Sachsen

Die Zugangsregelungen für das Studium ohne Abitur und Fachhochschulreife waren in Sachsen in der Vergangenheit vergleichsweise restriktiv. Allerdings traten im Januar 2013 Neuregelungen in Kraft, die dazu führen, dass die Voraussetzungen für ein Studium ohne Abitur sich nun nicht mehr so deutlich von anderen Bundesländern unterscheiden. Noch nutzen wenige beruflich Qualifizierte die Studienmöglichkeiten an den sächsischen Universitäten und Fachhochschulen. Im Bundesländervergleich ist der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung sehr gering.  

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)
Berufspraxis im erlernten Beruf (3 Jahre)
Beratungsgespräch
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Laut § 17 Abs. 3 SächsHSFG besitzen nach einem Beratungsgespräch folgende Abschlüsse einer beruflichen Aufstiegsfortbildung eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung: die Meisterprüfung, ein Fortbildungsabschluss auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (§§ 53, 54) oder der Handwerksordnung (§§ 42, 42a) mit mindestens 400 Stunden, ein staatliches Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst nach der SchiffsoffizierAusbildungsverordnung, ein Fachschulabschluss entsprechend der Rahmenvereinbarung über Fachschulen, ein vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsabschluss für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Nach § 17 Abs. 4 SächsHSFG besitzen auch andere berufliche Fortbildungsabschlüsse die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung, wenn sie durch die Hochschule als gleichwertig anerkannt sind. Voraussetzungen für die Anerkennung der beruflichen Fortbildung sind: Die berufliche Fortbildung baut auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung auf, beinhaltet eine Aufstiegsfortbildung, umfasst mindestens 400 Unterrichtsstunden und entspricht in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung. Nach § 17 Abs. 4 gilt gleiches auch für "Fortbildungen, die an staatlichen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien angeboten werden und in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung entsprechen".

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 17 Abs. 5 SächsHSFG: "Beruflich Qualifizierte, die eine mindestens zweijährige staatlich geregelte Berufsausbildung abgeschlossen haben und über eine dreijährige Berufserfahrung im erlernten Beruf verfügen sowie ein Beratungsgespräch an der Hochschule, an der ein Studium begonnen werden soll, wahrgenommen haben, verfügen über die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung, sofern sie die entsprechende Hochschulzugangsprüfung dieser Hochschule bestanden haben."

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

§ 17 Abs. 6 SächsHSFG: "Die Anforderungen an die Hochschulzugangsprüfung sind so zu gestalten, dass deren Bestehen die grundsätzliche Befähigung des Bewerbers nachweist, das Studium nach Maßgabe der Studien- und Prüfungsordnung innerhalb der Regelstudienzeit erfolgreich abzuschließen. Sie besteht aus einem mündlichen und schriftlichen Teil. Das Nähere, insbesondere Form, Inhalt und Umfang der zu erbringenden Prüfungsleistungen, die Bewertungskriterien, die Zusammensetzung der Prüfungskommission, das Verfahren bei Unregelmäßigkeiten während der Prüfung und die Wiederholbarkeit der Prüfung regeln die Hochschulen durch Ordnung."

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 34 Abs. 1 Nr. 10 SächsHSFG: Die Prüfungsordnungen der Hochschulen müssen "die Anrechnung von außerhalb des Studiums erworbenen Qualifikationen" regeln, "soweit diese Teilen des Studiums nach Inhalt und Anforderung gleichwertig sind und diese damit ersetzen können".

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 17 Abs. 7 SächsHSFG: Nach einem Studium von zwei Semestern an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule und dem Erbringen der geforderten Leistungsnachweise, besitzen beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung die Hochschulzugangsberechtigung zum Zwecke des Weiterstudiums im gleichen oder entsprechenden Fach.

(Stand: März 2014)

Daten-Monitoring

Die Entwicklung im Bereich des Studiums ohne Abitur und Fachhochschulreife weist in Sachsen keinen einheitlichen Trend auf. Nach Spitzen in den Jahren 1997 und 2011 zeigt sich aktuell eine leichte Abwärtsbewegung. Die jüngsten Zahlen weisen einen Anteil von 0,50 % Studienanfänger(inne)n ohne allgemeine Hochschulreife und Fachhochschulreife aus. Damit rangiert Sachsen im Bundesländervergleich auf dem vorletzten Platz. Nur das Saarland hat eine noch geringere Quote. Weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen zudem die Anteile der Studierenden und Absolvent(inn)en ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung mit 0,39 % und 0,27 %. Auch in diesen Kategorien gehört Sachsen im Bundesländervergleich zu den Schlusslichtern.