Saarland

Neue Höchstwerte erreicht das Saarland sowohl bei den Studienanfänger*innen als auch bei den Studierenden ohne (Fach-)Abitur. Auch die Zahl der Hochschulabsolvent*innen, die über den beruflichen Weg ins Studium gelangt sind, ist leicht gestiegen. Dennoch bewegt sich diese Entwicklung nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau. Im Bundesländervergleich nimmt das Saarland in allen drei Kategorien weiterhin den letzten Platz ein.

Seit 2017 gelten veränderte Regelungen für Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einer mindestens zweijährigen Berufserfahrung: Nach einem Beratungsgespräch nehmen sie ein zwei- bis viersemestriges Probestudium auf, an dessen Ende dann die Eignung für die Fortsetzung des Studiums anhand der erbrachten Prüfungsleistungen festgestellt wird. Bewerber*innen müssen einen Berufsausbildungsabschluss mit einer Durchschnittsnote von mindestens 2,5 aufweisen. Personen mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung oder einem Fachschulabschluss können sich hingegen ohne Eignungsprüfung oder Probestudium für einen Studienplatz bewerben.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich einschlägige Berufsausbildung (mind. 2 Jahre)

Fachlich einschlägige Berufserfahrung (mind. 2 Jahre bei einem qualifizierten Ergebnis der Berufsausbildung)

Erforderliche Sprachkenntnisse für das Studium (mind. 6 jähriger Schulbesuch mit deutscher Unterrichtssprache/ mind. DSH-2)

Eignungsfeststellung erforderlich:
Ja (kann durch das Bestehen einer Vor- oder Zwischenprüfung im Probestudium ersetzt werden)
Probestudium möglich:
Ja, obligatorisch (Voraussetzung: Beratung durch Hochschule)

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 77 Abs. 2 SHSG: „Die Qualifikation für ein Studium an der Universität, das zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führt, wird nachgewiesen durch die allgemeine Hochschulreife, die Meisterprüfung, die fachgebundene Hochschulreife oder eine als gleichwertig anerkannte Vorbildung. Das Ministerium für Bildung und Kultur regelt im Einvernehmen mit der für die Wissenschaft zuständigen obersten Landesbehörde und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr durch Rechtsverordnung die Feststellung der Gleichwertigkeit von Vorbildungsnachweisen.“

§ 7 Abs. 2 QVOU: „Zum Studium aller Studiengänge an der Universität des Saarlandes sind auch Inhaber einer fachgebundenen Hochschulreife berechtigt, die auf Grund dieser Qualifikation zu einem Studiengang an einer wissenschaftlichen Hochschule im Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland außerhalb des Saarlandes zugelassen wurden und diesen Studiengang mit einer Hochschulprüfung oder einer staatlichen Prüfung ordnungsgemäß abgeschlossen haben.“

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 77 Abs. 5 SHSG/ § 1 Abs. 1 BerufsQualV: Eine fachgebundene Studienberechtigung kann erhalten, wer ein Probestudium mit einer anschließenden positiven Eignungsfeststellung absolviert.

Die Eignungsfeststellung ist in modularisierten Bachelor- und Lehramtsstudiengängen nach zwei Semestern Probestudium sowie 40 erbrachten ECTS-Punkten festzustellen (§ 5 Abs. 3 BerufsQualV). Bei Studiengängen, die mit einer Hochschulprüfung abschließen sowie in den Studiengängen Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin beträgt das Probestudium höchstens vier Semester. Die Eignung ist von der Hochschule festzustellen, wenn das Erbringen von mindestens zwei Dritteln der Studien- oder Prüfungsleistungen nachgewiesen wird. Im Studiengang Pharmazie müssen mindestens zwei Drittel der Unterrichtsstunden, die für die Vor- oder Zwischenprüfung oder für das Grundstudium vorgeschrieben sind, nachgewiesen werden (§ 5 Abs. 4 BerufsQualV). „Das Bestehen der Vor- oder Zwischenprüfung oder die Erbringung gleichwertiger Leistungen ersetzt die Eignungsfeststellung." (§5 Abs. 5 BerufsQualV). In den Rechtwissenschaften muss das erste Studienjahr erfolgreich abgeschlossen sein. Näheres hierzu regelt die Ausbildungsordnung für Juristen (§5 Abs. 6 BerufsQuaIV).

