Brandenburg

Ein Aufwärtstrend zeigt sich in Brandenburg bei den Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. Mit einem Anteil in Höhe rund zwei Prozent verbessert sich Brandenburg laut den jüngsten verfügbaren Daten im Bundesländervergleich vom 14. auf den 10. Rang. Auch bei der Quote der Studierenden ohne (Fach-)Abitur zeigt sich eine Steigerung. In dieser Kategorie klettert das Bundesland mit einem Anteil von rund 1,4 Prozent um einen Platz auf Rang 12. Dagegen stagniert der Anteil der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur, was im Bundesländervergleich zu einer Verschlechterung von Platz 9 auf Platz 10 führt. Eine Besonderheit in Brandenburg ist, dass Studienbewerber*innen generell keine Eignungsprüfung ablegen müssen, um ohne (Fach-)Abitur zum Hochschulstudium zugelassen zu werden. Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung können in einem berufsnahen Fach studieren, während Personen mit abgeschlossener Aufstiegsfortbildung diesbezüglich keinen Einschränkungen unterliegen und ihr Studienfach frei wählen dürfen.  

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Mindestens Abschluss der Sekundarstufe I (oder ein gleichwertiger Abschluss)
Fachlich entsprechende Berufsausbildung
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (2 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Nein
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister und sonstige hochqualifizierende Fortbildungsabschlüsse

Gemäß § 9 Abs. 2 Nr. 6 – 10 BbgHG berechtigen die folgenden Qualifikationen zur Aufnahme eines Studiums, das zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss führt:

  • eine aufgrund §§ 45, 51a, 122 der Handwerksordnung bestandene Meisterprüfung oder eine der Meisterprüfung gleichwertige Berechtigung gemäß § 7 Abs. 2a der Handwerksordnung,
  • ein Fortbildungsabschluss nach §§ 53, 54 des Berufsbildungsgesetzes oder nach §§ 42, 42a der Handwerksordnung, sofern die Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst haben,
  • ein Befähigungszeugnis für den nautischen oder technischen Schiffsdienst nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, das auf einem mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Lehrgang beruht,
  • ein Abschluss einer Fachschule in öffentlicher Trägerschaft oder eine staatlich anerkannten Fachschule in freier Trägerschaft im Sinne des § 28 des Brandenburgischen Schulgesetzes oder ein Abschluss einer vergleichbaren Ausbildung in einem anderen Bundesland,
  • eine den zuvor genannten Fortbildungen vergleichbare Qualifikation aufgrund einer landesrechtlich geregelten Fortbildungsmaßnahme für Berufe im Gesundheitswesen oder im Bereich der sozialpflegerischen oder pädagogischen Berufe.

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Gemäß § 9 Abs. 2 Nr. 11 BbgHG kann zu einem Studium, das zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss führt, zugelassen werden, wer „den Abschluss der Sekundarstufe I oder einen gleichwertigen Abschluss und eine für das beabsichtigte Studium geeignete abgeschlossene Berufsausbildung mit einer danach erworbenen mindestens zweijährigen Berufserfahrung“ vorweisen kann.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen

§ 9 Abs. 5 BbgHG: Die Zugangsvoraussetzung für einen weiterbildenden Masterstudiengang ist ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss und der „Nachweis einer in der Regel mindestens einjährigen beruflichen Tätigkeit“ (§ 9 Abs. 5 Satz 1, Satz 3 BbgHG). „In künstlerischen und besonderen weiterbildenden Masterstudiengängen kann an die Stelle des berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses eine Eingangsprüfung treten, bei der die Bewerberin oder der Bewerber Kenntnisse und Fähigkeiten nachweist, die einem geeigneten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss entsprechen“ (§9 Abs. 5 Satz 4 BbgHG). Näheres zur Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung.

„Weiterbildende Masterstudiengänge müssen sich [...] nach ihrer inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung insbesondere an beruflich qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber richten" (§ 9 Abs. 5 Satz 5 BbgHG).

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland/Wechsel aus einem anderen Lan

Nach mindestens zwei erfolgreich absolvierten Studiensemestern in einem anderen Bundesland kann das Studium in Brandenburg in dem gleichen oder einem eng verwandten Studiengang fortgesetzt werden, unabhängig von der Art der Hochschulzugangsberechtigung (§ 9 Abs. 3 BbgHG).

Nach § 9 Abs. 3 BbgHG berechtigt, bei Nachweis der für das Studium erforderlichen Sprachkenntnisse, auch eine im Ausland erworbene Qualifikation, sofern diese mit den oben genannten beruflichen Qualifikationen vergleichbar ist, zu der Aufnahme eines Studiums.

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

Gemäß § 24 Abs. 5 BbgHG sind außerhalb des Hochschulwesens erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten bis zu 50 Prozent auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn der Inhalt und das Niveau dem des zu ersetzenden Studienteils gleichwertig sind.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätz

Das Brandenburgische Hochschulzulassungsgesetz sieht eine Teilgruppenübergreifende Vorabquote in Höhe von mindestens 10 bis maximal 20 Prozent vor, welche in der beruflichen Bildung Qualifizierte ohne eine schulische Hochschulzugangsberechtigung oder einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss einschließt (§ 4 Abs. 1 Nr. 6 BbgHZG). Für die Quote der beruflich Qualifizierten kann „bestimmt werden, dass der Anteil der Studienplätze an der Gesamtzahl der Studienplätze je Bewerbergruppe nicht größer sein darf als der Anteil der jeweiligen Bewerbergruppe an der Bewerbergesamtzahl“ (§ 4 Abs. 2 BbgHZG).

§ 5 Abs. 5 BbgHZG: Das Auswahlverfahren für beruflich Qualifizierte richtet sich „in erster Linie nach dem Grad der Qualifikation“ und soll weitere „Kriterien, die Auskunft über die Eignung für das beabsichtigte Studium geben“, berücksichtigten.

§ 4 Abs. 3 BbgHZG: Nicht in Anspruch genommene Studienplätze der Vorabquote werden gemäß § 6 BbgHZG den Hauptquoten zugeteilt oder ggf. gemäß § 7 BbgHZG ins Vergabeverfahren für Masterstudienplätze einbezogen.

 

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

Im Zeitverlauf betrachtet ist die Entwicklung beim Studium ohne Abitur in Brandenburg deutlichen Schwankungen unterworfen. Laut den aktuellsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2019 ist der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) sprunghaft gestiegen und bewegt sich wieder auf den bisherigen Höchstwert im Jahr 2013 zu. Die Quote liegt nun bei 2,12 Prozent, was gegenüber dem Vorjahr einem Zuwachs von 0,53 Prozent entspricht. Vor diesem Hintergrund kann sich Brandenburg im Bundesländervergleich in dieser Kategorie um vier Plätze verbessern und auf den 10. Rang klettern.

Auch bei den Studierenden ohne (Fach-)Abitur erhöhen sich die Werte im Vergleich zum Vorjahr wenn auch nur leicht um 0,11 Prozent. Mit einem Anteil an allen Studierenden des Bundeslandes von 1,36 rückt Brandenburg im Bundesländervergleich um eine Position auf Rang 12 auf. Die Anteile der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur verharren dagegen bei 1,37 Prozent. Hier gibt es keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem fällt Brandenburg hier im Bundesländervergleich um einen Rang auf Platz 10 zurück. Insgesamt betrachtet liegen die Werte in allen drei Kategorien unterhalb des Bundesdurchschnitts.