Quantitative Entwicklung nach Hochschultypen und Trägerschaft

Präferenz für anwendungsorientierte Hochschulen

Mit 436 Institutionen (davon 110 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, 272 Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften und 54 Kunst- und Musikhochschulen) berücksichtigen die vorliegenden Statistiken nahezu alle deutschen Hochschulen. Von den insgesamt 13.963 Studienanfänger(inne)n ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife im Jahr 2014 haben die Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit 8.775 Personen den größten Anteil aufgenommen. Die Universitäten ließen 4.984 und die Kunst- und Musikhochschulen 204 beruflich Qualifizierte zu.

 

Ebenso deutlich sind die Unterschiede hinsichtlich der Anteile der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an der Gesamtheit der Studienanfänger(innen) an den verschiedenen Hochschultypen. An den Universitäten ging dieser 2014 auf 1,73 Prozent zurück, wohingegen der Anteil an den Fachhochschulen auf 4,15 Prozent stieg. Im Verhältnis nehmen die Fachhochschulen zunehmend mehr Studienanfänger(innen) ohne Abitur und Fachhochschulreife auf als die Universitäten. Dies zeigen auch die sich im Zeitverlauf verändernden Anteile der verschiedenen Hochschultypen an der – stetig wachsenden – Gesamtheit der Studienanfänger(innen) ohne Abitur.

 

Nahmen die Universitäten 2011 noch über die Hälfte der Studienanfänger(innen) ohne Abitur im Bundesgebiet auf, verringerte sich dieser Anteil bis 2014 auf 35,7 Prozent. Die Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften konnten ihren Anteil im Gegenzug bis auf 62,8 Prozent steigern. In absoluten Zahlen ausgedrückt nahmen 2011 alle Universitäten zusammen noch 279 beruflich Qualifizierte mehr auf als die Fachhochschulen. Nachdem sich dieses Verhältnis 2012 umkehrte, betrug die Differenz zwischen den Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an den beiden dominierenden Hochschultypen in 2014 bereits 3.791 Personen.

Die bei den Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung zu beobachtende Situation findet sich weitergehend auch bei den Studierenden wieder. Wenngleich die Unterschiede hier noch etwas weniger stark ausgeprägt sind, ist über die Hälfte der Studienanfänger(innen) ohne Abitur und Fachhochschulreife an einer Fachhochschule / Hochschule für angewandte Wissenschaften eingeschrieben.

Überragende Nachfrage an der FernUniversität Hagen

Im universitären Bereich findet sich eine weitere Besonderheit. Von den dort verzeichneten 4.984 beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n sind rund 40 Prozent an einer einzigen Hochschule eingeschrieben, und zwar an der FernUniversität in Hagen (Nordrhein-Westfalen) – wenngleich es in 2012 noch über die Hälfte war.

 

Wie das Diagramm zeigt, besitzen 34,17 Prozent der Erstsemester(innen) an der FernUniversität in Hagen weder die allgemeine Hochschulreife noch die Fachhochschulreife. Alle übrigen Universitäten zusammen kommen auf lediglich 1,05 Prozent. Ein entscheidender Grund für die hohe Anziehungskraft der FernUniversität in Hagen ist, dass ein wesentlicher Teil des Studiums per Online-Verfahren zu Hause absolviert werden kann. Dadurch ist es nicht notwendig, für die Aufnahme eines Studiums den Wohnort zu wechseln. Das kommt berufserfahrenen Studierenden insofern entgegen, als viele bereits Familie haben oder neben dem Studium weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen.

Das Gros studiert in öffentlichen Einrichtungen

Im Studienjahr 2014 nahmen die staatlichen Hochschulen mit Abstand die meisten Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf, und zwar 8.903. Dagegen erscheint die Summe von 4.772 beruflich qualifizierten Erstsemestern an privaten Hochschulen eher klein und die 288 Personen, welche die kirchlichen Hochschulen aufnehmen, wirken fast marginal.

 

Schaut man sich jedoch die prozentualen Verhältnisse innerhalb der drei Kategorien an, so zeigt sich auch hier ein differenzierteres Bild. Die 267 staatlichen Hochschulen verfügen über sehr viel mehr Studienplätze als die Hochschulen in privater oder kirchlicher Trägerschaft. Deshalb nehmen diese relativ gesehen weniger Studierende ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife auf als die beiden anderen Gruppen von Hochschulen, und zwar 1,96 Prozent. Demgegenüber zählen an den privaten Hochschulen 10,79 Prozent und an den kirchlichen Hochschulen 4,49 Prozent aller Studienfänger(innen) zur Gruppe der beruflich Qualifizierten.

Auch bei der Gesamtheit der Studierenden ohne Abitur und Fachhochschulreife ergibt sich ein ähnliches Bild.

 

Betrachtet man diese Momentaufnahme im Zeitverlauf, ergeben sich deutliche Trends. Der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung hat sich an den staatlichen Hochschulen trotz geringer Schwankungen kaum verändert, von 1,99 Prozent in 2011 auf 1,96 Prozent in 2014. Auch an den kirchlichen Hochschulen liegt der Wert von 2014 mit 4,49 Prozent vergleichsweise nah an den 2011 erreichten 4,15 Prozent, trotz einer Spitze von 5,70 Prozent im Jahr 2012. Ganz anders verhält es sich mit den Hochschulen in privater Trägerschaft. Hier ist ein stark ausgeprägter und kontinuierlicher Anstieg von 6,53 Prozent in 2011 auf 10,79 Prozent im Jahr 2014 zu beobachten.