Bremen

Seit 2015 sind die Zahlen der Studienanfänger*innen, Studierenden und Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur in Bremen stark gestiegen und haben 2019 neue Höchststände erreicht. Insgesamt liegen die Studienanfänger*innen- und Studierendenanteile mit rund 4,5 und 3,4 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Im Bundesländervergleich erreicht der Stadtstaat in beiden Kategorien die Spitzengruppe und belegt jeweils den 3. Platz. Anders sieht die Lage dagegen bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur aus. Mit einem Anteil von rund 1,3 Prozent befindet sich Bremen im Bundesländervergleich lediglich auf dem 11. Platz. Bewerber*innen mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung als Meister*in, Fachwirt*in etc. sind Personen, die eine allgemeinen Hochschulreife besitzen, gleichgestellt und können ihr Studienfach frei wählen. Inhaber*innen einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mindestens dreijährigen Berufserfahrung können einen fachgebundenen Hochschulzugang erhalten, sofern sie eine Eignungsprüfung bestehen. Wer zuzsätzlich zur Berufsausbildung über eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung verfügt, kann statt der Eignungsprüfung ein Probestudium absolvieren.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Berufsausbildung (2 Jahre)

Berufserfahrung (3 Jahre)

Oder:

Erfolgreicher Abschluss eines fachlich einschlägigen Kontaktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbildenden Studiums an einer Bremer Hochschule.

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja (Einstufungsprüfung)
Probestudium möglich:
Ja, mit abgeschlossener Berufsausbildung und fünfjähriger Erwerbstätigkeit

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 33 Abs. 3a BremHG: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, wer eine Meisterprüfung oder eine der Meisterfortbildung vergleichbare Ausbildung mit vergleichbarer Prüfung bestanden, einen Bildungsgang einer zweijährigen Fachschule mit staatlicher Prüfung oder einen vergleichbaren Bildungsgang erfolgreich absolviert hat, über einen Fortbildungsabschluss nach §§ 53 oder 54 Berufsbildungsgesetz oder §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung (mit mindestens 400 Unterrichtsstunden) oder über einen Abschluss nach vergleichbarer Fortbildung für Berufe im Gesundheitswesen bzw. im Bereich der sozialpflegerischen/sozialpädagogischen Berufe verfügt.

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 33 Abs. 4, 5 BremHG: Eine fachgebundene Hochschulreife erlangt, wer die Einstufungsprüfung gemäß § 57 BremHG bestanden hat. Durch das Bestehen der Zwischenprüfung an der Universität oder dem Erwerb von 60 Leistungspunkten (CP) wird die Fachbindung aufgehoben.

Teil II der Verordnung über den Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife regelt die Voraussetzungen für die Zulassung zur Einstufungsprüfung: Zum Zeitpunkt der Bewerbung muss eine mindestens zweijährige Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen sein (entweder in einem anerkannten oder gleichwertig geregelten Ausbildungsberuf, schulisch oder in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis) und eine sich daran anschließende mindestens dreijährige Berufstätigkeit nachgewiesen werden (oder eine Gesamtdauer von mindestens fünf Jahren). Abweichend genügt auch eine mindestens fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit, die mit den Anforderungen eines entsprechenden Ausbildungsberufs vergleichbar ist. Auch der erfolgreich abgeschlossene Besuch einer zweijährigen Berufsfachschule oder Fachschule gilt als Berufsausbildung.

Teil II der Verordnung regelt weiterhin die Antragstellung zur Einstufungsprüfung und die Zuständigkeit der Hochschule bezüglich Zulassung, Durchführung und Bewertung der Einstufungsprüfung. Die Regelungen müssen in einer von Rektor oder Rektorin zu erlassenden Ordnung schriftlich vorliegen.

Gemäß Teil II der Verordnung können u. a. die selbstständige Führung eines Familienhaushaltes mit mindestens einer erziehungs- oder pflegebedürftigen Person oder vom Arbeitsamt bescheinigte Zeiten der Arbeitslosigkeit von maximal einem Jahr auf die Zeit der Berufstätigkeit angerechnet werden, sofern während der Arbeitslosigkeit Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen erfolgt sind. Auch der Facharbeitertätigkeit vergleichbare Tätigkeiten von mindestens fünf Jahren oder Tätigkeiten, die nicht unbedingt eine einschlägige Berufsausbildung voraussetzen, werden anerkannt.

Teil III der Verordnung über den Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife: Auch nach erfolgreichem Beste­hen eines (jeweils für die angestrebte fachgebun­dene Hochschulreife fach­lich einschlägigen) Kon­taktstudiums, eines Propädeutikums oder eines anderen weiterbil­denden Studiums an einer Hochschule der Freien Hansestadt Bremen erhält man die fachgebundene Hochschulreife. Vorausset­zung für die Zulassung ist i. d. R. eine dreijährige Berufstätigkeit. Wird eine der o. g. Studienvarianten erfolgreich abgeschlossen, erteilt die Hochschule ein Zertifikat, das die fachge­bundene Hochschulreife bescheinigt. Näheres zum Kontaktstudium unter § 58 BremHG.

