Nordrhein-Westfalen

Seit 2010 zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein regelrechter Boom beim Studium ohne allgemeine Hochschul-und Fachhochschulreife. Grundlage dafür war vor allem die Schaffung großzügiger rechtlicher Rahmenbedingungen. Dennoch sind die Zahlen beruflich qualifizierter Studienanfänger(innen) seit zwei Jahren fallend, weshalb NRW in diesem Jahr seinen Tiefstwert erreicht. Dennoch liegt das Bundesland weiterhin auf dem zweiten Platz im Ländervergleich. Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich der Wert der Studierenden ohne Abitur wieder erholen und erreicht somit seinen Höchstwert seit 2011. Stetig steigend ist die Absolvent(innen)quote ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung, wodurch Nordrhein-Westfalen auch hier seinen bisherigen Spitzenwert verzeichnet. Wesentlichen Anteil an dem überdurchschnittlichen Abschneiden von NRW in puncto Studium ohne Abitur hat die FernUniversität in Hagen. Circa 31 Prozent aller beruflich Qualifizierten in NRW nahmen dort 2016 ihr Studium auf. Obwohl der Wert damit 8 Prozentpunkte geringer ausfällt als im Vorjahr, erreichte keine andere deutsche Hochschule eine derart hohe Nachfrage nach einem Studium ohne Abitur.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich entsprechende Berufsausbildung (2 Jahre)

Fachlich entsprechende Berufserfahrung (3 Jahre)

In besonders begründeten Einzelfällen auch ohne Berufsausbildung möglich.

Eignungsprüfung erforderlich:
Nur bei Wahl eines nicht verwandten Studienfaches.
Probestudium möglich:
Ja, in nicht-zulassungsbeschränkten Studiengängen.

Gesetzliche Regelungen

§ 49 Abs. 4 HG: „Das Ministerium regelt im Einvernehmen mit dem für das Schulwesen zuständigen Ministerium durch Rechtsverordnung den Zugang zu einem Hochschulstudium auf Grund einer beruflichen Vorbildung.“

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

§ 2 der BBHZVO: Folgende Abschlüsse einer Aufstiegsfortbildung berechtigen zur Aufnahme des Studiums in jedem Studiengang an jeder Hochschule: Meisterbrief im Handwerk nach §§ 45 oder 51a der Handwerksordnung, Fortbildungsabschluss i. S. von §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes oder §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung, der Abschluss einer Fachschule, eine vergleichbare landesrechtlich geregelte Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe, der Abschluss einer sonstigen vergleichbaren bundes- oder landesrechtlich geregelten Aufstiegsfortbildung.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Beruflich Qualifizierte die ein fachnahes Hochschulstudium aufnehmen möchten, müssen laut § 3 der BBHZVO einen Abschluss nach Bundes- oder Landesrecht geregelten mindestens zweijährigen Berufsausbildung sowie eine anschließende und darauf aufbauende mindestens dreijährigen Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studium fachlich entsprechenden Bereich) vorweisen. Eine weitere fachlich verwandte Berufsausbildung sowie anteilig eine hälftige Teilzeitbeschäftigung werden hier ebenfalls als berufliche Tätigkeit angerechnet (§ 3 Abs. 2 BBHZVO). Für Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendienprogramms des Bundes sind zwei Jahre berufliche Tätigkeit ausreichend. Außerdem können laut § 4 Abs. 5 BBHZVO in „besonders begründeten Einzelfällen" über eine Zugangsprüfung auch Personen ein fachlich entsprechendes Studium aufnehmen, die „eine mehrjährige herausgehobene oder inhaltlich besonders anspruchsvolle Tätigkeit ausgeübt" haben, ohne zuvor einen Berufsabschluss erlangt zu haben. Dies wird durch die Prüfungsordnung der Hochschulen geregelt.

