Rheinland-Pfalz

Eine Besonderheit in Rheinland-Pfalz ist, dass Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung auch ohne zusätzliche mehrjährige Berufserfahrung studieren können. Seit Herbst 2020 gilt die gesetzliche Neuerung. Voraussetzung ist eine Abschlussnote von mindestens 2,5. Damit ist eine Bewerbung in einem Studiengang möglich, der eine fachliche Nähe zum erlernten Beruf aufweist. Für Personen mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung u. a. als Meister*in, Fachwirt*in oder einem Fachschulabschluss bleibt alles beim Alten. Sie haben nach wie vor die freie Wahl beim Studienfach. Die zahlenmäßige Entwicklung beim Studium ohne Abitur zeigt in Rheinland-Pfalz seit etwa zehn Jahren einen Aufwärtstrend. Im Bundesländervergleich rangiert es sowohl mit seinen Quoten bei den Studienanfänger*innen und Studierenden als auch bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur weiterhin im oberen Drittel. In allen drei Kategorien liegen die Werte über dem Bundesdurchschnitt.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch vor der Einschreibung

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung

(Fachlich unbeschränkter Zugang zu Fachhochschulen, fachgebundener Zugang zu Universitäten)

Voraussetzungen:
Berufsausbildung mit qualifiziertem Ergebnis (Gesamtnotenschnitt von 2,5 bzw. 10 Punkten im Falle einer Ausbildung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis)

Für ein Studium an Universitäten muss die Berufsausbildung zum gewählten Studiengang fachlich verwandt sein. Ist der fachliche Bezug der Ausbildung zum Studium nicht hinreichend, können in Ausnahmefällen auch Kenntnisse und Fähigkeiten berücksichtigt werden, die während der beruflichen oder vergleichbaren Tätigkeit nachweislich erworben wurden.

Beratungsgespräch vor der Einschreibung

Eignungsprüfung erforderlich:
Nein

(Die Hochschule kann für einzelne Studienangebote eine Eignungsprüfung oder besondere Zugangsvoraussetzungen vorsehen, z. B. in den Bereichen Sport, Kunst und Musik oder bei berufsintegrierten Studienangeboten.)

Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 65 Abs. 2 HochSchG/§ 1 Abs. 2 und § 4 der Landesverordnung über die unmittelbare Hochschulzugangsberechtigung beruflich qualifizierter Personen (LVO): Personen, die eine Meisterprüfung oder eine vergleichbare Prüfung abgeschlossen haben, besitzen die unmittelbare Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Fachhochschulen und an Universitäten. Meisteräquivalente Prüfungen sind: Ein mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassender Lehrgang mit Fortbildungsabschluss i. S. von §§ 53 und 54 des Berufsbildungsgesetzes oder von §§ 42 und 42a der Handwerksordnung, eine vergleichbare Qualifikation i. S. des Seemannsgesetzes, der Abschluss einer Fachschule, ein Abschluss auf der Grundlage einer landesrechtlichen Weiterbildungsregelung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen oder sozialpädagogischen Berufe oder ein sonstiger Fortbildungsabschluss nach mindestens 400 Unterrichtsstunden, der eine abgeschlossene Berufsausbildung erfordert. In der Anlage 1 zu § 4 Abs. 2 der LVO sind Fortbildungsabschlüsse aufgeführt, die in besonderem Maße äquivalent zur Meisterprüfung sind.

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 65 Abs. 2 HochSchG und § 1 Abs. 1 LVO: Personen, die eine anerkannte berufliche Ausbildung mit qualifiziertem Ergebnis abgeschlossen haben, erhalten damit die unmittelbare (allgemeine) Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und die unmittelbare fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für das Studium an Universitäten. Zwischen der Ausbildung und dem gewählten Studiengang an einer Universität müssen gemäß § 2 Abs. 2 LVO „hinreichende inhaltliche Zusammenhänge“ bestehen (es können auch Kenntnisse der beruflichen oder einer vergleichbaren Tätigkeit in die Bewertung eines inhaltlichen Zusammenhangs einfließen). Eine berufliche Ausbildung ist mit qualifiziertem Ergebnis abgeschlossen, wenn mindestens ein Gesamtnotenschnitt von 2,5 (bzw. 10 Punkte bei einer Ausbildung im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis) erreicht wurde (§ 3 LVO).

In § 2 Abs. 3 der LVO wird geregelt, dass eine berufliche oder vergleichbare Tätigkeit mindestens 50 % einer Vollzeitbeschäftigung betragen muss. Als gleichwertig zur beruflichen Tätigkeit zählen auch die selbstständige Führung eines Haushalts mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person, eine Tätigkeit als Entwicklungshelfer*in, der Jugendfreiwilligendienst oder ein einjähriges gelenktes Praktikum bei schulischer Berufsausbildung (§ 2 Abs. 4 LVO).

