Bayern

Nachdem der Anteil der Studierenden ohne Fachhochschul- und Hochschulreife im Vorjahr leicht rückläufig war, konnte Bayern nun auf diesem Gebiet ein erneutes Wachstum und somit auch seinen bisherigen Höchstwert erreichen. Ähnliches gilt auch für die Entwicklung bei den Studienanfänger(innen) und Absolvent(inn)en ohne Abitur. Trotz dieser positiven Entwicklungen liegt Bayern mit seinen Beteiligungsquoten insgesamt unter dem Bundesdurchschnitt und befindet sich im Bundesländervergleich im Mittelfeld. Bayern bietet relativ weitreichende rechtliche Möglichkeiten für ein Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. So können beispielsweise Personen mit einer Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung statt einer Eingangsprüfung auch ein Probestudium absolvieren. Bayern reserviert derzeit fünf Prozent seiner Studienplätze vorab für beruflich Qualifizierte.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch erforderlich

Alle Fort- und Weiterbildungsabschlüsse, die außerhalb von Bayern erworben wurden, müssen von der Hochschule zunächst als gleichwertig anerkannt werden

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)
Beratungsgespräch an der Hochschule
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fort- und Weiterbildungsabschlüsse

Art. 45 Abs. 1 BayHSchG und § 29 der QualV: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzen Absolvent(inn)en der Meisterprüfung und gleichgestellter beruflicher Fort- und Weiterbildungsprüfungen, wenn sie ein Beratungsgespräch an der Hochschule wahrgenommen haben (muss durch Bescheinigung nachgewiesen werden).

  • Der Meisterprüfung gleichgestellt sind folgende Fort- und Weiterbildungsabschlüsse:
    • ein Abschluss nach §§ 53, 54 des Berufsbildungsgesetzes bzw. nach §§ 42, 42a der Handwerksordnung (wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
    • ein Abschluss i. S. des Seemannsgesetzes,
    • ein Abschluss einer öffentlichen oder staatlich anerkannten Fachschule oder Fachakademie (bei einer Fachakademie für Sozialpädagogik muss zudem die staatliche Anerkennung zum/r „Staatlich anerkannten Erzieher/in“ oder eine Bescheinigung über ein bestandenes Berufspraktikum vorgelegt werden),
    • ein Abschluss einer landesrechtlichen Fort- oder Weiterbildungsregelung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen/sozialpädagogischen Berufe (wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
    • eine bestandene Weiterbildungsprüfung (wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst), die nach den Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft e. V. durchgeführt wird und deren Weiterbildungsstätte von selbiger anerkannt ist,
    • ein Fortbildungsabschluss einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (mit staatlich genehmigter Prüfungsordnung und/oder Prüfungsmitwirkung eines Staatskommissars, dessen Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
    • sowie eine bestandene Prüfung zum/r Verwaltungsfachwirt/in oder die bestandene Fachprüfung II der Bayerischen Verwaltungsschule.
  • Bei Fort- und Weiterbildungsabsolvent(inn)en, die ihren Abschluss außerhalb von Bayern erworben haben, werden § 54 des Berufsbildungsgesetzes und § 42a der Handwerksordnung nicht erwähnt. Diese Paragraphen regeln jeweils die Zuständigkeit der Kammern gesetzt den Fall, dass Rechtsverordnungen nach § 53 Berufsbildungsgesetz bzw. § 42 der Handwerksordnung nicht erlassen worden sind. Ferner müssen alle Fortbildungsabschlüsse, die außerhalb von Bayern erworben wurden, erst von der Hochschule als gleichwertig anerkannt werden (in Zweifelsfällen ist eine örtliche Stelle nach § 71 des Berufsbildungsgesetzes aufzusuchen) (§ 29 QualV Abs. 2).

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Art. 45 Abs. 2 BayHSchG und § 30 QualV: Die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung wird erlangt nach Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und anschließender, in der Regel mindestens dreijähriger hauptberuflicher Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich). Die Feststellung der fachlichen Verwandtschaft obliegt der Hochschule, an der das Studium aufgenommen werden soll. Wenn es sich um denselben oder einen eng verwandten Studiengang handelt, wird eine von einer bayerischen Hochschule getroffene Feststellung von einer anderen Hochschule anerkannt. Als hauptberufliche Berufspraxis gilt eine Teilzeitbeschäftigung im Umfang von mindestens der Hälfte der durchschnittlichen regelmäßigen Arbeitszeit eines oder einer Vollzeitbeschäftigten.

  • Die Studieneignung stellt die Hochschule je nach Angebot entweder in einem besonderen Prüfungsverfahren (Hochschulzugangsprüfung) oder bei nachweislich erfolgreichem Bestehen eines Probestudiums von mindestens zwei Semestern (und höchstens drei bis vier Semestern) fest. In beiden Fällen findet davor ein Beratungsgespräch an der Hochschule statt. Die jeweiligen Regelungen für die Verfahren werden durch Satzungen an den Hochschulen getroffen (§§ 31 und 32 der QualV).
  • § 30 QualV: Bei Personen, die ein Aufstiegsstipendium des Bundes erhalten, genügt eine zweijährige hauptberufliche Berufspraxis.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 33 der QualV: Ein Wechsel an eine bayerische Hochschule ist nach einem Jahr erfolgreichen Studiums möglich (Probestudium außerhalb von Bayern zählt nicht mit).

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen, Modulstudien und sonstigen weiterbildenden Studien

Art. 43 Abs. 5 und 6 BayHSchG: Der Zugang zu einem Masterstudiengang, zu sonstigen postgradualen Studiengängen und postgradualen Modulstudien setzt einen Hochschulabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss voraus. „Sonstige weiterbildende Studien stehen […] auch solchen Bewerbern und Bewerberinnen mit Berufserfahrung offen, die die für die Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben.“ Letztere sind Studien die zu keinem formalen Abschluss führen (Art. 56 Abs. 6 BayHSchG).

Berufsbegleitende Studiengänge

Laut Art. 56 Abs. 4 und 6 BayHSchG können Hochschulen berufsbegleitende Studiengänge anbieten (sowohl im Bachelor- als auch im konsekutiven Masterbereich). Die Hochschule hat mit der „Konzentration der Präsenzveranstaltungen auf die Abendstunden, auf Wochenenden und auf Blockkurse sowie Anteile virtueller Lehre“ dafür Sorge zu tragen, dass die Studiengänge neben einer Berufstätigkeit erfolgreich absolviert werden können. Gleichermaßen sind sogenannte Modulstudien möglich, in denen die Studieninteressierten einzelne Module eines grundständigen oder postgradualen Studiengangs absolvieren und damit Leistungspunkte akkumulieren können.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

Gemäß Art. 63 Abs. 2 BayHSchG können u. a. Kompetenzen, die im Rahmen einer berufspraktischen Tätigkeit erworben wurden, auf die zu erbringenden Studienleistungen zu maximal 50 % angerechnet werden.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Art. 5 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BayHZG: Im bayerischen Hochschulzulassungsgesetz ist eine Vorabquote von maximal 5 Prozent für qualifizierte Berufstätige gemäß Art. 45 festgelegt. Die Auswahl im Rahmen der Quote geschieht vorrangig nach der Befähigung der Bewerber(innen) (Art. 5 Abs. 3 Satz 6). Frei bleibende Studienplätze der Quote werden zunächst über ein Nachrückverfahren vergeben. Sofern Studienplätze im Nachrückverfahren ungenutzt bleiben sollten, werden diese den Hauptquoten zugeteilt (Art. 5 Abs. 3 Satz 6 BayHZG).

(Stand: März 2018)

Daten-Monitoring

 

Im bundesweiten Ländervergleich der Studienanfänger(innen), Studierenden sowie Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung belegt Bayern jeweils den 8. Platz und befindet sich damit im Mittelfeld. Mit Blick auf das Vorjahr bedeutet dies eine positive Entwicklung der Absolvent(inn)enanteile um zwei Ränge sowie einen leichten Rückfall der Studienanfänger(innen) um einen Rang. Der Platz bei den bundesweiten Studierendenanteilen ist in Bayern 2016 gleichbleibend. Entgegen des leichten Einbruchs im Vorjahr ist das Niveau der Studienanfänger(innen)quote laut aktuellen Zahlen um 0,14 Prozentpunkte auf erstmals über zwei Prozent gestiegen und erreicht damit den eigenen Höchststand. Dennoch verbleibt Bayern 2016 damit weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt von 2,58 Prozent. Die Steigerung des Anteils der beruflich qualifizierten Studierenden im bayrischen Hochschulsystem um 0,22 Prozentpunkte auf 1,54 Prozent ist der größte Anstieg seit 2012. Der insgesamt positive Trend zeichnet sich auch in der Absolvent(inn)enquote ab, die mit 1,05 Prozent erstmals über der Ein-Prozent-Marke liegt.