Eignungsprüfung bestehen. Seit 2010 macht sich allerdings ein zahlenmäßiger Abwärtstrend beim Studium ohne Abitur in Bremen bemerkbar. So belegt der Stadtstaat aufgrund des rückläufigen Anteils beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) im Bundesländervergleich aktuell den 11. Platz. Ein noch stärkerer Schwund zeigt sich bei der Quote der Hochschulabsolvent(inn)en ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife, sodass sich Bremen hier sogar nur auf dem drittletzten Platz wiederfindet. Ein etwas positiverer Trend wird bei den Studierendenzahlen sichtbar. Hier schreibt das Land aktuell ein leichtes Plus, gewinnt gegenüber dem Vorjahr einen Platz im Bundesländervergleich und landet auf dem zehnten Rang.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)

Berufserfahrung (3 Jahre)

Oder:

Erfolgreicher Abschluss eines fachlich einschlägigen Kontaktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbildenden Studiums an einer Bremer Hochschule.

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja (Einstufungsprüfung)
Probestudium möglich:
Ja, mit abgeschlossener Berufsausbildung und fünfjähriger Erwerbstätigkeit

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 33 Abs. 3a BremHG: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, wer eine Meisterprüfung bzw. eine der Meisterfortbildung vergleichbare Ausbildung mit vergleichbarer Prüfung bestanden, einen Bildungsgang einer zweijährigen Fachschule mit staatlicher Prüfung bzw. einen vergleichbaren Bildungsgang absolviert hat, über einen Fortbildungsabschluss nach §§ 53 oder 54 Berufsbildungsgesetz oder §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung (mit mindestens 400 Unterrichtsstunden) oder über einen Abschluss nach vergleichbarer Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen bzw. im Bereich der sozialpflegerischen/sozialpädagogischen Berufe verfügt.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 33 Abs. 5 Nr. 1 BremHG: Eine fachgebundene Hochschulreife kann durch eine bestandene Einstufungsprüfung gemäß § 57 erlangt werden.

  • Teil II der Verordnung über den Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife regelt die Voraussetzungen für die Zulassung zur Einstufungsprüfung: Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss eine mindestens zweijährige Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen sein (entweder in einem anerkannten oder gleichwertig geregelten Ausbildungsberuf, schulisch oder in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis) und eine sich daran anschließende mindestens dreijährige Berufstätigkeit nachgewiesen werden (oder eine Gesamtdauer von mindestens fünf Jahren). Abweichend genügt auch eine mindestens fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit, die mit den Anforderungen eines entsprechenden Ausbildungsberufs vergleichbar ist. Auch der erfolgreich abgeschlossene Besuch einer zweijährigen Berufsfachschule oder Fachschule gilt als Berufsausbildung.
  • Teil II der Verordnung regelt weiterhin auch die Antragstellung zur Einstufungsprüfung und die Zuständigkeit der Hochschule bezüglich Zulassung, Durchführung und Bewertung der Einstufungsprüfung. Die Regelungen müssen in einer von Rektor oder Rektorin zu erlassenden Ordnung schriftlich vorliegen.
  • § 33 Abs. 4 BremHG: Eine bestandene Zwischenprüfung an der Universität hebt die Fachbindung auf.
  • Gemäß Teil II der Verordnung können u. a. die selbstständige Führung eines Familienhaushaltes mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person oder vom Arbeitsamt bescheinigte Zeiten der Arbeitslosigkeit von maximal einem Jahr auf die Zeit der Berufstätigkeit angerechnet werden, sofern während der Arbeitslosigkeit Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen erfolgt sind. Auch der Facharbeitertätigkeit vergleichbare Tätigkeiten von mindestens fünf Jahren oder Tätigkeiten, die nicht unbedingt eine einschlägige Berufsausbildung voraussetzen, werden anerkannt.

§ 33 Abs. 5 Nr. 2 BremHG und Teil III der Verordnung über den Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife: Auch nach erfolgreichem Beste­hen eines (jeweils für die angestrebte fachgebun­dene Hochschulreife fach­lich einschlägigen) Kon­taktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbil­denden Studiums an einer Hochschule der Freien Hansestadt Bremen erhält man die fachgebundene Hochschulreife. Vorausset­zung für die Zulassung ist i. d. R. eine dreijährige Berufstätigkeit. Wird eine der o. g. Studienvarianten erfolgreich abgeschlossen, erteilt die Hochschule ein Zertifikat, das die fachge­bundene Hochschulreife bescheinigt. Näheres zum Kontaktstudium auch unter § 58 BremHG.

