Baden-Württemberg

Baden-Württemberg gehört nach wie vor zu den Bundesländern, in denen die Möglichkeit zum Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife relativ wenig genutzt wird. Die aktuellen Daten zeigen zwar, dass das Bundesland mit 4.434 Studierenden und 825 Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur neue Höchstwerte erreicht. Dennoch liegt Baden-Württemberg damit weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Dasselbe gilt auch für die Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur mit einem Anteil von 1,5 Prozent. Beruflich Qualifizierte mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung als Meister*in, Fachwirt*in etc. können in Baden-Württemberg nach einem Beratungsgespräch an der Hochschule und im Fach ihrer Wahl studieren. Dagegen müssen Studieninteressierte mit Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung eine Eignungsprüfung bestehen und sind bei der Wahl des Studienfachs auf die Bereiche beschränkt, die eine Nähe zum erlernten Beruf aufweisen.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich entsprechende Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (3 Jahre)
Beratungsgespräch an der Hochschule
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Gemäß § 58 Abs. 2 Nr. 5 LHG berechtigt „eine Meisterprüfung oder eine andere öffentlich-rechtlich geregelte berufliche Aufstiegsfortbildung, insbesondere nach dem Berufsbildungsgesetz, nach der Handwerksordnung oder nach § 14 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg, die grundsätzlich auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung aufbaut und deren Lehrgang mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst,“ zu einem Studium aller Fachrichtungen an allen Hochschulen. Jedoch müssen die Bewerber*innen einen schriftlichen Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erbringen.

Weitere berufliche Fortbildungen, die der oben genannten Meisterprüfung gleichgestellt sind, werden in der baden-württembergischen Berufstätigenhochschulzugangsverordnung genannt. Darunter fallen Abschlüsse an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie als Verwaltungs-Betriebswirt*in, Verwaltungs-Diplom-Inhaber*in, Betriebswirt*in, Betriebswirt*in eines Schwerpunktfachs, Diplom-Finanzierungsfachwirt*in, Kommunikationsfachwirt*in,Wirtschaftsfachwirt*in oder Technische*r Fachwirt*in, wenn vor der Ausbildung an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen wurde.

Auch der Abschluss einer ein- oder zweijährigen Fachschule kann zur Berechtigung einer Studienplatzbewerbung nach der Berufstätigenhochschulzugangsverordnung führen.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: Bewerber*innen, die eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen haben sowie über eine in der Regel dreijährige Berufserfahrung verfügen (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich entsprechenden Bereich), sind berechtigt, eine studiengangbezogene Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. Zudem ist ein schriftlicher Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erforderlich. Die Qualifikation für ein Hochschulstudium wird schließlich durch das Bestehen einer Eignungsprüfung erworben.

    • Laut § 70 Abs. 10 LHG dürfen staatlich anerkannte Hochschulen in Baden-Württemberg die Eignungsprüfung sowie die Begabtenprüfung abnehmen.

    • Einzelheiten der Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung nach Maßgabe von § 58 Abs. 3 LHG, wonach die Prüfung „aus schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen“ besteht und „sowohl allgemeine als auch fachspezifische Prüfungsanteile“ umfasst.

    • § 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: In „besonders begründeten Einzelfällen kann auch beim Nachweis einer mehrjährigen herausgehobenen oder inhaltlich besonders anspruchsvollen Tätigkeit zur Eignungsprüfung für ein Studium in einem dieser Tätigkeit fachlich entsprechenden Studiengang zugelassen werden“.

    • § 58 Abs. 3 LHG: Familienarbeit mit selbstständiger Führung eines Haushaltes und Verantwortung für mindestens eine erziehungs- oder pflegebedürftige Person wird bei fachlicher Entsprechung mit bis zu zwei Jahren auf die Berufserfahrung angerechnet. 

