Studierende ohne Abitur in Deutschland

Erstmals gibt es auf dem Online-Portal auch Informationen, die eine nähere Charakteristik der Studierenden ohne Abitur im Bundesgebiet erlauben. In diesem Zusammenhang werden Fragen zu Alter und Geschlecht, sowie zur Nutzung von Bachelor- und Masterstudiengängen auf Basis aktueller Daten beantwortet. Wenn möglich werden Vergleiche zur diesbezüglichen Situation in der gesamten deutschen Studierendenschaft gezogen.

Männer etwas stärker vertreten als Frauen

Im Berichtsjahr 2016 studierten, mit einem Anteil von 55,3 Prozent, insgesamt 10,6 Prozent mehr männliche als weibliche Studierende ohne Abitur an deutschen Hochschulen im Bundesgebiet. Dieser Unterschied lässt sich bei den traditionellen Studierenden, die im selben Zeitraum mit einer schulischen Hochschulzugangsberechtigung im Bundesgebiet studiert haben, nicht im selben Ausmaß feststellen. Hier ist das Verhältnis mit einem eher kleinen Plus von 3,4 Prozent bei den Männern etwas ausgeglichener, wie nachfolgende Abbildung verdeutlicht:

 

Bei den Studienanfänger(inne)n mit und ohne Abitur geht die geschlechtsspezifische Verteilung in eine ähnliche Richtung. Bei den Erstsemester(inne)n ohne schulische HZB übersteigt der männliche Anteil (53,9 %) erneut den weiblichen Anteil (46,1 %). Bei den Studienanfänger(inne)n mit schulischer HZB zeigt sich, mit 50,4 Prozent Frauen und 49,6 Prozent Männern, wiederum ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis.

Einen möglichen Erklärungsansatz für den leichten Überhang von männlichen gegenüber weiblichen Studienanfänger(inne)n ohne Abitur bietet der Datenreport 2016 des Statistischen Bundesamtes. Demnach haben im Jahr 2014 mit 37 Prozent mehr weibliche Schulabgängerinnen eine Studienberechtigung erworben als ihre männlichen Kollegen mit 29 Prozent (vgl. Datenreport 2016, S. 84). Für Männer könnte sich demzufolge der berufliche Weg ins Studium etwas häufiger anbieten als für Frauen. Diese Annahme bekommt zusätzliche Nahrung durch einen Befund im Berufsbildungsbericht 2017, wonach seit Jahren ein wachsender Rückgang der Anzahl abgeschlossener Ausbildungsverträge mit Frauen zu beobachten ist (Berufsbildungsbericht 2017, S. 36). Demgegenüber blieb die Entwicklung bei den Männern in dieser Hinsicht konstant. Auch hier ergeben sich Hinweise auf eine stärkere Neigung von Männern zunächst eine berufliche Qualifikation zu erwerben.

Betrachtet man die Absolventenzahlen zeigt sich eine bemerkenswerte Dysbalance beim Geschlechterverhältnis derjenigen, die über eine allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife zu einem Hochschulabschluss gelangt sind. In dieser Gruppe befanden sich im Jahr 2016 insgesamt 67,1 Prozent Männer und lediglich 32,9 Prozent Frauen. Anders sieht es bei den Absolvent(inn)en aus, die ihren Hochschulzugang rein über den beruflichen Weg bekommen haben. Hier ist im selben Zeitraum eine in etwa hälftige Aufteilung von 48,9 Prozent weiblichen und 51,1 Prozent männlichen Personen zu beobachten, die ihr Studium erfolgreich abschließen konnten.

Knapp die Hälfte ist über 30 Jahre alt

Bei der Altersstruktur zeigt sich im Vergleich von Personen mit und solchen ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife ein deutlicher Unterschied:

 

Studierende mit einer allgemeinen Hochschulreife oder Fachhochschulreife sind in der Regel deutlich jünger als ihre beruflich qualifizierten Kommiliton(inn)en. 87,4 Prozent sind zwischen 19-30 Jahre alt. Bei den Studierenden ohne Abitur zeigt sich hingegen ein deutlich heterogeneres Bild. Mit 51,4 Prozent bilden die 19-30 Jährigen zwar knapp mehr als die Hälfte aller Studierenden ohne schulische HZB, jedoch ist ein fast ebenso großer Anteil über 30 Jahre alt. 

Bei den Hochschulabsolvent(inn)en sieht die Altersverteilung wieder etwas anders aus. Mit 71,3 Prozent ist das Gros der Personen, die ohne den vorherigen Erwerb einer allgemeinen Hochschulreife oder Fachhochschulreife ein Studium erfolgreich beenden konnten, zwischen 25 und 36 Jahren alt. Rund ein Viertel aller Absolvent(inn)en ohne schulische HZB sind beim Studienabschluss sogar 37 Jahre und älter. Bei den Absolvent(inn)en mit schulischer HZB macht dieser Personenkreis lediglich 3,6 Prozent aus.

Bemerkenswerte Befunde ergeben sich auch, wenn man die geschlechts- und altersspezifischen Daten gemeinsam auswertet. So sind bei den Studierenden ohne Abitur, im Alterssegment der 20-40 Jährigen, deutlich mehr männliche Personen mit beruflicher Qualifikation (85,5 %) vertreten als weibliche Personen (78,3 %). Frauen hingegen sind deutlich häufiger in der Gruppe der über 40 Jährigen zu finden. Hier ergibt sich ein Unterschied zu den männlichen Kommilitonen von 13,6 Prozent. Nur 8,9 Prozent der Männer nahmen in 2016 ein Studium im Alter von 41 Jahren und älter auf, während es bei den Frauen 15,3 Prozent waren. Eine Erklärung dafür ist möglicherweise, dass Frauen, die nach wie vor eher für die Kindererziehung zuständig sind als Männer, ein Studium ohne Abitur als Chance zum beruflichen Wiedereinstieg oder zur Neuorientierung nach einer mehrjährigen Familienpause nutzen.  

Beruflich Qualifizierte sind überwiegend im Bachelorstudium zu finden

Die aktuellsten Daten zu Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen aus dem Jahr 2016 zeigen, dass 24 Prozent der Personen, die einen Hochschulzugang über eine schulische HZB erlangt haben, nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium anschließen. Dies sind anteilig mehr als doppelt so viele wie bei denjenigen, die über ihre berufliche Qualifikation an die Hochschule gekommen sind, wie folgende Grafik zeigt: