Überblick über Zugangsmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte in Deutschland

Unterschiedliche Wege führen zum Ziel

Personen, die ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife studieren wollen, müssen schon sehr viel Willensstärke und Durchhaltevermögen aufbringen, um sich durch das verworrene Netz der länderspezifischen Besonderheiten hindurch zu kämpfen. Wie offen der Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte in den einzelnen Bundesländern ist, regeln die jeweiligen Hochschulgesetze, welche in den meisten Fällen zusätzlich durch spezielle Verordnungen ergänzt werden. Die Regelungen der einzelnen Bundesländer weisen z. T. erhebliche Unterschiede bei der Art der Zulassungsverfahren und der Zulassungsvoraussetzungen auf.

Doch trotz aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Verfahren in den Bundesländern lassen sich Typen des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte bilden:

  • Direkter Hochschulzugang für beruflich besonders Qualifizierte

Studienbewerber(innen) mit einer bestandenen Meisterprüfung oder einem vergleichbaren Abschluss können ohne besondere Prüfungen oder Zulassungsverfahren ein Hochschulstudium beginnen.

  • Hochschulzugang über eine Zulassungsprüfung

Hochschulen unterziehen beruflich Qualifizierte einer Eignungsprüfung, in welcher die Studierfähigkeit der Bewerber(innen) ohne HZB getestet wird.

  • Hochschulzugang über ein Probestudium

Beruflich qualifizierte Bewerber(innen) werden zum Studium zugelassen, nachdem sie ein Probestudium erfolgreich absolviert haben, welches in der Regel zwei bis vier Semester dauert.

  • Hochschulzugang über die Begabtenprüfung

Berufserfahrene erwerben durch das Ablegen einer besonderen Prüfung das Abitur. Im Unterschied zum „Hochschulzugang über eine Zulassungsprüfung“, welcher nur zum Studium an einer bestimmten Hochschule bzw. in einem bestimmten Bundesland berechtigt, ermöglicht das Bestehen der Begabtenprüfung den unbeschränkten Hochschulzugang.

Seit 2009 bundesweit erleichterte Zugangsbedingungen

Große Beachtung hat im Jahr 2009 der Vorstoß der Kultusministerkonferenz (KMK) gefunden, die bis dato sehr heterogenen rechtlichen Regelungen in den 16 Bundesländern für das Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife zu vereinheitlichen und zu verbessern. Mittlerweile lässt sich feststellen, dass durch den damals getroffenen Beschluss im Bundesgebiet deutliche Fortschritte erzielt werden konnten. Insgesamt hat die Umsetzung der KMK-Empfehlungen in allen Bundesländern zu Erleichterungen beim Hochschulzugang ohne Abitur geführt. Diese gelten für zwei Personengruppen: Zum einen für Personen mit abgeschlossener Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung, die jetzt in allen Bundesländern die Möglichkeit besitzen, ein fachgebundenes Hochschulstudium aufzunehmen. Zum anderen für Personen mit hochqualifizierten Berufs­bildungsabschlüssen wie Meister(in), Fachwirt(in) und als gleichwertig anerkannten Qualifikationen, die nunmehr im gesamten Bundesgebiet Personen mit allgemeiner Hochschulreife gleichgestellt sind. Was indes noch zu wünschen übrig lässt, ist die deutschlandweite Vereinheitlichung der Zugangsbedingungen. Nach wie vor müssen sich beruflich Qualifizierte mit einer Fülle bundesländerspezifischer Detailregelungen auseinandersetzen, und zwar insbesondere in Form von Verordnungen. Ohne Hilfestellung ist ein Durchblick durch den „Paragrafendschungel“ häufig nicht möglich, was für etliche Studieninteressierte eine nicht zu unterschätzende Hürde darstellt.

