Schleswig-Holstein

Zwar weisen die Zahlen bei den Studierenden ohne (Fach-)Abitur während der zurückliegenden 10 Jahre einen stetigen Anstieg auf, dennoch gehört Schleswig-Holstein aktuell zu den Schlusslichtern im Bundesländervergleich. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass 2019 im nördlichsten Bundesland so viele Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur gezählt wurden wie nie zuvor. Alle Werte rangieren weit unter dem Bundesdurchschnitt. Die Zugangsregelungen sind ähnlich wie in den meisten anderen Bundesländern beschaffen. Das heißt, dass sich Personen mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung als Meister*in, Fachwirt*in oder einem Fachschulabschluss ohne weitere Umschweife für einen Platz im Studienfach ihrer Wahl bewerben können. Hierin sind sie Inhaber*innen einer allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Dagegen sind Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung in ihren Möglichkeiten insofern begrenzt, als das Studienfach eine inhaltliche Nähe zum Beruf aufweisen muss. Hinzu kommt, dass diese Gruppe eine Eignungsprüfung ablegen muss. Unter bestimmten Bedingungen ist auch ein Probestudium möglich.

 

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Keine

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)

Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja (mit mindestens befriedigendem Ergebnis einer abgeschlossenen Berufsausbildung und anschließender dreijähriger Berufstätigkeit)

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 39 Abs. 2 HSG: Bei folgenden mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen können deren Inhaber*innen ein Studium in allen Fachrichtungen aufnehmen: Meisterabschluss, Fortbildungsabschluss auf der Grundlage von §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes, von §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung oder einer gleichwertigen bundes- oder landesrechtlichen Regelung, vergleichbare Qualifikation i. S. des Seemannsgesetzes, Fortbildungsabschluss einer Fachschule oder Abschluss vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung hat auch, wer ein Hochschulstudium oder ein Studium an einer Berufsakademie, das einem Fachhochschulstudium gleichgestellt ist, abgeschlossen hat, ohne die allgemeine Hochschulreife zu besitzen (§ 39 Abs. 5 HSG).

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 39 Abs. 2 HSG: Nach einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und einer mindestens dreijährigen Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich) wird die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung über eine bestandene Hochschuleignungsprüfung erworben. Die Hochschule entscheidet auf der Grundlage der in dem Abschlusszeugnis ausgewiesenen Qualifikationen über die fachliche Verwandtschaft mit dem angestrebten Studiengang. Bei einer Bewerbung um zentral vergebene Studienplätze in der gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung müssen die Studieninteressierten vor der Bewerbung eine Bescheinigung über die fachliche Verwandtschaft bei der gewünschten Hochschule einholen und bei der Bewerbung einfügen.

§ 39 Abs. 5 HSG: Ein fachgebundener Hochschulzugang ist auch möglich für Bewerber*innen, die in einem akkreditierten Bachelorstudiengang an einer Fachhochschule oder einer Berufsakademie Leistungspunkte in einem drei Semester entsprechenden Umfang erworben haben. Die Hochschule entscheidet über die fachliche Verwandtschaft des angestrebten Studiengangs.

Teilzeitarbeit ist ausreichend als Nachweis der Berufspraxis, wenn diese mindestens 50 Prozent der regelmäßigen Vollzeitarbeitszeit beträgt (§ 39 Abs. 2 HSG).

 

Eignungsprüfungen

Die Hochschuleignungsprüfungsverordnung (HEigPrüfVO) regelt Zulassungsvoraussetzungen und -verfahren, Umfang, Durchführung und Bewertung der Prüfung sowie die Erhebung einer Prüfungsgebühr.

§ 39 Abs. 6 HSG: „In den Fächern Kunst, Musik und Sport setzt die Qualifikation für das Studium zusätzlich das Bestehen einer besonderen Eignungsprüfung voraus. Die Musikhochschule Lübeck und die Muthesius Kunsthochschule können für künstlerische Studiengänge, die nicht das Lehramt betreffen, bei außerordentlicher Befähigung der Bewerberin oder des Bewerbers in Ausnahmefällen vom Nachweis der allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung abweichen. Die Befähigung ist vom Eignungsprüfungsausschuss festzustellen. Die Hochschule regelt durch Satzung, die der Zustimmung des Ministeriums bedarf, die Zulassung zu und die Durchführung von Eignungsprüfungen.“

 