Über die Zulassung zum Probestudium entscheidet eine spezielle Kommission der Hochschule (§ 4 Abs.1 BerufsQualV).

 

Zugangsvoraussetzungen zum Probestudium

Ein Probestudium kann aufnehmen, wer eine Abschlussprüfung mit qualifiziertem Ergebnis in einem einschlägigen anerkannten Ausbildungsberuf mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung abgeschlossen hat und eine anschließende mindestens zweijährige hauptberufliche Tätigkeit in diesem oder einem verwandten Beruf nachweisen kann. „Eine Abschlussprüfung mit qualifiziertem Ergebnis wird durch das Bestehen der Berufsausbildungsabschlussprüfung mit mindestens 80 Punkten oder einer Note von mindestens 2,5 nachgewiesen“ (§ 2 Abs. 2 BerufsQualV).

Außerdem müssen Studieninteressierte ohne schulische HZB die erforderlichen Sprachkenntnisse für das Studium nachweisen. Für Deutsch können diese Sprachkenntnisse entweder durch den mindestens sechsjährigen Besuch einer Schule mit deutscher Unterrichtssprache oder durch das Bestehen der Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) mit mindestens dem Gesamtergebnis DSH-2. Alternativ kann eine gleichwertige Prüfung abgelegt werden (§ 2 Abs. 6 BerufsQualV).

Neben den genannten Voraussetzungen müssen gemäß § 3 Abs. 2 BerufsQualV die Bewerber*inen vor dem Probestudium an einem Beratungsgespräch über den angestrebten Studiengang bei der Zentralen Studienberatung und der Studienfachberatung der Hochschule teilnehmen.

Sonstige Berechtigungen:

  • § 77 Abs. 4 SHSG: „Eine der allgemeinen Hochschulreife entsprechende Qualifikation hat auch, wer ein Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen hat, ohne die allgemeine Hochschulreife zu besitzen. Eine der fachgebundenen Hochschulreife entsprechende Qualifikation hat auch, wer den Nachweis über 60 ECTS-Leistungspunkte in den laut Studien- und Prüfungsordnung für das erste Studienjahr vorgesehenen Pflicht- und Wahlpflichtfächern erbringt.“

  • § 5 QVOU: Inhaber*innen eines Abschlusszeugnisses der Akademie für Arbeit und Sozialwesen des Saarlandes sind zur Aufnahme eines Studiums der Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre oder Soziologie berechtigt, sofern in der Abschlussprüfung mindestens die Gesamtnote „gut“ erreicht wurde und zusätzliche Unterrichtsveranstaltungen in Mathematik und einer Fremdsprache nachgewiesen werden. Ein Abschlusszeugnis der Berufsakademie nach dem Saarländischen Berufsakademiegesetz berechtigt zum fachgebundenen Studium. Der Nachweis über 60 ECTS in einer unter § 5 genannten Fachrichtung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes berechtigt zum dort aufgelisteten Studium an der Universität des Saarlandes. Alle unter § 5 genannten Inhaber(innen) einer fachgebundenen Hochschulreife können alle Studiengänge an der Universität des Saarlandes studieren, wenn sie aufgrund dieser Qualifikation zu einem wissenschaftlichen Studiengang an der Universität des Saarlandes zugelassen wurden und diesen Studiengang mit einer Hochschulprüfung oder einer staatlichen Prüfung ordnungsgemäß abgeschlossen haben (§ 4 QVOU).

 

Zulassung zu weiterbildenden (Master-)Studiengängen

§ 61 Abs. 1 SHSG: Das weiterbildende Studium steht Bewerber*innen offen, die die für das Studium erforderliche Eignung im Beruf erworben haben. Berufspraktische Erfahrungen sollen für die Lehre nutzbar gemacht werden.

