Quantitative Entwicklung in den Bundesländern

Die quantitative Entwicklung beim Studium ohne Abitur verläuft in den 16 deutschen Bundesländern traditionell sehr unterschiedlich. Das bleibt auch im aktuellen Berichtsjahr 2017 so und zwar sowohl bezogen auf die Zahlen der Studienanfänger(innen) als auch die der Studierenden und Hochschulabsolvent(inn)en dieser Gruppe. Nachfolgende interaktive Grafik gibt gemeinsam mit dem daran anschließenden erläuternden Text vertiefte Informationen und bietet über die Auswahlfunktion in der rechten Spalte zudem auch Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Bundesländern. Eine genaue Erläuterung der Handhabung befindet sich unterhalb der interaktiven Grafik.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die quantitative Entwicklung in den Bundesländern mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei beispielsweise auf gesonderte Personengruppen wie die Studienanfänger(innen), die Studierenden oder die Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung gelegt werden. Zudem können verschiedene Jahre und/oder Bundesländer unabhängig voneinander oder im Vergleich zueinander betrachtet werden.


Bremen verdoppelt seine Erstsemester-Quote und erreicht Spitzengruppe

Bildeten in den zurückliegenden fünf Jahren regelmäßig Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin das Spitzentrio unter den 16 Bundesländern, ist im aktuellen Berichtsjahr 2017 wieder Bewegung in die Topgruppe gekommen. Betrachtet man die quantitative Entwicklung bei den Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung, so behält zwar Hamburg mit einem Anteil von rund 5 Prozent weiterhin den ersten Platz im Bundesländervergleich, doch Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von 4 Prozent fällt vom zweiten auf den dritten Rang. Gänzlich herausgefallen aus dem Spitzentrio ist dagegen Berlin. Trotz eines konstant hohen Anteils von 3,6 Prozent beruflich qualifizierten Ersemestern an allen Studienanfänger(inne)n rutscht die Hauptstadt vom dritten auf den aktuell vierten Rangs ab. Dafür hat jetzt Bremen den Sprung unter die ersten Drei geschafft, und zwar mit einer aktuellen Quote von 4,5 Prozent Erstemestern ohne Abitur. Mit einem Plus von 2,4 Prozentpunkten gegenüber 2016 hat der Stadtstaat in dieser Kategorie das mit Abstand größte Wachstum aller Bundesländern zu verzeichnen. Eine Verdopplung des Vorjahresanteils wie in Bremen ist im Berichtsjahr 2017 sonst nirgendwo zu finden. Nordrhein-Westfalen hingegen verliert in dieser Kategorie im Vergleich zu 2016 um rund 0,2 Prozentpunkte, wozu insbesondere die diesjährigen Zahlen für die Studienanfänger(innen) an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management mit Hauptstandort in Essen beigetragen haben. Darüber hinaus ist hervorzuheben, dass es Hamburg als einzigem Bundesland wieder gelingt, die 5-Prozent-Marke zu erreichen. Zuetzt konnte dieser Rekordwert im Jahr 2014 verzeichnet werden. Damals wies neben Hamburg auch Nordrhein-Westfalen diese Erstsemester-Quote auf.

Alle Spitzenreiter liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2,9 Prozent. Das trifft auch weiterhin auf Berlin, Rheinland-Pfalz (3,5 Prozent; Platz 5 ) und Hessen (3,2 Prozent; Platz 6) zu. Hessen kann seinen Anteil gegenüber dem Vorjahr um 1 Prozentpunkt und Rheinland-Pfalz um 0,5 Prozentpunkte verbessern. Zeigt sich Hessen bei der Entwicklung seiner Quote beruflich qualifizierter Erstsemester in den zurückliegenden Jahren eher wechselhaft, verhält sich Rheinland-Pfalz im selben Zeitraum relativ konstant. 2016 startete in Hessen ein Modellversuch für Personen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife, bei welchem erstmals Interessierte mit abgeschlossener Berufsausbildung auch ohne die sonst vorgeschriebene mehrjährige Berufserfahrung ein Studium aufnehmen können. Zum Wintersemester 2016/17 hat sich im Rahmen dieser Initiative bereits eine Reihe solcher Studierenden an den hessischen Hochschulen eingeschrieben, was sicher einen Grund für den aktuellen Anstieg der Studienanfänger(innen)quote ohne Abitur in diesem Bundesland darstellt. Der Modellversuch läuft noch bis 2021.

