Bayern

Bayern verfügt über relativ weitreichende gesetzliche Möglichkeiten für ein Studium ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife. So besteht beispielsweise für Personen mit einer Berufsausbildung plus mehrjähriger Berufspraxis die Möglichkeit, statt einer Eingangsprüfung auch ein Probestudium zu absolvieren. Nach einer Phase des rasanten Wachstums beim Anteil der beruflich qualifizierten Studienanfänger(innen) in den Jahren 2010 bis 2014 sind die Zahlen derzeit allerdings leicht rückläufig. Dennoch belegt der Freistaat im Bundesländervergleich in dieser Kategorie den siebten Platz und befindet sich damit im oberen Mittelfeld. Deutlich gestiegen ist indes der Anteil der Absolvent(inn)en. Er erreicht sein bisher höchstes Niveau. Im Aufwind ist auch die Studierendenquote. Hier belegt Bayern im Bundesländervergleich aktuell den achten Platz.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch erforderlich

Alle Fort- und Weiterbildungsabschlüsse, die außerhalb von Bayern erworben wurden, müssen von der Hochschule zunächst als gleichwertig anerkannt werden

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)
Beratungsgespräch an der Hochschule
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fort- und Weiterbildungsabschlüsse

Art. 45 Abs. 1 BayHSchG und § 29 der QualV: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzen Absolvent(inn)en der Meisterprüfung und gleichgestellter beruflicher Fort- und Weiterbildungsprüfungen, wenn sie ein Beratungsgespräch an der Hochschule wahrgenommen haben (muss durch Bescheinigung nachgewiesen werden).

  • Der Meisterprüfung gleichgestellt sind folgende Fort- und Weiterbildungsabschlüsse:
    • ein Abschluss nach §§ 53, 54 des Berufsbildungsgesetzes bzw. nach §§ 42, 42a der Handwerksordnung (wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
    • ein Abschluss i. S. des Seemannsgesetzes,
    • ein Abschluss einer öffentlichen oder staatlich anerkannten Fachschule oder Fachakademie (bei einer Fachakademie für Sozialpädagogik muss zudem die staatliche Anerkennung zum/r „Staatlich anerkannten Erzieher/in“ oder eine Bescheinigung über ein bestandenes Berufspraktikum vorgelegt werden),
    • ein Abschluss einer landesrechtlichen Fort- oder Weiterbildungsregelung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen/sozialpädagogischen Berufe (wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
    • eine bestandene Weiterbildungsprüfung (wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst), die nach den Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft e. V. durchgeführt wird und deren Weiterbildungsstätte von selbiger anerkannt ist,
    • ein Fortbildungsabschluss einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (mit staatlich genehmigter Prüfungsordnung und/oder Prüfungsmitwirkung eines Staatskommissars, dessen Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
    • sowie eine bestandene Prüfung zum/r Verwaltungsfachwirt/in oder die bestandene Fachprüfung II der Bayerischen Verwaltungsschule.
  • Bei Fort- und Weiterbildungsabsolvent(inn)en, die ihren Abschluss außerhalb von Bayern erworben haben, werden § 54 des Berufsbildungsgesetzes und § 42a der Handwerksordnung nicht erwähnt. Diese Paragraphen regeln jeweils die Zuständigkeit der Kammern gesetzt den Fall, dass Rechtsverordnungen nach § 53 Berufsbildungsgesetz bzw. § 42 der Handwerksordnung nicht erlassen worden sind. Ferner müssen alle Fortbildungsabschlüsse, die außerhalb von Bayern erworben wurden, erst von der Hochschule als gleichwertig anerkannt werden (in Zweifelsfällen ist eine örtliche Stelle nach § 71 des Berufsbildungsgesetzes aufzusuchen) (§ 29 QualV Abs. 2).

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Art. 45 Abs. 2 BayHSchG und § 30 QualV: Die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung wird erlangt nach Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und anschließender, in der Regel mindestens dreijähriger hauptberuflicher Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich). Die Feststellung der fachlichen Verwandtschaft obliegt der Hochschule, an der das Studium aufgenommen werden soll. Wenn es sich um denselben oder einen eng verwandten Studiengang handelt, wird eine von einer bayerischen Hochschule getroffene Feststellung von einer anderen Hochschule anerkannt. Als hauptberufliche Berufspraxis gilt eine Teilzeitbeschäftigung im Umfang von mindestens der Hälfte der durchschnittlichen regelmäßigen Arbeitszeit eines oder einer Vollzeitbeschäftigten.

  • Die Studieneignung stellt die Hochschule je nach Angebot entweder in einem besonderen Prüfungsverfahren (Hochschulzugangsprüfung) oder bei nachweislich erfolgreichem Bestehen eines Probestudiums von mindestens zwei Semestern (und höchstens drei bis vier Semestern) fest. In beiden Fällen findet davor ein Beratungsgespräch an der Hochschule statt. Die jeweiligen Regelungen für die Verfahren werden durch Satzungen an den Hochschulen getroffen (§§ 31 und 32 der QualV).
  • § 30 QualV: Bei Personen, die ein Aufstiegsstipendium des Bundes erhalten, genügt eine zweijährige hauptberufliche Berufspraxis.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 33 der QualV: Ein Wechsel an eine bayerische Hochschule ist nach einem Jahr erfolgreichen Studiums möglich (Probestudium außerhalb von Bayern zählt nicht mit).

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen, Modulstudien und sonstigen weiterbildenden Studien

Art. 43 Abs. 5 und 6 BayHSchG: Der Zugang zu einem Masterstudiengang, zu sonstigen postgradualen Studiengängen und postgradualen Modulstudien setzt einen Hochschulabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss voraus. „Sonstige weiterbildende Studien stehen […] auch solchen Bewerbern und Bewerberinnen mit Berufserfahrung offen, die die für die Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben.“ Letztere sind Studien die zu keinem formalen Abschluss führen (Art. 56 Abs. 6 BayHSchG).

Berufsbegleitende Studiengänge

Laut Art. 56 Abs. 4 und 6 BayHSchG können Hochschulen berufsbegleitende Studiengänge anbieten (sowohl im Bachelor- als auch im konsekutiven Masterbereich). Die Hochschule hat mit der „Konzentration der Präsenzveranstaltungen auf die Abendstunden, auf Wochenenden und auf Blockkurse sowie Anteile virtueller Lehre“ dafür Sorge zu tragen, dass die Studiengänge neben einer Berufstätigkeit erfolgreich absolviert werden können. Gleichermaßen sind sogenannte Modulstudien möglich, in denen die Studieninteressierten einzelne Module eines grundständigen oder postgradualen Studiengangs absolvieren und damit Leistungspunkte akkumulieren können.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

Gemäß Art. 63 Abs. 2 BayHSchG können u. a. Kompetenzen, die im Rahmen einer berufspraktischen Tätigkeit erworben wurden, auf die zu erbringenden Studienleistungen zu maximal 50 % angerechnet werden.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Art. 5 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BayHZG: Im bayerischen Hochschulzulassungsgesetz ist eine Vorabquote von maximal 5 Prozent für qualifizierte Berufstätige gemäß Art. 45 festgelegt. Die Auswahl im Rahmen der Quote geschieht vorrangig nach der Befähigung der Bewerber(innen) (Art. 5 Abs. 3 Satz 6). Frei bleibende Studienplätze der Quote werden zunächst über ein Nachrückverfahren vergeben. Sofern Studienplätze im Nachrückverfahren ungenutzt bleiben sollten, werden diese den Hauptquoten zugeteilt (Art. 5 Abs. 3 Satz 6 BayHZG).

(Stand: März 2017)

Daten-Monitoring

Im bundesweiten Ländervergleich der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung belegt Bayern weiterhin den 7. Platz. Entgegen des seit 2012 in dieser Kategorie zu verzeichnenden Aufwärtstrends fällt das Niveau der Quote laut den aktuellen Zahlen um minimale 0,08 Prozentpunkte. Damit verbleibt Bayern mit 1,88 Prozent im Jahr 2015 weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt von 2,47 Prozent. Auch die Anteile der beruflich qualifizierten Studierenden im bayerischen Hochschulsystem weisen in 2015 nur minimale Veränderungen auf. Diese zeigen jedoch mit aktuellen 1,32 Prozent eine um 0,06 Prozentpunkte gering positive Entwicklung auf. Bayern belegt damit in dieser Kategorie nicht mehr den 9. sondern aktuell den 8. Platz im Bundesländervergleich. Eine größere Veränderung ergibt sich in der Quote der Absolvent(inn)en ohne Abitur und Fachhochschulreife, welche im Vergleich zum Vorjahr um 0,25 Prozentpunkte auf 0,95 Prozent ansteigt. Dadurch rückt Bayern im bundesweiten Ländervergleich in dieser Kategorie um zwei Plätze auf Rang 10 vor. Trotz des tendenziell eher positiven Trends bewegt sich Bayern insgesamt im unteren Mittelfeld.