Im Einzelnen beinhalten die Rahmenvorgaben der KMK zur Neugestaltung des Hochschulzugangs ohne Abitur folgende Regelungen:

  • Inhaber(innen) beruflicher Aufstiegsfortbildungen (Meister(innen) und Inhaber(innen) als gleichwertig eingestufter Abschlüsse) erhalten eine allgemeine Hochschul­zugangsberechtigung.
  • Sonstige beruflich qualifizierte Studieninteressierte mit jeweils fachlich ent­sprechender mindestens zweijähriger Berufsausbildung und mindestens dreijähriger Berufserfahrung können eine fachgebundene Hochschulzugangs­berechtigung erhalten, nachdem sie ein Eignungsfeststellungsverfahren (oder ein Probestudium von mindestens einem Jahr) erfolgreich abgeschlossen haben.
  • Die Länder können weitergehende Regelungen für den Hochschulzugang treffen, v. a. in Hinblick auf die Anerkennung weiterer Fortbildungsabschlüsse für eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Landesspezifische Hochschulzugangs­berechti­gungen werden nach einem Jahr nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums zum Zwecke des Weiterstudiums in einem gleichen oder affinen Studiengang von allen Ländern anerkannt.

Die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz sind nicht rechtlich bindend, sondern besitzen lediglich den Charakter einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Dennoch haben sich inzwischen alle Bundesländer den KMK-Richtlinien weitgehend angenähert. In der Gesamtschau lassen sich folgende Änderungen feststellen:

Wie die Übersicht zeigt, hat der KMK-Beschluss vielerorts zu konkreten Fortschritten und auch zu einer strukturellen Annäherung geführt. So waren Meister(in)- und ähnlich hochqualifizierte Berufsbildungsabschlüsse zuvor lediglich einer Fachhochschul­reife gleichgestellt und berechtigten entsprechend nur zu einem Studium in solchen Fächern, die der fachlichen Ausrichtung des Berufes entsprachen. Zudem mussten in einigen Bundesländern zusätzlich Aufnahmeverfahren in den Hochschulen absolviert werden. Nun können sich in allen Bundesländern Meister(innen) und beruflich ähnlich Qualifizierte ohne Zusatzprüfung auf jeden Studienplatz an jeder Hochschule ihrer Wahl bewerben, was allerdings nicht heißt, dass sie auch in jedem Fall angenommen werden. Sie besitzen jetzt nicht nur dieselben Freiheiten wie Personen mit allgemeiner Hochschulreife, sondern unterliegen ggf. auch denselben Restriktionen, wie z. B. einem Numerus Clausus.

Relativ unübersichtlich ist nach wie vor, welche beruflichen Abschlüsse als ähnlich hochqualifiziert wie der Meister(in)abschluss einzustufen sind und als Äquivalent zur allgemeinen Hochschulreife anerkannt werden. Laut den Rahmenvorgaben der KMK sind folgende hochqualifizierte Bildungsabschlüsse der allgemeinen Hochschulreife gleichzu­stellen:

  • Meister(innen) im Handwerk nach §§ 45, 51a und 122 der Handwerksordnung (HwO);
  • Inhaber(innen) von Fortbildungsabschlüssen, für die Prüfungsregelungen nach §§ 53, 54 Berufsbildungsgesetz (BBiG) sowie nach §§ 42, 42a HwO bestehen, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen;
  • Inhaber(innen) vergleichbarer Qualifikationen im Sinne des Seemannsgesetzes (staatliche Befähigungszeugnisse für den nautischen oder technischen Schiffsdienst);
  • Inhaber(innen) von Abschlüssen von Fachschulen entsprechend der „Rahmenverein­barungen über Fachschulen“ der Kultusministerkonferenz in der jeweils geltenden Fassung;
  • Inhaber(innen) vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpäda­gogischen Berufe.

Die einzelnen Bundesländer haben jedoch zu diesem Punkt in der Regel individuelle Verordnungen erlassen, sodass sich Studieninteressierte ohne Abitur über die genauen Bedingungen jeweils informieren müssen. Einen umfassenden Überblick bietet die Sektion "Bundeslandbezogene Informationen".