Bei Beabsichtigung der Aufnahme eines fachfremden Hochschulstudiums haben beruflich Qualifizierte in NRW die Möglichkeit an einer Zugangsprüfung teilzunehmen oder, in nicht zulassungsbeschränkten Studiengängen, alternativ ein Probestudium aufnehmen (§ 4 BBHZVO). Die Zulassungsvoraussetzungen für Zugangsprüfung oder Probestudium werden in § 4 Abs. 1 und 2 der BBHZVO geregelt:   

Zugelassen wird, wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und eine danach mindestens dreijährige berufliche Tätigkeit (für Stipendiat(inn)en des Aufstiegsstipendienprogrammes des Bundes sind zwei Jahre ausreichend) auch in einem der Ausbildung fachlich nicht entsprechenden Beruf nachweisen kann. Die hauptverantwortliche und selbstständige Führung eines Familienhaushalts und die Kindererziehung oder Pflege eines Angehörigen sind der beruflichen Tätigkeit gleichgestellt. Als berufliche Tätigkeit werden zudem angerechnet:

  • der freiwillige Wehrdienst,
  • der Bundesfreiwilligendienst,
  • das freiwillige soziale Jahr,
  • das freiwillige ökologische Jahr,
  • die Tätigkeit als Entwicklungshelfer(in) (i. S. des Entwicklungshelfergesetzes)
  • der Abschluss einer weiteren mindestens zweijährigen bundes- oder landesrechtlich geregelten Berufsausbildung.

Auch hier wird eine mindestens hälftige Teilzeitbeschäftigung oder Übernahme der aufgelisteten Tätigkeiten als berufliche Tätigkeit mit dem entsprechenden Anteil angerechnet (§ 4 Abs. 2 BBHZVO).

Wesen und Inhalte der Zugangsprüfung:

  • § 6 Abs. 4 BBHZVO: "Die bestandene Zugangsprüfung berechtigt studiengangbezogen zur Aufnahme des Studiums im ersten Fachsemester."
  • § 6 Abs. 1 und 3 BBHZVO: Mit der Zugangsprüfung sollen die fachlichen und methodischen Kenntnisse der Bewerber(innen) hinsichtlich eines Studiums im angestrebten Studiengang überprüft werden. Inhalt der Prüfung ist sowohl allgemeines als auch fachbezogenes Wissen, das in der Regel in schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen nachgewiesen werden muss. Die Hochschulen regeln durch Ordnung das Nähere des Zugangsprüfungsverfahrens und die Inhalte der Zugangsprüfung. Über den Erfolg der Prüfung entscheidet der Prüfungsausschuss und nicht bestandene Prüfungsteile können wiederholt werden.
  • § 6 Abs. 4 BBHZVO: Auf Antrag wird die an einer anderen Hochschule des Landes oder in der Trägerschaft des Landes erfolgreich abgelegte Zugangsprüfung anerkannt, sofern hinsichtlich der durch die Prüfung nachgewiesenen Kompetenzen kein wesentlicher Unterschied zu den Leistungen besteht, die ersetzt werden.

Wesen und Inhalte des Probestudiums:

  • § 5 Abs. 2 BBHZVO: „Das erfolgreiche Probestudium berechtigt studiengangbezogen zur Fortsetzung des Studiums im jeweiligen Studiengang. Das Probestudium ist erfolgreich, wenn 1. in Bachelorstudiengängen pro absolviertem Probesemester durchschnittlich mindestens 20 Leistungspunkte nach dem Europäischen Credit-Transfer-System erworben wurden oder 2. in Studiengängen, die mit einer staatlichen oder kirchlichen Prüfung abgeschlossen werden, mindestens zwei Drittel erfolgreiche Studien- und Prüfungsleistungen erbracht wurden, die in der jeweiligen Studien- und Prüfungsordnung innerhalb der absolvierten Probesemester vorgesehen sind.“
  • § 5 Abs. 1, 2 und 3 BBHZVO: Das Probestudium dauert mindestens zwei Semester, jedoch soll diese Frist individuell je nach gegebenen Umständen, wie beispielsweise bei Teilzeitstudierenden oder Studierenden mit Behinderung (weitere Umstände genannt in § 5 Abs. 3 BBHZVO), von den Hochschulen angepasst werden. Nach Ablauf des Probestudiums erlischt für die auf Probe studierende Person als solche der Anspruch auf Teilnahme an den nach der Prüfungsordnung erforderlichen Prüfungen.
  • § 5 Abs. 3 BBHZVO: Die Hochschule kann durch Ordnung Einzelheiten zum Probestudium regeln.

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 62 Abs. 1 HG: An einem weiterbildenden Studium kann auch teilnehmen, wer die erforderliche Eignung im Beruf erworben hat. „Das Weiterbildungsangebot ist mit den übrigen Lehrveranstaltungen abzustimmen und soll berufspraktische Erfahrungen einbeziehen. Die Hochschule regelt die Voraussetzungen und das Verfahren des Zugangs und der Zulassung. Sie kann die Zulassung insbesondere beschränken, wenn wegen der Aufnahmefähigkeit oder der Art oder des Zwecks der Weiterbildung eine Begrenzung der Teilnehmerzahl erforderlich ist.“ Gemäß § 62 Abs. 3 HG können beruflich Qualifizierte an einem weiterbildenden Studium teilnehmen, welches mit einem Weiterbildungszertifikat endet, aber ohne einschlägigen berufsqualifizierenden Studienabschluss besitzen sie keine Zugangsberechtigung für einen weiterbildenden Masterstudiengang. Damit steht beruflich Qualifizierten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung und ohne ersten Studienabschluss nur eine Weiterbildung offen, die nicht zum Masterabschluss führt. Das Nähere regelt die Prüfungsordnung.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

In § 49 Abs. 12 HG ist geregelt, dass studienrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten, die in anderer Weise als durch ein Studium erworben wurden, in einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) nachgewiesen werden können. Die Bewerber(innen) sollen nach Ergebnis dieser Prüfung in einen entsprechenden Studienabschnitt des Studiengangs zugelassen werden. „Das Nähere regeln die Prüfungsordnungen, die für Studiengänge, die mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen werden, im Einvernehmen mit den jeweils zuständigen Fachministerien erlassen werden.“

§ 63a Abs. 7 HG regelt weiterhin, dass sonstige Kenntnisse und Qualifikationen in Form eines Antrages und auf Grundlage vorgelegter Unterlagen, für Prüfungsleistungen anerkannt werden können, wenn sie diesen bezüglich des Inhalts und Niveaus gleichen.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 10 Abs. 4 BBHZVO: Der Hochschulwechsel nach NRW in einen gleichen oder in einen fachlich verwandten Studiengang ist nach zwei Semestern nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums möglich. § 10 Abs. 1 bis 3 der BBHZVO regelt auch den Hochschulwechsel innerhalb von NRW.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 24 Abs. 2 der VergabeVO NRW bestimmt eine Vorabquote in Höhe von mindestens zwei Prozent bis maximal vier Prozent für Bewerber(innen), welche den Hochschulzugang auf Grund einer beruflichen Aufstiegsfortbildung gemäß § 2 der Verordnung, fachlich entsprechender beruflicher Bildung gemäß § 3 der Verordnung oder eines erfolgreichen Probestudiums gemäß § 5 der Verordnung erhalten haben. Bewerber(innen), die eine „Zugangsprüfung im Sinne der §§ 6 und 7 Berufsbildungshochschulzugangsverordnung erfolgreich abgelegt haben, werden dieser Quote nicht zugeordnet, sondern mit der Durchschnittsnote der Zugangsprüfung am Verfahren beteiligt" (§ 24 Abs. 2 Satz 3 VergabeVO NRW).

Die Studienplätze der Quote werden nach dem Ergebnis eines Auswahlverfahrens, welches Auskunft über die Eignung und die Motivation der Bewerber(innen) gibt (Anlage 6 Nr. 3 VergabeVO NRW), gemäß Anlage 6 vergeben (§ 24 Abs. 2 VergabeVO NRW). „Im Auswahlverfahren wird die Rangfolge der Bewerberinnen und Bewerber auf Grund der Bewerbungsunterlagen und eines Auswahlgesprächs ermittelt; die Kommission kann durch einen einstimmigen Beschluss in besonderen Fällen von dem Auswahlgespräch absehen“ (Anlage 6 Nr. 3  Satz 1 VergabeVO NRW). Bei gleichen Ergebnissen entscheidet das Los (Anlage 6 Nr. 1 VergabeVO NRW).

