Bremen

Ungewöhnlich rasant ist die Zahl an Studierenden ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife im Bremer Hochschulsektor nach oben geschnellt. Knackte die Studienanfänger(innen)quote im Vorjahr erstmalig die Zwei-Prozent-Marke, so ist der Anteil im aktuellen Berichtsjahr nun mehr als doppelt so hoch. Die Studierendenquote hat sich sogar verdreifacht. Diese Dynamik beschert dem Stadtstaat erstmals in beiden Kategorien Spitzenplatzierungen im Bundesländervergleich (Rang 2 und 3). Auch die Entwicklung des Anteils der Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur weist eine steile Aufwärtsbewegung auf, obwohl Bremen hier im Bundesvergleich nicht ganz so gut abschneidet und auf Platz 7 landet. Die Frage ist, woher diese zahlenmäßige "Explosion" rührt. Bei genauerem Hinsehen ist das Wachstum hauptsächlich auf einen stark gestiegenen Anteil an Begabten- und Eignungsprüfungen zurückführen. Dieser resultiert in weiten Teilen aus einer Schlüsselneuzuordnung des Statitischen Bundesamtes (siehe Informationen zu den verwendeten Daten), ist also Folge einer Änderung in der HZB-Systematik. Wie in den anderen Bundesländern auch sind Meister- und ähnlich hochwertige Fortbildungsabschlüsse der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Personen mit diesen Qualifikationen können ihr Studienfach frei wählen. Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung können einen fachgebundenen Hochschulzugang erhalten, sofern sie eine Eignungsprüfung bestehen. Unter besonderen Umständen ist auch ein Probestudium oder die Zulassung mit „Kleiner Matrikel“ zulässig.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)

Berufserfahrung (3 Jahre)

Oder:

Erfolgreicher Abschluss eines fachlich einschlägigen Kontaktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbildenden Studiums an einer Bremer Hochschule.

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja (Einstufungsprüfung)
Probestudium möglich:
Ja, mit abgeschlossener Berufsausbildung und fünfjähriger Erwerbstätigkeit

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 33 Abs. 3a BremHG: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, wer eine Meisterprüfung bzw. eine der Meisterfortbildung vergleichbare Ausbildung mit vergleichbarer Prüfung bestanden, einen Bildungsgang einer zweijährigen Fachschule mit staatlicher Prüfung bzw. einen vergleichbaren Bildungsgang absolviert hat, über einen Fortbildungsabschluss nach §§ 53 oder 54 Berufsbildungsgesetz oder §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung (mit mindestens 400 Unterrichtsstunden) oder über einen Abschluss nach vergleichbarer Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen bzw. im Bereich der sozialpflegerischen/sozialpädagogischen Berufe verfügt.

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 33 Abs. 5 Nr. 1 BremHG: Eine fachgebundene Hochschulreife kann durch eine bestandene Einstufungsprüfung gemäß § 57 erlangt werden.

  • Teil II der Verordnung über den Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife regelt die Voraussetzungen für die Zulassung zur Einstufungsprüfung: Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss eine mindestens zweijährige Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen sein (entweder in einem anerkannten oder gleichwertig geregelten Ausbildungsberuf, schulisch oder in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis) und eine sich daran anschließende mindestens dreijährige Berufstätigkeit nachgewiesen werden (oder eine Gesamtdauer von mindestens fünf Jahren). Abweichend genügt auch eine mindestens fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit, die mit den Anforderungen eines entsprechenden Ausbildungsberufs vergleichbar ist. Auch der erfolgreich abgeschlossene Besuch einer zweijährigen Berufsfachschule oder Fachschule gilt als Berufsausbildung.
  • Teil II der Verordnung regelt weiterhin auch die Antragstellung zur Einstufungsprüfung und die Zuständigkeit der Hochschule bezüglich Zulassung, Durchführung und Bewertung der Einstufungsprüfung. Die Regelungen müssen in einer von Rektor oder Rektorin zu erlassenden Ordnung schriftlich vorliegen.
  • § 33 Abs. 4 BremHG: Eine bestandene Zwischenprüfung an der Universität hebt die Fachbindung auf.
  • Gemäß Teil II der Verordnung können u. a. die selbstständige Führung eines Familienhaushaltes mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person oder vom Arbeitsamt bescheinigte Zeiten der Arbeitslosigkeit von maximal einem Jahr auf die Zeit der Berufstätigkeit angerechnet werden, sofern während der Arbeitslosigkeit Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen erfolgt sind. Auch der Facharbeitertätigkeit vergleichbare Tätigkeiten von mindestens fünf Jahren oder Tätigkeiten, die nicht unbedingt eine einschlägige Berufsausbildung voraussetzen, werden anerkannt.

§ 33 Abs. 5 Nr. 2 BremHG und Teil III der Verordnung über den Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife: Auch nach erfolgreichem Beste­hen eines (jeweils für die angestrebte fachgebun­dene Hochschulreife fach­lich einschlägigen) Kon­taktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbil­denden Studiums an einer Hochschule der Freien Hansestadt Bremen erhält man die fachgebundene Hochschulreife. Vorausset­zung für die Zulassung ist i. d. R. eine dreijährige Berufstätigkeit. Wird eine der o. g. Studienvarianten erfolgreich abgeschlossen, erteilt die Hochschule ein Zertifikat, das die fachge­bundene Hochschulreife bescheinigt. Näheres zum Kontaktstudium auch unter § 58 BremHG.

