Quantitative Entwicklung nach Hochschultypen und Trägerschaft

Nicht nur die quantitative Entwicklung in den Bundesländern fällt beim Studium ohne Abitur sehr heterogen aus, sondern auch zwischen den unterschiedlichen Typen deutscher Hochschulen zeigen sich Divergenzen. Wie sieht es im Vergleich zwischen Universitäten und Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften aus? Bevorzugen beruflich Qualifizierte eher staatliche oder private Hochschulen? Diesen und anderen hochschulspezifischen Fragen können Sie mithilfe der nachfolgenden interaktiven Grafik nachgehen. Der begleitende Text bietet darüber hinaus einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die absoluten Werte (indem Sie mit der Maus über die Bundesländer fahren) sowie Anteile der Studienanfänger(innen), Studierenden und Absolvent(inn)en ohne Abitur und Fachhochschulreife an allen Personen der jeweiligen Personengruppe in den einzelnen Bundesländern mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei gesondert auf einzelne Hochschultypen oder aber auf einzelne Trägerschaften der Hochschulen gelegt werden. Diese können hingegen auch miteinander kombiniert werden, sodass man sich beispielsweise lediglich die Absolvent(inn)enquoten ohne Abitur an allen Absolvent(innen) ausgeben lassen kann, die von staatlichen Universitäten in den Bundesländern in 2015 entlassen wurden. 


Studierende ohne Abitur wählen überwiegend anwendungsorientierte Hochschulen

In der vorliegenden Statistik werden Daten von insgesamt 443 Institutionen (davon 118 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, 270 Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften und 55 Kunst- und Musikhochschulen) berücksichtigt. Damit werden nahezu alle deutschen Hochschulen erfasst. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2016 nehmen von den insgesamt 13.132 Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung die Fachhochschulen/Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit 7.990 Personen den größten Anteil auf. Die Universitäten ließen im selben Zeitraum 4.641 und die Kunst- und Musikhochschulen 501 beruflich Qualifizierte zu. Damit haben die Universitäten als einzige Institution im Jahr 2016 rund 350 Erstsemester(innen) ohne Abitur weniger als im Jahr zuvor aufgenommen. Ähnliche Relationen wie bei den Studienanfänger(inne)n herrschen bei den Studierendenzahlen (genauer siehe nachfolgende Tabelle). Interessanterweise sind von den insgesamt 7.195 Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung 4.827 Personen von Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften entlassen worden. Damit wurden von dieser Hochschulform doppelt so viele Personen auf den Arbeitsmarkt entlassen wie von den Universitäten, mit 2.262 beruflich qualifizierten Abgänger(inne)n. Dies bedeutet, dass aktuell rund 67 Prozent aller Personen, die ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben, von den Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften kommen. Die Kunst- und Musikhochschulen verzeichnen insgesamt 106 Absolvent(inn)en im Berichtsjahr 2016.

Auch bei der Verteilung der Studienanfänger(innen) ohne Abitur dominieren nach wie vor die anwendungsorientierten Hochschulen. Im aktuellen Berichtjahr 2016 verzeichnen sie zudem einen erneuten anteilsmäßigen Zuwachs von 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Die Universitäten verlieren demgegenüber 0,1 Prozentpunkte. Den deutlichsten Sprung verzeichnen die Quoten der Studienanfänger(innen) sowie Studierenden ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife an den künstlerischen Hochschulen im Bundesgebiet. Diese weisen ein Wachstum von jeweils 6 Prozentpunkten gegenüber 2015 auf. Diese auffällig positive Entwicklung innerhalb nur eines Jahres an den Kunst- und Musikhochschulen lässt sich vermutlich auf die geänderte Systematik der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes zum Wintersemester 2016/17 zurückführen. Dabei werden die Eignungsprüfungen der künstlerischen Hochschulen erstmals gemeinsam mit den Begabtenprüfungen an anderen Hochschulen erfasst. Diese wurden bisher separat voneinander ausgewiesen und im Rahmen dieses Online-Studienführers entsprechend ausgewertet (Näheres zu den Änderungen der Systematik).

Lassen man sich mit Hilfe der oben auf der Seite befindlichen interaktiven Grafik die Daten zu den einzelnen Hochschultypen pro Bundesland angeben, ist zu erkennen, dass bezogen auf den Universitätssektor aktuell Nordrhein-Westfalen (2,9 %), Berlin (3,2 %) und Hamburg (2,6 %) mit Abstand die höchsten Anteile beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) aufweisen. Die Schlusslichter bilden hier Bremen und Sachsen-Anhalt mit lediglich 0,4 Prozent, was in Bremen gerade mal 14 und in Sachsen-Anhalt 23 Personen entspricht. Bei den Studierendenquoten, bezogen auf die Universitäten, führen Hamburg (2,5 %) und Berlin (2,4 %) vor Nordrhein-Westfalen (2 %). Bei den entsprechenden Absolvent(inn)enquoten hängen Berlin (2,7 %) und Hamburg (2 %) Nordrhein-Westfalen (0,7 %) deutlich ab. Außerdem holen die Universitäten des Landes Niedersachsen, mit einem Anteil von 1,5 Prozent Absolvent(inn)en ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife, die des Landes Nordrhein-Westfalen in diesem Punkt ein.

