Quantitative Entwicklung nach Hochschultypen und Trägerschaft

Nicht nur die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern fallen beim Studium ohne Abitur teilweise sehr heterogen aus (siehe Quantitative Entwicklung in den Bundesländern), sondern auch zwischen den unterschiedlichen Hochschultypen zeigen sich deutliche Divergenzen. Wie sieht es im Vergleich zwischen Universitäten und Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften aus? Bevorzugen beruflich Qualifizierte eher staatliche oder private Hochschulen? Diesen und anderen hochschulspezifischen Fragen können Sie mithilfe der nachfolgenden interaktiven Grafik nachgehen. Der begleitende Text bietet darüber hinaus einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die absoluten Werte (indem Sie mit der Maus über die Bundesländer fahren) sowie Anteile der Studienanfänger(innen), Studierenden und Absolvent(inn)en ohne Abitur und Fachhochschulreife an allen Personen der jeweiligen Personengruppe in den einzelnen Bundesländern mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei gesondert auf einzelne Hochschultypen oder aber auf einzelne Trägerschaften der Hochschulen gelegt werden. Diese können hingegen auch miteinander kombiniert werden, sodass man sich beispielsweise lediglich die Absolvent(inn)enquoten ohne Abitur an allen Absolvent(innen) ausgeben lassen kann, die von staatlichen Universitäten in den Bundesländern in 2015 entlassen wurden. 


65 Prozent der beruflich qualifizierten Absolvent(inn)en kommen von anwendungsorientierten Hochschulen

In der vorliegenden Statistik werden Daten von insgesamt 447 Institutionen (davon 115 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, 278 Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften und 54 Kunst- und Musikhochschulen) berücksichtigt. Damit werden nahezu alle deutschen Hochschulen erfasst. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2015 nehmen von den insgesamt 12.535 Studienanfänger(inne)n ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife die Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit 7.392 Personen den größten Anteil auf. Die Universitäten lassen 4.989 und die Kunst- und Musikhochschulen 154 beruflich Qualifizierte zu. Ähnliche Relationen herrschen bei den Studierendenzahlen (genauer siehe nachfolgende Tabelle). Interessant ist hier, dass von den insgesamt 6.241 Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung von Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit 4.063 Personen nahezu doppelt so viele auf den Arbeitsmarkt entlassen werden wie von den Universitäten mit 2.076 beruflich qualifizierten Abgänger(inne)n. Dies bedeutet, dass aktuell rund 65 Prozent aller Personen, die ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben, von den Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften kommen. Die Kunst- und Musikhochschulen verzeichnen insgesamt 102 Absolvent(inn)en im Berichtsjahr 2015.

Ähnliche Verhältnisse zeigen sich entsprechend bei der Verteilung der Studienanfänger(innen)quoten. Auch hier dominieren die anwendungsorientierten Hochschulen nach wie vor. Entsprechend sind sie im aktuellen Berichtsjahr 2015 auch deutlich stärker vom allgemeinen Rückgang betroffen: Während der Anteil von Erstsemestern ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife an den deutschen Universitäten mit 1,72 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant bleibt, sinkt dieser an den Fachhochschulen auf 3,52 Prozent. Auch die Kunst- und Musikhochschulen verzeichnen hier einen gewissen Schwund.

Lässt man sich mit Hilfe der oben auf der Seite befindlichen interaktiven Grafik die Daten zu den einzelnen Hochschultypen pro Bundesland angeben, ist zu erkennen, dass aktuell bezogen auf den Universitätssektor Nordrhein-Westfalen (3,57 %), Berlin (2,99 %) und Hamburg (2,85 %) mit Abstand die höchsten Anteile beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) aufweisen. Das Schlusslicht bildet hier Bremen mit lediglich 0,23 Prozent, was gerade mal 8 Personen entspricht. Bei den Studierendenquoten bezogen auf die Universitäten führen Hamburg (2,56 %) und Berlin (2,43 %) vor Nordrhein-Westfalen (2 %). Bei den entsprechenden Absolvent(inn)enquoten hängen Berlin (2,5 %) und Hamburg (1,72 %) das Land Nordrhein-Westfalen (0,7 %) weiter ab. Außerdem holen die Universitäten des Landes Niedersachsen mit einem Anteil von 1,34 Prozent Absolvent(inn)en ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife Nordrhein-Westfalen in dieser Kategorie ein.

