Hochschulspezifische Daten zum Studium ohne Abitur

Welche deutschen Hochschulen nehmen wie viele Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife auf? Die nachfolgende interaktive Grafik bietet die Möglichkeit, hochschulspezifische Informationen abzufragen, und zwar bezogen auf die jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2019. Hier sind nahezu alle Universitäten, Fachhochschulen/ Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie künstlerischen Hochschulen im Bundesgebiet erfasst. Mit Hilfe der Auswahlfunktionen in der rechten Spalte können gezielt Daten nach Hochschultyp, Hochschulträgerschaft beziehungsweise pro Bundesland angezeigt werden. Der begleitende Artikel unterhalb der Grafik gibt einen umfassenden Überblick über die wesentlichen hochschulbezogenen Enwicklungstrends.

Mit der interaktiven Grafik können die Anteile der Studienanfänger*innen ohne Abitur und Fachhochschulreife an den Hochschulen der einzelnen Bundesländer sowie deutschlandweit anhand verschiedener Filter individuell dargestellt werden. Der Fokus kann dabei auf einzelne Hochschultypen oder entsprechende Trägerschaften der Hochschulen gelegt werden. Diese können auch miteinander kombiniert werden, sodass man sich beispielsweise die Werte der Studienanfänger*innen an den privaten Fachhochschulen in einem bestimmten Bundesland anzeigen lassen kann. Zudem ist es möglich, die Suche einzugrenzen und nur einen bestimmten Prozentbereich zu betrachten. Die Anzahl der Studienanfänger*innen pro Hochschule wird sichtbar, sobald man mit dem Pfeil den entsprechenden Balken berührt.

 

Ohne das Engagement der Hochschulen beim Studieren ohne Abitur können die besten rechtlichen Rahmenbedingungen nichts bewirken. Die Umsetzung erfolgt vor Ort in den Institutionen. Um hier ein differenziertes Bild zu ermöglichen, werden in diesem Online-Portal die aktuellsten Daten den zu beruflich qualifizierten Studienanfänger*innen ohne Fachhochschul- und allgemeine Hochschulreife in den deutschen Hochschulen zur Verfügung gestellt. Wie die interaktive Grafik zeigt, bestehen große Unterschiede bei der Nachfrage. Dies lässt sich unter anderem auf die spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen in den Bundesländern sowie die Attraktivität der einzelnen Hochschulen durch spezielle Studien- und Beratungsangebote, beispielsweise in Form von Teilzeit-Studiengängen sowie Unterstützungsangeboten für Studieneinsteige*innen wie Vorbereitungs- und Brückenkurse, zurückführen.

Die bundesweite Platzierung in der interaktiven Grafik hängt davon ab, wie hoch der prozentuale Anteil von Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur  der jeweiligen Hochschule gemessen an allen beruflich qualifizierten Studienanfänger*innen in Deutschland im Berichtsjahr 2019 ist. Die bundeslandspezifische Platzierung ergibt sich entsprechend aus dem prozentualen Anteil einer Hochschule an allen Studienanfänger*innen ohne Abitur im jeweiligen Bundesland.

 

Am stärksten nachgefragte Hochschulen im Bundesgebiet

Die in ganz Deutschland von beruflich Qualifizierten am stärksten nachgefragte Hochschule ist weiterhin die FernUniversität in Hagen. Trotz ihres in den letzten Jahren stetig sinkenden Anteils entfallen im Berichtsjahr 2019 immerhin noch 9,4 Prozent aller beruflich qualifizierten Erstsemester in Deutschland auf die FernUniversität in Nordrhein-Westfalen. Dies entspricht 1.381 Personen. Der Anteil der Studienanfänger*innen ohne Fachochschul- und allgemeiner Hochschulreife an allen Erstsemestern der FernUniversität liegt im Studienjahr 2019 bei knapp 32 Prozent. Damit hat die FernUniversität so viele Studienanfänger*innen ohne Abitur wie keine andere Hochschule in der Bundesrepublik.

