Studienfinanzierung

Die Kosten eines Studiums setzen sich zusammen aus den Ausbildungskosten und den Lebenshaltungskosten. Ausbildungskosten umfassen Einschreibe-/Verwaltungsgebühren, Semesterbeiträge und gegebenenfalls Studiengebühren. Die einzelne Höhe ist abhängig vom Hochschulort und gegebenenfalls von der Wahl des Studienfaches. Auch die jeweilige Höhe der Lebenshaltungskosten ist von vielen Faktoren abhängig (Hochschulort, Studienphase, Lebensalter, Familiensituation, Studienfach etc.). Das Deutsche Studentenwerk ist in seiner Sozialerhebung zu dem Schluss gekommen, dass ein(e) "Normalstudent(in)" (ledig, nicht im Elternhaus wohnend) durchschnittlich 762 Euro pro Monat an Lebenshaltungskosten ausgibt. Gerade Personen, die bereits im Arbeitsleben stehen und möglicherweise auch eine Familie gegründet haben, können die Aufnahme eines Studiums oft nicht komplett aus eigener Tasche finanzieren. Die Hürde, den Job gegen den Hörsaal einzutauschen, ist angesichts bestehender Verbindlichkeiten häufig zu hoch. Personen ohne Abitur und Fachhochschulreife befinden sich in der Regel in einer anderen Lebenssituation als Personen, die direkt nach dem Schulabschluss ins Studium starten. Bei den bestehenden Förder­möglichkeiten gibt es nach wie vor zwei Hauptproblemfelder: Die Altersbegrenzung und die Höhe der Fördersummen.

Aufstiegsstipendien der Bundesregierung

Das Aufstiegsstipendium ist neben den Stipendien der Hans-Böckler-Stiftung das einzige Förderprogramm, welches sich explizit an Studierende ohne Abitur und Fachhochschulreife richtet. Für ein Aufstiegsstipendium bewerben können sich beruflich besonders leistungsfähige Interessent(inn)en mit und ohne Abitur und Fachhochschulreife, die noch keinen Hochschulabschluss besitzen, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung nach der Ausbildung nachweisen können und an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule einen ersten akademischen Grad erwerben wollen. Die überdurchschnittliche berufliche Leistungsfähigkeit bemisst sich an folgenden Kriterien: Entweder es liegt eine Benotung des Berufsabschlusses oder der Fortbildungsprüfung mit besser als „gut“ (1,9 oder mind. 87 Punkte) oder ein Sieg bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb oder eine begründete Empfehlung des Arbeitgebers vor. Das Bewerbungsverfahren erfolgt in drei Stufen: Zunächst wird über einen Online-Fragebogen geprüft, ob die Bewerber(innen) die Förderkriterien erfüllen. Ist diese Hürde erfolgreich genommen, wird ein webbasierter Kompetenz-Check vorgenommen, mit dem kognitive Eignungsaspekte erfasst werden. Die Ergebnisse dieses Auswahlschritts werden in eine Rangliste überführt. Nur die Besten werden zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Die Auswahlgespräche werden von speziell geschulten Juror(inn)en durchgeführt, welche selber ausbildungs- und berufserfahren sind.

Die monatliche Höhe des Stipendiums orientiert sich an den BAföG-Sätzen und beträgt derzeit 670 Euro plus 80 Euro Büchergeld und ggf. eine Kinderbetreuungspauschale von 113 Euro für das erste und 85 Euro für jedes weitere Kind. Studierende in einem berufsbegleitenden Studiengang können jährlich 2.000 Euro für Maßnahmenkosten erhalten. Anders als beim regulären BAföG (mit einem 50-prozentigen Darlehensanteil) muss das „Aufstiegsstipendium" nicht zurückgezahlt werden. Ein weiterer Vorteil: Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendiums müssen in einigen Bundesländern statt der üblichen drei Jahre nur zwei Jahre Berufserfahrung nachweisen, um ein Studium aufnehmen zu können.