Im Fachhochschulsektor fallen die Anteile in allen Bundesländern durchweg höher aus. In der Kategorie der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife führt die Hansestadt Hamburg mit 7,2 Prozent deutlich vor Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern, die beide im 5-Prozent-Bereich liegen. Bei der Personengruppe der Studierenden erreicht Hamburgs Anteil von rund 9 Prozent einen noch größeren Vorsprung zu den zweit- und drittplatzierten Bundesländern Rheinland-Pfalz (4,1 %) und Mecklenburg-Vorpommern (4,06 %). Bei den Absolvent(inn)enquoten der Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften nähern sich die Länderquoten erneut an. Hamburg ist mit 4,97 Prozent immer noch stärkstes Land, jedoch liegen sechs weitere Länder in einem Bereich teilweise weit über 3 Prozent.

Bei den Kunst- und Musikhochschulen liegt das Land Baden-Württemberg hinsichtlich aller Kategorien weit vor allen anderen Bundesländern. Ein Grund dafür könnte sein, dass Baden-Württemberg zu den Ländern mit den meisten Kunst- und Musikhochschulen gehört.

Die Mehrzahl studiert in staatlichen Einrichtungen

Im Studienjahr 2015 nahmen die staatlichen Hochschulen mit Abstand die meisten Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf und zwar insgesamt 8.963 Personen. Dagegen erscheint die Summe von 3.275 beruflich qualifizierten Erstsemestern an privaten Hochschulen eher klein und die 297 Personen, welche die kirchlichen Hochschulen aufnehmen, wirken fast marginal. Auch bei den Studierenden- sowie den Absolvent(inn)enzahlen klaffen die absoluten Zahlen zwischen den Hochschulen je nach Trägerschaft weit auseinander. Studieren an den staatlichen Hochschulen aktuell 35.298 beruflich Qualifizierte, sind es an den privaten mit 14.544 gerade mal weniger als die Hälfte. Den geringsten Wert weisen die kirchlichen Hochschulen mit 1.159 Personen auf. Von insgesamt 6.241 Absolvent(inn)en dieser Gruppe verlassen 4.343 erfolgreich eine staatliche Hochschule, 1.651 eine private und lediglich 247 eine kirchliche.

Schaut man sich jedoch die prozentualen Verhältnisse innerhalb der drei Kategorien an, so zeigt sich auch hier ein deutlich anderes Bild. Die 270 staatlichen Hochschulen verfügen über sehr viel mehr Studienplätze als die Hochschulen in privater oder kirchlicher Trägerschaft, welche zusammen 168 Einrichtungen umfassen. Deshalb haben Erstere relativ gesehen, einen geringeren Anteil von Studienanfänger(inne)n (1,95 %) und Studierenden (1,4 %) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife und entlassen auch einen geringeren Anteil von Absolvent(innen) (0,98 %) als Letztere. An privaten und kirchlichen Hochschulen zählen 7,77 bzw. 5,09 Prozent aller Studienfänger(innen) zur Gruppe der beruflich Qualifizierten. Auch die Studierenden und Absolvent(inn)enanteile sind hier um einiges höher.

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Betrachtet man die trägerschaftsspezifischen Werte mittels der oben auf der Seite stehenden interaktiven Grafik pro Bundesland, so wird erkennbar, dass die staatlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (3,47 %) und Rheinland-Pfalz (2,93 %) anteilig die meisten Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland aufnehmen. Die höchsten Studierenden- (2,35 %) sowie Absolvent(inn)enquoten (1,73 %) an staatlichen Hochschulen weist die Hansestadt Hamburg auf. Wobei die staatlichen Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Absolvent(inn)enquote von 1,64 Prozent der der Hansestadt sehr nahe kommen.