Schleswig-Holstein verliert im Bundesvergleich und rutscht in die Schlussgruppe

In 2017 können zudem Baden-Württemberg (plus 0,6 Prozentpunkte), Thüringen (plus 0,5 Prozentpunkte) und Bayern (plus 0,5 Prozentpunkte) ihre Platzierungen im bundesweiten Vergleich der Erstsemester-Quoten verbessern. So steigt Baden-Württemberg gegenüber dem Vorjehr vom 15. auf den 12. Platz und Thüringen klettert mit einem Anteil von 1,8 Prozent vom 13. auf den aktuell 10. Rang. Bayern kann seinen Anteil an beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n von etwas über 2 Prozent auf 2,5 Prozent steigern und belegt nun den 6. Platz. Dieselben Plätze im Bundesländervergleich wie im Vorjahr haben Niedersachsen (gleichbleibender Anteil von 1,9 Prozent) mit Platz 9 und das Sachsen mit Platz 11 (1,7 Prozent) inne. Sachsen weist zwar ein Plus von rund 0,3 Prozentpunkten auf, dennoch reicht diese Steigerung nicht für eine bessere Platzierung. Ähnlich geht es Brandenburg. Dieses Bundesland hat zwar leicht um 0,1 Prozentpunkte zugelegt, hat aber seine Platzierung vom 10. auf den aktuell 13. Platz verschlechtert. Mecklenburg-Vorpommern dagegen hat 0,2 Prozentpunkte und damit drei Plätze eingebüßt, liegt aber mit einer Erstsemester-Quote von insgesamt 2,5 Prozent immer noch auf Rang 8 und damit weiterhin im Mittelfeld.

Schleswig-Holstein (1,4 Prozent; Platz 14), Sachsen-Anhalt (1,4 Prozent; Platz 15) und das Saarland (0,5 Prozent; Platz 16) liegen mit ihren Quoten am weitesten unter dem Bundesdurchschnitt und bilden die Schlussgruppe im Bundesländervergleich. Baden-Württemberg verlässt dank eines deutlichen Anstiegs seiner Erstsemester-Quote von 1,1 auf 1,7 Prozent die Schlussgruppe und gibt die rote Laterne an Schleswig-Holstein weiter, welches im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze abgerutscht ist. Das Saarland ändert seine Platzierung zum Vorjahr nicht und bleibt mit einem zusätzlichen Minus von 0,4 Prozentpunkten auf dem letzten Platz bei den Studienanfänger(inne)n ohne schulische HZB.

Hamburg übertrifft als einziges Bundesland die Fünf-Prozent-Marke bei der Studierendenquote

