Quantitative Entwicklung in den Bundesländern

Die Entwicklung beim Studium ohne Abitur verläuft in den 16 deutschen Bundesländern ausgesprochen unterschiedlich. Die quantitative Spreizung ist auch im aktuellen Berichtsjahr 2015 insgesamt sehr groß. Dies gilt sowohl für die beruflich qualifizierten Studienanfänger(innen) als auch für die Studierenden und Absolvent(inn)en dieser Gruppe. Nachfolgende interaktive Grafik gibt gemeinsam mit dem erläuternden Text genauere bundeslandspezifische Einblicke und bietet auch Vergleichsmöglichkeiten.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die quantitative Entwicklung in den Bundesländern mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei beispielsweise auf gesonderte Personengruppen wie die Studienanfänger(innen), die Studierenden oder die Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung gelegt werden. Zudem können verschiedene Jahre und/oder Bundesländer unabhängig voneinander oder im Vergleich zueinander betrachtet werden.


Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin sind Spitze bei Erstsemestern ohne (Fach-)Abitur

Die drei Bundesländer mit den höchsten Anfänger(innen)quoten beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife sind laut den jüngsten Zahlen Hamburg (4,47 %), Nordrhein-Westfalen (4,28 %) und Berlin (3,42 %). Lagen im Jahr 2014 in dieser Kategorie erstmalig mit Hamburg und Nordrhein-Westfalen zwei Länder oberhalb der Fünfprozentmarke, wird diese Grenze aktuell von keinem Bundesland mehr überschritten. Zwar haben die drei Spitzenreiter dem deutschlandweiten Trend folgend Einbußen bei der Quote beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) erlitten, dennoch liegen ihre Werte nach wie vor deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2,47 Prozent. Diese Aussage gilt darüber hinaus nur noch für zwei weitere Bundesländer und zwar Rheinland-Pfalz (2,97 %) und Mecklenburg-Vorpommern (2,74 %). Insbesondere Rheinland-Pfalz hat eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Mit einem Anteil von 1,12 Prozent lag das Land 2010 im bundesweiten Vergleich noch auf dem 11. Platz. Bis zum aktuellen Berichtsjahr 2015 konnte der Anteil indes um weit mehr als das Doppelte auf 2,97 Prozent gesteigert werden, was im Bundesländervergleich dem vierten Platz entspricht. 

Gehörte Hessen 2007 noch zur nationalen Spitzengruppe, befindet es sich jetzt mit seiner Quote beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) weit unterhalb des Bundesdurchschnitts, was aber deutschlandweit jedoch immer noch zu einem sechsten Platz reicht. Möglicherweise erlebte Hessen aufgrund seiner für Anfang der 2000er Jahre ungewöhnlich niedrigschwelligen Zugangsbedingungen zum Studium ein Nachfragehoch, welches mit der Zeit etwas abgeebbt ist, weil andere Bundesländer nachgezogen haben. 2016 startete in Hessen ein Modellversuch für Personen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife, bei welchen erstmals Interessierte mit abgeschlossener Berufsausbildung auch ohne die sonst vorgeschriebene mehrjährige Berufserfahrung ein Studium aufnehmen können. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Neuerungen in den kommenden Jahren positiv auf die Zahlen der beruflich qualifizierten Bewerber(innen) an den hessischen Hochschulen auswirken.

Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen können bei Studienanfänger(inne)n zulegen

Sachsen (1,18 %) gehört neben Mecklenburg-Vorpommern (2,74 %) und Schleswig-Holstein (1,40 %) zu den einzigen drei Bundesländern, welche derzeit eine steigende Studienanfänger(innen)quote aufweisen. Mit einem Plus von 0,75 Prozentpunkten zum Vorjahr ist Sachsen zudem das Land mit dem stärksten Zuwachs in 2015. Damit gehört das östliche Bundesland seit dem Jahr 1997 erstmals nicht mehr zur Schlussgruppe in dieser Kategorie, sondern steigt im Bundesländervergleich auf den 13. Platz. Dieser Sprung ist womöglich auch eine Auswirkung der Neuregelungen des Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetzes, welches in 2013 den KMK-Beschluss zur stärkeren Öffnung der Hochschulen für ein Studium ohne Abitur und Fachhochschulreife umsetzte.

Nach leichten Rückgängen gegenüber dem Vorjahr liegen Bayern (1,88 %) und Niedersachsen (1,87 %) zwar aktuell unterhalb des Bundesdurchschnitts bei den Erstsemestern ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. Dennoch können beide Länder ihren siebten und achten Platz im Bundesländervergleich halten.

Die drei Schlusslichter bilden Baden-Württemberg (0,93 %), Saarland (0,83 %) und Sachsen-Anhalt (0,78 %). Insbesondere das Saarland verliert nach einem positiven Wachstum der Studienanfänger(innen)quoten in 2013 und 2014 an Anteil und fällt erneut auf den vorletzten Platz im bundesweiten Vergleich.

