Hochschulspezifische Daten zum Studium ohne Abitur

Welche deutschen Hochschulen nehmen wie viele Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf? Die nachfolgende interaktive Grafik bietet erstmals die Möglichkeit, hochschulspezifische Informationen abzufragen und zwar bezogen auf das aktuelle Berichtsjahr 2015. In der Datenbank sind mit 438 Institutionen nahezu alle Universitäten, Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften und künstlerischen Hochschulen im Bundesgebiet erfasst. Der begleitende Artikel fasst die wesentlichen Trends zusammen.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die absoluten Werte sowie Anteile der Studienanfänger(innen) ohne Abitur und Fachhochschulreife an den Hochschulen der einzelnen Bundesländer und deutschlandweit (mit der Auswahl „(Alle)“) mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei gesondert auf einzelne Hochschultypen oder aber auf einzelne Trägerschaften der Hochschulen gelegt werden. Diese können hingegen auch miteinander kombiniert werden, sodass man sich beispielsweise lediglich die Anteile der Studienanfänger(innen) an den privaten Fachhochschulen ausgeben lassen kann. Zudem ist es möglich auch nur einen bestimmten Prozentbereich zu betrachten.

 

Ohne das Engagement der Hochschulen beim Studieren ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife können die besten rechtlichen Rahmenbedingungen nichts bewirken. Die Umsetzung erfolgt vor Ort in den Institutionen, die ein entsprechendes Interesse an einer verbesserten Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium aufbringen und beruflich Qualifizierte als Zielgruppe ernst nehmen müssen, damit diese auch den Weg in die akademische Bildung finden. Deshalb werden auf diesem Online-Portal erstmals die konkreten Daten zu beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an nahezu allen deutschen Hochschulen zur Verfügung gestellt. Ausschlaggebend für die bundesweite Platzierung ist, wie hoch der prozentuale Anteil der aufnehmenden Hochschule gemessen an allen beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne) in ganz Deutschland ist. Die bundeslandspezifische Platzierung ergibt sich aus dem prozentualen Anteil der aufnehmenden Hochschule an allen Studienanfänger(inne)n ohne Abitur im jeweiligen Bundesland.

Besonders nachgefragte Universitäten und Fachhochschulen im aktuellen Berichtsjahr

Zur Spitzengruppe der in ganz Deutschland von beruflich Qualifizierten am meisten nachgefragten Hochschulen im Jahr 2015 gehören mit großem Abstand gleich zwei Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen: die FernUniversität in Hagen sowie die Hochschule für Oekonomie und Management (FOM) in Essen. Allein 16,5 Prozent aller Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland entfallen auf die FernUniversität in Hagen. Dies entspricht 2.068 Personen und damit einem Anteil von rund 35 Prozent an allen Studienanfänger(inne)n der FernUniversität 2015. Zum Vergleich: An allen anderen Universitäten und gleichgestellten Hochschulen beträgt der Anteil durchschnittlich nur rund 1 Prozent. Damit hat die FernUniversität so viele beruflich qualifizierte Studienanfänger(innen) wie keine andere Hochschule in der Bundesrepublik. Auf die FOM in Essen entfallen mit 1.100 beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n rund 8,8 Prozent aller bundesweiten Erstsemester aus dieser Gruppe. Dies ist im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 2,47 Prozent ein ebenfalls sehr hoher Wert. Neben der FernUniversität in Hagen und der FOM in Essen erreichen im Jahr 2015 außerdem noch zwei weitere Hochschulen Studienanfänger(innen)quoten, die zwar nur leicht und mit einem großen Abstand zu den beiden ersten Plätzen aber über dem Bundesdurchschnitt liegen. Dies sind zum einen die Fachhochschule Südwestfalen mit 4,3 Prozent (541 Personen) und zum anderen die Steinbeis-Hochschule Berlin mit 3,4 Prozent (426 Personen).

Wenn man die jeweils am stärksten nachgefragte Hochschule pro Bundesland betrachtet, profilieren sich insgesamt 10 Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften, 5 Universitäten und eine Duale Hochschule in besonderem Maße beim Studium ohne Abitur. 11 der insgesamt 16 Spitzenreiter sind staatlich, die übrigen privat organisiert. Einige Mitglieder dieser Topgruppe bewegen sich mit ihren Studienanfänger(innen)zahlen im dreistelligen Bereich. Neben der FernUniversität Hagen und der FOM zählen dazu die Duale Hochschule Baden-Württemberg (279), die HFH Hamburger Fern-Hochschule (248), die DIPLOMA Hochschule Nordhessen (226), die Hochschule Koblenz (207), die Technische Hochschule Nürnberg (147) und die Hochschule Wismar (119). Insgesamt betrachtet ist die Spreizung in der Höhe der Erstsemesterzahlen beim Studium ohne Abitur zwischen den deutschen Hochschulen jedoch immens und bewegt sich überwiegend in einem eher kleinteiligen Bereich.

Distance-Learning-Studienangebote sind attraktiv

Bemerkenswert ist, dass sich unter den Hochschulen mit dreistelligen und noch höheren Studienanfänger(innen)zahlen vergleichsweise viele Fern-Hochschulen bzw. Hochschulen mit einem ausgeprägtem E-Learning- bzw. Distance-Learning-Angebot befinden, welche ein Studium ohne Ortswechsel und zu flexiblen Zeiten ermöglichen. Diese Studienformen bieten gute Voraussetzungen, neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, was für beruflich Qualifizierte offenbar attraktiv ist.

Dass immer mehr Personen studieren, die über die berufliche Bildung an die Hochschule gelangen, ist ein ermutigendes Zeichen für die Chancengerechtigkeit und die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems. Jedem, der kann und will, sollte die gesamte Bandbreite an Qualifizierungsmöglichkeiten offen stehen. Manche benötigen dafür indes eine besondere Unterstützung, die in den Hochschulen jedoch nicht immer gegeben ist. So sorgte Anfang 2016 die Veröffentlichung einer Studie für Schlagzeilen, welche am Fallbeispiel der Universität Hamburg aufzeigt, dass Personen ohne allgemeine Hochschulreife im Durchschnitt weniger erfolgreich studieren als Personen mit diesem Schulabschluss (vgl. Brändle/Lengfeld 2015). Von Ausnahmen abgesehen, gehen Universitäten oft nicht sehr offensiv auf Studieninteressierte zu, die über eine andere Hochschulzugangsberechtigung verfügen als die allgemeine Hochschulreife. Wer sich als nicht-traditioneller Studierender für eine Universität als Studienort entscheidet, sollte also genau prüfen, ob das Umfeld den eigenen Bedürfnissen angemessen entgegenkommt. Wie die Ausführungen im vorausgegangenen Abschnitt sowie die interaktive Grafik auf dieser Unterseite deutlich machen, wählen die meisten beruflich qualifizierten Studierenden ohnehin ein Fachhochschulstudium schon allein wegen dessen Praxisnähe. Aber auch hier sind Nicht-Abiturient(inn)en vor der Bewerbung um einen Studienplatz gut beraten, sich über zur Verfügung stehende Unterstützungs- und Betreuungsangebote zu informieren. Dazu zählen u. a. die Studienberatung, das Angebot von Vorbereitungs- und Einführungskursen zum Ausgleich bestimmter Wissenslücken oder von Tutorien, in denen ältere Semester den Einsteiger(inne)n fachlich zur Seite stehen. Im Falle eines Falles ist es gut, zu wissen, wohin man sich wenden kann, wenn es mal nicht so rund läuft im Studium.