Quantitative Entwicklung in den Bundesländern

Die Entwicklung beim Studium ohne Abitur verläuft in den 16 deutschen Bundesländern traditionell sehr unterschiedlich. Die quantitative Spreizung ist auch im aktuellen Berichtsjahr 2016 insgesamt immens. Dies gilt sowohl für die Studienanfänger(innen) ohne Abitur als auch für die Studierenden und Absolvent(inn)en dieser Gruppe. Nachfolgende interaktive Grafik gibt gemeinsam mit dem erläuternden Text genauere bundeslandspezifische Einblicke und bietet zudem auch Vergleichsmöglichkeiten.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die quantitative Entwicklung in den Bundesländern mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei beispielsweise auf gesonderte Personengruppen wie die Studienanfänger(innen), die Studierenden oder die Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung gelegt werden. Zudem können verschiedene Jahre und/oder Bundesländer unabhängig voneinander oder im Vergleich zueinander betrachtet werden.


Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin seit fünf Jahren Spitze bei den Studienanfängerquoten

Auch im aktuellen Berichtsjahr 2016 weisen Hamburg (4,6 %), Nordrhein-Westfalen (4,2 %) und Berlin (3,6 %) im Bundesländervergleich die mit Abstand höchsten Quoten bei den Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Niveau insgesamt kaum verändert. Nur Berlin kann seinen Anteil minimal um 0,2 Prozentpunkte erhöhen. Nordrhein-Westfalen und Hamburg müssen dagegen weiterhin leichte Einbußen verzeichnen. So kann auch dieses Jahr kein Land die 5-Prozent-Marke, die Hamburg und NRW in 2014 erstmalig überschritten hatten, erneut erreichen. Dennoch liegen die drei Spitzenreiter deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2,6 Prozent beim Anteil der Studienanfänger(innen) ohne Abitur in ihrem jeweiligen Bundesland. Ähnliches trifft auch auf Rheinland-Pfalz (2,9 %) und Mecklenburg-Vorpommern (2,7 %) zu. Beide Bundesländer übertreffen in dieser Kategorie, wie bereits im Vorjahr, das bundesweite Mittel. Insbesondere Rheinland-Pfalz hat eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Mit einem Anteil an Studienanfänger(innen) ohne Abitur in Höhe von 1,1 Prozent lag das Land 2010 im bundesweiten Vergleich noch auf dem 11. Platz. Bis zum aktuellen Berichtsjahr 2016 konnte der Anteil um mehr als das Doppelte gesteigert werden, was im Bundesländervergleich nunmehr dem vierten Platz entspricht. 

Gehörte Hessen 2007 noch zur nationalen Spitzengruppe, befindet sich das Bundesland jetzt mit seiner Quote beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) unterhalb des Bundesdurchschnitts, was aber im deutschlandweiten Vergleich immer noch zu einem sechsten Platz reicht. Möglicherweise erlebte Hessen, aufgrund seiner für Anfang der 2000er Jahre ungewöhnlich niedrigschwelligen Zugangsbedingungen zum Studium ein Nachfragehoch, welches mit der Zeit etwas abgeebbt ist, weil andere Bundesländer nachgezogen haben. 2016 startete in Hessen ein Modellversuch für Personen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife, bei welchem erstmals Interessierte mit abgeschlossener Berufsausbildung auch ohne die sonst vorgeschriebene mehrjährige Berufserfahrung ein Studium aufnehmen können. Zum Wintersemester 2016/17 hat sich im Rahmen dieser Initiative bereits eine Reihe solcher Studierenden an den hessischen Hochschulen eingeschrieben, was sicher einen Grund für den aktuellen Anstieg der Studienanfänger(innen)quote ohne Abitur in diesem Bundesland darstellt. Der Modellversuch läuft noch bis 2021. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie sich diese Neuerung in den kommenden Jahren noch auf das Studium ohne Abitur in Hessen auswirken wird.

