Brandenburg

Die Werte in Brandenburg beim Studium ohne Abitur zeigen sich zumindest bei den Anteilen der beruflich qualifizierten Studienanfänger(inne)n und Studierenden als relativ stabil. Diese weisen im aktuellen Berichtsjahr sogar einen leichten Aufwärtstrend auf. Dennoch büßt Brandenburg in beiden Kategorien Plätze im Bundesländervergleich ein und landet sowohl bei der Erstsemester- als auch bei der Studierenden-Quote jeweils auf dem 13. Rang. Einen regelrechten Einbruch hat es dagegen bei der Quote der Hochschulabsolvent(inn)en ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife gegeben. Mit nur knapp über einem Prozent wird hier der bisherige Tiefstwert ereicht. Dadurch verliert Brandenburg im Bundesländergleich in dieser Katgorie ganze sechs Plätze und rutscht auf den 11. Rang ab. Beruflich Qualifizierten mit Aufstiegsfortbildung ist es in Brandenburg möglich, den direkten Hochschulzugang zu erhalten. Auch beruflich Qualifizierte ohne genannte Aufstiegsfortbildung müssen keine Eignungsprüfung bestehen, weshalb der Hochschulzugang in Brandenburg für Studieninteressierte ohne schulische HZB relativ barrierefrei ausgestaltet worden ist.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Mindestens Abschluss der Sekundarstufe I (oder ein gleichwertiger Abschluss)
Fachlich entsprechende Berufsausbildung
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (2 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Nein
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Gemäß § 9 Abs. 2 Nr. 6 – 10 BbgHG berechtigen die folgenden Qualifikationen zur Aufnahme eines Studiums, das zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss führt:

  • eine aufgrund §§ 45, 51a, 122 der Handwerksordnung bestandene Meisterprüfung oder eine der Meisterprüfung gleichwertige Berechtigung gemäß § 7 Abs. 2a der Handwerksordnung,
  • ein Fortbildungsabschluss nach §§ 53, 54 des Berufsbildungsgesetzes oder nach §§ 42, 42a der Handwerksordnung, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst haben,
  • ein Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, das auf einem mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Lehrgang beruht,
  • ein Abschluss einer Fachschule in öffentlicher Trägerschaft oder eine staatlich anerkannten Fachschule in freier Trägerschaft im Sinne des § 28 des Brandenburgischen Schulgesetzes oder ein Abschluss einer vergleichbaren Ausbildung in einem anderen Bundesland
  • eine den zuvor genannten Fortbildungen vergleichbare Qualifikation aufgrund einer landesrechtlich geregelten Fortbildungsmaßnahme für Berufe im Gesundheitswesen oder im Bereich der sozialpflegerischen oder pädagogischen Berufe

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Gemäß § 9 Abs. 2 Nr. 11 BbgHG kann zu einem Studium, das zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss führt, zugelassen werden, wer „den Abschluss der Sekundarstufe I oder einen gleichwertigen Abschluss und eine für das beabsichtigte Studium geeignete abgeschlossene Berufsausbildung mit einer danach erworbenen mindestens zweijährigen Berufserfahrung“ vorweisen kann.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen

§ 9 Abs. 5 BbgHG: Die Zugangsvoraussetzung für einen weiterbildenden Masterstudiengang ist ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss und der „Nachweis einer in der Regel mindestens einjährigen beruflichen Tätigkeit“ (§ 9 Abs. 5 Satz 1 BbgHG). „In künstlerischen und besonderen weiterbildenden Masterstudiengängen kann an die Stelle des berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses eine Eingangsprüfung treten, bei der die Bewerberin oder der Bewerber Kenntnisse und Fähigkeiten nachweist, die einem geeigneten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss entsprechen“ (§9 Abs. 5 Satz 4 BbgHG). Näheres zur Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung.

"Weiterbildende Masterstudiengänge müssen sich [...] nach ihrer inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung insbesondere an beruflich Qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber richten" (§ 9 Abs. 5 Satz 3).

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland/Wechsel aus einem anderen Land

Nach zwei erfolgreich absolvierten Studiensemestern in einem anderen Bundesland kann das Studium in Brandenburg in dem gleichen oder einem eng verwandten Studiengang fortgesetzt werden, unabhängig von der Art der Hochschulzugangsberechtigung (§ 9 Abs. 3 BbgHG).

Nach § 9 Abs. 3 BbgHG berechtigt, bei Nachweis der für das Studium erforderlichen Sprachkenntnisse, auch eine im Ausland erworbene Qualifikation, sofern diese den oben genannten beruflichen Qualifikationen vergleichbar ist, zu der Aufnahme eines Studiums.

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

Gemäß § 24 Abs. 5 BbgHG sind außerhalb des Hochschulwesens erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten bis zu 50 Prozent auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn der Inhalt und das Niveau dem des zu ersetzenden Studienteils gleichwertig sind.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Das Brandenburgische Hochschulzulassungsgesetz sieht eine Teilgruppenübergreifende Vorabquote in Höhe von mindestens 10 bis maximal 20 Prozent vor, welche in der beruflichen Bildung Qaulifizierte ohne eine schulische Hochschulzugangsberechtigung oder einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss einschließt (§ 4 Abs. 1 Nr. 6 BbgHZG). Für die Quote der beruflich Qualifizierten kann „bestimmt werden, dass der Anteil der Studienplätze an der Gesamtzahl der Studienplätze je Bewerbergruppe nicht größer sein darf als der Anteil der jeweiligen Bewerbergruppe an der Bewerbergesamtzahl“ (§ 4 Abs. 2 BbgHZG).

§ 5 Abs. 5 BbgHZG: Das Auswahlverfahren für beruflich Qualifizierte richtet sich „in erster Linie nach dem Grad der Qualifikation“ und soll weitere „Kriterien, die Auskunft über die Eignung für das beabsichtigte Studium geben“, berücksichtigten.

§ 4 Abs. 3 BbgHZG: Nicht in Anspruch genommene Studienplätze der Vorabquote werden gemäß § 6 BbgHZG den Hauptquoten zugeteilt oder ggf. gemäß § 7 BbgHZG ins Vergabeverfahren für Masterstudienplätze einbezogen.

(Stand: April 2019)


Daten-Monitoring

 

Laut aktueller Zahlen können die brandenburgischen Hochschulen den seit 2016 weitestgehend durchbrochenen Negativtrend beim Studium ohne Abitur auch 2017 überwiegend halten. Sowohl die Quote der Studienanfänger(innen), als auch die der Studierenden ohne schulische HZB bleiben im aktuellen Berichtsjahr mit einem marginalen Plus von 0,05 bzw. 0,03 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr stabil. Lediglich der Anteil der beruflich qualifizierten Hochschulabsolvent(inn)en geht um rund 0,4 Prozentpunkte zurück. Letztere Entwicklung kostet Brandenburg ganze sechs Plätze im bundesweiten Vergleich, wodurch das Land in 2017 auf dem 11. Rang landet. Auch die nahezu gleichbleibenden Quoten im Bereich der Studienanfänger(innen) sowie Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife reichen im aktuellen Berichtsjahr nicht aus, um die Position Brandenburgs im Bundesländervergleich halten zu können. Die Anteile der Studienanfänger(innen) sowie der Studierenden erreichen somit diesmal beide den 13. Rang. Womit erstere drei Plätze und letztere einen Platz im Vergleich zu 2016 einbüßen. Alles in allem liegt Brandenburg bei allen drei Personengruppen unter dem Bundesdurchschnitt und gehört derzeit zum unteren Mittelfeld beim Studium ohne (Fach-)Abitur in Deutschland.