Probestudium („Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel“):

  • § 35 Abs. 1, 2 und 4 BremHG gestattet den Hochschulen, die Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel bei Bewerber(inne)n ohne Hochschulzugangsberech­tigung nach § 33 BremHG. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine fünfjährige Erwerbstätigkeit (oder entsprechende Er­satzzeiten). Diese Perso­nen werden jeweils für ein Semester immatrikuliert (insgesamt maximal für vier Semester) und müssen glaubhaft machen, inner­halb von zwei Jahren die Hochschulzugangsberech­tigung erwerben zu wollen. Die Hochschule entscheidet über die endgültige Immatrikulation und über die Anrechnung bereits erbrachter Studien­leistungen auf das weitere Studium. Näheres regeln die Immatrikulationsord­nungen.

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 33 Abs. 8 BremHG: In der Regel genügt eine mindestens einjährige einschlägige Berufserfahrung oder eine entsprechende einschlägige Tätigkeit, um die Zugangsvoraussetzungen für weiterbildende Masterstudiengänge und weiterbildende Zertifikatsstudienangebote zu erfüllen. Voraussetzung ist hierbei jedoch der NAchweis einer mindestens fachgebundene Hochschulreife. § 60 Abs. 2 BremHG: Das weiterbildende Studium steht auch Personen offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. „Hierbei ist die besondere Lebenssituation von Frauen zu berücksichtigen.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 56 Abs. 2 BremHG: „Über die Anrechnung und gegebenenfalls das Nichtbestehen wesentlicher Unterschiede entscheidet die Hochschule. Nachgewiesene Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden und keine wesentlichen Unterschiede zu den in einer Hochschule erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten aufweisen, sind bis zur Hälfte der für das Studienangebot vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

§ 57 BremHG: Studienbewerber(innen), die Kenntnisse und Fähigkeiten in anderer Weise als durch ein Studium erworben haben, können diese in einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) nachweisen und dann unter Anrechnung dieser Kenntnisse in einen entsprechenden Abschnitt oder ein entsprechendes Modul des Studiums zugelassen werden.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 7 Abs. 1 Nr. 3 HSVVO: Die Hochschulvergabeverordnung legt eine Vorabquote in Höhe von maximal 2 Prozent jedoch mindestens einem Studienplatz für Bewerber(innen) fest, die „auf Grund bestandener Einstufungsprüfung oder eines Kontaktstudiums [...] oder für ein Probestudium“ eine Zulassung zum Studium erworben haben.

Die Studienplätze in dieser Quote werden gemäß § 12a HSVVO „nach dem Ergebnis eines Losverfahrens“ vergeben. Nach der Durchführung des Losverfahrens frei gebliebende Studienplätze aus der Quote werden soweit per Hochschulsatzung nicht anders geregelt zu 80 Prozent „nach dem durch die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung nachgewiesenen Grad der Qualifikation und im Übrigen nach der Wartezeit vergeben“ (§ 7 Abs. 3 HSVVO).

(Stand: März 2017)

Daten-Monitoring

 

Im Gegensatz zu Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, die in den zurückliegenden Jahren einen steilen Aufwärtstrend beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife zu verzeichnen haben, entwickelt sich die Situation in Bremen eher wechselhaft. War beispielsweise im Jahr 2010 noch ein starker Aufwärtstrend beim Anteil der Studienanfänger(innen) ohne Abitur feststellbar, zeigte sich in den beiden darauffolgenden Jahren wieder ein deutlicher Rückgang auf 0,69 Prozent. Den daraufhin deutlichen Anstieg auf 1,42 Prozent im Jahr 2013, welcher auch 2014 stabil blieb, kann Bremen im Jahr 2015 nicht mehr halten. Der Anteil fällt jedoch nicht so stark wie er gestiegen ist auf aktuell 1,34 Prozent. Damit verliert der Stadtstaat in dieser Kategorie einen Platz und liegt nun auf dem 11. Platz im Bundesländervergleich. Bei der Absolvent(inn)enquote sinkt Bremen im bundesweiten Ländervergleich vom 11. auf den 14. Platz und erzielt nach einem Verlust von 0,31 Prozentpunkten zum Vorjahr einen Anteil von 0,48 Prozent beruflich qualifizierter Hochschulabsolvent(inn)en. Bei den Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife zeigen die aktuellen Zahlen in Bremen einen gering positiven Trend. Mit 1,19 Prozent verbessert sich das Land in dieser Kategorie um eine Position und rangiert auf dem 10. Platz im Bundesländervergleich und damit insgesamt im unteren Mittelfeld.