Studierende ohne Abitur in Deutschland

Nachfolgend soll ein Blick auf die nähere Charakteristik der Studierenden ohne Abitur im Bundesgebiet geworfen werden. In diesem Zusammenhang werden Fragen zum Alter und Geschlecht, sowie zur Nutzung von Bachelor- und Masterstudiengängen auf Basis aktueller Daten beantwortet. Wo es sinnvoll erscheint werden Vergleiche zum Vorjahr und wenn möglich zur diesbezüglichen Situation in der gesamten deutschen Studierendenschaft gezogen.

Männer weiterhin etwas stärker vertreten als Frauen

Im Berichtsjahr 2019 gab es 7.278 weibliche und 7.458 männliche Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) im Bundesgebiet. Somit ist die Gruppe der männlichen Erstsemester immer noch ein wenig größer als die der weiblichen. Doch die Frauen holen auf, wie aus der Betrachtung der Jahre 2015 bis 2019 hervorgeht:

Bei den Studienanfänger*innen mit (Fach-)Abitur liegen die Frauen vorne. Im Jahr 2019 gab es 237.809 männliche und 256.144 weibliche Erstsemester. Auch hier zeigt sich, dass die Gruppe der Studienanfängerinnen im Laufe der letzten Jahre zugenommen hat. Nahmen 2015 noch etwa gleich viele männliche und weibliche Personen mit schulischer HZB ein Studium auf, so liegen die Frauen im aktuellen Berichtsjahr bereits bei 51,86 Prozent.

Korrespondierend mit dem Geschlechterverhältnis bei der Anzahl der Studienanfänger*innen ohne Abitur weisen auch die Quoten der Studierenden sowie der Absolvent*innen einen leichten Überhang an Männern auf. Der Anteil der männlichen Studierenden ohne schulische HZB lag 2019 bei 52,54 Prozent, bei den Absolventen wurde eine Quote von 51 Prozent erreicht.

Ein Drittel der Studierenden ohne Abitur ist älter als 30 Jahre

Die Altersstruktur zeigt im Vergleich von Personen mit und ohne Abitur einen deutlichen Unterschied: Studierende mit einer allgemeinen oder Fachhochschulreife sind in der Regel deutlich jünger als ihre beruflich qualifizierten Kommiliton*innen. Rund 68 Prozent sind zwischen 21 und 30 Jahre alt. Bei den Studierenden ohne Abitur zeigt sich hingegen ein deutlich heterogeneres Bild. Mit 46 Prozent bilden die 21 bis 30-Jährigen zwar knapp die Hälfte aller Studierenden ohne schulische HZB, jedoch ist ein weiteres Drittel älter als 30 Jahre. Der Anteil der entsprechenden Altersgruppe bei den Studierenden mit (Fach-)Abitur beträgt jedoch nur 10,5 Prozent.

Bei den Hochschulabsolvent*innen zeigt sich folgendes Bild: Knapp die Hälfte (47,65 %) der Personen, die ohne den vorherigen Erwerb einer allgemeinen oder Fachhochschulreife ein Studium erfolgreich beenden konnten, ist zwischen 19 und 30 Jahren alt. Bei den Absolvent*innen mit schulischer HZB beträgt der Anteil sogar 86,65 Prozent. Weitere 37,32 Prozent der Absolvent*innen ohne Abitur liegen zwischen 31 und 40 Jahren, 11,07 Prozent sind älter als 41 Jahre und 3,77 Prozent sind sogar älter als 51 Jahre. Auch hier zeigt sich bei der Absolvent*innenquote mit schulischer HZB ein anderes Bild. Nur 11,46 Prozent sind zwischen 31 und 40 Jahre alt, 1,42 Prozent sind älter als 41 Jahre und lediglich 0,45 Prozent älter als 51 Jahre.  

Bemerkenswerte Befunde ergeben sich auch, wenn man die geschlechts- und altersspezifischen Daten gemeinsam auswertet. So sind die männlichen Studienanfänger ohne Abitur am häufigsten im Alterssegment der 19 bis 30-Jährigen zu finden. Dagegen sind weibliche Studienanfängerinnen häufiger in den Altersgruppen ab 40 Jahren vertreten. Eine Erklärung dafür ist möglicherweise, dass Frauen, die nach wie vor häufiger für die Kindererziehung zuständig sind als Männer, ein Studium ohne Abitur als Chance zum beruflichen Wiedereinstieg oder zur Neuorientierung nach einer mehrjährigen Familienpause nutzen.

Beruflich Qualifizierte sind häufiger im Bachelorstudium zu finden

Die aktuellen Daten zu Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen aus dem Wintersemester 2019/2020 zeigen, dass rund drei Viertel der Personen, die einen Hochschulzugang über eine schulische HZB erlangt haben, in einem Bachelorstudiengang eingeschrieben sind und ein Viertel sich für einen Masterstudiengang entschieden hat. Bei den Studierenden ohne (Fach-)Abitur liegt dieses Verhältnis bei rund 88:12, wie folgende Grafik zeigt: