Baden-Württemberg

Baden-Württemberg gehört traditionell zu den Bundesländern, in denen das Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife relativ schwach ausgeprägt ist. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Anteil von beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n leicht sinkt und damit im deutschlandweiten Vergleich erneut zur Schlussgruppe zählt. Dafür gibt es in Baden-Württemberg derzeit so viele Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung wie nie zuvor, und auch der Studierendenanteil bleibt im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant. Dennoch liegen beide Werte immer noch weit unterhalb des Bundesdurchschnitts und erreichen im Bundesländervergleich die Plätze 13 und 14. Meister(innen) und Inhaber(innen) ähnlich hochwertiger Fortbildungsabschlüsse können in Baden-Württemberg nach einem Beratungsgespräch an der Hochschule ihrer Wahl studieren. Personen, die nur über eine Ausbildung plus mehrjährige Berufserfahrung verfügen, müssen dagegen eine Eignungsprüfung bestehen.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich entsprechende Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (3 Jahre)
Beratungsgespräch an der Hochschule
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Gemäß § 58 Abs. 2 Nr. 5 LHG berechtigt „eine Meisterprüfung oder eine andere öffentlich-rechtlich geregelte berufliche Aufstiegsfortbildung, insbesondere nach dem Berufsbildungsgesetz, nach der Handwerksordnung oder nach § 14 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg, die grundsätzlich auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung aufbaut und deren Lehrgang mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst“ zu einem Studium aller Fachrichtungen an allen Hochschulen. Jedoch muss der Bewerber / die Bewerberin einen Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erbringen.

  • Weitere berufliche Fortbildungen, die der oben genannten Meisterprüfung gleichgestellt sind, werden in der baden-württembergischen Berufstätigenhochschulzugangsverordnung genannt. Darunter fallen Abschlüsse an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie als Verwaltungs-Betriebswirt(in), Verwaltungs-Diplom-Inhaber(in), Betriebswirt(in), Betriebswirt(in) in einem Schwerpunktfach, Diplom-Finanzierungsfachwirt(in) oder Kommunikationsfachwirt(in), wenn vor der Ausbildung an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen wurde.

  • Auch der Abschluss einer ein- oder zweijährigen Fachschule kann zu der Berechtigung zur Bewerbung um einen Studienplatz nach der Berufstätigenhochschulzugangsverordnung führen.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: Bewerber(innen), die eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen haben sowie über eine in der Regel dreijährige Berufserfahrung verfügen (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich entsprechenden Bereich), sind berechtigt, eine studiengangbezogene Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. Dazu ist ein schriftlicher Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erforderlich. Die Qualifikation für ein Hochschulstudium wird schließlich durch das Bestehen einer Eignungsprüfung erworben.

  • Einzelheiten der Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung nach Maßgabe von § 58 Abs. 3, wonach die Prüfung „aus schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen“ besteht und „sowohl allgemeine als auch fachspezifische Prüfungsanteile“ umfasst.
  • § 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: In „besonders begründeten Einzelfällen kann auch beim Nachweis einer mehrjährigen herausgehobenen oder inhaltlich besonders anspruchsvollen Tätigkeit zur Eignungsprüfung für ein Studium in einem dieser Tätigkeit fachlich entsprechenden Studiengang zugelassen werden“.
  • § 58 Abs. 3 LHG: Familienarbeit mit selbstständiger Führung eines Haushaltes und Verantwortung für mindestens eine erziehungs- oder pflegebedürftige Person wird bei fachlicher Entsprechung mit bis zu zwei Jahren auf die Berufserfahrung angerechnet.

Ausländische Qualifikationen

In § 58 Abs. 2 Nr. 10 LHG ist geregelt, dass eine ausländische Vorbildung, sofern sie sich nicht wesentlich von den im Hochschulgesetz benannten Qualifikationsnachweisen unterscheidet, ebenfalls als Qualifikation für ein Hochschulstudium anerkannt wird.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 35 Abs. 3 LHG: Außerhalb des Hochschulsystems erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden, wenn die Voraussetzungen für den Hochschulzugang bestehen (zum Zeitpunkt der Anrechnung), die Kompetenzen nach Inhalt und Niveau gleichwertig zu den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen sind und eine Akkreditierung die Kriterien für die Anrechnung überprüft hat. Höchstens 50 Prozent des Hochschulstudiums dürfen so ersetzt werden. Die Hochschulen regeln die Einzelheiten – auch eine mögliche Einstufungsprüfung – in einer Prüfungsordnung.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 58 Abs. 2 Nr. 9 LHG: Bei einem Wechsel aus einem anderen Bundesland ist nach einem Jahr nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums (ein Probestudium zählt nicht dazu) ein Weiterstudium an einer baden-württembergischen Hochschule derselben Hochschulart in dem gleichen oder einem affinen Studiengang möglich.

Weiterbildende Studiengänge und Teilzeitstudiengänge

Im Landeshochschulgesetz werden Teilzeitstudiengänge explizit erwähnt, die unter anderem dazu dienen sollen, die Lebensumstände von Berufstätigen zu berücksichtigen (§ 30 Abs. 3 LHG). Erwähnt werden auch weiterbildende Bachelorstudiengänge, die sich an Personen richten, „die bereits über eine im sekundären Bildungsbereich erworbene Berufsausbildung verfügen“ und an in dieser Berufsausbildung erworbene Kenntnisse und Kompetenzen anknüpfen, um sie zu vertiefen und zu erweitern (§ 31 Abs. 2 LHG).

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 31 Abs. 3 LHG: Der Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen und zu sonstigen weiterbildenden Studien setzt „mindestens einen Studienabschluss in einem grundständigen Studiengang“ voraus.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze 

Baden-Württemberg sieht keine gesetzlichen Regelungen zu Vorabquoten oder speziellen Auswahlverfahren für Bewerber(innen) ohne eine schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.

(Stand: März 2017)

Daten-Monitoring

Die Zahlen für Baden-Württemberg beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife liegen allesamt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, und zwar sowohl bei den Quoten der Studienanfänger(innen) als auch der Studierenden und der Absolvent(inn)en. Im Bundesländervergleich belegt das Bundesland bei den Quoten der Studienanfänger(innen) als auch der Studierenden weiterhin den 14. Platz. Im Vergleich zum Vorjahr stieg in Baden-Württemberg der Anteil der Absolvent(inn)enquote um 0,12 Prozentpunkte, wodurch das Land in dieser Kategorie vom 14. Platz auf den 13. Platz vorrückt. Die Quote der Studierenden ist nahezu unverändert zum Vorjahr. Einen leichten Verlust verzeichnet Baden-Württemberg bei der Quote der Studienanfänger(innen) ohne Hochschulzugangsberechtigung. Laut den jüngsten Daten fällt Baden-Württemberg mit einem Anteil von 0,93 Prozent Studienanfänger(inne)n ohne Hochschulzugangsberechtigung wieder unter die 1 Prozent Grenze, welche im Vorjahr erstmalig bewältigt wurde. Die aktuellen Daten der beruflich qualifizierten Studienanfänger(innen) ohne schulische HZB weichen somit vom gering positiven Trend der vergangenen Jahre ab. Im Bundesländervergleich ist Baden-Württemberg insgesamt im Bereich der Schlussgruppe bzw. im unteren Mittelfeld zu verorten.