Anders als bei der Erstsemester-Quote erreicht Berlin beim Anteil der Studierenden ohne Abitur mit 3,1 Prozent die Spitzengruppe und belegt nach Hamburg (5,4 Prozent) den zweiten Platz. Bremen verdoppelt auch in dieser Kategorie seine Werte und erklimmt mit einem Anteil von 3 Prozent beruflich Qualifizierter an allen Studierenden des Stadtstaates erstmals den dritten Rang im Bundesländervergleich. Mit einem Plus von 1,6 Prozentpunkten hat die Hansestadt im Vergleich zum Vorjahr bundesweit das größte Wachstum zu verzeichnen. Hingegen muss Nordrhein-Westfalen (2,4 Prozent) im aktuellen Berichtsjahr seinen Platz in den Top 3 an Bremen abgeben. Das Flächenland verbucht mit einem Minus von rund 0,4 Prozentpunkten gleichzeitig die bundesweit stärksten Einbußen in dieser Kategorie. Absolut gesehen liegt Nordrhein-Westfalen jedoch weiterhin mit rund 18.176 Studierenden ohne Abitur deutlich vor allen anderen Bundesländern, deren absolute Zahlen eher im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich liegen. Hier macht sich die unterschiedliche Größe der 16 Hochschulsysteme bemerkbar. NRW hat wesentlich mehr Hochschulen als beispielsweise Hamburg, das im Jahr 2017 eine deutlich niedrigere Zahl von 5.812 Studierende ohne Abitur an seinen Hochschulen zu verzeichnen hat. Darüber hinaus leistet vor allem die FernUniversität in Hagen, an der deutschlandweit die mit Abstand meisten Nicht-Abiturient(inn)en studieren, einen erheblichen Beitrag zur quantitativen Situation in NRW. Hamburg dagegen überschreitet weiterhin als einziges Bundesland bei der Studierenden-Quote die Fünf-Prozent-Marke und setzt sich damit insgesamt deutlich aus der Spitzengruppe ab.

In den vergangenen Jahren hatten insbesondere die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern kontinuierliche Aufwärtsbewegung bei den Anteilen von Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung zu verzeichnen. Lag Rheinland-Pfalz 2010 im Bundesländervergleich noch auf dem zenhten Platz, bewegt sich das Land aktuell dicht an der Spitzengruppe auf einem vierten Platz. Zudem übersteigt es mit einer aktuellen Quote von 2,5 Prozent in dieser Kategorie als eines von insgesamt nur fünf Bundesländern den Bundesdurchschnitt von 2,1 Prozent. Einen erheblichen Sprung macht zudem Bayern. Der Freistaat konnte sich vom unteren Mittelfeld um ganze sieben Plätze auf den aktuell sechsten Platz steigern. Auch in Thüringen ist seit 2010 bis heute eine durchaus positive Entwicklung zu beobachten. Auch wenn das Land in diesem Jahr seine Platzierung aus 2016 beibehält, wies es vor sieben Jahren noch den drittniedrigsten Anteil an Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf und belegt heute mit einem Anteil von 1,4 Prozent den zehnten Platz. Im Vergleich zum Vorjahr schafften es neben Bremen und Bayern zudem Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ihre Platzierungen im bundesweiten Ländervergleich zu verbessern. Mit jeweils einem anteiligen Plus von rund 0,2 Prozentpunkten konnte sich jedes Land um einen Rang verbessern, sodass sie nun den 12. und 14. Platz belegen. Auch Hessen steigerte seinen Vorjahresanteil um 0,2 Prozentpunkte, was jedoch nicht für den Erhalt des siebten Ranges ausreicht und Hessen auf dem achten Platz versetzt.

Neben Nordrhein-Westfalen und Hessen verlieren im aktuellen Berichtsjahr 2017 auch Mecklenburg-Vorpommern (Platz 7), Niedersachsen (Platz 9), Brandenburg (Platz 13) und Sachsen (Platz 15) ihre Platzierungen im Bundesländervergleich von 2016. Mit einem Verlust von drei Plätzen fällt Niedersachsen am stärksten in der diesjährigen Vergleichstabelle, trotz gleichbleibenden Anteils zum Vorjahr von 1,6 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern sinkt zwei Plätze und die anderen Länder um jeweils einen Platz im bundesweiten Vergleich. Insbesondere im Bundesland Brandenburg ist seit geraumer Zeit eine stetige Negativtendenz bei den Studierenden ohne (Fach-)Abitur zu beobachten, was das Land im Vergleich mit den anderen immer weiter in Richtung der letzten Ränge drängt. War Brandenburg beispielsweise im Jahr 2010 noch das Bundesland mit den fünftgrößten Anteil an Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife, belegt es 2017 nur noch den 13. Platz im bundesweiten Ländervergleich.