Die höchste Studienanfänger(innen)quote an privaten Hochschulen verzeichnet Berlin mit 11,9 Prozent. In den Ländern Hamburg und Hessen besitzen ebenfalls mehr als 10 Prozent der Studienanfänger(innen) an privaten Hochschulen keine allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife. Bei den Studierendenquoten an privaten Hochschulen führt dagegen Hamburg, wo 13,83 Prozent der Studierenden beruflich Qualifizierte sind. Es folgen Hessen (11,63 %) und Berlin (11,25 %). Den kleinsten Anteil an Studierenden ohne Abitur im Bereich der Privathochschulen besitzt Rheinland-Pfalz (0,13 %). Den größten Anteil an Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur entlassen im Jahr 2015 die privaten Hochschulen in Berlin (10,93 %) und Hessen (10,09 %).

Bei den kirchlichen Hochschulen weist erneut Berlin den höchsten Anteil an Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung mit 11,88 Prozent auf. Mit 8,29 Prozent folgt Rheinland-Pfalz. Bei den Studierendenquoten führt Sachsen-Anhalt mit 11,49 Prozent. Die höchsten Absolvent(inn)enanteile an kirchlichen Hochschulen hat mit 18,75 Prozent und damit großem Abstand das Land Brandenburg. Die letzten beiden Quoten sind jedoch in Anbetracht der sehr geringen absoluten Zahlen an kirchlichen Hochschulen in den Ländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit Vorsicht zu betrachten.

Die Nachfrage an deutschen Universitäten schrumpft weiter

In den vergangenen Jahren nahmen die Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften einen immer größer werdenden Anteil an Studienbewerber(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im Gegensatz zu den Universitäten auf, deren Anteil sich dementsprechend seit 2012 jährlich verringerte. Die aktuellsten Daten aus dem Jahr 2015 zeigen erstmals eine leicht entgegengesetzte Entwicklung. Dies legen die sich im Zeitverlauf verändernden Anteile der verschiedenen Hochschultypen an der – stetig wachsenden – Gesamtheit der Studienanfänger(innen) ohne Abitur nahe:

Nichtsdestotrotz nehmen bundesweit die Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften aktuell mit 59 Prozent die meisten Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf. Dies war nicht immer so. 2011 gingen noch über die Hälfte der Studienanfänger(innen) ohne Abitur an deutsche Universitäten. Dieser Anteil verringerte sich bis 2015 jedoch auf 39,8 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt, nahmen 2011 alle Universitäten zusammen noch 279 beruflich Qualifizierte mehr auf als die Fachhochschulen. Nachdem sich dieses Verhältnis 2012 umkehrte, beträgt die Differenz zwischen den Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an den beiden dominierenden Hochschultypen im Berichtsjahr 2015 bereits 2.403 Personen.

Betrachtet man die Entwicklungen der Studienanfänger(innen) ohne Abitur an den unterschiedlichen Trägerschaften der Hochschulen im Zeitverlauf, ergeben sich ebenfalls deutliche Trends:

Der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung hat sich an den staatlichen Hochschulen trotz geringer Schwankungen kaum verändert, von 1,99 Prozent in 2011 auf 1,95 Prozent in 2015. An den kirchlichen Hochschulen konnte der Wert im aktuellen Berichtsjahr 2015 im Vergleich zum Jahr 2011 um circa einen Prozentpunkt gesteigert werden und liegt wie bereits im Jahr 2013 bei aktuellen 5,09 Prozent. Eine viel auffälligere Aufwärtsentwicklung verzeichneten die Hochschulen in privater Trägerschaft zwischen den Jahren 2011 - 2014. Hier war ein stark ausgeprägter und kontinuierlicher Anstieg von 6,53 Prozent in 2011 auf 10,79 Prozent im Jahr 2014 zu beobachten. Die aktuellsten Daten aus dem Jahr 2015 melden jedoch einen wiederum sehr starken Einbruch der Studienanfänger(innen)quote an privaten Hochschulen des Landes, womit diese sich mit 7,77 Prozent auf einem ungefähren Niveau des Jahres 2012 befinden.