Im Sektor der angewandten Hochschulen fallen die Anteile in allen Bundesländern erwartungsgemäß höher aus. In der Kategorie der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife führt die Hansestadt Hamburg mit einem Anteil von 7,1 Prozent deutlich vor Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern, die beide im 5-Prozent-Bereich liegen. Bei den Studierenden ohne Abitur erreicht Hamburgs Anteil mit rund 9 Prozent einen noch größeren Vorsprung zu den zweitplatzierten Bundesländern Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 4,1 Prozent, sowie dem drittplatzierten Nordrhein-Westfalen mit 3,8 Prozent. Bei den Absolvent(inn)enquoten der Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften sticht Hamburg erneut mit 5,3 Prozent am stärksten hervor, doch liegen immerhin sechs weitere Länder in diesem Bereich teilweise weit über 3 Prozent.

Bei den Kunst- und Musikhochschulen liegt Bayern mit einem Anteil von 15,2 Prozent bei den Erstsemester(inn)en ohne Abitur auf dem ersten Rang, aber auch Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen erreichen hier einen Anteil von über 13 Prozent. Bei den Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung führen die künstlerischen Hochschulen der Länder Sachsen-Anhalt und Bayern mit Anteilen von jeweils rund 12 Prozent. Hinsichtlich der Kategorie der Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur gehören Baden-Württemberg (4,9 %) und Bremen (4,3 %) zu den Spitzenreitern.

Staatliche Hochschulen dominieren zahlenmäßig gegenüber den privaten

Im Studienjahr 2016 nahmen die staatlichen Hochschulen mit Abstand die meisten Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf und zwar insgesamt 8.868 Personen. Dagegen erscheint die Summe von 3.903 beruflich qualifizierten Erstsemestern an privaten Hochschulen eher klein und die 361 Personen, welche die kirchlichen Hochschulen aufnehmen, wirken fast marginal. Jedoch sind die staatlichen Einrichtungen in diesem Berichtsjahr auch die einzigen der drei Hochschultypen, die einen leichten Rückgang von 95 Studienanfänger(inne)n zu verzeichnen haben. Die privaten und kirchlichen Einrichtungen können die Zahl der Erstsemester(innen) steigern. Auch bei den Studierenden- sowie den Absolvent(inn)enzahlen klaffen die absoluten Zahlen zwischen den Hochschulen je nach Trägerschaft weit auseinander. Studieren an den staatlichen Hochschulen aktuell 39.363 beruflich Qualifizierte, sind es an den privaten mit 16.217 gerade mal weniger als die Hälfte. Den geringsten Wert weisen die kirchlichen Hochschulen mit 1.311 Personen auf. Von insgesamt 7.195 Absolvent(inn)en dieser Gruppe verlassen im Jahr 2016 4.920 Personen eine staatliche Hochschule, 2.024 eine private und lediglich 251 eine kirchliche.

Bei der Beurteilung dieser Ergebnisse ist allerdings zu berücksichtigen, dass die 273 staatlichen Hochschulen insgesamt über sehr viel mehr Studienplätze verfügen als die Hochschulen in privater oder kirchlicher Trägerschaft, welche zusammen 170 Einrichtungen umfassen. Deshalb haben Erstere relativ gesehen einen geringeren Anteil von Studienanfänger(inne)n (1,9 %) und Studierenden (1,5 %) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife und entlassen auch einen geringeren Anteil von Absolvent(inn)en (1,1 %) als Letztere. An privaten und kirchlichen Hochschulen zählen 8,7 bzw. 5,9 Prozent aller Studienfänger(innen) zur Gruppe der beruflich Qualifizierten. Auch die Studierenden und Absolvent(inn)enanteile sind hier um einiges höher.

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Betrachtet man die trägerschaftsspezifischen Werte mittels der oben auf der Seite stehenden interaktiven Grafik pro Bundesland, so wird erkennbar, dass die staatlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (3 %) und Rheinland-Pfalz (2,9 %) wie bereits im Vorjahr anteilig die meisten Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland aufnehmen. Die höchsten Studierenden- (2,5 %) sowie Absolvent(inn)enquoten (2,0 %) an staatlichen Hochschulen weist die Hansestadt Hamburg auf, welche ihre Anteile im Berichtsjahr 2016 auch noch einmal leicht steigern kann.

