Baden-Württemberg

2014 erweiterte das Land Baden-Württemberg über eine Neufassung des Landeshochschulgesetzes seine rechtlichen Rahmenbedingungen für den Hochschulzugang beruflich Qualifizierter und verbesserte dadurch erneut den Hochschulzugang für Personen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Zentrale Aspekte dieser Neufassung sind: Die Vereinheitlichung von Regelungen und die Aufnahme von einigen Vorschriften der Berufstätigenhochschulzugangsverordnung in das Hochschulgesetz sowie die Einführung eines berufsbegleitenden Bachelors. Dennoch gibt es hier nach wie vor viele Detailregelungen, die Bewerber(innen) beachten müssen. Obwohl Baden-Württemberg seit dem Jahr 2012 wieder eine kontinuierlich positive Entwicklung beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife verzeichnet, bewegt sich diese auf einem eher niedrigen Niveau, sodass die Möglichkeiten eines Studiums von beruflich Qualifizierten bislang wenig genutzt werden. Verglichen mit anderen Bundesländern ist der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne Abitur unterdurchschnittlich.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich entsprechende Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (3 Jahre)
Beratungsgespräch an der Hochschule
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Gemäß § 58 Abs. 2 Nr. 5 LHG berechtigt „eine Meisterprüfung oder eine andere öffentlich-rechtlich geregelte berufliche Aufstiegsfortbildung, insbesondere nach dem Berufsbildungsgesetz, nach der Handwerksordnung oder nach § 14 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg, die grundsätzlich auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung aufbaut und deren Lehrgang mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst“ zu einem Studium aller Fachrichtungen an allen Hochschulen. Jedoch muss der Bewerber / die Bewerberin einen Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erbringen.

  • Weitere berufliche Fortbildungen, die der oben genannten Meisterprüfung gleichgestellt sind, werden in der baden-württembergischen Berufstätigenhochschulzugangsverordnung genannt. Darunter fallen Abschlüsse an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie als Verwaltungs-Betriebswirt(in), Verwaltungs-Diplom-Inhaber(in), Betriebswirt(in), Betriebswirt(in) in einem Schwerpunktfach, Diplom-Finanzierungsfachwirt(in) oder Kommunikationsfachwirt(in), wenn vor der Ausbildung an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen wurde.

  • Auch der Abschluss einer ein- oder zweijährigen Fachschule kann zu der Berechtigung zur Bewerbung um einen Studienplatz nach der Berufstätigenhochschulzugangsverordnung führen.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: Bewerber(innen), die eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen haben sowie über eine in der Regel dreijährige Berufserfahrung verfügen (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich entsprechenden Bereich) sind berechtigt, eine studiengangbezogene Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. Dazu ist ein schriftlicher Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erforderlich. Die Qualifikation für ein Hochschulstudium wird schließlich durch das Bestehen einer Eignungsprüfung erworben.

  • Einzelheiten der Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung nach Maßgabe von § 58 Abs. 3, wonach die Prüfung „aus schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen“ besteht und „sowohl allgemeine als auch fachspezifische Prüfungsanteile“ umfasst.
  • § 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: In „besonders begründeten Einzelfällen kann auch beim Nachweis einer mehrjährigen herausgehobenen oder inhaltlich besonders anspruchsvollen Tätigkeit zur Eignungsprüfung für ein Studium in einem dieser Tätigkeit fachlich entsprechenden Studiengang zugelassen werden“.
  • § 58 Abs. 3 LHG: Familienarbeit mit selbstständiger Führung eines Haushaltes und Verantwortung für mindestens eine erziehungs- oder pflegebedürftige Person wird bei fachlicher Entsprechung mit bis zu zwei Jahren auf die Berufserfahrung angerechnet.

Ausländische Qualifikationen

In § 58 Abs. 2 Nr. 10 LHG ist geregelt, dass eine ausländische Vorbildung, sofern sie sich nicht wesentlich von den im Hochschulgesetz benannten Qualifikationsnachweisen unterscheidet, ebenfalls als Qualifikation für ein Hochschulstudium anerkannt wird.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 35 Abs. 3 LHG: Außerhalb des Hochschulsystems erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden, wenn die Voraussetzungen für den Hochschulzugang bestehen (zum Zeitpunkt der Anrechnung), die Kompetenzen nach Inhalt und Niveau gleichwertig zu den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen sind und eine Akkreditierung die Kriterien für die Anrechnung überprüft hat. Höchstens 50 Prozent des Hochschulstudiums dürfen so ersetzt werden. Die Hochschulen regeln die Einzelheiten – auch eine mögliche Einstufungsprüfung – in einer Prüfungsordnung.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 58 Abs. 2 Nr. 9 LHG: Bei einem Wechsel aus einem anderen Bundesland ist nach einem Jahr nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums (ein Probestudium zählt nicht dazu) ein Weiterstudium an einer baden-württembergischen Hochschule derselben Hochschulart in dem gleichen oder einem affinen Studiengang möglich.

Weiterbildende und Teilzeitstudiengänge

Im Landeshochschulgesetz werden Teilzeitstudiengänge explizit erwähnt, die unter anderem dazu dienen sollen, die Lebensumstände von Berufstätigen zu berücksichtigen (§ 30 Abs. 3 LHG). Erwähnt werden auch weiterbildende Bachelorstudiengänge, die sich an Personen richten, „die bereits über eine im sekundären Bildungsbereich erworbene Berufsausbildung verfügen“ und an in dieser Berufsausbildung erworbene Kenntnisse und Kompetenzen anknüpfen, um sie zu vertiefen und zu erweitern (§ 31 Abs. 2 LHG).

(Stand: März 2016)

Daten-Monitoring

 

Die Zahlen für Baden-Württemberg beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife liegen allesamt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, und zwar sowohl bei den Quoten der Studienanfänger(innen) als auch der Studierenden und der Absolvent(inn)en. Im Bundesländervergleich belegt das Bundesland damit den 14. Platz und gehört somit zu der Schlussgruppe. Laut den jüngsten Zahlen bewältigt Baden-Württemberg jedoch mit einem Anteil von 1,04 Prozent Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung erstmalig die 1 Prozent-Grenze. Die aktuellen Daten der beruflich qualifizierten Studienanfänger(innen) weisen somit, wie bereits im Vorjahr, einen geringen positiven Trend auf. Eine schwach ausgeprägte Aufwärtsbewegung gibt es zudem bei den Studierenden- und Absolvent(inn)enquoten. Diese liegen im Bundesländervergleich mit 0,78 Prozent und 0,63 Prozent im Bereich der Schlussgruppe bzw. im unteren Mittelfeld.