Berlin

Seit Beginn der 2000er Jahre nimmt Berlin eine führende Position beim Studium ohne Abitur in Deutschland ein. Alle drei Kategorien (Studienanfänger*innen, Studierende, Absolvent*innen) haben sich bei einem bundeslandbezogenen Anteil von etwa drei Prozent eingependelt. Obwohl aktuell ein Abwärtstrend insbesondere bei der Zahl der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur zu beobachten ist, liegt der Stadtstaat insgesamt immer noch über dem Bundesdurchschnitt. Beim Anteil der Absolvent*innen ohne Abitur erreicht Berlin im Bundesländervergleich sogar Platz zwei und gehört damit erneut zur Spitzengruppe. Eine Besonderheit beim Hochschulzugang ohne (Fach-)Abitur besteht in Berlin darin, dass Personen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung plus mehrjährige Berufserfahrung besitzen, nur dann eine Eignungsprüfung ablegen müssen, wenn keine fachliche Nähe zum Studienfach besteht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass in der Hauptstadt für diesen Personenkreis die Möglichkeit besteht, bei Bedarf ein Studienfach unabhängig vom erlernten Beruf zu wählen. Dieser Weg steht in den meisten anderen Bundesländern nur Inhaber*innen einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung offen.   


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich ähnliche Berufsausbildung (2 Jahre)

Berufserfahrung im erlernten Beruf (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Nur wenn keine fachliche Verwandtschaft zwischen der Berufsausbildung/-erfahrung und dem gewählten Studiengang besteht
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 11 Abs. 1 BerlHG: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, wer „eine Aufstiegsfortbildung nach den Bestimmungen der Handwerksordnung, des Berufsbildungsgesetzes oder vergleichbaren bundes- oder landesrechtlichen Regelungen bestanden hat“ (u. a. im Sinne des Seemannsgesetzes oder „einer landesrechtlich geregelten Fortbildungsmaßnahme für Berufe im Gesundheitswesen sowie im sozialpflegerischen oder pädagogischen Bereich“) oder „eine Fachschulausbildung an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Fachschule im Sinne des § 34 des Schulgesetzes oder eine vergleichbare Ausbildung in einem anderen Bundesland abgeschlossen hat“.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 11 Abs. 2 BerlHG: Wer eine durch Bundes- oder Landesrecht geregelte mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen hat und im erlernten Beruf mindestens drei Jahre tätig war (jeweils in einem zum angestrebten Studiengang fachlich ähnlichen Bereich) besitzt eine unmittelbare fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung – eine Eignungsprüfung ist nicht notwendig.

§ 11 Abs. 3 BerlHG: Personen mit einer fachgebundenen Hochschulzugangsberechtigung, die sich für ein fachlich nicht verwandtes Studium entscheiden, müssen ihre Studierfähigkeit in dem Fach in einer Zugangsprüfung nachweisen. Vorkenntnisse, die im Rahmen einer berufsbildenden Schule erworben wurden, sind als Prüfungsinhalte in angemessener Weise zu berücksichtigen.

§ 11 Abs. 2 BerlHG: Stipendiat(inn)en des Bundes müssen lediglich mindestens zwei Jahre relevante Berufserfahrung nachweisen. „Die Mindestdauer der Berufstätigkeit verdoppelt sich jeweils für Zeiten einer Teilzeitbeschäftigung von bis zur Hälfte der vollen Beschäftigungszeit.“ Maximal ein Jahr Mutterschutz, Eltern- oder Pflegezeit sowie Zeiten, in denen unbeschadet einer Beschäftigung die Voraussetzungen für eine Freistellung nach diesen Vorschriften vorlagen, können angerechnet werden.

Wechsel aus einem anderen Bundesland/Wechsel aus einem anderen Land

§ 11 Abs. 4 BerlHG: Bei erfolgreichem Absolvieren eines mindestens einjährigen Studiums in einem anderen Bundesland kann ein ähnliches Studium an einer Berliner Hochschule fortgesetzt werden (egal, ob nach Berliner Zulassungsvoraussetzungen eine Aufnahme des Studiums möglich gewesen wäre).

§ 11 Abs. 5 BerlHG: Auch bei beruflicher Ausbildung im Ausland kann je nach den vorliegenden Kenntnissen eine allgemeine oder eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung erteilt werden.

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Weiterbildungsangeboten

§ 10 Abs. 5 BerlHG: „Zugangsvoraussetzung für Masterstudiengänge ist der berufsqualifizierende Abschluss eines Hochschulstudiums, bei weiterbildenden Masterstudiengängen zusätzlich eine daran anschließende qualifzierte berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr; darüber hinausgehende Eignungs- und Qualifikationsvoraussetzungen dürfen nur für Studiengänge gefordert werden, die als vertiefende, verbreiternde oder fachübergreifende Studiengänge auf einem Bachelorstudiengang aufbauen, und nur dann, wenn sie wegen spezieller fachlicher Anforderungen des jeweiligen Masterstudiengangs nachweislich erforderlich sind."

§ 26 BerlHG: „Die Hochschulen sollen Möglichkeiten der Weiterbildung entwickeln und anbieten. Weiterbildungsangebote sind neben weiterbildenden Studiengängen solche Angebote zur Weiterbildung, die auch Bewerbern und Bewerberinnen offenstehen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. Bei der Gestaltung von Weiterbildungsangeboten ist die besondere Lebenssituation von Teilnehmern und Teilnehmerinnen mit familiären Aufgaben sowie von Berufstätigen zu berücksichtigen. Für die erfolgreiche Teilnahme an Angeboten nach Satz 1 können Zertifikate erteilt werden.“

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 23a BerlHG: „In der Prüfungsordnung vorgesehene Kompetenzen, die außerhalb der Hochschulen erworben worden sind, sind bis zur Hälfte der für den Studiengang vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 10 Abs. 1 BerlHZG: "In einem Auswahlverfahren im örtlichen Vergabeverfahren sollen bis zu 30 Prozent, jedoch nicht weniger als 20 Prozent, der zur Verfügung stehenden Studienplätze u. a. für in der beruflichen Bildung Qualifizierte, die über keine sonstige Studienberechtigung verfügen, vorbehalten werden."

§ 10 Abs. 8 BerlHZG: Die in den Vorabquoten nicht in Anspruch genommenen Studienplätze werden nach § 11 (Hauptquoten) vergeben.

(Stand: März 2021)

Daten-Monitoring

 

Seit 2012 ist in Berlin die anteilige Entwicklung der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) rückläufig. Mit einem Anteil von 2,91 Prozent im Berichtsjahr 2019 liegt der Stadtstaat zwar immer noch knapp über dem Bundesdurchschnitt, rangiert damit jedoch im Mittelfeld der 16 Bundesländer. Gegenüber dem Vorjahr hat Berlin in dieser Kategorie sogar einen Platz eingebüßt und befindet sich nun auf dem 7. Platz. Auch bei der Studierendenquote hat die Hauptstadt zwei Plätze verloren und erreicht nun mit einem Anteil von 2,94 Prozent den 4. Rang.

Am besten hat Berlin beim Bundesländervergleich bezogen auf die Quote der Hochschulabsolvent*innen ohne Abitur abgeschnitten. Hier konnte die Hauptstadt die Vorjahresposition verteidigen und hält trotz eines Rückgangs von 0,33 Prozent mit einem aktuellen Anteil von 3 Prozent unverändert den 2. Platz. Insgesamt betrachtet liegt Berlin im aktuellen Berichtszeitraum weiterhin in allen drei Kategorien über dem Bundesdurchschnitt.