Mays Yilmaz: Pharmaziestudium ohne Abitur

Mays Yilmaz hat kein Abitur gemacht. Dennoch studiert sie Pharmazie im dritten Semester an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Aufgrund ihrer zweijährigen Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin und mehrjähriger Berufserfahrung erhielt die 25-Jährige die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung – und konnte so ihren Traum verwirklichen.

"Ich werde alle Chancen nutzen"

Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, als die damals 14-jährige Hauptschülerin Mays Yilmaz aus Leer in Ostfriesland ihr erstes Praktikum in einer Apotheke absolvierte. „Ich wusste sofort, dass ich später etwas mit Pharmazie machen wollte“, erinnert sich die heute 25-Jährige. Regelmäßig half sie nach dem Praktikum in der Apotheke aus, machte ihren Realschulabschluss und begann 2004 die zweijährige Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA). Obwohl Mays Yilmaz die Arbeit in der Apotheke Spaß machte und sie den Beruf als umfangreich und faszinierend beschreibt, wollte sie sich weiterentwickeln. Zufällig kam sie mit einem Kunden, einem Dozenten für Pharmazie, ins Gespräch und erfuhr, dass ein Pharmaziestudium auch ohne Abitur möglich ist. „Ich habe mich sofort im Internet über die Möglichkeiten informiert“, erinnert sich Mays Yilmaz.

Ein bisschen Glück ist auch dabei

Schnell fiel ihre Entscheidung, ihr Glück in Düsseldorf zu versuchen: „Düsseldorf ist eine schöne Stadt und die Heinrich-Heine-Universität hat einen sehr guten Ruf.“ Um die Hochschulzulassung für ein fachtreues Studium, also für ein mit der Ausbildung verwandtes Fach, zu erhalten, musste Mays Yilmaz an der Uni Düsseldorf den erfolgreichen Abschluss ihrer zweijährigen Ausbildung und eine mindestens dreijährige berufliche Tätigkeit im Ausbildungsberuf nachweisen. Zwei Monate nach Antragstellung erhielt sie im März 2011 die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung. „Allerdings nur für die Heinrich-Heine-Universität“, erklärt sie.

Da Pharmazie ein bundesweit zulassungsbeschränkter Studiengang ist, musste sich die 25-Jährige allerdings zentral bei der Stiftung für Hochschulzulassung (www.hochschulstart.de) um einen Studienplatz in Düsseldorf bewerben. „Da beruflich Qualifizierte keine Abiturnote haben, nehmen sie an der Studienplatzvergabe mit der Note 4,0 teil“, erklärt Floris Knoll, Mitarbeiter der Studierenden- und Prüfungsverwaltung der Heinrich-Heine-Universität, das Zulassungsverfahren für Bewerber(innen) aus Nordrhein-Westfalen. „Außer sie legen eine freiwillige Zugangsprüfung ab, dann gilt diese Note.“

Mays Yilmaz entschied sich gegen eine Zugangsprüfung und hatte Glück: Zwar lag der Numerus Clausus für ein Pharmaziestudium im Wintersemester 2011/12 bei 1,7, aber es wurden auch alle Bewerber(innen) mit mindestens drei Wartesemestern angenommen. Sie hatte genau drei Wartesemester – und konnte sich so an der Uni Düsseldorf immatrikulieren. „Bei fachtreuen Bewerbern fängt die Wartezeit ab der Vollendung ihrer dreijährigen Berufstätigkeit an zu zählen“, beschreibt Floris Knoll die Wartesemesterregelung für beruflich Qualifizierte. Da diese Verordnung aber erst im März 2010 in Kraft getreten war, wurden Mays Yilmaz‘ Wartesemester erst ab dem Sommersemester 2010 gezählt.

Herausforderungen annehmen

Zunächst reagierte Mays Yilmaz verunsichert auf die Zusage ihrer Wunschuni Düsseldorf, ließ sich jedoch schnell überzeugen. „Mein Vater meinte, dass ich den Studienplatz auf jeden Fall annehmen sollte.“ Und auch sie selbst kam letztendlich zu dem Schluss, dass sie den Schritt an die Uni wagen wollte: „Ich komme aus den kurdischen Gebieten in der Türkei, da haben Frauen nicht die Möglichkeiten, sich so weiterzubilden wie in Deutschland. Deshalb habe ich mir geschworen alle Chancen zu nutzen, die mir hier geboten werden.“ Ihr Wille, im Studium zu bestehen, half ihr über die schweren ersten zwei Semester. Besonders in Mathematik hatte die Studentin anfangs sehr große Probleme.

Inzwischen hat sie sich ans Studium gewöhnt. „Die Anforderungen werden zwar nicht leichter, aber ich habe gelernt, mich hinzusetzen und intensiv zu lernen.“ Mays Yilmaz erarbeitet sich den Stoff mit Kommiliton(inn)en in Lerngruppen, zu Hause und in der Bibliothek. Die Matheklausur hat die 25-Jährige im zweiten Anlauf bestanden. In anderen Bereichen, wie der pharmazeutischen Biologie oder der pharmazeutischen Chemie, profitiert sie von ihrer langjährigen Tätigkeit in der Apotheke. „Mir fällt es leichter, Verknüpfungen zwischen der Theorie und der Praxis herzustellen. Manchmal verstehe ich schneller als meine Kommilitonen, warum wir etwas lernen.“ Generell schätzt Mays Yilmaz am Studium, dass es mehr in die Tiefe geht. „Als PTA weiß ich, dass sich Aspirin beispielsweise nicht mit Marcurmar verträgt. Als Pharmaziestudentin lerne ich den chemischen Hintergrund kennen“, nennt sie ein Beispiel.

Für das Studium hat die 25-Jährige BAföG beantragt. Außerdem arbeitet sie auf 400-Euro-Basis in einer Apotheke. Ihren jetzigen Nebenjob sieht sie als angenehme Abwechslung zum Studium. „Er ist auch wichtig, damit ich nicht aus der Praxis rauskomme“, sagt sie. Nach dem Studium will Mays Yilmaz erst einmal weiter in einer Apotheke arbeiten. Auf Dauer würde sie das allerdings nicht erfüllen. „Das Gute an dem Studium ist ja, dass man überall arbeiten kann. Ich könnte mir vorstellen, später auch in einem Krankenhaus, in der Industrie oder der Forschung zu arbeiten.“

Quelle: „abi>> dein weg in studium und beruf“ der Bundesagentur für Arbeit, www.abi.de