§ 66 Abs. 1 HochSchG: Für Studiengänge, die zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führen und eine besondere Eignung oder Fähigkeiten erfordern, kann die Hochschule durch Satzung eine Eignungsprüfung oder besondere Zugangsvoraussetzungen vorsehen. Durch die Landesverordnung bleiben die besonderen Zugangsvoraussetzungen, die durch Bestimmungen über Eignungsprüfungen nach § 66 HochSchG festgelegt sind, unberührt (§ 1 Abs. 6 LVO).

Die Landesverordnung gilt nicht für Studiengänge, die mit einer kirchlichen Prüfung abschließen (§ 1 Abs. 4 LVO).

 

Zulassung zu weiterbildenden Studiengängen

§ 35 Abs. 2 HochSchG: "Masterstudiengänge der hochschulischen Weiterbildung setzen einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss und qualifizierte berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr voraus. Den Zugang vermittelt auch der Erwerb der erforderlichen Eignung im Beruf, wenn nach Erwerb der Zugangsvoraussetzungen gemäß § 65 Abs. 1 oder Abs. 2 eine mindestens dreijährige einschlägige Berufstätigkeit absolviert und eine Eignungsprüfung der Hochschule bestanden wurde, durch die die Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation mit der eines abgeschlossenen grundständigen Studiums festgestellt wird. Eignungsprüfungen nach Satz 2 sind in der Prüfungsordnung zu regeln. In begründeten Ausnahmefällen können auf die Dauer der Berufstätigkeit Zeiten angerechnet werden, die vor dem Erwerb der Zugangsvoraussetzungen liegen, wenn die Tätigkeit einschlägig ist und auf einem angemessenen Qualifikationsniveau ausgeübt wurde. Einschlägige berufliche Fortbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung werden nach Maßgabe der Rechtsverordnung nach § 65 Abs. 2 auf die Dauer der Berufstätigkeit angerechnet."

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 25 Abs. 4 HochSchG: „Außerhalb des Hochschulbereichs erworbene gleichwertige Kenntnisse und Qualifikationen werden in einem Umfang bis höchstens zur Hälfte des Hochschulstudiums angerechnet; die Verfahren und Kriterien für die Anrechnung werden in der Prüfungsordnung festgelegt. Zum Zweck einer pauschalierten Anrechnung sollen die Hochschulen gemäß § 10 Abs. 1 mit geeigneten Einrichtungen außerhalb des Hochschulbereichs zusammenarbeiten.“

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 33 Abs. 4 HochSchG: Personen ohne Hochschulzugangsberechtigung, die an einer Hochschule eines anderen Bundeslandes  mindestens ein Jahr erfolgreich studiert haben, sind berechtigt, in fachlich verwandten Studiengängen an einer Hochschule des Landes weiter zu studieren.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Die Gesetzeslage in Rheinland-Pfalz sieht keine Vorabquoten oder spezielle Auswahlverfahren für Bewerber*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.

 

Sonstiges

§ 65 Abs. 2 HochSchG: „Beruflich Qualifizierte haben Anspruch auf eine umfassende Beratung gemäß § 23 durch die Hochschule; die Hochschule kann in der Prüfungsodnung festlegen, dass dem Studium im Falle von beruflich Qualifizierten eine solche Beratung vorauszugehen hat.“

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Rheinland-Pfalz kann auch im aktuellen Berichtsjahr auf eine insgesamt positive Entwicklung im Bereich Studieren ohne Abitur blicken. Einen großen Anteil daran hat die Hochschule Koblenz, die 2019 mehr als 30 Prozent der Erstsemenster ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife im Bundesland aufnimmt.

Der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an allen Erstsemestern im Bundesland ist marginal um 0,06 Prozent gefallen und liegt bei 3,61 Prozent. Damit verliert Rheinland-Pfalz im Bundesländervergleich einen Platz und erreicht Rang 6. Dagegen ist bei den Studierenden ohne (Fach-)Abitur ein Anstieg um 0,18 Prozent zu verzeichnen, sodass die bundeslandbezogene Quote in dieser Kategorie numehr 2,89 Prozent beträgt. Trotzdem rutscht Rheinland-Pfalz damit im Bundesländervergleich einen Rang ab und nimmt aktuell Platz 5 ein.

Die beste Platzierung erreicht Rheinland-Pfalz im Bereich der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur. Deren Anteil steigt um 0,24 Prozent und beträgt nun 2,41 Prozent. Im Bundesländervergleich bedeutet dies Platz 3 genau wie im Vorjahr.