Informationen zu den verwendeten Daten

Nach wie vor ist die Verfügbarkeit und die Qualität quantitativer Daten zum Studieren ohne Abitur und Fachhochschulreife in Deutschland unbefriedigend. Daran hat sich seit dem Erscheinen der ersten Studie des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) (Nickel/Leusing 2009) wenig geändert. Da auch für das kontinuierliche Daten-Monitoring auf dieser Website keine Ressourcen für eigene, bundesweite Datenerhebungen zur Verfügung standen, wurde erneut auf die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen. Dabei handelt es sich um bundesweite Daten, welche nicht öffentlich zugänglich sind. Sie müssen extra angefordert und teilweise auch vergütet werden. In die Analyse einbezogen wurden:

  • Zahlen zu Studienanfänger(inne)n, Studierenden und Absolvent(inn)en nach Art der Hochschulzugangsberechtigung für die Jahre 1997, 2002, 2007, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014 (gegliedert nach Bundesländern sowie im Falle der Studienanfänger(innen) und Studierenden teilweise auch nach Hochschulen)
  • sowie Zahlen zu von den Studienanfänger(inne)n gewählten Studienfächern nach Art der Hochschulzugangsberechtigung für die Jahre 2002, 2007, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014.

Die quantitativen Daten des Statistischen Bundesamtes wurden nicht für jedes Jahr abgefragt. Vielmehr wurde davon ausgegangen, dass es die Prägnanz der Aussagen erhöht, wenn die Auswertung nicht zu kleinteilig, sondern mit größeren zeitlichen Abständen erfolgt. In der CHE-Studie aus dem Jahr 2009 betrug die Distanz zwischen den Erhebungszeitpunkten fünf Jahre (1997, 2002, 2007). Daten zur Entwicklung vor 1997 wurden deshalb nicht einbe­zogen, weil sie entweder lückenhaft waren oder fehlten. Das Daten-Monitoring auf diesen Webseiten erfolgt aufgrund der mittlerweile stark ausgeprägten Dynamik im Jahresrhythmus.

Hauptproblem der Daten des Statistischen Bundesamtes ist, dass keine Sicherheit darüber besteht, ob die Hochschulen ihre Angaben zum Studieren ohne Abitur und Fachhochschulreife auch richtig zuordnen. Grund dafür ist die Erhebungsmethode: Anhand eines Schlüsselverzeichnisses liefern Universitäten und Fachhochschulen Zahlen an die Statistischen Landesämter, welche dieses Material ihrerseits an das Statistische Bundesamt weitergeben. Dort erfolgt die Zusammenführung. Die zum Einsatz kommende Abfragematrix ist allerdings sehr anfällig für Missverständnisse. So taucht im Schlüsselverzeichnis beispielsweise die Kategorie „Studien­berechtigung ohne formale Hochschulreife“ auf. Anders als die Formulierung nahelegt, sind damit aber nicht Studierende ohne Abitur im allgemeinen Sinne gemeint. Erst der Blick in die Erläuterungen im Signaturschlüssel macht klar, dass diese Kategorie nur „Eignungs­prüfungen für Kunst- und Musikhochschulen“ umfasst. Es liegt auf der Hand, dass dieses Vorgehen leicht zu Fehlern beim Ausfüllen führen kann. Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen dieses Monitorings nur Daten aus den Kategorien „Hochschulzugangs­berechtigung über berufliche Qualifikation“ und „Hochschulzugangsberechtigung über Begabtenprüfung“ berücksichtigt. Obwohl auch bei diesen Kategorien nicht mit 100-prozentiger Sicherheit gesagt werden kann, ob die Hochschulen die Zuordnungen richtig vornehmen, sind diese doch so definiert, dass hier auf jeden Fall Studierende ohne Abitur erfasst werden. Zurückgehend auf die Aufmerksamkeit, die dem Bereich des Studierens ohne Abitur und Fachhochschulreife mittlerweile zukommt, scheint sich jedoch auch die Qualität der Daten erhöht zu haben, wie es etwa an dem Beispiel Hamburgs beobachtet werden kann.

