Studierende ohne Abitur in Deutschland

Zum zweiten Mal gibt es auf dem Online-Portal auch Informationen, die eine nähere Charakteristik der Studierenden ohne Abitur im Bundesgebiet erlauben. In diesem Zusammenhang werden Fragen zu Alter und Geschlecht, sowie zur Nutzung von Bachelor- und Masterstudiengängen auf Basis aktueller Daten beantwortet. Wenn sinnvoll werden Vergleiche zum Vorjahr und wenn möglich zur diesbezüglichen Situation in der gesamten deutschen Studierendenschaft gezogen.

Männer weiterhin etwas stärker vertreten als Frauen

Im Berichtsjahr 2017 studierten, mit einem Anteil von 54,3 Prozent, insgesamt 8,6 Prozent mehr männliche als weibliche Studierende ohne Abitur an deutschen Hochschulen im Bundesgebiet. In 2015 war der Überhang an männlichen Studierenden hier noch etwas höher und lag bei 11,2 Prozent. Bei den traditionellen Studierenden lässt sich der Überhang an männlichen Studierenden, die 2017 mit einer schulischen Hochschulzugangsberechtigung (HZB) im Bundesgebiet studiert haben, lediglich in einem noch geringeren Ausmaß beobachten. Hier ist das Verhältnis mit einem eher kleinen Plus von 2,8 Prozent bei den Männern etwas ausgeglichener, wie nachfolgende Abbildung verdeutlicht:

 

Bei den Studienanfänger(inne)n ohne (Fach-)Abitur geht die geschlechtsspezifische Verteilung im aktuellen Berichtsjahr in eine ähnliche Richtung. Der männliche Anteil (52,4 %) übersteigt hier ebenfalls den weiblichen Anteil (47,6 %) mit einer Differenz in Höhe von 4,8 Prozentpunkten. Bei den Studienanfänger(inne)n mit schulischer HZB zeigt sich, mit 50,8 Prozent Frauen und 49,2 Prozent Männern, wiederum ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis.

Einen möglichen Erklärungsansatz für den leichten Überhang von männlichen gegenüber weiblichen Studienanfänger(inne)n ohne Abitur bietet der Datenreport 2016 des Statistischen Bundesamtes. Demnach haben im Jahr 2016 mit 39 Prozent mehr weibliche Schulabgängerinnen eine Studienberechtigung erworben als ihre männlichen Kollegen mit 31 Prozent (vgl. Datenreport 2018, S. 108). Für Männer könnte sich demzufolge der berufliche Weg ins Studium etwas häufiger anbieten als für Frauen. Diese Annahme bekommt zusätzliche Nahrung durch einen Befund im Berufsbildungsbericht 2017, wonach seit Jahren ein wachsender Rückgang der Anzahl abgeschlossener Ausbildungsverträge mit Frauen zu beobachten ist (Berufsbildungsbericht 2018, S. 40). Bei den Männern ist der Anteil hingegen sogar leicht steigend. Auch hier ergeben sich Hinweise auf eine stärkere Neigung von Männern zunächst eine berufliche Qualifikation zu erwerben.

Korrespondierend mit dem Geschlechterverhältnis bei den Studienanfänger(innen)- und Studierendenzahlen ohne und mit Abitur weisen auch die Absolvent(inn)enanteile bei den Graduierten ohne schulische HZB einen leichten Überhang an Männern (51,9 %) und bei denjenigen mit schulischer HZB einen fast marginalen Überhang an Frauen (50,9 %) auf. 

Knapp die Hälfte ist über 30 Jahre alt

Bei der Altersstruktur zeigt sich im Vergleich von Personen mit und solchen ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife ein deutlicher Unterschied:

 

Studierende mit einer allgemeinen Hochschulreife oder Fachhochschulreife sind in der Regel deutlich jünger als ihre beruflich qualifizierten Kommiliton(inn)en. 87,2 Prozent sind zwischen 19-30 Jahre alt. Bei den Studierenden ohne Abitur zeigt sich hingegen ein deutlich heterogeneres Bild. Mit 50,6 Prozent bilden die 19-30 Jährigen zwar knapp mehr als die Hälfte aller Studierenden ohne schulische HZB, jedoch ist ein fast ebenso großer Anteil über 30 Jahre alt. 

Bei den Hochschulabsolvent(inn)en sieht die Altersverteilung wieder etwas anders aus. Mit 71,3 Prozent ist das Gros der Personen, die ohne den vorherigen Erwerb einer allgemeinen Hochschulreife oder Fachhochschulreife ein Studium erfolgreich beenden konnten, zwischen 26 und 35 Jahren alt. Rund ein Viertel aller Absolvent(inn)en ohne schulische HZB sind beim Studienabschluss sogar 36 Jahre und älter. Bei den Absolvent(inn)en mit schulischer HZB macht dieser Personenkreis lediglich 3,6 Prozent aus.

Bemerkenswerte Befunde ergeben sich auch, wenn man die geschlechts- und altersspezifischen Daten gemeinsam auswertet. So sind bei den Studierenden ohne Abitur, im Alterssegment der 19-40 Jährigen, deutlich mehr männliche Personen mit beruflicher Qualifikation (85,8 %) vertreten als weibliche Personen (78,8 %). Frauen hingegen sind deutlich häufiger in der Gruppe der über 40 Jährigen zu finden. Hier ergibt sich ein Unterschied zu den männlichen Kommilitonen von 6,8 Prozent. 13,7 Prozent der Männer nahmen in 2017 ein Studium im Alter von 41 Jahren und älter auf, während es bei den Frauen 20,5 Prozent waren. Eine Erklärung dafür ist möglicherweise, dass Frauen, die nach wie vor eher für die Kindererziehung zuständig sind als Männer, ein Studium ohne Abitur als Chance zum beruflichen Wiedereinstieg oder zur Neuorientierung nach einer mehrjährigen Familienpause nutzen.

Beruflich Qualifizierte sind überwiegend im Bachelorstudium zu finden

Die aktuellsten Daten zu Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen aus dem Jahr 2017 zeigen, dass 24,5 Prozent der Personen, die einen Hochschulzugang über eine schulische HZB erlangt haben, nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium anschließen. Dies sind anteilig mehr als doppelt so viele wie bei denjenigen, die über ihre berufliche Qualifikation an die Hochschule gekommen sind, wie folgende Grafik zeigt: