Besonders nachgefragte Hochschulen

Welche Hochschulen nehmen pro Bundesland die meisten Studienanfänger(innen) ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf? Hier finden Sie eine Übersicht mit den besonders nachgefragten Universitäten, Fachhochschulen / Hochschulen für angewandte Wissenschaften und künstlerischen Hochschulen in Deutschland. Die Platzierungen basieren auf den aktuellsten verfügbaren Daten.

Ohne das Engagement der Hochschulen beim Studieren ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife können die besten rechtlichen Rahmenbedingungen nichts bewirken. Die Umsetzung erfolgt vor Ort in den Institutionen, die ein entsprechendes Interesse an einer verbesserten Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium aufbringen und Personen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung als Zielgruppe ernst nehmen müssen, damit diese auch den Weg in die akademische Bildung finden. Deshalb werden auf diesem Online-Portal jedes Jahr pro Bundesland die drei Hochschulen ermittelt, welche die meisten beruflich qualifizierten Studienanfänger(innen) aufnehmen. In manchen Bundesländern werden auch vier vordere Plätze benannt, und zwar dann, wenn zwei Hochschulen identische Werte aufweisen. Ausschlaggebend für die Platzierung ist, wie hoch der prozentuale Anteil der aufnehmenden Hochschule ist und zwar gemessen an allen Studienanfänger(inne)n ohne Abitur pro Bundesland.

Wie die obige Abbildung zeigt, profilieren sich bundesweit insgesamt 28 Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften, 19 Universitäten, eine Duale Hochschule und eine künstlerische Hochschule in besonderem Maße beim Studieren ohne Abitur. 38 der insgesamt 49 Hochschulen sind staatlich, die übrigen privat organisiert. Was die Höhe der Studienanfänger(innen)zahlen ohne Abitur in den Hochschulen anbelangt, ist die Spreizung immens. So meldet die FernUniversität in Hagen im Jahr 2014 beispielsweise 2.034 Studienfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung und erreicht damit nicht nur im Bundesland Nordrhein-Westfalen sondern in ganz Deutschland einen Spitzenwert. Dagegen hat die Universität Bremen mit nur acht Erstsemester(inne)n den Sprung in die Spitzengruppe geschafft.

Die im Rahmen des Monitorings ausgewerteten Hochschuldaten zeigen, dass die Zahlen der Studienanfänger(innen) ohne Abitur und Fachhochschulreife an den Universitäten und Fachhochschulen in den einzelnen Bundesländern insgesamt angewachsen sind. In einzelnen Hochschulen bewegen sie sich durchaus im dreistelligen Bereich: An der Hochschule für Oekonomie und Management (FOM) in Essen (964), der Steinbeis-Hochschule Berlin (487), der DIPLOMA Hochschule Nordhessen (353), der HFH Hamburger Fern-Hochschule (305), der Universität Hamburg (277), der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (273), der Hochschule Koblenz (254), der Europäischen Fern-Hochschule Hamburg (202), der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (176), der HAW München (131), der Universität Mainz (119), der Universität Erlangen-Nürnberg (107), der Wilhelm Büchner Fernhochschule Darmstadt (103), der Alice Salomon Hochschule Berlin (102) und der HAW Würzburg-Schweinfurt (100). Eine Ausnahmeerscheinung stellt neben der FernUniversität in Hagen die Internationale Hochschule Bad Honnef-Bonn (IUBH) mit 1.502 Studienanfänger(inne)n ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung dar. Das ist der zweithöchste Wert bundesweit.

Bemerkenswert ist, dass sich unter den Hochschulen mit dreistelligen und noch höheren Studienanfänger(innen)zahlen vergleichsweise viele Fern-Hochschulen bzw. Hochschulen mit einem ausgeprägtem E-Learning bzw. Distance-Learning Angebot befinden, welche ein Studium ohne Ortswechsel und zu flexiblen Zeiten ermöglichen. Diese Studienformen bieten gute Voraussetzungen, neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Auffallend ist zudem, dass sich viele private Hochschulen in dieser Gruppe befinden. Sieben der insgesamt elf privaten Hochschulen, welche es in die Spitzengruppe der am stärksten nachgefragten Hochschulen in den Bundesländern geschafft haben, weisen drei- oder vierstellige Anfängerzahlen beim Studium ohne Abitur auf. 

Dass immer mehr Personen studieren, die über die berufliche Bildung an die Hochschule gelangen, ist ein ermutigendes Zeichen für die Chancengerechtigkeit und die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems. Jedem, der kann und will, sollte die gesamte Bandbreite an Qualifizierungsmöglichkeiten offen stehen. Manche benötigen dafür indes eine besondere Unterstüzung, die in den Hochschulen jedoch nicht immer gegeben ist. So sorgte Anfang 2016 die Veröffentlichung einer Studie für Schlagzeilen, welche am Fallbeispiel der Universität Hamburg aufzeigt, dass Personen ohne allgemeine Hochschulreife im Durchschnitt weniger erfolgreich studieren als Personen mit diesem Schulabschluss (vgl. Brändle/Lengfeld 2015). Von Ausnahmen abgesehen gehen Universitäten oft nicht sehr offensiv auf Studieninteressierte zu, die über eine andere Hochschulzugangsberechtigung verfügen als die allgemeine Hochschulreife. Wer sich als Nicht-Abiturient(in) für eine Universität als Studienort etnscheidet, sollte also genau prüfen, ob das Umfeld den eigenen Bedürfnissen angemessen entgegenkommt. Wie die eingangs dieser Webseite gezeigte Übersicht deutlich macht, wählen die meisten beruflich qualifizierten Studierenden ohnehin ein Fachhochschulstudium schon allein wegen dessen Praxisnähe. Aber auch hier sind Nicht-Abiturient(inn)en vor der Bewerbung um einen Studienplatz gut beraten, sich über zur Verfügung stehende Unterstützungs- und Betreuungsangebote zu informieren. Dazu zählen u.a. Studienberatung, das Angebot von Vorbereitungs- und Einführungskursen zum Ausgleich bestimmter Wissenslücken oder von Tutorien, in denen ältere Semester den Einsteiger(inne)n fachlich zur Seite stehen. Im Falle eines Falles ist es gut, zu wissen, wohin man sich wenden kann, wenn es mal nicht so rund läuft im Studium.