Studienfinanzierung

Die Kosten eines Studiums setzen sich zusammen aus den Ausbildungskosten und den Lebenshaltungskosten. Ausbildungskosten umfassen Einschreibe-/Verwaltungsgebühren, Semesterbeiträge, Beiträge für das Studentenwerk und gegebenenfalls Studiengebühren. Die jeweilige Höhe ist abhängig vom Hochschulort und gegebenenfalls von der Wahl des Studienfaches, nämlich wenn dieses von einer gebührenpflichtigen privaten Hochschule angeboten wird. Auch die jeweilige Höhe der Lebenshaltungskosten ist von vielen Faktoren abhängig (Hochschulort, Studienphase, Lebensalter, Familiensituation, Studienfach etc.). Das Deutsche Studentenwerk ist in seiner Sozialerhebung zu dem Schluss gekommen, dass ein "Normalstudierender" (ledig, nicht im Elternhaus wohnend) durchschnittlich 819 Euro pro Monat an Lebenshaltungskosten ausgibt (Stand: Sommersemester 2016). Gerade Personen, die sich in einer fortgeschrittenen Lebensphase befinden und möglicherweise auch eine Familie gegründet haben, können die Aufnahme eines Studiums oft nicht komplett aus eigener Tasche finanzieren. In der Tat ist es angesichts bestehender Verbindlichkeiten häufig eine Hürde, den Job mit sicherem Einkommen gegen den Hörsaal einzutauschen. Studieninteressierte ohne Abitur befinden sich in der Regel in einer anderen Lebenssituation als Personen, die bereits in jungen Jahren direkt nach dem Schulabschluss ins Studium starten. Doch auch für sie gibt es Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten:

 

Karl-Goldschmidt-Stipendium und Karl-Goldschmidt-Preis

Die Goldschmidt-Stiftung in Essen schreibt das Karl-Goldschmidt-Stipendium speziell an Personen aus, die ihre Hochschulzugangsberechtigung über den Dritten Bildungsweg erlangt haben und möchte diesen damit den Zugang zu akademischer Bildung erleichtern bzw. ermöglichen. Gefördert wird das Erststudium in Vollzeit oder berufsbegleitend.

Die Förderung beträgt bei einem Vollzeitstudium 400 Euro. Ein berufsbegleitendes Studium (Präsenz-, Fern- oder Onlinestudium) wird mit monatlich 200 Euro gefördert. Die Förderdauer beträgt zunächst zwei Semester und wird bei Vorliegen folgender Leistungsnachweise nach Möglichkeit bis zum erfolgreichen Ende des Studiums verlängert:

  • Vollzeitstudium: pro Semester mindestens 24 ECTS-Punkte,
  • Teilzeitstudium: pro Semester mindestens 12 ECTS-Punkte.

 

Neben dem Karl-Goldschmidt-Stipendium vergibt die Goldschmidt-Stiftung in Erinnerung an das vor über 100 Jahren begonnene Wirken von Dr. Karl Goldschmidt als Vordenker der berufsbegleitenden Aus- und Weiterbildung den mit 5.000 € dotierten Karl-Goldschmidt-Preis. Gefördert werden Personen, die sich ohne Abitur und Fachhochschulreife für ein Studium an einer deutschen Hochschule qualifiziert und dieses erfolgreich abgeschlossen haben. 

Der Preis wird ausgelobt für eine hervorragende Abschlussarbeit aus dem Bereich Ingenieurwissenschaften (Maschinenbau, chemische Verfahrenstechnik, Werkstoffwissenschaften, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen). Beurteilungskriterien sind neben der allgemeinen Qualität unter anderen Praxisbezug und Innovation. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury, gegen deren Beschluss der Rechtsweg ausgeschlossen ist.

 

Aufstiegsstipendien des Bundes

Das Aufstiegsstipendium richtet sich an leistungsstarke Personen mit Berufsausbildung sowie Praxiserfahrung und unterstützt diese bei ihrem ersten akademischen Hochschulstudium. Für ein Aufstiegsstipendium bewerben können sich Personen, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, anschließend mindestens zwei Jahre tätig waren und besondere berufliche Leistungen belegen können sowie ein Studium an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland aufnehmen wollen. Die überdurchschnittliche berufliche Leistungsfähigkeit bemisst sich an folgenden Kriterien: Entweder es liegt eine Benotung des Berufsabschlusses oder der Fortbildungsprüfung mit besser als „gut“ (1,9 oder mindestens 87 Punkte) oder ein Sieg bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb oder eine begründete Empfehlung des Betriebs vor. Beim Aufstiegsstipendium gibt es keine formale Altersbegrenzung.