Die in der Quote unbesetzten Studienplätze werden nach § 23 Abs. 2 VergabeVO NRW der Wartezeitquote hinzugerechnet.

Sonstiges

§ 9 Abs. 1 BBHZVO: Bewerber(innen) sollen an einem von der Hochschule angebotenen Beratungsgespräch teilnehmen. Im Beratungsgespräch soll fehlendes fachliches oder methodisches Vorwissen ermittelt und über die Möglichkeiten des Ausgleichs des fehlenden Vorwissens i. S. einer Studienerfolgsprognose informiert werden.

§ 9 Abs. 2 BBHZVO: „Die Hochschule bietet allen Bewerbern, die keine Zugangsprüfung ablegen, einen Test an, in dem vor Beginn des Studiums die Eignung für den angestrebten Studiengang getestet wird. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Testergebnis hat keinen Einfluss auf den Zugang zum Studium.“

§ 9 Abs. 3 BBHZVO: „Die Hochschule kann besondere Angebote zum Ausgleich des fehlenden fachlichen oder methodischen Vorwissens bereitstellen.“

§ 11 der BBHZVO legt fest, dass die Hochschulen dem Ministerium jährlich folgende statistische Daten zum Studium mit beruflicher Qualifikation liefern: der Anteil von Studierenden in Studiengängen nach Aufstiegsfortbildung, nach Berufsausbildung und Berufserfahrung, nach Probestudium, nach Zugangsprüfung (abgelegte und bestandene Zugangsprüfungen), Studienerfolg, Alter und Geschlecht, Dauer der beruflichen Tätigkeit. Zudem den Anteil der Studierenden, die an anderen Hochschulen ihr Studium als beruflich Qualifizierte aufgenommen haben.

Teilzeitstudium

Es ist Aufgabe der Hochschulen, die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Erziehung zu fördern (§ 3 Abs. 5 HZG). Zudem sollen sie Teilzeitstudiengänge einrichten. „Die Liste der für ein Studium in Teilzeit geeigneten Studiengänge ist in geeigneter Weise zu veröffentlichen.“ (§ 62 a Abs. 2 Satz 2 HZG)

(Stand: März 2018)

Daten-Monitoring

 

Seit 2011 zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein regelrechter Boom beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. Nachdem das Land ein Jahr die Liste der Studienanfänger(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im bundesweiten Ländervergleich angeführt hat, belegt es nun seit fünf Jahren und mit einem aktuellen Anteil von 4,20 Prozent einen sehr guten 2. Platz hinter Hamburg als Erstplatziertem. Damit liegt Nordrhein-Westfalen immer noch weit über dem Bundesdurchschnitt von 2,58 Prozent. Dennoch bewegt sich der Anteil der Studienanfänger(innen) ohne schulische HZB weiterhin unter der eigenen Fünf-Prozent-Marke von 2014 und führt hier den Negativtrend von 2015 fort. Positiv fällt auf, dass Nordrhein-Westfalen seinen Anteil an Studierenden ohne Abitur nach den Einbußen in 2015 wieder rehabilitieren kann und einen Höchstwert seit 2011 verzeichnet. Damit rangiert Nordrhein-Westfalen mit 2,74 Prozent und einer Steigerung von 0,17 Prozentpunkten in dieser Kategorie weiterhin auf dem 3. Platz. Die Absolvent(inn)enquote ohne Abitur weist seit 2011 einen durchgängigen Anstieg auf – ein Trend, der sich 2016 fortsetzt. Mit einem Anteil von 1,87 Prozent liegt NRW auch in dieser Sparte über dem Bundesdurchschnitt. In allen Kategorien nimmt NRW Spitzenplätze im Bundesländervergleich ein.