Nachfrage nach Studienfächern

Ingenieurwissenschaften erfreuen sich wachsender Beliebtheit

In der zurückliegenden Dekade war die Fächerwahl der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in großen Teilen relativ konstant. Die jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2015 zeigen jedoch kleinere Verschiebungen auf der Beliebtheitsskala bei den beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n. Die Spitzenposition mit einem deutlichen Vorsprung zu anderen Fächergruppen nehmen weiterhin die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ein. An die 54 Prozent der rund 12.500 Studienanfänger(innen) mit schulischer Hochschulzugangsberechtigung (HZB) nehmen ein Studium in einem Fach dieser Gruppe auf, was eine erneute Steigerung des Anteils gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Eine noch stärker wachsende Beliebtheit bei Nichtabiturient(inn)en verzeichnen die Ingenieurswissenschaften. Nach einem seit 2010 stetig sinkenden Anteil zeigen sie nun einen Aufschwung von rund 6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegen sie knapp über 19 Prozent und sind bei den beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n gefragter denn je.

Deutlich weniger nachgefragt sind die Fächergruppen Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften (10,71 %), Sprach- und Kulturwissenschaften (7,57 %) sowie Mathematik und Naturwissenschaften (4,79 %). In diesem Segment lassen sich ebenfalls zum Teil stark divergierende Entwicklungen ausmachen. Weist die Fächergruppe Humanmedizin und Gesundwissenschaften den jüngsten Zahlen zufolge noch einen unverändert positiven Nachfragetrend bei Studienanfänger(inne)n ohne schulische HZB auf, und erreichen damit sogar erstmals einen Anteil über 10 Prozent, weisen die Sprach- und Kulturwissenschaften genauso wie die Gruppe Mathematik und Naturwissenschaften hingegen eine negative Entwicklung auf. Die Nachfragewerte nach Fächern der Sprach- und Kulturwissenschaften folgen bereits seit dem Jahr 2011 einem leicht absteigenden Trend, welcher in 2015 mit einem Verlust von 6,4 Prozentpunkten allerdings eher ungewöhnlich stark verstetigt wird. Ähnliches gilt für die Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften, die durch einen Rückgang von 4,6 Prozentpunkten aktuell nur noch über einen Anteil von 4,8 Prozent Studienanfänger(inne)n ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulriefe verfügt. Dieser lag im Jahr 2011 noch bei 12,6 Prozent. Die Anteile der übrigen Fächergruppen liegen wie bereits in den Jahren zuvor im deutlich niedrigeren Bereich.

Mehr offene Stellen im MINT-Bereich

Einer der zentralen Push-Faktoren für das Thema „Studieren ohne Abitur“ ist der von der Wirtschaft häufig beklagte Fachkräftemangel. Dabei steht die Mangelsituation bei den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) besonders im Blickpunkt: „Für den Standort Deutschland haben Absolventen dieser Fächergruppen eine besondere Bedeutung, da für die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung von Innovationen in Form neuer Produkte, Produktionsprozesse und Dienst­leistungen ausreichend hochqualifizierte Fachkräfte mit innovationsrelevanten MINT-Qualifikationen erforderlich sind“ (Institut der deutschen Wirtschaft: MINT-Frühjahrsreport 2012, S. 7). Insgesamt ist die Zahl der offenen Stellen in Deutschland in diesem Bereich von 104.800 im Jahr 2005 auf 344.900 im Jahr 2015 gestiegen (Institut der deutschen Wirtschaft: MINT Frühjahrsreport 2015, S. 60). Insofern hofft die Wirtschaft, u. a. durch verbesserte Möglichkeiten beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife, auch die Zahl geeigneter Fachkräfte in diesem Sektor zu steigern. Gemessen an den absoluten Zahlen scheinen diese Hoffnungen berechtigt zu sein. Studierten 2002 noch 666 Erstsemester(innen) in den Fächergruppen Mathematik und Naturwissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften, waren es 2015 bereits 3.001 Personen. Somit hat sich deren Anzahl nahezu verfünffacht.