Quantitative Entwicklung nach Hochschultyp und Trägerschaft

Wie sieht die Beteiligung an einem Studium ohne Abitur in den Hochschulen der einzelnen Bundesländer aus? Gibt es hier Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen bzw. Hochschulschulen für angewandte Wissenschaften? Bevorzugen beruflich Qualifizierte eher staatliche oder private Hochschulen? Diesen und anderen hochschulspezifischen Fragen können Sie mit Hilfe der nachfolgenden interaktiven Grafik nachgehen. Die Auswahlfunktionen in der rechten Spalte ermöglichen es, die Angaben pro Bundesland nach Hochschultyp, Trägerschaft sowie nach den jeweiligen Anteilen der Studienanfänger*innen, Studierenden und Hochschulabsolvent*innen zu filtern. Eine genaue Beschreibung der Handhabung befindet sich unterhalb der interaktiven Grafik. Der begleitende Text bietet darüber hinaus einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die absoluten Zahlen sowie Anteile der Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolvent*innen ohne Abitur an allen Personen der jeweiligen Personengruppe in den einzelnen Bundesländern mittels verschiedener Filter ganz einfach individuell darstellen, indem Sie mit der Maus über die Bundesländer fahren. Der Fokus kann dabei auf einzelne Hochschultypen oder aber auf die Hochschulträgerschaften gelegt werden. Auch eine Kombination einzelner Komponenten ist möglich, sodass beispielsweise die Anteile der Absolvent*innen ohne Abitur an allen Absolvent*innen angezeigt werden können, die 2019 von staatlichen Universitäten der Bundesländer entlassen wurden. 


Zwei Drittel der Studienanfänger*innen entscheidet sich für anwendungsorientierte Hochschulen

In der vorliegenden Statistik werden Daten von insgesamt 476 Institutionen (davon 124 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, 298 Fachhochschulen (FH) beziehungsweise Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und 54 Kunst- und Musikhochschulen) berücksichtigt. Damit werden nahezu alle deutschen Hochschulen erfasst.

Im aktuellen Berichtsjahr 2019 nehmen die FH/HAW 9.981 der insgesamt 14.736 Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf. Damit liegen die anwendungsorientierten Hochschulen in der Gunst der beruflich qualifizierten Studierenden weiterhin ganz weit vorne. Sie können sogar im Vergleich zum Vorjahr ihren Anteil an Erstsemestern ohne Abitur nochmals um 1,3 Prozent steigern und erreichen einen Wert von 67,7 Prozent. Demgegenüber nehmen die Universitäten im aktuellen Berichtszeitraum 4.184 beruflich Qualifizierte auf, was einem Anteil von 28,4 Prozent entspricht. Damit haben 2019 im Vergleich zum Vorjahr 1,8 Prozent weniger Studienanfänger*innen ohne Abitur den Weg an eine Universität gefunden. Eine positive Tendenz ist an Kunst- und Musikhochschulen zu erkennen. Dort haben sich im aktuellen Berichtsjahr 571 Nicht-Abiturient*innen eingeschrieben, das sind 81 mehr als im Vorjahr. Dementsprechend liegt die Quote hier bei 3,9 Prozent.

Die Werte der Studierenden zeigen gegenüber der Erstsemesterquoten einige Abweichungen. Im Berichtsjahr 2019 gibt es insgesamt 63.856 Studierende ohne Abitur, wovon rund 59 Prozent an einer FH/HAW, 36 Prozent an einer Universität und 5 Prozent an einer Kunst- und Musikhochschule eingeschrieben sind.

Von den FH/HAW wurden mit 5.418 Absolvent*innen ohne Abitur mehr als doppelt so viele Personen erfolgreich in den Arbeitsmarkt entlassen als von den Universitäten mit 2.550 Graduierten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Das bedeutet, dass 63,4 Prozent aller beruflich qualifizierten Hochschulabsolvent*innen von einer FH/HAW und 29,8 Prozent von einer Universität kommen. Die Kunst- und Musikhochschulen können im aktuellen Berichtsjahr auf 579 Hochschulabsolvent*innen blicken. Das sind 89 Personen mehr als im Vorjahr und entspricht einem Plus von 1,1 Prozent. Insgesamt liegt die Quote der Kunst- und Musikhochschulen hier bei 6,8 Prozent.

