Nachfrage nach Studienfächern

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften führen Beliebtheitsskala an

In der zurückliegenden Dekade war die Fächerwahl der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in großen Teilen relativ konstant. Der größte Anteil der Nichtabiturient(inn)en bevorzugte Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als Studienfächer. Von den rund 14.000 beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n im Jahr 2014 nahmen knapp über 50 Prozent ein Studium in einem der Fächer dieser Gruppe auf. Danach folgen die Sprach- und Kulturwissenschaften (13,98 %), die Ingenieur­wissenschaften (13,00 %), Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften (9,53 %) sowie Mathematik und Naturwissenschaften (9,35 %). Die Anteile der übrigen Fächergruppen lagen alle deutlich darunter.

Trotz dieser Kontinuitäten hat es auch einige Veränderungen gegeben. Besonders große Zuwächse hatte in den vergangenen Jahren die Gruppe Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften zu verzeichnen. Entschieden sich 2002 nur 0,71 Prozent der beruflich qualifizierten Erstsemester(innen) für ein Studium in den Human- und Gesundheitswissenschaften, waren es 2014 immerhin 9,53 Prozent. Der Anteil der Sprach- und Kulturwissenschaften stieg zwar zwischen 2002 und 2013 von 12,19 Prozent auf 15,68 Prozent, hatte 2014 aber einen Rückgang auf 13,98 Prozent zu verzeichnen. Auch die Beteiligung im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften stieg zumindest zwischen 2002 (7,44 %) und 2011 (12,64 %). Seitdem ist die Nachfrage jedoch um 3,29 Prozentpunkte gesunken, womit sie in 2014 bei 9,35 Prozent liegt. Wechselhaft verhält es sich ebenfalls bei den Ingenieurwissenschaften. Nach einigen höheren Werten in der Zwischenzeit lag die Quote 2014 mit 13,00 Prozent wieder knapp unter dem 2002 erreichten Wert von 13,12 Prozent.

Deutliche absolute Zuwächse bei den MINT-Fächern

Einer der zentralen Push-Faktoren für das Thema „Studieren ohne Abitur“ ist der von der Wirtschaft häufig beklagte Fachkräftemangel. Dabei steht die Mangelsituation bei den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) besonders im Blickpunkt: „Für den Standort Deutschland haben Absolventen dieser Fächergruppen eine besondere Bedeutung, da für die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung von Innovationen in Form neuer Produkte, Produktionsprozesse und Dienst­leistungen ausreichend hochqualifizierte Fachkräfte mit innovationsrelevanten MINT-Qualifikationen erforderlich sind“ (Institut der deutschen Wirtschaft: MINT-Frühjahrsreport 2012, S. 7). Insgesamt ist die Zahl der offenen Stellen in Deutschland in diesem Bereich von 104.800 im Jahr 2005 auf 324.000 im Jahr 2014 gestiegen (Institut der deutschen Wirtschaft: MINT Frühjahrsreport 2014, S. 66). Insofern hofft die Wirtschaft, u. a. durch verbesserte Möglichkeiten beim Studieren ohne Abitur, auch die Zahl geeigneter Fachkräfte in diesem Sektor zu steigern. Gemessen an den absoluten Zahlen scheinen diese Hoffnungen berechtigt zu sein. Studierten 2002 noch 666 Erstmester(innen) in den Fächergruppen Mathematik und Naturwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften, waren es 2014 bereits 3.121 Personen. Somit hat sich deren Anzahl nahezu verfünffacht.