Nachfrage nach Studienfächern

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beliebteste Studienfächer

In der zurückliegenden Dekade war die Fächerwahl der Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in großen Teilen relativ konstant. Diese Entwicklung zeigt auch im aktuellen Berichtsjahr 2017 keine großen Veränderungen, sodass weiterhin die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gefolgt von den Ingenieurswissenschaften an der Spitze der Beliebheitsskala stehen.

 

Da die Hochschulstatistik seit dem Wintersemester 2015/16 einer neuen Fächersystematik folgt, ist ein Vergleich mit den Jahren zuvor wenig aussagekräftig geworden. Nachfolgend soll somit insbesondere der Entwicklung der Studienfächerwahl bei den Erstsemester(inne)n ohne Abitur in den vergangenen drei Jahren Beachtung geschenkt werden. Die Änderungen der Hochschulstatistik in Bezug auf die Studienbereiche können in diesem Portal auf der Seite Informationen zu den verwendeten Daten genauer nachgelesen werden.

Neben den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die laut den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2017 mit rund 55,5 Prozent etwas mehr als die Hälfte aller Studienanfänger(inne)n ohne Abitur aufnehmen, steigt auch die Quote in den ingenieurswissenschaftlichen Fächern in dieser Kategorie jedes Jahr minimal kontinuierlich an. Damit halten die Ingenieurswissenschaften mit einem Anteil von rund 21 Prozent ihren zweiten Platz bei der Fächernachfrage aus dem Vorjahr. Diese beiden Platzierungen entsprechen übrigens in etwa auch den Präferenzen der Studienanfänger(innen) mit schulischer Hochschulzugangsberechtigung. Jedoch nehmen die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften verglichen mit den Erstsemestern ohne Abitur anteilsmäßig deutlich weniger (38,3 Prozent) und die Ingenieurwissenschaften etwas mehr (27,7 Prozent) Studienanfänger(innen) mit Abitur auf.

Mit einer leicht gesunkenen Quote von 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nimmt der Studienbereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften auch weiterhin die drittmeisten Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf. Das entspricht in etwa 1.700 Personen. Damit hat dieser Studienbereich seinen Anteil seit 2015 um rund 0,8 Prozentpunkte gesteigert. Ein genauer Blick auf die Aufteilung der Studienanfänger(innen) ohne Abitur getrennt nach Humanmedizin (beinhaltet Human- und Zahnmedizin) und Gesundheitswissenschaften zeigt, dass in dieser Fächergruppe rund 90 Prozent (rund 1500 Personen) in einem gesundheitswissenschaftlichen Studiengang und und 10 Prozent (rund 170 Personen) in Humanmedizin oder Zahnmedizin eingeschrieben sind. Einen der begehrten und heiß umkämpften Medizin-Studienplatz zu erhalten, ist auch für Personen mit einem Spitzen-Abitur nicht einfach. Dies spiegelt der sehr hohe Numerus Clausus (NC) wider. Der erforderliche Notendurchschnitt lag zu Beginn des Jahres 2019 im Bereich Humanmedizin je nach Bundesland zwischen 1,0 - 1,3 und  im Bereich Zahnmedizin zwischen 1,2 und 1,6. Aktuelle Informationen zum Thema bietet die Publikation von Sigrun Nickel und Nicole Schulz mit dem Titel Medizin und Pharmazie studieren ohne Abitur, die kostenfrei aus dem Internet geladen werden kann.

Demgegenüber deutlich weniger nachgefragt sind die Fächergruppen Kunst und Kunstwissenschaften (4,7 Prozent), Geisteswissenschaften (3,3 Prozent) sowie Mathematik und Naturwissenschaften (2,4 Prozent). In diesem Segment lassen sich jedoch zum Teil stark divergierende Entwicklungen ausmachen. Bei den Geisteswissenschaften sowie im Bereich Mathematik, Naturwissenschaften ist ein starker zweistufiger Nachfragerückgang seit 2015 zu beobachten. Beide Rückgänge sind hier möglicherweise auch den Anfangs erwähnten Änderungen in der Fächersystematik der Hochschulstatistik zum Wintersemester 2015/16 zuzuschreiben, da das Sommersemester 2015, welches noch nach der alten Fächersystematik gerechnet wurde, im Studienjahr 2015 noch enthalten ist und nicht herausgerechnet werden kann.

Mit Nachfragewerten von unter 2 Prozent werden die Studienbereiche Agrar-, Forst-, Ernährungswissenschaften und Veterinärmedizin (1,5 Prozent), Sport (0,3 Prozent) und sonstige Studienbereiche außerhalb der Studienbereichsgliederung (0,1 Prozent) bei den Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife am seltensten nachgefragt.


Auch in Zukunft großer Bedarf an Fächkräften im MINT-Bereich

Einer der zentralen Push-Faktoren für das Thema „Studieren ohne Abitur“ ist der von der Wirtschaft häufig beklagte Fachkräftemangel. Dabei steht die Mangelsituation bei den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) besonders im Blickpunkt:

„Wie erfolgreich eine Volkswirtschaft im internationalen Innovationswettbewerb abschneidet, hängt von mehreren sich ergänzenden, sich gegebenenfalls aber auch wechselseitig limitierenden Faktoren ab. So führt eine gesamtwirtschaftliche Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen allein zu keiner zusätzlichen Innovationsleistung, wenn sich keine adäquat qualifizierten Arbeitskräfte für die zusätzlichen Ressourcen finden lassen.“ (Institut der deutschen Wirtschaft: MINT-Frühjahrsreport 2018, S. 9). „Für Innovationskraft, Wachstum und Wohlstand ist es wichtig, dass die MINT-Beschäftigung in Deutschland zunimmt. Im Zeitraum von 2011 bis 2015 hat die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern [bereits] um 14 Prozent zugenommen“. (ebd., S. 13)

Insgesamt ist die Zahl der offenen Stellen in Deutschland in diesem Bereich von 104.800 im Jahr 2005 auf 486.600 im April 2018 gestiegen. Davon entfallen rund 104.400 Stellen auf Ausschreibungen in MINT-Expertentätigkeiten, bei denen in der Regel Akademiker(innen) gesucht werden. Die MINT-Arbeitskräftelücke hat damit laut dem MINT-Frühjahrsreport 2018 aktuell sein Allzeithoch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 erreicht (ebd., S. 53-55).