 

Ausländische Qualifikationen

In § 58 Abs. 2 Nr. 10 LHG ist geregelt, dass eine ausländische Vorbildung, sofern sie sich nicht wesentlich von den im Hochschulgesetz benannten Qualifikationsnachweisen unterscheidet, ebenfalls als Qualifikation für ein Hochschulstudium anerkannt wird.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 35 Abs. 3 LHG: Außerhalb des Hochschulsystems erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten sind auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn die Voraussetzungen für den Hochschulzugang bestehen (zum Zeitpunkt der Anrechnung), die Kompetenzen nach Inhalt und Niveau gleichwertig zu den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen sind und eine Akkreditierung die Kriterien für die Anrechnung überprüft hat. Höchstens 50 Prozent des Hochschulstudiums dürfen so ersetzt werden. Die Hochschulen regeln die Einzelheiten – auch eine mögliche Einstufungsprüfung – in einer Prüfungsordnung.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 58 Abs. 2 Nr. 9 LHG: Bei einem Wechsel aus einem anderen Bundesland ist nach einem Jahr nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums (ein Probestudium zählt nicht dazu) ein Weiterstudium an einer baden-württembergischen Hochschule derselben Hochschulart in dem gleichen oder einem affinen Studiengang möglich.

Weiterbildende Studiengänge und Teilzeitstudiengänge

Im Landeshochschulgesetz werden Teilzeitstudiengänge explizit erwähnt, die unter anderem dazu dienen sollen, die Lebensumstände von Berufstätigen zu berücksichtigen (§ 30 Abs. 3 LHG). Erwähnt werden auch weiterbildende Bachelorstudiengänge, die sich an Personen richten, „die bereits über eine im sekundären Bildungsbereich erworbene Berufsausbildung verfügen“ und an in dieser Berufsausbildung erworbene Kenntnisse und Kompetenzen anknüpfen, um sie zu vertiefen und zu erweitern (§ 31 Abs. 2 LHG).

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 31 Abs. 3 LHG: Der Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen und zu sonstigen weiterbildenden Studien setzt „mindestens einen Studienabschluss in einem grundständigen Studiengang“ voraus.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Gemäß Artikel 12 Abs. 1 HZG kann eine Vorabquote von bis zu 20 Prozent gebildet werden, unter die auch in der beruflichen Bildung Qualifizierte zählen, die über keine sonstige Studienberechtigung verfügen. Allerdings soll die Quote für in der beruflichen Bildung Qualifizierte "nur gebildet werden, wenn zu erwarten ist, dass der Anteil der ihr unterfallenden Bewerberinnen und Bewerber an der Bewerbergesamtzahl mindestens eins vom Hundert beträgt" (Artikel 12 Abs. 1 Satz 2 HZG). Bewerberinnen und Bewerber werden in erster Linie unter Qualifikationsgesichtspunkten ausgewählt (Artikel 12 Abs. 7 HZG). Nicht in Anspruch genommene Studienplätze aus den Vorabquoten werden den Hauptquoten hinzugerechnet (Artikel 12 Abs. 2 Satz 3).

 

(Stand: März 2022)


Daten-Monitoring

In den zurückliegenden Jahren ist die Zahl von Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) in Baden-Württemberg kontinuierlich gestiegen und erreicht mit 4.434 Studierenden den bisherigen Höchststand. Damit beträgt der Anteil an allen Studierenden im Bundesland aktuell 1,2 Prozent, sodass im Vergleich mit den anderen Bundesländern der 14. Platz erreicht wird.

Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Hochschulabsolvent*innen zu beobachten, die über den beruflichen Weg ins Studium gelangt sind. Hier wird mit einem Anteil von 1,1 Prozent ein neuer Spitzenwert erreicht. Dies führt dazu, dass Baden-Württemberg drei Plätze nach oben klettert und den 12. Rang belegt.

Nach gesunkenen Anteilen im Jahr 2018 geht der Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur ebenfalls wieder nach oben. Die Quote liegt laut den jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2020 bei 1,5 Prozent. Trotzdem bleibt Baden-Württemberg mit 975 Studienanfänger*innen, wie auch schon im Vorjahr, auf dem vorletzten Platz.

Insgesamt liegt Baden-Württemberg mit seinen Werten weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.