Probestudium („Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel“):

§ 35 Abs. 1, 2 und 4 BremHG gestattet den Hochschulen, die Immatri­kulation mit Kleiner Mat­rikel bei Bewerber*innen ohne Hochschulzugangsberech­tigung nach § 33 BremHG. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine fünfjährige Erwerbstätigkeit (oder entsprechende Er­satzzeiten). Diese Perso­nen werden jeweils für ein Semester immatrikuliert (insgesamt maximal für vier Semester) und müssen glaubhaft machen, inner­halb von zwei Jahren die Hochschulzugangsberech­tigung erwerben zu wollen. Die Hochschule entscheidet über die endgültige Immatrikulation und über die Anrechnung bereits erbrachter Studien­leistungen auf das weitere Studium. Näheres regeln die Immatrikulationsord­nungen.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 33 Abs. 8 BremHG: In der Regel genügt eine mindestens einjährige einschlägige Berufserfahrung oder eine entsprechende einschlägige Tätigkeit, um die Zugangsvoraussetzungen für weiterbildende Masterstudiengänge und weiterbildende Zertifikatsstudienangebote zu erfüllen. Voraussetzung ist hierbei jedoch der Nachweis einer mindestens fachgebundene Hochschulreife. § 60 Abs. 2 BremHG: Das weiterbildende Studium steht auch Personen offen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. „Hierbei ist die besondere Lebenssituation von Frauen zu berücksichtigen.“

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 56 Abs. 2 BremHG: „Über die Anrechnung und gegebenenfalls das Nichtbestehen wesentlicher Unterschiede entscheidet die Hochschule. Nachgewiesene Kompetenzen und Fähigkeiten, die außerhalb des Hochschulbereichs erworben wurden und keine wesentlichen Unterschiede zu den in einer Hochschule erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten aufweisen, sind bis zur Hälfte der für das Studienangebot vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.“

§ 57 BremHG: Studienbewerber*innen, die Kenntnisse und Fähigkeiten in anderer Weise als durch ein Studium erworben haben, können diese in einer besonderen Hochschulprüfung (Einstufungsprüfung) nachweisen und dann unter Anrechnung dieser Kenntnisse in einen entsprechenden Abschnitt oder ein entsprechendes Modul des Studiums zugelassen werden.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

§ 7 Abs. 1 Nr. 3 HSVVO: Die Hochschulvergabeverordnung legt eine Vorabquote in Höhe von maximal 2 Prozent jedoch mindestens einen Studienplatz für Bewerber*innen fest, die „auf Grund bestandener Einstufungsprüfung oder eines Kontaktstudiums [...] oder für ein Probestudium“ eine Zulassung zum Studium erworben haben.

Die Studienplätze in dieser Quote werden gemäß § 12a HSVVO „nach dem Ergebnis eines Losverfahrens“ vergeben. Nach der Durchführung des Losverfahrens frei gebliebende Studienplätze aus der Quote werden, soweit per Hochschulsatzung nicht anders geregelt, zu 80 Prozent „nach dem durch die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung nachgewiesenen Grad der Qualifikation und im Übrigen nach der Wartezeit vergeben“ (§ 7 Abs. 3 HSVVO).

(Stand: März 2021)

Daten-Monitoring

 

Das seit 2015 beobachtbare starke Wachstum insbesondere bei den Studienanfänger*innen- und Studierendenzahlen kann vor allem der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft zugeschrieben werden. Nach einem kleinen Einbruch im Jahr 2018 geht es 2019 wieder bergauf: Bei den absoluten Zahlen sind sogar neue Höchststände zu verzeichnen. Der Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur an allen Studienanfänger*innen in Bremen beträgt aktuell 4,46 Prozent. Damit kann der Stadtstaat seine Position im Bundesländervergleich um einen Platz auf den 3. Rang verbessern. Wiederum ist es die APOLLON Hochschule, die 76 Prozent der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur aufnimmt. Bei den Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) wird mit einer Steigerung um 0,45 Prozent und einem Anteil von nunmehr 3,41 Prozent im Bundesländervergleich erneut der 3. Rang erreicht.

Insgesamt liegen die Anteile der Studienanfänger*innen und Studierenden ohne Abitur in Bremen weit über dem Bundesdurchschnitt, sodass der Stadtstaat in diesen Kategorien zur Spitzengruppe gehört. Anders sieht es bei den Hochschulabsolvent*innen ohne Abitur aus. Hier liegt die Quote bei 1,31 Prozent somit unter dem Bundesdurchschnitt. In dieser Kategorie erreicht Bremen im Bundesländervergleich nur noch den 11. Rang und damit das untere Mittelfeld.