Das Schlusstrio bilden in diesem Punkt weiterhin Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und das Saarland

Bremen steigert mit einer aktuellen Quote von 2,1 Prozent Studienanfänger(inne)n ohne Abitur seinen Anteil im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozentpunkte und ist damit das Bundesland mit dem größten Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Damit steigt Bremen erstmals über einen Wert von zwei Prozent und erlangt den siebten Platz im Bundesländervergleich. Das Bundesland mit dem zweitstärksten Zuwachs an Erstsemester(inne)n ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife im Berichtsjahr 2016 ist Sachsen-Anhalt. Das östliche Bundesland kann seinen Anteil aus dem vorhergehenden Jahr um einen halben Prozentpunkt steigern und weist nun einen Wert von 1,3 Prozent auf. Damit verlässt Sachsen-Anhalt den letzten Platz im bundesweiten Vergleich und belegt nun den 14. Rang.

Brandenburg kann als einziges Bundesland seinen 10. Platz aus dem Vorjahr halten und zwar nach einem Zuwachse von 0,2 Prozentpunkten auf eine aktuelle Studienanfänger(innen)quote von 1,6 Prozent. Damit liegt das Bundesland im Mittelfeld des Bundesländervergleichs. Dagegen hält Schleswig-Holstein seinen Anteil von 1,4 Prozent Erstsemester(inne)n konstant, was aber im aktuellen bundesweiten Vergleich dazu führt, dass das nördliche Bundesland um drei Plätze ins untere Mittelfeld auf den nunmehr 12. Platz abrutscht.  

Zwar konnte Sachsen-Anhalt, wie erwähnt, den letzten Platz im Bundesländervergleich verlassen, dennoch zählt es weiterhin zu den drei Schlusslichtern bei der Nachfrage nach einem Studium ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Auf dem vorletzten Platz rangiert, trotz positivem Wachstum gegenüber dem Vorjahr, Baden-Württemberg mit einem Anteil von 1,1 Prozent Studienanfänger(innen) ohne Abitur. Die rote Laterne geht dieses Mal an das Saarland. Nur 51 Erstsemester(innen) nahmen hier ein Studium ohne Abitur auf, was einem Anteil von 0,9 Prozent an allen Studienanfänger(inne)n in diesem Bundesland entspricht. Damit ist das Saarland das einzige Bundesland, dessen Quote in dieser Kategorie unter einem Prozent liegt.

Bayern und Rheinland-Pfalz bei der Quote beruflich qualifizierter Studierender stark im Aufwind

Wie bei den Studienanfänger(inne)n belegen auch beim Anteil der Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife Hamburg (5,4 %), Berlin (3,0 %) und Nordrhein-Westfalen (2,7 %) die ersten drei Plätze. Hamburg überschreitet in dieser Kategorie auch in diesem Jahr wieder als einziges Bundesland die 5-Prozent-Marke und setzt sich damit noch einmal deutlich aus der Spitzengruppe ab. Absolut gesehen liegt allerdings Nordrhein-Westfalen mit rund 21.300 Studierenden aus dieser Gruppe vorn, wozu die FernUniversität Hagen, die von allen deutschen Hochschulen mit Abstand die meisten Studierenden ohne Abitur aufweist, einen erheblichen Beitrag leistet.   

In den vergangenen Jahren hatten insbesondere die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern kontinuierliche Aufwärtsbewegung bei den Anteilen von Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung zu verzeichnen. Lag Rheinland-Pfalz 2010 im Bundesländervergleich noch auf dem zehnten Platz, bewegt sich das Land aktuell dicht an der Spitzengruppe auf einem vierten Platz. Zudem übersteigt es mit einer aktuellen Quote von 2,2 Prozent in dieser Kategorie als einziges Land neben Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen den Bundesdurchschnitt von 2 Prozent. Einen erheblichen Sprung macht zudem Bayern. Der Freistaat konnte sich vom unteren Mittelfeld um ganze fünf Plätze auf den aktuell achten Platz steigern. Auch in Thüringen ist seit 2010 bis heute eine durchaus positive Entwicklung zu beobachten. Wies das Land vor sechs Jahren noch den drittniedrigsten Anteil an Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf, gehört es im aktuellen Berichtsjahr neben Sachsen und Sachsen-Anhalt zu den drei Bundesländern mit dem stärksten Wachstum in dieser Kategorie und erreicht mit einem Anteil von 1,4 Prozent den 10. Platz, womit es im Mittelfeld des bundesweiten Vergleichs liegt. Sachsen-Anhalt gewinnt mit dem zweitstärksten Wachstum von 0,4 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls zwei Plätze und hält nun den 11. Rang inne.