Die höchste Studienanfänger(innen)quote an privaten Hochschulen verzeichnet Berlin mit 12,4 Prozent, wobei die Thüringer Privathochschulen mit einem Anteil von 11,6 Prozent hier ebenfalls einen hohen Anteil aufnehmen. Bei den Studierendenquoten an privaten Hochschulen führt dagegen Hamburg, wo 13,6 Prozent der Studierenden beruflich Qualifizierte sind. Es folgen Berlin (11,2 %) und Hessen (10,2 %). Keine Studierenden ohne Abitur im privaten Hochschulbereich weisen Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen-Anhalt auf. Den größten Anteil an Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur entlassen im Jahr 2016 die privaten Hochschulen in Hessen (11,4 %). Zweitplatziertes Bundesland ist hier Berlin mit einem Anteil von 10,4 Prozent.

Bei den kirchlichen Hochschulen weist Hamburg den mit Abstand höchsten Anteil an Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung, mit 34 Prozent, auf. Dies ist erstaunlich, denn im Vorjahr wiesen die kirchlichen Hochschulen in Hamburg nur rund ein Sechstel des diesjährigen Anteils aus. Mit 9,4 Prozent folgt Berlin. Auch bei der entsprechenden Studierendenquote (11 %) an seinen kirchlichen Hochschulen kann die Hansestadt Hamburg sich nun auf den ersten Rang vorschieben. Mit 11 Prozent folgt dann Sachsen-Anhalt, welches letztes Jahr in dieser Kategorie den ersten Platz belegte. Die höchsten Absolvent(inn)enanteile an kirchlichen Hochschulen hat mit 27,3 Prozent und damit mit großem Abstand das Land Brandenburg. Darauf folgt Berlin mit einer Quote von 13,1 Prozent. Der Wert für Brandenburg in diesem Bereich ist in Anbetracht der sehr geringen absoluten Zahl von 3 Absolvent(inn)en an kirchlichen Hochschulen mit Vorsicht zu betrachten.

Die Nachfrage an deutschen Universitäten erreicht bisherigen Tiefstwert

In den vergangenen Jahren nahmen die Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften einen immer größer werdenden Anteil an Studienbewerber(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf. An den deutschen Universitäten hingegen hat sich der entsprechende Anteil seit 2011 jährlich verringert – mit einer Ausnahme im Jahr 2015. Die aktuellen Daten aus dem Jahr 2016 bekräftigen diesen Abwärtstrend allerdings erneut, wie nachfolgende Abbildung zeigt:

Bundesweit nehmen die Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften aktuell mit rund 61 Prozent die meisten Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf. Dies war nicht immer so. 2011 gingen noch über die Hälfte der Studienanfänger(innen) ohne Abitur an deutsche Universitäten. Dieser Anteil verringerte sich bis 2016 jedoch auf 35,3 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt, nahmen 2011 alle Universitäten zusammen noch 279 beruflich Qualifizierte mehr auf als die Fachhochschulen. Nachdem sich dieses Verhältnis 2012 umkehrte, beträgt die Differenz zwischen den Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an den beiden dominierenden Hochschultypen im Berichtsjahr 2016 bereits 3.349 Personen. Auffällig ist die diesjährige Aufwärtsentwicklung an den Kunst- und Musikhochschulen auf das bisher eigene Höchstniveau von 3,8 Prozent. Damit zeigen sich auch hier mit großer Wahrscheinlichkeit die Auswirkungen der geänderten Systematik in der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes (Näheres dazu unter der Rubrik Informationen zu den verwendeten Daten).

Betrachtet man die Entwicklungen der Studienanfänger(innen) ohne Abitur an den unterschiedlichen Trägerschaften der Hochschulen im Zeitverlauf, ergeben sich ebenfalls deutliche Trends:

Der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung hat sich an den staatlichen Hochschulen trotz geringer Schwankungen kaum verändert, von 2 Prozent in 2011 auf 1,9 Prozent in 2016. An den kirchlichen Hochschulen konnte der Wert im aktuellen Berichtsjahr 2016 im Vergleich zum Jahr 2011 um 1,7 Prozentpunkte gesteigert werden und liegt mit aktuellen 5,9 Prozent bei einem eigenen Höchstwert. Eine viel auffälligere Aufwärtsentwicklung verzeichneten die Hochschulen in privater Trägerschaft zwischen den Jahren 2011 - 2014. Hier war ein stark ausgeprägter und kontinuierlicher Anstieg von 6,5 Prozent in 2011 auf 10,8 Prozent im Jahr 2014 zu beobachten. Die Daten des letzten Jahres 2015 meldeten jedoch einen wiederum sehr starken Einbruch der Studienanfänger(innen)quote an privaten Hochschulen des Landes. womit diese sich wieder auf dem Niveau von 2013 befanden. Aktuell kann der Anteil des letzten Jahres wieder um rund einen Prozentpunkt gesteigert werden und beträgt nun 8,7 Prozent. Damit haben die privaten Hochschulen anteilig die meisten beruflich qualifizierten Studienanfänger(innen) im Bundesgebiet.