Weitere Informationen zum Aufstiegsstipendium auf den Seiten der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung

Stipendien der Hans-Böckler-Stiftung

Die von der Hans-Böckler-Stiftung eigens für beruflich Qualifizierte eingerichteten Stipendien sind Teil eines umfassenderen Förderprogramms in Kooperation mit spezifischen Studiengängen an zwei Hochschulen. Neben sieben ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen an der Universität Duisburg-Essen stehen Studieninteressierten dort neuerdings Studiengänge in den Bereichen Betriebswirtschaft, Chemie, Medien- und Wirtschaftsinformatik zur Auswahl. Auch an der Hochschule Niederrhein wurde das Angebot für Stipendiat(inn)en von zwei gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen um fünf zusätzliche Bachelorstudiengänge erweitert: Betriebswirtschaft, Catering und Hospitality Services, Oecotrophologie, Soziale Arbeit sowie Textil- und Bekleidungstechnik. Die monatliche Höhe des Stipendiums orientiert sich an den BAföG-Sätzen und beträgt derzeit 670 Euro (inklusive Kranken- und Pflegeversicherung) plus 300 Euro Büchergeld / Studienkostenpauschale und ggf. Familien- und Kinderbetreuungszuschläge. Auch die Stipendien der Hans-Böckler-Stiftung müssen nicht zurückgezahlt werden. Zusätzlich profitieren die Stipendiat(inn)en von speziellen Vorbereitungskursen, eigenen Ansprechpartner(inne)n und der Organisation von kleinen Lerngruppen. Anders als für das Aufstiegsstipendium sind für Stipendien der Hans-Böckler-Stiftung nach erfolgreichem Abschluss einer Berufsausbildung mindestens drei Jahre Berufserfahrung erforderlich.

Weitere Informationen zu den Stipendien auf den Seiten der Hans-Böckler-Stiftung

Allgemeine Stipendien

Besonders begabte Studierende können sich bei den konfessionsgebundenen oder parteinahen Stiftungen bewerben, in der Regel wird gesellschaftliches Engagement vorausgesetzt. Ein Großteil der Stiftungen hat eine Altersgrenze von 30 Jahren. Gefördert wird in der Höhe des BAföG, allerdings gibt es ein Büchergeld von 150 Euro/Monat extra und später muss nichts zurückgezahlt werden. Zudem gibt es bei den Stiftungen meist eine ideelle Förderung in Form von Veranstaltungen und Mentoring.

Über konkrete Bewerbungsvoraussetzungen, Termine und Abläufe informieren Sie sich am besten selbst. Es empfiehlt sich auch ein Blick auf die vielen kleinen Stipendien-Anbieter. Diese können Sie auf der Website stipendienlotse.de des BMBF recherchieren.

Im Folgenden sind einige der größten Stiftungen aufgelistet.

Parteinahe Stiftungen:

Konfessionelle Stiftungen:

Weitere Stiftungen:

Arbeiten neben dem Studium

Das Besondere an einem Studentenjob ist, dass es sich meist um eine geringfügige Beschäftigung handelt. Diese ist in der Regel steuerlich und sozialversicherungsrechtlich privilegiert. Wenn Sie also kontinuierlich nicht mehr als 450 Euro verdienen, müssen Sie selbst keine Steuern und keine Sozialversicherungsbeiträge abführen. Eine Gleitzone mit allmählich steigenden Sozialversicherungsbeiträgen existiert zwischen 450,01 und 850 Euro. Voraussetzung ist, dass die wöchentliche Arbeitszeit im Job nicht mehr als 20 Stunden beträgt.

Daneben existiert eine Vielzahl von Sonderregelungen, weshalb sich eine gründliche Lektüre empfiehlt. Dazu sind die folgenden Seiten zu empfehlen:

Hinweis: Wenn Sie also bereits berufstätig sind, dann ein Studium aufnehmen und Ihre wöchentliche Arbeitszeit auf nicht mehr als 20 Stunden reduzieren und nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienen, müssen Sie keine Beiträge mehr in die Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung zahlen.

