Nachfrage nach Studienfächern

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beliebteste Studienfächer

In den zurückliegenden Jahren war die Fächerwahl der Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in großen Teilen relativ konstant; dies gilt auch für das aktuelle Berichtsjahr 2019. Die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften stehen erneut an der Spitze der Beliebtheitsskala, gefolgt von den Ingenieurwissenschaften und dem Bereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften:

 

In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die laut den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2019 mit 54,45 Prozent etwas mehr als die Hälfte aller Studienanfänger*innen ohne Abitur aufnehmen, ist die Quote im Vergleich zu den beiden Vorjahren marginal gesunken. Der Anteil der Ingenieurwissenschaften verliert knapp ein Prozent und erreicht 19,63 Prozent. Damit bleiben die Ingenieurwissenschaften trotzdem an zweiter Stelle der Liste der am häufigsten nachgefragten Studienfächer. Diese beiden Platzierungen entsprechen auch den Präferenzen der Studienanfänger*innen mit schulischer Hochschulzugangs-berechtigung (HZB). Jedoch liegen die Werte hier bei rund 39 Prozent (Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) sowie 27 Prozent (Ingenieurwissenschaften).

Der Studienbereich Humanmedizin/ Gesundheitswissenschaften wächst wie bereits in den beiden Vorjahren und rangiert mit 13,38 Prozent an dritter Position in der Gunst der Studienanfänger*innen ohne schulische HZB. Ein genauer Blick auf die Aufteilung der Studienanfänger*innen ohne Abitur getrennt nach Humanmedizin (beinhaltet Human- und Zahnmedizin) sowie Gesundheitswissenschaften zeigt, dass in dieser Fächergruppe rund 89 Prozent (1.748 Personen) in einem gesundheitswissenschaftlichen Studiengang und 11 Prozent (224 Personen) im Bereich Humanmedizin oder Zahnmedizin eingeschrieben sind. Ein etwas anderes Bild ergibt sich beim Blick auf die Quote der Studienanfänger*innen mit (Fach-)Abitur. Hier belegt der Bereich Humanmedizin/ Gesundheitswissenschaften lediglich den fünften Rang mit einem Anteil von 5,38 Prozent, was 26.580 Personen entspricht.

Deutlich weniger nachgefragt bei den Erstsemestern ohne schulische HZB sind die Fächergruppen Kunst und Kunstwissenschaften (4,9 %), Geisteswissenschaften (3,1 %) sowie Mathematik und Naturwissenschaften (2,5 %). Im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum gibt es hier nur marginale Unterschiede. Mit Nachfragewerten von unter zwei Prozent werden die Studienbereiche Agrar-, Forst-, Ernährungswissenschaften und Veterinärmedizin (1,3 %), Sport (0,4 %) und sonstige Studienbereiche außerhalb der Studienbereichsgliederung (0,1 %) nachgefragt.

Bei den Studienanfänger*innen mit (Fach-)Abitur ergibt sich eine andere Reihenfolge. An dritter Position der Nachfrageskala liegen die Geisteswissenschaften mit 11,4 Prozent gefolgt von dem Bereich Mathematik, Naturwissenschaften mit 11,1 Prozent auf Rang vier. Nach dem Bereich Humanmedizin/ Gesundheitswissenschaften auf Position 5 folgen Kunst, Kunstwissenschaften (3,0 %) Agrar-, Forst-, Ernährungwissenschaften und Veterinärmedizin (2,1 %) Sport (0,8 %) sowie die sonstigen Fächer (0,7 %). Wie viele Erstsemester sich für die jeweiligen Fächer entschieden haben zeigt folgende Tabelle:

Weiterhin großer Bedarf an Fachkräften im MINT-Bereich

Einer der zentralen Push-Faktoren für das Thema „Studieren ohne Abitur“ ist der von der Wirtschaft häufig beklagte Fachkräftemangel. Dabei steht die Mangelsituation bei den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) besonders im Blickpunkt. Jedoch hat der Ausbruch der Corona-Pandemie auch diesen Bereich entscheidend beeinflusst.

„Die Fachkräftelücke in Berufen mit MINT-Schwerpunkt – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – ist in Deutschland coronabedingt stark geschrumpft. Doch der langfristige Bedarf ist nicht gesunken. Ganz im Gegenteil: Aufgrund der Altersstruktur der MINT-Beschäftigten dürfte er in den kommenden Jahren weiter steigen.“ (Institut der deutschen Wirtschaft: MINT-Herbstreport 2020).

Insgesamt ist die Zahl der offenen Stellen in Deutschland in diesem Bereich von 235.800 (Durchschnitts-Oktober-Wert 2014 bis 2019) auf 108.700 im Oktober 2020 gesunken. Davon entfallen rund 55.300 Stellen auf Ausschreibungen in MINT-Expertentätigkeiten, bei denen in der Regel Akademiker*innen gesucht werden. Die meisten offenen Stellen (rund 41 %) sind nach wie vor im Bereich der Energie- und Elektroberufe zu finden.