Wie groß die Anteile der Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolvent*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im Verhältnis zu allen Personen sind, die eine Hochschule besuchen, zeigt folgende Tabelle:

Bezogen auf die Nachfragen in den unterschiedlichen Hochschultypen zeigen die Daten der obigen interaktiven Grafik, dass im Universitätssektor die Länder Nordrhein-Westfalen (2,67 %), Rheinland-Pfalz (2,39 %) und Berlin (2,22 %) die höchsten Anteile beruflich qualifizierter Studienanfänger*innen aufweist. Bei den Studierendenquoten führen hier Berlin (2,4 %), Hamburg (2,14 %) sowie Rheinland-Pfalz (2,1 %). Beim Anteil der der Hochschulabsolvent*innen, die ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife ins Studium gelangt sind, belegen wiederum Berlin (2,3 %) und Hamburg (1,76 %) sowie Niedersachen (1,29 %) die ersten Plätze.

Im Sektor der FH/HAW fallen die Anteile in allen Bundesländern erwartungsgemäß höher aus. In der Kategorie der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur führt erneut die Hansestadt Hamburg mit einem Anteil von 8,94 Prozent. Danach folgen Bremen (8,75 %) und Thüringen (8,08 %).  Bei den beuflich qualifzierten Studierenden erreicht Thüringen einen Anteil von 10,67 Prozent, Bremen 6,8 Prozent und Hamburg 6,53 Prozent. Mit diesen Spitzenwerten liegt das Trio weit vor den anderen Bundesländern. Die Quoten der angewandten Hochschulen in der Kategorie Hochschulabsolvent*innen sind in Hamburg mit 5,39 Prozent am größten, gefolgt von Rheinland-Pfalz (4,54 %) und Bayern (4,07 %).

In Bayern liegt der Anteil der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur an Kunst- und Musikhochschulen bei fast 30 Prozent (29,26 %). Damit nimmt Bayern in dieser Kategorie mit Abstand die Spitzenposition ein. Mit 14,57 Prozent folgt Nordrhein-Westfalen dahinter liegt Sachsen mit einem Anteil von 13,77 Prozent. Auch Schleswig-Holstein liegt mit 11,56 Prozent über der Zehn-Prozent-Marke. Bei den Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung führen wiederum die künstlerischen Hochschulen aus Bayern (15,39 %), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (10,89 %) und Sachsen (10,59 %). Die Spitzenreiter der Kategorie Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur sind Thüringen mit 10,7 Prozent, Nordrhein-Westfalen mit 10,58 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 10,57 Prozent.

 

Nachfrage an privaten Hochschulen im Aufwind

Im Berichtsjahr 2019 nehmen die staatlichen Hochschulen 8.602 Studienanfänger*innen ohne Abitur auf, das sind 1.644 Personen weniger als im Vorjahr. Ein Aufwärtstrend ist dagegen an privaten Hochschulen zu beobachten. Dort steigt die Zahl der beruflich qualifizierten Erstsemester im Vergleich zum Vorjahr um 1.538 Personen auf insgesamt 5.749. Die kirchlichen Hochschulen nehmen mit 385 Personen die wenigsten Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf, das sind fünf mehr als im Vorjahr.

Auch bei den Studierendenzahlen gehen die absoluten Werte je nach Trägerschaft der Hochschulen auseinander. An den staatlichen Hochschulen sind aktuell 40.992 beruflich Qualifizierte eingeschrieben, an den privaten Hochschulen mit 21.369 Personen etwas mehr als die Hälfte. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Minus von 2.731 Personen für die staatlichen Hochschulen und ein Plus in Höhe von 4.411 für die privaten Hochschulen. Den geringsten Wert weisen die kirchlichen Hochschulen mit 1.495 Personen auf, das sind 69 Personen mehr als im Jahr zuvor.

Von insgesamt 8.728 Hochschulabsolvent*innen verlassen im aktuellen Berichtszeitraum 5.831 Personen eine staatliche, 2.453 eine private und 263 eine kirchliche Hochschule. Alle drei Gruppen fallen im Vergleich zum Vorjahr kleiner aus, wobei die staatlichen Hochschulen ein Minus vom 93 Personen aufweisen, gefolgt von kirchlichen Hochschulen (minus 72 Personen) und privaten Hochschulen (minus 16 Personen).

Bei Betrachtung der trägerschaftspezifischen Werte mittels der oben stehenden interaktiven Grafik pro Bundesland wird erkennbar, dass die staatlichen Hochschulen in Rheinland-Pfalz (3,66 %) anteilig die meisten Studienanfänger*innen ohne Abitur in Deutschland aufnimmt, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (2,73 %) und Nordrhein-Westfalen (2,64 %). Die höchsten Studierendenquoten weisen Rheinland-Pfalz (2,88 %), Hamburg (2,3 %) sowie Mecklenburg-Vorpommern (2,11 %) auf. Zudem haben die staatlichen Hochschulen von Rheinland-Pfalz anteilig die meisten Absolvent*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (2,42 %). Danach folgen Hamburg (2,19 %) und Berlin (1,92 %).