Der Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen steht somit auch Personen offen, die dem Bachelor-Abschluss vergleichbare Kompetenzen in der beruflichen Praxis erworben haben. Diese qualifizierten berufspraktischen Erfahrungen müssen mindestens ein Jahr umfassen und dem für den angestrebten Studiengang einschlägigen ersten Hochschulabschluss entsprechen. Sie werden mittels Eignungsprüfung festgestellt (§ 61 Abs. 4 Satz 3 SHSG). Weiterhin werden die in der Eignungsprüfung nachzuweisenden Kompetenzen in der Prüfungsordnung von der jeweiligen Hochschule festgelegt (§ 61 Abs. 3 Satz 4 bis 6 SHSG).

§ 61 Abs. 5 SHSG: „Zugangsvoraussetzungen, Organisation und Abschluss weiterbildender Studien können in Ordnungen geregelt werden.“

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 65 Abs. 5 SHSG: „Nachgewiesene gleichwertige Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden, sind bis zur Hälfte der für den Studiengang vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 6 QVOU: Alle Hochschulzugangsberechtigungen anderer Bundesländer berechtigen gemäß den Vereinbarungen der KMK oder bilateralen Vereinbarungen des Saarlandes mit anderen Ländern zum Studium an der Universität des Saarlandes. Die Entscheidung über das Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen trifft das Ministerium für Bildung.

§ 9 QVOU: Landesspezifische Regelungen anderer Bundesländer werden nach einem Jahr erfolgreichen Studiums an einer Hochschule zum Zwecke des Weiterstudiums in dem gleichen oder in einem affinen Studiengang anerkannt (Probestudium wird nicht mitgerechnet).

 

Quoten, Auswahlverfahren und Vergabe ungenutzter Studienplätze

§ 23 Abs. 1 Nr. 4 StudienplatzvergabeVO bestimmt eine Vorabquote in Höhe von maximal 5 Prozent für Bewerber*innen, welche die „Studienberechtigung für die staatlichen Hochschulen des Saarlandes durch besondere berufliche Qualifikation […] im Rahmen eines Probestudiums eine fachgebundene Studienberechtigung zu erwerben suchen […]“. Im Rahmen der Quote muss bei ausreichend vorhandenen Studienplätzen mindestens ein Studienplatz zur Verfügung gestellt werden, wenn mindestens eine Bewerberin oder ein Bewerber zu berücksichtigen ist (§ 23 Abs. 2 StudienplatzvergabeVO).

Im Zuge des Auswahlverfahrens werden Ranglisten für diese Quote gebildet, „wenn die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber die Zahl der im Rahmen dieser Quoten verfügbaren Studienplätze übersteigt“ (§ 23 Abs. 2 StudienplatzvergabeVO ). Sofern es nach dieser Auswahl noch freie Plätze geben sollte, entscheidet das Los (§ 24 Abs. 8 StudienplatzvergabeVO).

Die nach dem Auswahlverfahren frei bleibenden Studienplätze werden durch ein Nachrückverfahren vergeben (§ 30 Abs. 3 StudienplatzvergabeVO).

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Im Berichtsjahr 2019 sind die Anteile der Erstsemester sowie der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) auf neue Höchststände geklettert: Die Studienanfänger*innen erreichen erstmals eine Quote von 1,25 Prozent, was einer Steigerung von 0,18 Prozent entspricht. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, die im Berichtsjahr knapp zwei Drittel der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur im Saarland aufgenommen hat.

Eine positive Entwicklung zeigt auch der Anteil der Studierenden. Er liegt aktuell bei 1,12 Prozent und kann sich damit immerhin um 0,25 Prozent steigern. Auch die Anzahl der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur ist gestiegen. Deren Anteil an allen Hochschulabsolvent*innen des Bundeslandes bleibt jedoch in etwa auf dem Vorjahresniveau und beträgt aktuell 0,92 Prozent. Insgesamt liegen alle Werte des Saarlandes unterhalb des jeweiligen Bundesdurchschnitts. Trotz des erkennbaren Aufwärtstrends beim Studium ohne Abitur bleibt es das Schlusslicht unter den Bundesländern.