Probestudium („Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel“):

  • § 35 Abs. 1, 2 und 4 BremHG gestattet den Hochschulen, die Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel bei Bewerber(inne)n ohne Hochschulzugangsberech­tigung nach § 33 BremHG. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine fünfjährige Erwerbstätigkeit (oder entsprechende Er­satzzeiten). Diese Perso­nen werden jeweils für ein Semester immatrikuliert (insgesamt maximal für vier Semester) und müssen glaubhaft machen, inner­halb von zwei Jahren die Hochschulzugangsberech­tigung erwerben zu wollen. Die Hochschule entscheidet über die endgültige Immatrikulation und über die Anrechnung bereits erbrachter Studien­leistungen auf das weitere Studium. Näheres regeln die Immatrikulationsord­nungen.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 33 Abs. 8 BremHG: In der Regel genügt eine mindestens einjährige einschlägige Berufserfahrung oder eine entsprechende einschlägige Tätigkeit, um die Zugangsvoraussetzungen für weiterbildende Masterstudiengänge und weiterbildende Zertifikatsstudienangebote zu erfüllen. Voraussetzung ist hierbei jedoch der NAchweis einer mindestens fachgebundene Hochschulreife. § 60 Abs. 2 BremHG: Das weiterbildende Studium steht auch Personen offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. „Hierbei ist die besondere Lebenssituation von Frauen zu berücksichtigen.“

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 56 Abs. 2 BremHG: „Über die Anrechnung und gegebenenfalls das Nichtbestehen wesentlicher Unterschiede entscheidet die Hochschule. Nachgewiesene Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden und keine wesentlichen Unterschiede zu den in einer Hochschule erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten aufweisen, sind bis zur Hälfte der für das Studienangebot vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

§ 57 BremHG: Studienbewerber(innen), die Kenntnisse und Fähigkeiten in anderer Weise als durch ein Studium erworben haben, können diese in einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) nachweisen und dann unter Anrechnung dieser Kenntnisse in einen entsprechenden Abschnitt oder ein entsprechendes Modul des Studiums zugelassen werden.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 7 Abs. 1 Nr. 3 HSVVO: Die Hochschulvergabeverordnung legt eine Vorabquote in Höhe von maximal 2 Prozent jedoch mindestens einem Studienplatz für Bewerber(innen) fest, die „auf Grund bestandener Einstufungsprüfung oder eines Kontaktstudiums [...] oder für ein Probestudium“ eine Zulassung zum Studium erworben haben.

Die Studienplätze in dieser Quote werden gemäß § 12a HSVVO „nach dem Ergebnis eines Losverfahrens“ vergeben. Nach der Durchführung des Losverfahrens frei gebliebende Studienplätze aus der Quote werden soweit per Hochschulsatzung nicht anders geregelt zu 80 Prozent „nach dem durch die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung nachgewiesenen Grad der Qualifikation und im Übrigen nach der Wartezeit vergeben“ (§ 7 Abs. 3 HSVVO).

(Stand: April 2019)

Daten-Monitoring

 

Bremen legt in diesem Berichtsjahr, wie schon bereits im vergangenen Jahr 2016, ein bemerkenswertes Wachstum hinsichtlich aller drei Personengruppen ohne (Fach-)Abitur hin und arbeitet sich damit im bundesweiten Vergleich bei den Studienanfänger(inne)n sowie bei den Studierenden ohne schulische HZB unter die ersten drei Plätze – auf Position 2 und 3. Der Anteil an Studienanfänger(inne)n ohne (Fach-)Abitur ist in 2017 um 2,42 Prozentpunkte und damit auf weit über vier Prozent gestiegen. Beim Studierendenanteil gewinnt der Stadtstaat 1,56 Prozentpunkte und liegt nun bei drei Prozent. Auch die Absolvent(inn)enquote konnte in 2017 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt werden und liegt mit aktuellen 1,47 Prozent im Bundesvergleich auf dem 7. Platz. Betrachtet man die Zahlen auf Hochschulebene wird deutlich, dass dieser Anstieg vor allem der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft zuzuschreiben ist, dessen Anteil an Studienanfänger(inne)n im Vergleich zu 2016 deutlich zugenommen hat und damit 73,7 Prozent aller Studienanfänger(innen) ohne Abitur in Bremen hier ihr Studium beginnen. Darunter befinden sich auch sehr viele Personen, die über die Begabten- oder Eignungsprüfung den Zugang zum Studium erlangt haben. Im Jahr 2016 lag die Anzahl dieser Personengruppe bei 0, im Jahr darauf bei 147 Personen. Somit muss das starke Wachstum in Bremen u.a. auch vor dem Hintergrund der geänderten HZB-Systematik in der Hochschulstatistik (siehe Informationen zu den verwendeten Daten) interpretiert werden. Die Anteile der Studienanfänger(innen) und Studierenden ohne schulische HZB in Bremen liegen weit über dem Bundesdurchschnitt, der Anteil der Absolvent(inn)en leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 1,62 Prozent. Insgesamt zählt der Stadtstaat damit zur Spitzengruppe beim Studium ohne Abitur.