Unter der Kategorie „Hochschulzugangsberechtigung über berufliche Qualifikation“ werden Personen ohne Abitur oder Fachhochschulreife gefasst, die sich über im Beruf erworbene Qualifikationen für ein Studium qualifiziert haben. Darunter sind Personen zu verstehen, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine mehrjährige Berufspraxis verfügen und sich gegebenenfalls über eine Aufstiegsfortbildung oder den Besuch einer Fachschule weiterqualifiziert haben. Mit der Kategorie „Hochschulzugangsberechtigung über Begabtenprüfung“ sind Personen gemeint, die ihre Studienbefähigung durch eine Sonder­prüfung bei einer Landesschulbehörde nachgewiesen haben. Zugelassen werden kann, wer das 25. Lebensjahr vollendet hat, nach Abschluss seiner Ausbildung fünf bzw. sieben Jahre berufstätig war und sich auf die Prüfung angemessen vorbereitet hat. Die Zahl der Begabtenprüfungen pro Jahr in Deutschland ist vergleichsweise gering.

Ziel des Daten-Monitorings auf dieser Website ist es zum einen, die in der CHE-Studie von 2009 begonnene Verlaufsanalyse zur Entwicklung des Studiums ohne Abitur in Bund und Ländern fortzusetzen. Zum anderen soll aber auch weiter in die Tiefe gegangen werden. Deshalb werden auch die Hochschulen im Bundesgebiet in die Untersuchung einbezogen. Das hierzu verfügbare Datenmaterial erstreckt sich auf die Jahre 2002, 2007, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014. Dabei beziehen sich die aktuellsten Zahlen auf das Studien- und Prüfungsjahr 2014. In die Auswertung einbezogen sind alle Hochschulen, die das Statistische Bundesamt erfasst, d. h. alle staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland. Genau wie auf der Bundesländerebene wurden in die Auswertung die Angaben der Hochschulen zum Hochschulzugang über berufliche Qualifikation und Begabtenprüfung einbezogen. Die Datenangaben beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume: „Studienanfänger(innen)“ auf das Sommer- und das nachfolgende Wintersemester, „Studierende“ ausschließlich auf den Beginn des Wintersemesters und „Absolvent(inn)en“ auf das ganze Prüfungsjahr. Studienanfänger(innen) meint hier Studierende, die im ersten Hochschulsemester an einer Hochschule eingeschrieben sind. Davon abzugrenzen sind Personen, die im ersten Fachsemester ihres Studiengangs studieren und nicht zwangsläufig Studienanfänger(innen) im ersten Hochschulsemester sind. 

Die Auswertung der hochschulbezogenen Daten erfolgt bundeslandspezifisch. Für die Analyse müssen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit weiteren Informationen zum Hochschultyp (Universität, Fachhochschule oder Kunst- und Musikhochschule) und zur Trägerschaft (staatlich, privat oder kirchlich) kombiniert werden. Dies geschieht vor allem mit Hilfe der Hochschulliste der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und durch Recherchen auf den Webseiten der Hochschulen.

Ergänzend zu den Daten des Statistischen Bundesamtes wurden auch Informationen aus der Synopse der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Studieren ohne Abitur hinzugezogen. Die KMK veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen eine „Synoptische Darstellung der in den Ländern bestehenden Möglichkeiten des Hochschulzugangs für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf der Grundlage hochschulrechtlicher Regelungen“. Die Übersicht der KMK ist insofern nützlich, als dass dort rechtliche Fragen aufgegriffen werden, die an keiner anderen Stelle bundes­länderübergreifend thematisiert werden, wie die Studienberechtigung für Studiengänge, die traditionell mit einem Staatsexamen abschließen. In Hinblick auf die quantitative Entwicklung bei den Studierenden ohne Abitur und Fachhochschulreife finden sich in der Synopse der KMK erste Anhalts­punkte. Für einen bundesländerübergreifenden Vergleich eignet sich die KMK-Synopse aufgrund der heterogenen Erhebungs- und Darstellungsweisen allerdings nicht. Die von den Bundesländern selbst vorgenommenen Eintragungen erfolgen nicht standardisiert: Zu jedem Bundesland finden sich beispielsweise unterschiedliche Eintragungen zu Zeiträumen und Hochschultypen.