Probestudium

§ 39 Abs. 4 HSG: Bewerber*innen, die eine Berufsausbildung mit mindestens befriedigendem Ergebnis abgeschlossen haben und eine sich daran anschließende fünfjährige Berufstätigkeit oder entsprechende Ersatzzeiten nachweisen, können für die Dauer von zwei bis maximal vier Semester für ein Probestudium eingeschrieben werden. Danach entscheidet die Hochschule über die endgültige Einschreibung unter Berücksichtigung der erbrachten Leistungen. Einzelheiten sind in der Einschreibordnung der Hochschule geregelt.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen

§ 58 Abs. 2 HSG: In Ausnahmefällen kann bei weiterbildenden Masterstudiengängen eine Eingangsprüfung den Hochschulabschluss ersetzen. Zudem sind berufspraktische Erfahrungen von mindestens einem Jahr vorzuweisen. „Im Übrigen gelten die §§ 46, 48 bis 53 [HSG] entsprechend.“

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 51 Abs. 2 HSG: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kompetenzen und Fähigkeiten sind auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn ihre Gleichwertigkeit mit den Kompetenzen und Fähigkeiten nachgewiesen ist, die im Studium zu erwerben sind und ersetzt werden sollen. Insgesamt bis zu 50 % der für den Studiengang erforderlichen Leistungspunkte können angerechnet werden. Insgesamt dürfen nicht mehr als 50 Prozent der Prüfungsleistungen angerechnet werden. Die Hochschulen regeln in der Prüfungsordnung, unter welchen Voraussetzungen Kenntnisse und Fähigkeiten, die außerhalb von Hochschulen erworben wurden, ohne Einstufungsprüfung angerechnet werden. In Einzelfällen ist eine Einstufungsprüfung zulässig.“

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 39 Abs. 3 HSG: Weitergehende Regelungen aus anderen Bundesländern bzgl. des Hochschulzugangs beruflich qualifizierter Bewerber*innen werden nach einem Jahr erfolgreichen Studiums zum Zwecke des Weiterstudiums im entsprechenden oder fachlich verwandten Studiengang anerkannt.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Das Hochschulzulassungsgesetz regelt eine Vorabquote in Höhe von maximal 20 Prozent, welche u. a. Bewerber*innen „[…] mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, die über keine sonstige Studienberechtigung verfügen [...]“ und Bewerber*innen für ein Probestudium mit einschließen kann (§ 5 Abs. 1 Nr. 5 und 6 HZG). Dabei kann das Ministerium bestimmen, dass „der Anteil der Studienplätze für die Bewerbergruppen […] an der Gesamtzahl der Studienplätze je Bewerbergruppe nicht größer sein darf als der Anteil der jeweiligen Bewerbergruppe an der Bewerbergesamtzahl“ (§ 5 Abs. 2 Satz 1 HZG).

Die Auswahl der beruflich qualifizierten Bewerber*innen ohne sonstige Studienberechtigung erfolgt nach deren „Eignung und Befähigung“ (§ 5 Abs. 7 HZG). Bewerber*innen für ein Probestudium werden „nach Wartezeit ausgewählt“ (§ 5 Abs. 8 HZG).

§ 5 Abs. 2 Satz 3 und 4 HZG: Die nach dem Auswahlverfahren nicht in Anspruch genommenen Studienplätze werden zunächst über ein Nachrückverfahren vergeben. Sollten Studienplätze im Nachrückverfahren frei bleiben, werden diese der Wartezeitquote gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 HZG zugeteilt.

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Die bundeslandbezogenen Anteile der Studienanfänger*innen, Studierenden sowie Absolvent*innen ohne (Fach-)Abitur fallen im aktuellen Berichtsjahr recht unterschiedlich aus. Bei den Erstsemestern kommt es 2019 zu einer Einbuße von 0,20 Prozent und die Quote fällt auf 1,42 Prozent. Infolgedessen verliert Schleswig-Holstein in dieser Kategorie im Bundesländervergleich einen Platz und erreicht aktuell Rang 14. Bei den Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) ist lediglich ein marginaler Rückgang von 0,01 Prozent auf eine Quote von 1,25 Prozent zu verzeichnen. Dennoch verliert Schleswig-Holstein im Bundesländervergleich auch hier einen Platz und belegt nun Rang 13.

Eine dezente Steigerung von 0,04 Prozent gibt es hingegen bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur. Mit der derzeitigen Quote von 1,05 Prozent kann Schleswig-Holstein im Ländervergleich um einen Platz auf Rang 14 aufrücken. Alles in allem liegen alle Werte für Schleswig-Holstein unterhalb des Bundesdurchschnitts. Zu erwähnen ist die Fachhochschule Kiel, die im Berichtsjahr 2019 mehr als die Hälfte der Studienanfänger*innen ohne Abitur im Vergleich zu allen Erstsemestern des Bundeslands aufgenommen hat.