Hochschulspezifische Daten zum Studium ohne Abitur

Welche deutschen Hochschulen nehmen wie viele Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf? Die nachfolgende interaktive Grafik bietet die Möglichkeit, hochschulspezifische Informationen abzufragen und zwar bezogen auf das aktuelle Berichtsjahr 2017. In der Datenbank sind mit 468 Institutionen nahezu alle Universitäten, Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften und künstlerischen Hochschulen im Bundesgebiet erfasst. Mit Hilfe der Auswahlfunktionen in der rechten Spalte können Sie gezielt Daten auswählen. Eine genaue Erläuterung der Handhabung befindet sich unterhalb der der interaktiven Grafik. Der begleitende Artikel weiter unten fasst die wesentlichen hochschulbezogenen Enwicklungstrends zusammen.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die absoluten Werte sowie Anteile der Studienanfänger(innen) ohne Abitur und Fachhochschulreife an den Hochschulen der einzelnen Bundesländer und deutschlandweit (mit der Auswahl „(Alle)“) mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei gesondert auf einzelne Hochschultypen oder aber auf einzelne Trägerschaften der Hochschulen gelegt werden. Diese können hingegen auch miteinander kombiniert werden, sodass man sich beispielsweise lediglich die Anteile der Studienanfänger(innen) an den privaten Fachhochschulen ausgeben lassen kann. Zudem ist es möglich auch nur einen bestimmten Prozentbereich zu betrachten.

 

Ohne das Engagement der Hochschulen beim Studieren ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife können die besten rechtlichen Rahmenbedingungen nichts bewirken. Die Umsetzung erfolgt vor Ort in den Institutionen, die ein entsprechendes Interesse an einer verbesserten Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium aufbringen und beruflich Qualifizierte als Zielgruppe ernst nehmen müssen, damit diese auch den Weg in die akademische Bildung finden. Deshalb werden auf diesem Online-Portal die konkreten Daten zu beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an nahezu allen deutschen Hochschulen zur Verfügung gestellt. Insgesamt lässt die interaktive Grafik deutliche Unterschiede in der Studiennachfrage von beruflich Qualifizierten ohne schulische HZB an den einzelnen Institutionen erkennen. Dies lässt sich vor dem Hintergrund immer offener und ähnlich werdender rechtlicher Regelungen in den Bundesländern auch der Attraktivität der einzelnen Hochschulen durch spezielle Studien- und Beratungsangebote, beispielsweise in Form von Teilzeit- und berufsbegleitenden Studiengängen sowie Vorbereitungs- und Brückenkursen, in der Einstiegsphase zurückführen. So ermöglichen die Zahlen auch eine erste Orientierung für Studieninteressierte ohne Abitur bei der Entscheidung für eine bestimmte Hochschule.

Ausschlaggebend für die bundesweite Platzierung ist, wie hoch der prozentuale Anteil der aufnehmenden Hochschule gemessen an allen beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n in ganz Deutschland ist. Die bundeslandspezifische Platzierung ergibt sich aus dem prozentualen Anteil der aufnehmenden Hochschule an allen Studienanfänger(inne)n ohne Abitur im jeweiligen Bundesland.

Teilweise deutliche Veränderungen bei der Nachfrage in den einzelnen deutschen Hochschulen

Die in ganz Deutschland von beruflich Qualifizierten am meisten nachgefragte Hochschule ist weiterhin mit großem Abstand die FernUniversität in Hagen. Trotz ihres in den letzten Jahren stetig sinkenden Anteils – 2011 nahm die FernUniversität in Hagen noch rund 30 Prozent aller Studienanfänger(innen) ohne Abitur auf – entfallen aktuell immer noch rund 10,1 Prozent aller beruflich qualifizierten Erstsemester in Deutschland auf die Fernuniversität in Nordrhein-Westfalen. Dies entspricht 1.467 Personen. Der Anteil der Studienanfänger(inne)n ohne Abitur an allen Studienanfänger(inne)n der FernUniversität bewegt sich im Studienjahr 2017 um die 33 Prozent. Zum Vergleich: An allen anderen Universitäten und gleichgestellten Hochschulen beträgt der Anteil durchschnittlich nur rund 1 Prozent. Insgesamt betrachtet hat die FernUniversität so viele beruflich qualifizierte Studienanfänger(innen) wie keine andere Hochschule in der Bundesrepublik.

An zweiter Stelle im Bundesvergleich der Hochschulen mit den anteilig meisten Erstsemester(inne)n ohne (Fach-)Abitur stand in den letzten Jahren die ebenfalls in Nordrhein-Westfalen beheimatete FOM Hochschule für Oekonomie und Management mit Hauptstandort in Essen. Dies wäre auch in diesem Berichtsjahr mit einem Anteil von 8,7 Prozent (1.271 Personen) der Fall, jedoch weist das Statistische Bundesamt die Daten für die 30 Standorte der FOM in Deutschland jetzt erstmals separat aus. Dieses Vorgehen ermöglicht ein realistischeres Bild der Nachfrage in den einzelnen Bundesländern, sodass die Zahlen für die FOM im Rahmen des Portals zukünftig ebenfalls gesondert für die einzelnen Standorte der FOM angegeben und nicht wie bisher gebündelt dem Standort in Essen zugeordnet werden. Nach der neuen Systematik erweisen sich nun die Standorte Augsburg, München und Nürnberg als diejenigen mit den meisten Erstsemester(inne)n der FOM (2,9 %, 426 Personen) und belegen damit bundesweit den fünften Rang. 

Vor dem Hintergrund der veränderten Zählweise nimmt 2017 erstmals die Internationale Hochschule Bad Honnef – Bonn die zweite Position beim deutschlandweiten Hochschulvergleich mit Blick auf die Nachfrage beim Studium ohne Abitur ein. Die Internationale Hochschule Bad Honnef konnte ihren Anteil an beruflich qualifizierten Erstsemestern gegenüber 2016 noch einmal um rund 3 Prozent steigern und nahm somit 1.059 Personen auf. In den vorangegangenen zwei Jahren nahm die Internationale Hochschule Bad Honnef-Bonn im Bundesvergleich stets den dritten Platz ein. Diesen belegt nun die Steinbeis-Hochschule Berlin mit einem Studienanfänger(innen)-Anteil von 3,3 Prozent (483 Personen), wobei dieser Wert gegenüber dem Vorjahr mit minus 0,4 Prozentpunkten leicht rückläufig ist.

Neben den bereits genannten Hochschulen liegt außerdem noch die DIPLOMA Hochschule Nordhessen mit einer Quote von 3,1 Prozent über dem hochschulbezogenen Bundesdurchschnitt von 2,85 Prozent und damit auf dem vierten Platz der beim Studium ohne Abitur gefragtesten Hochschulen im Jahr 2017. In 2016 lag die DIPLOMA Hochschule Nordhessen mit einem Anteil von 2,3 Prozent noch unter dem Durchschnitt in dieser Kategorie und belegte den sechsten Rang.

Wenn man die jeweils am stärksten nachgefragte Hochschule pro Bundesland betrachtet, profilieren sich insgesamt 12 Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften, 3 Universitäten und eine Duale Hochschule in besonderem Maße beim Studium ohne Abitur. Das sind drei Fachhochschulen mehr als noch im letzten Jahr. 10 der insgesamt 16 Spitzenreiter sind staatlich, die übrigen privat organisiert. Auch die Anzahl staatlicher Hochschulen unter den Spitzenreitern hat sich im Vergleich zum Vorjahr verringert – da waren es noch 13 Hochschulen in staatlicher Trägerschaft. Einige Mitglieder der Topgruppe bewegen sich mit ihren Studienanfänger(innen)zahlen im dreistelligen Bereich. Neben der FernUniversität Hagen, der Internationalen Hochschule Bad Honnef – Bonn, der FOM Augsburg, München und Nürnberg sowie den zwei Hochschulen, die über dem Bundesdurchschnitt liegen, zählen dazu die Duale Hochschule Baden-Württemberg (284), die Euro-FH Europäische Fernhochschule Hamburg (251), die Hochschule Koblenz (237) und die APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen (227). Insgesamt betrachtet ist die Spreizung in der Höhe der Erstsemesterzahlen beim Studium ohne Abitur zwischen den deutschen Hochschulen jedoch immens und bewegt sich überwiegend in einem eher kleinteiligen Bereich.

Studienangebote mit einem hohen Anteil an Distance-Learning sind nach wie vor hoch im Kurs

Bemerkenswert ist, dass sich unter den Hochschulen mit dreistelligen und noch höheren Studienanfänger(innen)zahlen vergleichsweise viele Fern-Hochschulen bzw. Hochschulen mit einem ausgeprägtem E-Learning- bzw. Distance-Learning-Angebot befinden, welche ein Studium ohne Ortswechsel und zu flexiblen Zeiten ermöglichen. Diese Studienformen bieten gute Voraussetzungen, neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, was für beruflich Qualifizierte offenbar attraktiv ist.

Dass immer mehr Personen studieren, die über die berufliche Bildung an die Hochschule gelangen, ist ein ermutigendes Zeichen für die Chancengerechtigkeit und die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems. Jedem, der kann und will, sollte die gesamte Bandbreite an Qualifizierungsmöglichkeiten offenstehen. Manche benötigen dafür indes eine besondere Unterstützung, die in den Hochschulen jedoch nicht immer gegeben ist. So sorgte Anfang 2016 die Veröffentlichung einer Studie für Schlagzeilen, welche am Fallbeispiel der Universität Hamburg aufzeigt, dass Personen ohne allgemeine Hochschulreife im Durchschnitt weniger erfolgreich studieren als Personen mit diesem Schulabschluss (vgl. Brändle/Lengfeld 2015). Von Ausnahmen abgesehen, gehen Universitäten oft nicht sehr offensiv auf Studieninteressierte zu, die über eine andere Hochschulzugangsberechtigung verfügen als die allgemeine Hochschulreife. Wer sich als nicht-traditioneller Studierender für eine Universität als Studienort entscheidet, sollte also genau prüfen, ob das Umfeld den eigenen Bedürfnissen angemessen entgegenkommt. Wie die Ausführungen im vorausgegangenen Abschnitt sowie die interaktive Grafik auf dieser Unterseite deutlich machen, wählen die meisten beruflich qualifizierten Studierenden ohnehin ein Fachhochschulstudium, schon allein wegen dessen Praxisnähe. Aber auch hier sind Nicht-Abiturient(inn)en vor der Bewerbung um einen Studienplatz gut beraten, sich über zur Verfügung stehende Unterstützungs- und Betreuungsangebote zu informieren. Dazu zählen u. a. die Studienberatung, das Angebot von Vorbereitungs- und Einführungskursen zum Ausgleich bestimmter Wissenslücken oder von Tutorien, in denen ältere Semester den Einsteiger(inne)n fachlich zur Seite stehen. Im Falle eines Falles ist es gut, zu wissen, wohin man sich wenden kann, wenn es mal nicht so rund läuft im Studium.