Leistungen nach dem BAföG

Eine Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) soll denjenigen Personen ein Studium ermöglichen, die nicht über die dafür notwendigen eigenen finanziellen Ressourcen verfügen und auch keine Unterstützung durch Eltern oder Ehe-/Lebenspartner(in) erhalten können. Beruflich Qualifizierte erfüllen in der Regel die Voraussetzungen für ein eltern- und ehepartnerunabhängiges BAföG. Leistungen nach dem BAföG werden in der Regel zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen vergeben, das heißt nur 50 Prozent müssen später zurückgezahlt werden. Der BAföG-Höchstsatz liegt derzeit bei 670 Euro.

Eigentlich darf in der Regel zu Beginn des Studiums das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet sein (bei Masterstudiengängen das 35. Lebensjahr). Gemäß § 10 Abs. 3 des BAföG bestehen allerdings Ausnahmen für Personen, welche die Zugangsvoraussetzungen in einer Zugangsprüfung erworben haben oder die aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation an einer Hochschule eingeschrieben worden sind.

Vor Aufnahme eines Studiums sollte in jedem Fall geprüft werden, ob Sie Leistungen nach dem BAföG erhalten können. Dazu können Sie sich an die Berater der örtlichen Studentenwerke wenden.

Weitere Informationen zum BAföG auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Studienkredit

Was tun, wenn alle Finanzierungsmöglichkeiten ohne oder mit geringer Rückzahlungsverpflichtung (Förderung durch die Eltern, BAföG, Nebenjob, Stipendium) ausgeschöpft sind oder nicht ausreichen und eine Finanzierungslücke bleibt? Dann besteht die Möglichkeit, einen Studienkredit aufzunehmen. In Deutschland existieren inzwischen um die 30 Anbieter, die Studierenden entsprechende Angebote unterbreiten, am bekanntesten ist darunter sicherlich der KfW-Studienkredit. Er ermöglicht Auszahlungen bis maximal 650 Euro/Monat. Darüber hinaus gibt es Angebote großer Banken und regionaler Institute, sehr günstige Abschlussdarlehen der Studentenwerke sowie hochschulspezifische Angebote.

Sie sollten sich dessen bewusst sein, dass Sie früher oder später das geliehene Geld zu 100 Prozent zuzüglich der Zinsen zurückzahlen müssen, manchmal kommen sogar noch Bearbeitungsgebühren hinzu. Die Rückzahlung kommt unweigerlich auch dann auf Sie zu, wenn Sie das Studium nicht erfolgreich abschließen. Bevor Sie also allzu leichtfertig einen Studienkreditvertrag unterschreiben, sollten Sie zunächst ernsthaft Finanzierungsalternativen sowie Einsparmöglichkeiten überlegen. Studienkredite stellen „nur“ einen letzten Baustein im individuellen Finanzierungsmix dar. Sie sollten nicht dazu dienen, einen übertriebenen Lebensstandard zu ermöglichen. Eine wichtige Frage ist auch, ob ein Studienkredit wirklich für den kompletten Studienverlauf nötig ist oder nur für eine bestimmte Phase (etwa zur Konzentration auf das Studium in der Studienab­schluss-Phase). Als Faustregel könnte folgendes Motto dienen: So wenig über Kredit aufnehmen wie möglich, aber immer so viel wie für ein reibungsloses und erfolgreiches Studium erforderlich. In jedem Fall empfiehlt es sich, vor der Unterschrift die Angebote im Detail unter die Lupe zu nehmen. Sie sind von den Rahmenbedingungen bzw. Konditionen sehr unterschiedlich – jedes Angebot hat für spezifische Zielgruppen unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Weitere Informationen beim CHE-Studienkredit-Test 2015