Das Bewerbungsverfahren erfolgt in drei Stufen: Zunächst wird mittels eines Online-Fragebogens geprüft, ob die Förderkriterien erfüllt sind. Danach folgt ein webbasierter Kompetenz-Check mit Fragen zur Leistungsbereitsschaft, Ausdauer und sozialer Kompetenz. Für Bewerber*innen, die zur dritten Auswahlrunde eingeladen werden, wird aus den individuellen Fragebogen-Ergebnissen ein Interview-Leitfaden als Gesprächsgrundlage zusammengestellt. Die Auswahlgespräche werden von speziell geschulten Juror*innen durchgeführt, welche ebenfalls ausbildungs- und berufserfahren sind. Die Bewerbung für das Aufstiegsstipendium ist frühestens ein Jahr vor Beginn eines Studiums und spätestens vor Beendigung des zweiten Studiensemesters möglich.

Die monatliche Höhe des Stipendiums orientiert sich an den BAföG-Sätzen und beträgt für Studierende im Vollzeitstudium derzeit 861 Euro plus 80 Euro Büchergeld und ggf. eine Kinderbetreuungspauschale von 150 Euro für jedes eigene Kind unter 14 Jahren. Studierende in einem berufsbegleitenden Studiengang können jährlich 2.700 Euro für Maßnahmenkosten erhalten. Die Förderung erfolgt pauschal und einkommensunabhängig. Anders als beim regulären BAföG (mit einem 50-prozentigen Darlehensanteil) muss das „Aufstiegsstipendium" nicht zurückgezahlt werden.

Weitere Informationen zum Aufstiegsstipendium finden Sie auf den Seiten der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung.

 

Leistungen nach dem Bundesausbildungs förderungsgesetz (BAföG)

Eine BAföG-Unterstützung soll denjenigen Personen ein Studium ermöglichen, die nicht über die dafür notwendigen eigenen finanziellen Ressourcen verfügen und auch keine Unterstützung durch Eltern oder Ehe-/Lebenspartner*innen erhalten können. Beruflich Qualifizierte erfüllen in der Regel die Voraussetzungen für ein eltern- und ehepartnerunabhängiges BAföG. Gefördert wird nur, wer zu Beginn des Studiums das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, bzw. das 35. Lebensjahr bei Masterstudiengängen [§ 10 BAföG].

Der BAföG-Höchstsatz liegt derzeit bei 861 Euro für Studierende von 25 bis 29 Jahre, die nicht bei ihren Eltern wohnen. Leistungen nach dem BAföG werden je zur Hälfte als Zuschuss sowie als zinsloses Darlehen vergeben, das heißt nur 50 Prozent (und maximal 10.000 Euro) müssen später zurückgezahlt werden. Die Verpflichtung zur Rückzahlung beginnt fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer.

Vor Aufnahme eines Studiums sollten Sie prüfen, ob Sie Anspruch auf die Leistungen nach dem BAföG haben. Die Berater*innen der örtlichen Studierendenwerke können hierbei behilflich sein. Nähere Informationen zum BAföG erhalten Sie auch auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

 

Deutschlandstipendium

Mit dem Deutschlandstipendium unterstützt der Bund zusammen mit privaten Förderern (Unternehmen, Vereine, Stiftungen sowie Privatpersonen) leistungsstarke Studierende. Die Stipentiat*innen erhalten ein einkommensunabhängiges Fördergeld von monatlich 300 Euro für mindestens zwei Semester und höchstens bis zum Ende der Regelstudienzeit. Das Fördergeld wird zusätzlich zu eventuellen BAföG-Leistungen gezahlt und jeweils zur Hälfte vom Bund sowie privaten Förderern aufgebracht. Die Auswahl und Förderung der Stipendiat*innen übernehmen die teinehmenden Hochschulen. Weitere Informationen zum Deutschlandstipendium sowie eine Übersicht der teilnehmenden Hochschulen bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Begabtenförderwerke

Besonders begabte Studierende können sich bei den konfessionsgebundenen oder parteinahen Stiftungen bewerben, in der Regel ist gesellschaftliches Engagement dort bedeutsames Auswahlkriterium. Ein Großteil der Stiftungen hat eine Altersgrenze von 30 Jahren. Gefördert wird in der Höhe des BAföG, allerdings gibt es ein Büchergeld von 150 Euro/Monat extra und später muss nichts zurückgezahlt werden. Zudem gibt es bei den Stiftungen meist eine ideelle Förderung in Form von Veranstaltungen und Mentoring.