Obwohl Sachsen in diesem Jahr mit einer Verdoppelung seines Anteils an Studierenden ohne schulische HZB im Vergleich zum Vorjahr die stärkste Positiventwicklung in dieser Kategorie aufweist und damit zum ersten Mal seit drei Jahren den letzten Platz im Bundesländervergleich verlässt, gehört das östliche Bundesland mit dem 14. Platz weiterhin zur Schlussgruppe. Niedrigere Studierendenquoten weisen, trotz einer grundsätzlich steigenden Tendenz, nur noch die Länder Baden-Württemberg (0,94 %) und das Saarland (0,83 %) auf. Damit bilden Sachsen, Baden-Württemberg und das Saarland das sechste Jahr in Folge die Schlussgruppe bei den Studierenden ohne Abitur in Deutschland.

In Schleswig Holstein deutlicher Rückgang beim Anteil von Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur

Hamburg (3,1 %) und Berlin (3 %) entlassen bereits seit 2013 mit Abstand die meisten Hochschulabsolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung erfolgreich aus dem Studium und liegen in dieser Kategorie auch im aktuellen Berichtsjahr 2016 mit ihren erneut gestiegenen Werten weit über dem Bundesdurchschnitt von 1,5 Prozent. Berlin verzeichnet damit seine bisher höchste Absolvent(inn)enquote. Hamburg hingegen erreichte bereits im Jahr 2013 mit rund 3,5 Prozent sowohl seinen individuellen als auch den bundesweiten Höchstwert. Seitdem allerdings verringerte sich der Anteil beruflich Qualifizierter unter allen Hochschulabsolvent(inn)en der Hansestadt leicht, bis zum aktuellen Jahr, in dem Hamburg nun wieder ein Plus von 0,3 Prozentpunkten erzielen und damit das dritthöchste Wachstum im aktuellen Berichtsjahr vorweisen kann. An dritter Position im Bundesländervergleich der Absolvent(inn)en ohne schulische HZB steht das Land Nordrhein-Westfalen (1,9 %), jedoch bereits mit einem deutlich niedrigeren Wert als die beiden bestplatzierten Länder.

Gleichauf liegen die Quoten an den hessischen sowie an rheinland-pfälzischen Hochschulen im Jahr 2016. Mit einem Anteil von jeweils 1,8 Prozent erfolgreicher Hochschulabsolvent(inn)en, die rein über den beruflichen Weg ins Studium gelangt sind, teilen sich die beiden Bundesländer den vierten Platz im deutschlandweiten Vergleich. Insbesondere Rheinland-Pfalz legt mit einem Anstieg um nahezu 0,5 Prozentpunkte in dieser Kategorie die stärkste Positiventwicklung aller Bundesländer im Vergleich zu 2015 hin. Eine beinahe gegensätzliche Entwicklung findet in Schleswig Holstein statt. Das nördliche Bundesland hat die größten Verluste bei der Quote der Absolvent(inn)en ohne schulische HZB im Berichtsjahr 2016 zu verzeichnen. Mit einem Minus von 0,3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr fällt das Bundesland im deutschlandweiten Vergleich um vier Plätze und liegt mit einem Anteil von nun 0,7 Prozent aktuell auf dem 13. Rang. Ein Abwärtstrend ist auch bezogen auf Mecklenburg-Vorpommern zu beobachten, wenn auch nicht so immens wie bezogen auf Schleswig Holstein. Trotz eines lediglich minimalen Rückgangs des Absolventenanteils um 0,1 Prozentpunkte auf aktuelle 1,6 Prozent verliert Mecklenburg-Vorpommern im deutschlandweiten Vergleich aktuell drei Plätze und rangiert nun auf der siebten Position im Bundesländervergleich.

Die Schlussgruppe beim Anteil der Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur bilden bereits im zweiten Jahr in Folge Bremen (0,6 %), das Saarland (0,3 %) und Sachsen (0,26 %). Bremen kann als einziges der drei genannten Länder seinen Anteil zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte verbessern.