Sachsen

Die Zugangsregelungen für das Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife waren in Sachsen lange Zeit vergleichsweise restriktiv. Im Januar 2013 traten jedoch Neuregelungen in Kraft mit der Folge, dass sich die Voraussetzungen nun nicht mehr so deutlich von anderen Bundesländern unterscheiden. Möglicherweise ist dies ein Grund dafür, dass aktuell bereits deutlich mehr beruflich Qualifizierte die Studienmöglichkeiten an den sächsischen Universitäten und Fachhochschulen nutzen. Die jüngsten Zahlen weisen einen für Sachsen mit Abstand größten Wachstumssprung beim Anteil der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf und befördern das Land damit im deutschlandweiten Vergleich vom letzten auf den 13. Platz. Sachsen erzielt in dieser Kategorie bundesweit sogar eine der stärksten Wachstumsraten im Jahr 2015. Doch trotz dieser positiven Entwicklungstendenzen kann das Bundesland den Vorsprung der anderen Bundesländer beim Studium ohne (Fach-)Abitur nicht aufholen und liegt bezüglich der Studierenden- sowie Absolvent(inn)enanteile jeweils auf dem letzten Platz.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)
Berufspraxis im erlernten Beruf (3 Jahre)
Beratungsgespräch
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Laut § 17 Abs. 3 SächsHSFG besitzen nach einem Beratungsgespräch folgende Abschlüsse einer beruflichen Aufstiegsfortbildung eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung: die Meisterprüfung, ein Fortbildungsabschluss auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (§§ 53, 54) oder der Handwerksordnung (§§ 42, 42a) mit mindestens 400 Stunden, ein staatliches Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, ein Fachschulabschluss entsprechend der Rahmenvereinbarung über Fachschulen, ein vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsabschluss für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Nach § 17 Abs. 4 SächsHSFG besitzen auch andere berufliche Fortbildungsabschlüsse die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung, wenn sie durch die Hochschule als gleichwertig anerkannt sind. Voraussetzungen für die Anerkennung der beruflichen Fortbildung sind: Die berufliche Fortbildung baut auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung auf, beinhaltet eine Aufstiegsfortbildung, umfasst mindestens 400 Unterrichtsstunden und entspricht in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung. Nach § 17 Abs. 4 gilt gleiches auch für "Fortbildungen, die an staatlichen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien angeboten werden und in Inhalt und Ausbildungstiefe einer Meisterprüfung entsprechen".

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 17 Abs. 5 SächsHSFG: "Beruflich Qualifizierte, die eine mindestens zweijährige staatlich geregelte Berufsausbildung abgeschlossen haben und über eine dreijährige Berufserfahrung im erlernten Beruf verfügen sowie ein Beratungsgespräch an der Hochschule, an der ein Studium begonnen werden soll, wahrgenommen haben, verfügen über die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung, sofern sie die entsprechende Hochschulzugangsprüfung dieser Hochschule bestanden haben."

Wesen und Inhalte der Eignungsprüfung:

§ 17 Abs. 6 SächsHSFG: "Die Anforderungen an die Hochschulzugangsprüfung sind so zu gestalten, dass deren Bestehen die grundsätzliche Befähigung des Bewerbers nachweist, das Studium nach Maßgabe der Studien- und Prüfungsordnung innerhalb der Regelstudienzeit erfolgreich abzuschließen. Sie besteht aus einem mündlichen und schriftlichen Teil. Das Nähere, insbesondere Form, Inhalt und Umfang der zu erbringenden Prüfungsleistungen, die Bewertungskriterien, die Zusammensetzung der Prüfungskommission, das Verfahren bei Unregelmäßigkeiten während der Prüfung und die Wiederholbarkeit der Prüfung regeln die Hochschulen durch Ordnung."

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 38 Abs. 2 SächsHSFG: "Weiterbildende Studiengänge setzen einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss voraus und führen nach Maßgabe verbindlicher Studien- und Prüfungsordnungen zu einem weiteren berufsqualifizierenden Abschluss. Weiterbildende Masterstudiengänge setzen eine berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr voraus. Weiterbildende Studiengänge können auch als Fernstudiengänge angeboten werden."

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 34 Abs. 1 Nr. 10 SächsHSFG: Die Prüfungsordnungen der Hochschulen müssen "die Anrechnung von außerhalb des Studiums erworbenen Qualifikationen" regeln, "soweit diese Teilen des Studiums nach Inhalt und Anforderung gleichwertig sind und diese damit ersetzen können".

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 17 Abs. 7 SächsHSFG: Nach einem Studium von zwei Semestern an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule und dem Erbringen der geforderten Leistungsnachweise, besitzen beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung die Hochschulzugangsberechtigung zum Zwecke des Weiterstudiums im gleichen oder entsprechenden Fach.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Die Gesetzeslage in Sachsen sieht keine Vorabquoten oder spezielle Auswahlverfahren für Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.

(Stand: März 2017)

Daten-Monitoring

Die Entwicklung im Bereich des Studiums ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife folgt in Sachsen keinem einheitlichen Trend. Nach Spitzen in den Jahren 2010 und 2013, weisen die jüngsten Zahlen einen für Sachsen mit Abstand größten Wachstumssprung des Anteils der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf. Mit einem Anstieg von 0,75 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahreswert überschreitet Sachsen mit 1,18 Prozent erstmals die 1 Prozent-Grenze und erreicht den eigenen Höchstwert. Im bundesweiten Vergleich ist Sachsen damit das Bundesland mit der stärksten Wachstumsrate der Studienanfänger(innen)quote im Jahr 2015. Durch diese Entwicklung steigt das Land in dieser Kategorie vom letzten auf den 13. Platz im Bundesländervergleich. Wenngleich Sachsen weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt von 2,47 Prozent liegt. Auch die Zahlen der Studierenden ohne Abitur und Fachhochschulreife steigen in diesem Berichtsjahr leicht und erreichen einen Wert von 0,49 Prozent. Der Anteil der Absolvent(inn)en bleibt mit 0,31 Prozent unverändert zum Vorjahr. Damit liegen die Studierenden- sowie die Absolvent(inn)enanteile in Sachsen jedoch weiterhin weit unter dem jeweiligen Bundesdurchschnitt, womit Sachsen in diesen Kategorien des Studiums ohne Abitur zu den Schlusslichtern im Bundesländervergleich gehört.