Trotz steigender Tendenz (plus 0,2 Prozentpunkte) bildet Baden-Württemberg gemeinsam mit Sachsen (1,1 Prozent) und dem Saarland (0,8 Prozent) die Schlussgruppe bei den Studierenden ohne Abitur in Deutschland. Das Saarland erreicht damit, als einziges Bundesland erneut nicht die 1-Prozent-Marke in dieser Kategorie bei grundsätzlich jedoch positiver Wachstumstendenz in den letzten Jahren.

Rheinland-Pfalz schafft es bei den Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur unter die Top 3

Auch in der Spitzengruppe bei der Quote der Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur hat sich im aktuellen Berichtsjahr 2017 eine Veränderung ergeben. Rheinland-Pfalz schafft nun den Sprung unter die Top3. Das Bundesland entlässt mit einem Anteil von rund 2 Prozent die drittmeisten Hochschulabsolvent(inn)en, die ohne eine allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife ein Studium aufgenommen haben. Verlassen musste die Spitzengruppe in dieser Kategorie dagegen Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland landet mit einer Quote von 1,8 Prozent auf dem fünften Platz. Hamburg (3,7 Prozenzt) und Berlin (3 Prozent) weisen bereits seit 2013 mit Abstand die meisten Hochschulabsolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf und liegen in dieser Kategorie mit ihren Werten im Bundesländervergleich auch weiterhin am deutlichsten über dem Bundesdurchschnitt von 1,6 Prozent. Hamburg kann sogar seinen Anteil noch um weitere 0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr steigern, während Berlin seinen Anteil an Absolvent(inn)en stabilisiert. Hamburg erreicht mit seiner Absolvent(inn)en-Quote sowohl einen individuellen als auch bundesweiten Höchstwert.

Bremen holt beim Studium ohne Abitur nicht nur bei den Personengruppen der Studienanfäger(innen) und Studierenden auf. Auch bei den Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur lässt Bremen (1,5 Prozent) in diesem Berichtsjahr sechs Bundesländer hinter sich und belegt den aktuell den siebten Platz. Damit entlässt Bremen anteilig mehr als doppelt so viele Absolvent(inn)en ohne Abitur als noch im Vorjahr 2016. Damit weist Bremen in diesem Berichtsjahr auch das stärlste Wachstum bei den Absolvent(inn)en auf. Eine beinahe gegensätzliche Entwicklung findet in Brandeburg statt. Das Bundesland hat die größten Verluste bei der Quote der Absolvent(inn)en ohne schulische HZB im Berichtsjahr 2017 zu verzeichnen. Mit einem Minus von 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr fällt das Bundesland im deutschlandweiten Vergleich um sechs Plätze und liegt mit einem Anteil von nun 1,2 Prozent aktuell auf dem 11. Rang. Mecklenburg-Vorpommern (1,9 Prozent) konnte zwei Plätze für sich gewinnen und liegt nun nah an der Spitzengruppe auf dem vierten Platz. Außerdem konnte neben Rheinland-Pfalz, wie bereits oben genannt, auch Sachsen-Anhat (1,3 Prozent) einen Platz im Bundesländervergleich gewinnen und belegt nun den 10. Platz.

Die Schlussgruppe beim Anteil der Hochschulabsolvent(inn)en ohne Abitur bilden Schleswig-Holstein (0,9 Prozent), Sachsen (0,8 Prozent) und das Saarland (0,76 Prozent). Schleswig-Holstein verliert trotz steigendem Anteil von rund 0,2 Prozentpunkten zwei Plätze im Bundesländervergleich und rutscht - wie bereits bei den Erstsemester-Quoten - neu in die Schlussgruppe. Sachsen und das Saarland können ihre Anteile sogar jeweils um 0,5 Prozentpunkte zum Vorjahr verbessern, nichtsdestotrotz behält Sachsen seinen 15. Platz aus dem Vorjahr und das Saarland landet diesmal sogar auf dem letzten Rang.