Überblick über Zugangsmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte in Deutschland

Unterschiedliche Wege führen zum Ziel

Personen, die ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife studieren wollen, müssen einiges an Willensstärke und Durchhaltevermögen aufbringen, um sich durch das verworrene Netz der Besonderheiten hindurch zu kämpfen. Wie offen der Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte in den einzelnen Bundesländern tatsächlich ist, regeln die jeweiligen Hochschulgesetze, welche in den meisten Fällen zusätzlich durch individuelle Verordnungen ergänzt werden. Die Regelungen der einzelnen Bundesländer weisen z. T. erhebliche Unterschiede bei der Art der Zulassungsverfahren und der Zulassungsvoraussetzungen auf. Deshalb haben wir auf diesem Online-Portal für jedes einzelne Bundesland ein extra Seite mit spezifischen Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Angeboten der Hochschulen vor Ort eingerichtet. Dennoch lassen ich in Deutschland grundsätzlich drei unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten ins Studium ohne Abitur identifizieren, je nachdem, über welche berufliche Qualifikation man verfügt: 

Darauf basierend gibt es folgende vier hauptsächliche Zugangswege:

  • Unbeschränkter Hochschulzugang

Studienbewerber(innen) mit einer bestandenen Meisterprüfung oder einem vergleichbaren Abschluss einer Aufstiegsfortbildung, die zusätzlich zur Berufsausbildung absolviert worden ist, können ohne besondere Prüfungen oder Zulassungsverfahren ein Hochschulstudium beginnen.

  • Hochschulzugang über eine Zulassungsprüfung

Hochschulen unterziehen Personen einer Eignungsprüfung, in welcher deren Studierfähigkeit getestet wird. Dieses Verfahren gilt für Bewerber(innen), die zusätzlich zu ihrer Berufsausbildung keine weiterführende Aufstiegsfortbildung abgeschlossen haben.

  • Hochschulzugang über ein Probestudium

Beruflich qualifizierte Bewerber(innen) werden zum Studium zugelassen, nachdem sie ein Probestudium erfolgreich absolviert haben, welches in der Regel zwei bis vier Semester dauert.

  • Hochschulzugang über die Begabtenprüfung

Berufserfahrene erwerben durch das Ablegen einer besonderen Prüfung die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife. Im Unterschied zum „Hochschulzugang über eine Zulassungsprüfung“, welcher nur zum Studium an einer bestimmten Hochschule bzw. in einem bestimmten Bundesland berechtigt, ermöglicht das Bestehen der Begabtenprüfung den uneingeschränkten Hochschulzugang.

Neuere Entwicklungen bei den Zugangsmöglichkeiten

Mittlerweile gibt es darüber hinaus auch Weiterentwicklungen beim Hochschulzugang ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife. So wird beispielsweise in Modellversuchen in Rheinland-Pfalz und Hessen getestet, ob auch Personen direkt nach der Berufsausbildung ohne die üblicherweise vorgeschriebene zusätzliche Berusferfahrung ins Studium ohne Abitur einsteigen können. Zudem wird in einigen Bundesländern neuerdings besonders hoch qualifizierten Berufserfahrenen die Möglichkeit eröffnet, ohne einen vorherigen Bachelor-Abschluss unmittelbar ins Master-Studium einzusteigen. Ein Überblick dazu findet sich in der Publikation von Sigrun Nickel und Nicole Schulz mit dem Titel Update 2017: Studieren ohne Abitur in Deutschland.

Studium ohne Abitur deutschlandweit möglich

Einen wichtigen Impuls hat im Jahr 2009 der Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK; genauer dazu siehe den Link oben rechts auf dieser Seite) gesetzt, mit dem in Deutschland flächendeckend das Studium ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife ermöglicht wurde. Zuvor war dies nur in einigen der 16 Bundesländern möglich gewesen. Mittlerweile lässt sich feststellen, dass durch diesen Vorstoß auf dem Gebiet deutliche Fortschritte erzielt werden konnten. Insgesamt hat die Umsetzung der KMK-Empfehlungen deutschlandweit zu einer kontinuierlich gewachsenen Nachfrage beim Hochschulzugang ohne Abitur geführt. Die Beschlüsse der KMK sind nicht rechtlich bindend, sondern besitzen lediglich den Charakter einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Dennoch haben sich inzwischen alle Bundesländer in ihren Hochschulgesetzen den KMK-Richtlinien weitgehend angenähert.

Relativ unübersichtlich ist nach wie vor, welche beruflichen Abschlüsse als ähnlich hochqualifiziert wie der Meister(in)abschluss einzustufen sind und als Äquivalent zur allgemeinen Hochschulreife anerkannt werden. Laut den Rahmenvorgaben der KMK sind folgende hochqualifizierte Bildungsabschlüsse der allgemeinen Hochschulreife gleichzu­stellen:

  • Meister(innen) im Handwerk nach §§ 45, 51a und 122 der Handwerksordnung (HwO);
  • Inhaber(innen) von Fortbildungsabschlüssen, für die Prüfungsregelungen nach §§ 53, 54 Berufsbildungsgesetz (BBiG) sowie nach §§ 42, 42a HwO bestehen, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen;
  • Inhaber(innen) vergleichbarer Qualifikationen im Sinne des Seemannsgesetzes (staatliche Befähigungszeugnisse für den nautischen oder technischen Schiffsdienst);
  • Inhaber(innen) von Abschlüssen von Fachschulen entsprechend der „Rahmenverein­barungen über Fachschulen“ der Kultusministerkonferenz in der jeweils geltenden Fassung;
  • Inhaber(innen) vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpäda­gogischen Berufe.

Die einzelnen Bundesländer haben zu diesem Punkt in der Regel individuelle Verordnungen erlassen, sodass sich Studieninteressierte ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife über die genauen Bedingungen jeweils informieren müssen. Einen umfassenden Überblick bietet die bundeslandbezogenen Informationen auf diesem Online-Portal.