Über konkrete Bewerbungsvoraussetzungen, Termine und Abläufe informieren Sie sich am besten selbst.

Parteinahe Stiftungen:

Konfessionelle Stiftungen:

Weitere Stiftungen:

Eine Übersicht über die Förderbedingungen und Ansprechpartner*innen bieten folgende Seiten:

 

Weitere Stipendien

Neben den großen, staatlich geförderten Begabtenförderwerken gibt es weitere kleinere Stipendiengeber. Die Stipendien-Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stipendienlotse.de hilft bei der Orientierung. 

 

Arbeiten neben dem Studium

Das Besondere an einem Studentenjob ist, dass es sich meist um eine geringfügige Beschäftigung handelt. Diese ist in der Regel steuerlich und sozialversicherungsrechtlich privilegiert. Wenn Sie also kontinuierlich nicht mehr als 450 Euro verdienen, müssen Sie selbst keine Steuern und keine Sozialversicherungsbeiträge abführen. Eine Gleitzone mit allmählich steigenden Sozialversicherungsbeiträgen existiert zwischen 450,01 und 1.300 Euro. Voraussetzung ist, dass die wöchentliche Arbeitszeit im Job nicht mehr als 20 Stunden beträgt.

Daneben existiert eine Vielzahl von Sonderregelungen, weshalb sich eine gründliche Lektüre empfiehlt. Dazu sind die folgenden Seiten zu empfehlen:

Hinweis: Wenn Sie also bereits berufstätig sind, dann ein Studium aufnehmen und Ihre wöchentliche Arbeitszeit auf nicht mehr als 20 Stunden reduzieren und nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienen, müssen Sie keine Beiträge mehr in die Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung zahlen.

 

Studienkredit

Was tun, wenn alle Finanzierungsmöglichkeiten ohne oder mit geringer Rückzahlungsverpflichtung (Förderung durch die Eltern, BAföG, Nebenjob, Stipendium) ausgeschöpft sind oder nicht ausreichen und eine Finanzierungslücke bleibt? Dann besteht die Möglichkeit, einen Studienkredit aufzunehmen. In Deutschland existieren inzwischen zahlreiche Anbieter, die Studierenden entsprechende Angebote unterbreiten, am bekanntesten ist darunter sicherlich der KfW-Studienkredit. Er ermöglicht Auszahlungen bis maximal 650 Euro/Monat. Darüber hinaus gibt es Angebote großer Banken und regionaler Institute, sehr günstige Abschlussdarlehen der Studentenwerke sowie hochschulspezifische Angebote.

Sie sollten sich dessen bewusst sein, dass Sie früher oder später das geliehene Geld zu 100 Prozent zuzüglich der Zinsen zurückzahlen müssen, manchmal kommen sogar noch Bearbeitungsgebühren hinzu. Die Rückzahlung kommt unweigerlich auch dann auf Sie zu, wenn Sie das Studium nicht erfolgreich abschließen. Bevor Sie also allzu leichtfertig einen Studienkreditvertrag unterschreiben, sollten Sie zunächst ernsthaft Finanzierungsalternativen sowie Einsparmöglichkeiten überlegen. Studienkredite stellen „nur“ einen letzten Baustein im individuellen Finanzierungsmix dar. Sie sollten nicht dazu dienen, einen übertriebenen Lebensstandard zu ermöglichen. Eine wichtige Frage ist auch, ob ein Studienkredit wirklich für den kompletten Studienverlauf nötig ist oder nur für eine bestimmte Phase (etwa zur Konzentration auf das Studium in der Studienab­schluss-Phase). Als Faustregel könnte folgendes Motto dienen: So wenig Kredit aufnehmen wie nötig, um ein reibungsloses und erfolgreiches Studium abzuschließen. In jedem Fall empfiehlt es sich, vor der Unterschrift die Angebote im Detail unter die Lupe zu nehmen. Sie sind von den Rahmenbedingungen bzw. Konditionen sehr unterschiedlich – jedes Angebot hat für spezifische Zielgruppen unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Weitere Informationen stellt der CHE-Studienkredit-Test 2021 zur Verfügung.