An zweiter Stelle im Bundesvergleich der Hochschulen steht erneut die Internationale Hochschule IUBH mit nordrhein-westfälischen Standorten in Bad Honnef, Dortmund und Düsseldorf. Der Anteil an Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur liegt hier bei 5,32 Prozent. Bei Betrachtung der Werte aller über Deutschland verteilten IUBH-Standorte zusammen, darunter am neuen Hauptsitz im thüringischen Erfurt, berägt der Wert sogar rund 9 Prozent. Damit rangiert die IUBH nur noch knapp hinter dem Ergebnis der FernUniversität in Hagen. Im Jahr 2019 haben insgesamt 1.321 Personen ein Studium an einem der IUBH-Standorte aufgenommen. Die IUBH hat hier kräftig aufgeholt. Betrachtet man nur den Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur an allen Erstsemestern der IUBH selbst, so werden rund 14 Prozent erreicht.

Auf dem dritten Platz liegt die FOM Hochschule für Ökonomie & Management. Rechnet man alle FOM-Standorte im Bundesgebiet zusammen, beträgt die Anzahk der Studienanfänger*innen ohne allgemeine und Fachhochschulreife 1.181. Das entspricht einem bundesweiten Anteil von rund 8 Prozent. Seit 2017 weist das Statistische Bundesamt die 33 Standorte der FOM Hochschule in Deutschland nicht mehr gebündelt am Hauptstandort in Essen sondern separat aus. Dieses Vorgehen sorgt für ein differenziertes Bild der Nachfrage in den einzelnen Bundesländern.

An vierter Stelle folgt die DIPLOMA Hochschule mit Hauptsitz in Hessen. Sie nimmt bundesweit 4,5 Prozent der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf, das sind 664 Personen. Betrachtet man nur den Erstsemesteranteil innerhalb der DIPLOMA Hochschule, so beträgt dieser 32,6 Prozent. Platz 5 nimmt die Europäische Fernhochschule Hamburg mit einem bundesweiten Anteil in Höhe von 2,29 Prozent ein. Das entspricht 337 Personen. Der Anteil der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur bezogen auf alle Studienanfänger*innen dieser Fernhochschule beträgt 27,87 Prozent.

 

Distance-Learning nach wie vor hoch im Kurs

Bemerkenswert ist, dass sich vergleichsweise viele Fern-Hochschulen bzw. Hochschulen mit einem ausgeprägtem Distance-Learning- bzw. E-Learning-Angebot unter den Hochschulen mit hohen Studienanfänger*innenzahlen befinden. Diese ermöglichen ein Studium ohne Ortswechsel und zu flexiblen Zeiten, was für beruflich Qualifizierte offenbar attraktiv ist. Diese Studienformen bieten gute Voraussetzungen, um z.B. neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder sich um die Familie zu kümmern.

Dass immer mehr Personen über die berufliche Bildung an die Hochschulen gelangen, ist ein ermutigendes Zeichen für die Chancengerechtigkeit und die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems. Manche benötigen dafür eine besondere Unterstützung, die in den Hochschulen jedoch nicht immer gegeben ist. So sorgte Anfang 2016 die Veröffentlichung einer Studie für Schlagzeilen, welche am Fallbeispiel der Universität Hamburg aufzeigt, dass Personen ohne allgemeine Hochschulreife im Durchschnitt weniger erfolgreich studieren als Personen mit diesem Schulabschluss (vgl. Brändle/Lengfeld 2015). Wie die obige interaktive Grafik deutlich macht, studiert der überwiegende Teil der beruflich qualifizierten Studierenden an einer Fachhochschule/Hochschule für angewandte Wissenschaften. Diese sind deutlich praxisnäher als Universitäten. Generell sollten sich Nicht-Abiturient*innen vor der Bewerbung um einen Studienplatz über die zur Verfügung stehende Unterstützungsangebote in der Hochschule ihrer Wahl informieren. Dazu zählen u. a. die Studienberatung, das Angebot von Vorbereitungs- und Einführungskursen zum Ausgleich bestimmter Wissenslücken oder von Tutorien, in denen ältere Semester den Einsteiger*innen fachlich zur Seite stehen. Im Falle eines Falles ist es gut zu wissen, wohin man sich wenden kann, wenn es mal nicht so rund läuft im Studium.