Rheinland-Pfalz schließt bei der Quote beruflich qualifizierter Studierender zur Topgruppe auf


Wie bei den Studienanfänger(inne)n weisen die Bundesländer Hamburg (5,22 %), Berlin (2,81 %) und Nordrhein-Westfalen (2,57 %) auch bei den Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife die höchsten Anteile in Deutschland auf. Anteilig hebt sich Hamburg mit einem mehr oder weniger doppelt so hohen Anteil beruflich qualifizierter Studierender wie Berlin und Nordrhein-Westfalen noch einmal deutlich aus der Spitzengruppe ab. Absolut gesehen liegt allerdings Nordrhein-Westfalen mit rund 19.300 Studierenden aus dieser Gruppe vorn, wozu die FernUniversität Hagen einen erheblichen Beitrag leistet.   

In den vergangenen Jahren zeigen insbesondere die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern kontinuierlich eine leichte Aufwärtsbewegung bei den Anteilen von Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung. Lag Rheinland-Pfalz 2010 im Bundesländervergleich noch auf dem zehnten Platz, bewegt sich das Land aktuell dicht an der Spitzengruppe auf einem vierten Platz. Zudem übersteigt es mit einer aktuellen Quote von 2,13 Prozent in dieser Kategorie als einziges Land neben Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen den Bundesdurchschnitt von 1,85 Prozent. Einen erheblichen Sprung macht zudem Bayern. Der Freistaat konnte sich im selben Zeitraum vom unteren Mittelfeld um ganze fünf Plätze auf den aktuell achten Platz steigern. Eine fast gegensätzliche Entwicklung zeigt sich dagegen in Sachsen-Anhalt. In der Langfristperspektive weist die Quote der Studierenden ohne (Fach-)Abitur im Land seit dem Jahr 2010 einen langsamen und stetigen Abwärtstrend auf.

Bereits seit fünf Jahren weisen die Länder Baden-Württemberg (0,79 %), Saarland (0,63 %) und Sachsen (0,49 %) trotz einer grundsätzlich steigenden Tendenz stets den kleinsten Anteil beruflich qualifizierter Studierender auf. Das bleibt auch im aktuellen Berichtsjahr 2015 so.

Bayern und Thüringen verbessern sich deutlich beim Absolventenanteil

Hamburg (2,8 %) und Berlin (2,7 %) entlassen mit Abstand die meisten Hochschulabsolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung erfolgreich aus dem Studium und liegen in dieser Kategorie mit ihren Werten weit über dem Bundesdurchschnitt von 1,3 Prozent. Berlin gehört bereits seit 2010 zur Spitzengruppe und verzeichnet im Jahr 2015 seine bisher höchste Absolvent(inn)enquote. Hamburg hingegen erreichte bereits im Jahr 2013 mit rund 3,5 Prozent sowohl einen individuellen als auch bundesweiten Höchstwert. Seitdem allerdings verringert sich der Anteil beruflich Qualifizierter unter allen Hochschulabsolvent(inn)en der Hansestadt allmählich.

Fast gleichauf befinden sich die Anteile in Nordrhein-Westfalen (1,65 %) und Mecklenburg-Vorpommern (1,64 %). Gehört Mecklenburg-Vorpommern hier bereits seit Jahren zu den Ländern mit den höchsten Quoten bei Personen, die ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife erfolgreich ein Studium abgeschlossen haben, und belegt aktuell den vierten Rang im Bundesländervergleich, so erreicht Nordrhein-Westfalen im Berichtsjahr 2015 hier erstmals einen dritten Platz. In den Jahren 2011 und 2012 belegte Nordrhein-Westfalen in dieser Kategorie noch den neunten Platz und erreichte damit gerade eben den Bundesdurchschnitt. Nach absoluten Zahlen entlässt das Land Nordrhein-Westfalen mit 1.662 Personen nun sogar die mit Abstand meisten beruflich qualifizierten Hochschulabsolvent(inn)en.

Befanden sich die Bundesländer Brandenburg und Niedersachsen einige Jahre bundesweit unter den drei Erstplatzierten bei den beruflich qualifizierten Hochschulabsolvent(inn)en, so erreichen sie aktuell nur noch Plätze im Mittelfeld. Eine entgegengesetzte Entwicklung ist hingegen in Bayern und Thüringen zu beobachten. Gehörten die Länder 2010 noch zur Schlussgruppe, positionieren sie sich im Berichtsjahr 2015 nunmehr auf den Rängen zehn und elf.

Die wenigsten Absolvent(inn)en ohne (Fach-)Abitur weisen die Hochschulen in Bremen (0,48 %), Saarland (0,45 %) und Sachsen (0,31 %) auf. Bremen gehört erstmalig zu den Schlusslichtern in dieser Kategorie.