Die höchste Studienanfänger*innenquote an privaten Hochschulen verzeichnet in diesem Jahr Bremen mit 19,46 Prozent. Es folgen Hessen (15,22 %) und Thüringen (12,09 %). Bei den Studierendenquoten an Privathochschulen führt ebenfalls Bremen (17,16 %), gefolgt von Thüringen (15,41 %) und Hessen (11,01 %). Den größten Anteil an Hochschulabsolvent*innen ohne Abitur entlassen die privaten Hochschulen in Bayern (10,04 %), Hessen (9,38 %) und Thüringen (8,54 %).

Bei den kirchlichen Hochschulen weist Nordrhein-Westfalen mit 9,8 Prozent die höchsten Anteile an Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf. Sachsen kommt auf 9,14 Prozent und Berlin auf 8,45 Prozent. Bei den Studierendenquoten sind die kirchlichen Hochschulen in der Hansestadt Hamburg mit großem Vorsprung auf dem ersten Rang (11,21 %). Es folgen Sachsen-Anhalt mit 6,61 Prozent und Berlin mit 6,25 Prozent. Die meisten Anteile an Absolvent*innen in dieser Kategorie hat mit 12,5 Prozent Sachsen-Anhalt. Mit großem Abstand folgen Hamburg mit 7,19 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 5,43 Prozent.

 

Zahl der beruflich Qualifizierten an Universitäten weiter rückläufig

Im Laufe der Zeit haben sich die Anteile der Studienanfänger*innen an den verschiedenen Hochschultypen verschoben. Lag die entsprechende Quote der Universitäten im Jahr 2011 noch bei mehr als 50 Prozent, so liegt sie 2019 bei unter 30 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist bei den FH/HAW ein Wachstum von rund 18 Prozent zu beobachten. Auch die Kunst- und Musikhochschulen verzeichnen eine zunehmende Nachfrage, wie nachfolgende Abbildung zeigt:

Im Jahr 2019 nehmen die FH/HAW bundesweit rund zwei Drittel der Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf – mit nach wie vor steigender Tendenz. 2011 lag der entsprechende Anteil bei nicht einmal 50 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt, nahmen 2011 die Universitäten noch 279 beruflich Qualifizierte mehr auf als die FH/HAW. Nachdem sich dieses Verhältnis 2012 umkehrte, nehmen die FH/HAW im Berichtsjahr 2019 bereits 5.797 Studienanfänger*innen ohne Abitur mehr auf als die Universitäten. Auch die Kunst- und Musikhochschulen können auf einen positiven Trend blicken, denn ihre Zahl an Erstsemestern hat sich seit 2011 vervierfacht. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die sprunghafte Entwicklung an den künstlerischen Hochschulen zwischen 2015 und 2016 mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Auswirkungen der geänderten Systematik in der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes zurückzuführen ist (Näheres dazu unter der Rubrik Informationen zu den verwendeten Daten).

Bei der Entwicklung der Studienanfänger*innen ohne Abitur hinsichtlich unterschiedlicher Hochschulträgerschaften ergeben sich ebenfalls deutliche Trends:

Während der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an den staatlichen Hochschulen seit Jahren bei rund zwei Prozent liegt, ist an Hochschulen in privater sowie kirchlicher Trägerschaft ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten. So ist der Anteil der kirchlichen Hochschulen seit 2011 um mehr als zwei Prozent gestiegen, die privaten Hochschulen können sogar auf einen Zuwachs von mehr als drei Prozent schauen. Bei Betrachtung der absoluten Zahlen wird deutlch, dass der Zulauf an privaten Hochschulen deutlich gestiegen ist. Waren es 2011 noch 2.090 Studienanfänger*innen ohne Abitur, so ist ihre Anzahl bis 2019 auf 5.749 gestiegen. Die kirchlichen Hochschulen haben im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 127 Erstsemestern ohne Abitur verzeichnen können. Obwohl der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an staatlichen Hochschulen seit Jahren konstant bleibt, ist ihre Anzahl verglichen mit privaten und kirchlichen Hochschulen am größten und schwankt im Betrachtungszeitraum 2011 bis 2019 zwischen 8.602 und 10.246 Personen. Im Jahr 2019 wird damit der niedrigste Stand seit 2011 erreicht, ein Jahr zuvor wurde hier noch der Höchstwert verzeichnet.