Sachsen

Die zahlenmäßige Entwicklung beim Studium ohne Abitur hat in Sachsen seit 2014 deutlich an Fahrt aufgenommen. Möglicherweise hängt dies mit der ein Jahr zuvor durchgeführten Reform der gesetzlichen Regelungen zusammen. Wie im übrigen Bundesgebiet auch können sich Inhaber*innen einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung z. B. als Meister*in, Fachwirt*in oder eines Fachschulabschlusses auf einen Studienplatz ihrer Wahl bewerben, wobei hier vorab noch ein Beratungsgespräch durchgeführt werden muss. Dagegen müssen Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mindestens dreijähriger Berufserfahrung neben dem Beratungsgespräch auch noch einen Eignungstest erfolgreich absolvieren. Im Berichtsjahr 2019 steigen die Anteile der Erstsemester und Studierenden ohne (Fach-)Abitur im sächsischen Hochschulbereich nur marginal. Der Anteil der Hochschulabsolvent*innen, die über den beruflichen Weg ins Studium gelangt sind, stabilisiert sich auf dem Vorjahresniveau. Insgesamt befinden sich alle Werte weiterhin unterhalb des Bundesdurchschnitts. 


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)
Berufspraxis im erlernten Beruf (3 Jahre)
Beratungsgespräch
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Laut § 17 Abs. 3 SächsHSFG besitzen nach einem Beratungsgespräch folgende Abschlüsse einer beruflichen Aufstiegsfortbildung eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung: die Meisterprüfung, ein Fortbildungsabschluss auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (§§ 53, 54) oder der Handwerksordnung (§§ 42, 42a) mit mindestens 400 Stunden, ein staatliches Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, ein Fachschulabschluss entsprechend der Rahmenvereinbarung über Fachschulen, ein vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsabschluss für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Nach § 17 Abs. 4 SächsHSFG besitzen auch andere berufliche Fortbildungsabschlüsse die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung, wenn sie durch die Hochschule als gleichwertig anerkannt sind. Voraussetzungen für die Anerkennung der beruflichen Fortbildung sind: Die berufliche Fortbildung baut auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung auf, beinhaltet eine Aufstiegsfortbildung, umfasst mindestens 400 Unterrichtsstunden und entspricht in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung. Gleiches gilt für "Fortbildungen, die an staatlichen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien angeboten werden und in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung entsprechen".

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 17 Abs. 5 SächsHSFG: "Beruflich Qualifizierte, die eine mindestens zweijährige staatlich geregelte Berufsausbildung abgeschlossen haben und über eine dreijährige Berufserfahrung im erlernten Beruf verfügen sowie ein Beratungsgespräch an der Hochschule, an der ein Studium begonnen werden soll, wahrgenommen haben, verfügen über die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung, sofern sie die entsprechende Hochschulzugangsprüfung dieser Hochschule bestanden haben."

 

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

§ 17 Abs. 6 SächsHSFG: "Die Anforderungen an die Hochschulzugangsprüfung sind so zu gestalten, dass deren Bestehen die grundsätzliche Befähigung des Bewerbers nachweist, das Studium nach Maßgabe der Studien- und Prüfungsordnung innerhalb der Regelstudienzeit erfolgreich abzuschließen. Sie besteht aus einem mündlichen und schriftlichen Teil. Das Nähere, insbesondere Form, Inhalt und Umfang der zu erbringenden Prüfungsleistungen, die Bewertungskriterien, die Zusammensetzung der Prüfungskommission, das Verfahren bei Unregelmäßigkeiten während der Prüfung und die Wiederholbarkeit der Prüfung regeln die Hochschulen durch Ordnung."

 

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 38 Abs. 2 SächsHSFG: "Weiterbildende Studiengänge setzen einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss voraus und führen nach Maßgabe verbindlicher Studien- und Prüfungsordnungen zu einem weiteren berufsqualifizierenden Abschluss. Weiterbildende Masterstudiengänge setzen eine berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr voraus. Weiterbildende Studiengänge können auch als Fernstudiengänge angeboten werden."

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 34 Abs. 1 Nr. 10 SächsHSFG: Die Prüfungsordnungen der Hochschulen müssen "die Anrechnung von außerhalb des Studiums erworbenen Qualifikationen [regeln], soweit diese Teilen des Studiums nach Inhalt und Anforderung gleichwertig sind und diese damit ersetzen können".

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 17 Abs. 7 SächsHSFG: Nach einem Studium von zwei Semestern an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule und dem Erbringen der geforderten Leistungsnachweise, besitzen beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung die Hochschulzugangsberechtigung zum Zwecke des Weiterstudiums im gleichen oder entsprechenden Fach.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Laut § 8 der Sächsischen Studienplatzvergabeorednung sind von den festgesetzten Zulassungszahlen je Studienort "0,5 Prozent für die Zulassung von in der beruflichen Bildung Qualifizierten, die über keine sonstige Studienberechtigung verfügen", vorzubehalten.

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Im Berichtsjahr 2019 liegt die Quote der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) bei 1,73 Prozent. Obwohl das einer geringen Steigerung von 0,08 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, rutscht Sachsen im Bundesländervergleich in dieser Kategorie einen Platz nach unten und landet auf Rang 13. Auch der Anteil der Studierenden ohne (Fach-)Abitur steigt marginal auf 1,22 Prozent, was in diesem Fall im Bundesländervergleich eine leichte Verbesserung vom 15. auf den 14. Rang bedeutet. Mit einem Anteil von 1,09 Prozent bleibt Sachsen bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur genau wie im Vorjahr auf dem 13. Rang. Insgesamt liegen alle Werte unter dem Bundesdurchschnitt.