Brandenburg

Im April 2014 hat Brandenburg als eines der letzten Bundesländer die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz umgesetzt und den Hochschulzugang ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife verbessert. Zudem wurde 2015 ein Gesetz über die Hochschulzulassung im Land erlassen, welches beruflich Qualifizierten bei der Studienplatzvergabe eine Vorabquote einräumt. Dennoch verzeichnet das Land seit geraumer Zeit eine rückläufige Nachfrage beim Studium ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. So liegen die entsprechenden Studienanfänger(innen)  sowie die Studierendenquoten in Brandenburg nunmehr z. T. deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts und erreichen im Bundesländervergleich die Plätze zehn und neun. Leicht über dem Bundesdurchschnitt bewegt sich dagegen der Anteil der Absolvent(inn)en und sorgt in dieser Kategorie für einen sechsten Platz im deutschlandweiten Vergleich.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Mindestens Abschluss der Sekundarstufe I (oder ein gleichwertiger Abschluss)
Fachlich entsprechende Berufsausbildung
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (2 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Nein
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Gemäß § 9 Abs. 2 Nr. 6 – 10 BbgHG berechtigen die folgenden Qualifikationen zur Aufnahme eines Studiums, das zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss führt:

  • eine aufgrund §§ 45, 51a, 122 der Handwerksordnung bestandene Meisterprüfung oder eine der Meisterprüfung gleichwertige Berechtigung gemäß § 7 Abs. 2a der Handwerksordnung,
  • ein Fortbildungsabschluss nach §§ 53, 54 des Berufsbildungsgesetzes oder nach §§ 42, 42a der Handwerksordnung, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst haben,
  • ein Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, das auf einem mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Lehrgang beruht,
  • ein Abschluss einer Fachschule in öffentlicher Trägerschaft oder eine staatlich anerkannten Fachschule in freier Trägerschaft im Sinne des § 28 des Brandenburgischen Schulgesetzes oder ein Abschluss einer vergleichbaren Ausbildung in einem anderen Bundesland
  • eine den zuvor genannten Fortbildungen vergleichbare Qualifikation aufgrund einer landesrechtlich geregelten Fortbildungsmaßnahme für Berufe im Gesundheitswesen oder im Bereich der sozialpflegerischen oder pädagogischen Berufe

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Gemäß § 9 Abs. 2 Nr. 11 BbgHG kann zu einem Studium, das zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss führt, zugelassen werden, wer „den Abschluss der Sekundarstufe I oder einen gleichwertigen Abschluss und eine für das beabsichtigte Studium geeignete abgeschlossene Berufsausbildung mit einer danach erworbenen mindestens zweijährigen Berufserfahrung“ vorweisen kann.

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen

§ 9 Abs. 5 BbgHG: Die Zugangsvoraussetzung für einen weiterbildenden Masterstudiengang ist ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss und der „Nachweis einer in der Regel mindestens einjährigen beruflichen Tätigkeit“ (§ 9 Abs. 5 Satz 1 BbgHG). „In künstlerischen und besonderen weiterbildenden Masterstudiengängen kann an die Stelle des berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses eine Eingangsprüfung treten, bei der die Bewerberin oder der Bewerber Kenntnisse und Fähigkeiten nachweist, die einem geeigneten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss entsprechen“ (§9 Abs. 5 Satz 4 BbgHG). Näheres zur Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung.

"Weiterbildende Masterstudiengänge müssen sich [...] nach ihrer inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung insbesondere an beruflich Qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber richten" (§ 9 Abs. 5 Satz 3).

Wechsel aus einem anderen Bundesland/Wechsel aus einem anderen Land

Nach zwei erfolgreich absolvierten Studiensemestern in einem anderen Bundesland kann das Studium in Brandenburg in dem gleichen oder einem eng verwandten Studiengang fortgesetzt werden, unabhängig von der Art der Hochschulzugangsberechtigung (§ 9 Abs. 3 BbgHG).

Nach § 9 Abs. 3 BbgHG berechtigt, bei Nachweis der für das Studium erforderlichen Sprachkenntnisse, auch eine im Ausland erworbene Qualifikation, sofern diese den oben genannten beruflichen Qualifikationen vergleichbar ist, zu der Aufnahme eines Studiums.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

Gemäß § 24 Abs. 5 BbgHG sind außerhalb des Hochschulwesens erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten bis zu 50 Prozent auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn der Inhalt und das Niveau dem des zu ersetzenden Studienteils gleichwertig sind.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Das Brandenburgische Hochschulzulassungsgesetz sieht eine Teilgruppenübergreifende Vorabquote in Höhe von mindestens 10 bis maximal 20 Prozent vor, welche in der beruflichen Bildung Qaulifizierte ohne eine schulische Hochschulzugangsberechtigung oder einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss einschließt (§ 4 Abs. 1 Nr. 6 BbgHZG). Für die Quote der beruflich Qualifizierten kann „bestimmt werden, dass der Anteil der Studienplätze an der Gesamtzahl der Studienplätze je Bewerbergruppe nicht größer sein darf als der Anteil der jeweiligen Bewerbergruppe an der Bewerbergesamtzahl“ (§ 4 Abs. 2 BbgHZG).

§ 5 Abs. 5 BbgHZG: Das Auswahlverfahren für beruflich Qualifizierte richtet sich „in erster Linie nach dem Grad der Qualifikation“ und soll weitere „Kriterien, die Auskunft über die Eignung für das beabsichtigte Studium geben“, berücksichtigten.

§ 4 Abs. 3 BbgHZG: Nicht in Anspruch genommene Studienplätze der Quoten werden gemäß § 6 BbgHZG den Hauptquoten zugeteilt.

(Stand: März 2017)

Daten-Monitoring

Laut aktueller Zahlen verstärkt sich der Negativtrend der brandenburgischen Hochschulen aus dem Jahr 2014 auf allen drei Ebenen des Studiums ohne Abitur. Der Anteil der Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung verbucht mit 0,26 Prozentpunkten die meisten Verluste, wodurch Brandenburg vom 3. Platz auf den 6. Platz fällt und damit nur noch knapp über den bundesweiten Durchschnitt liegt. In der Quote der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife befindet sich das Land nach einem Verlust von 0,24 Prozentpunkten bei einer aktuellen Quote von 1,38 Prozent und verliert einen Platz im Bundesländervergleich. Die Studierendenzahlen weisen ebenfalls einen leichten Verlust auf und entfernen sich mit einem Wert von 1,30 Prozent stärker als im Vorjahr vom Bundesdurchschnitt. Insgesamt ist Brandenburg beim Studium ohne Abitur und Fachhochschulreife jedoch weiterhin im Mittelfeld zu verorten.