Bayern

Der Freistaat bietet relativ weitreichende rechtliche Möglichkeiten für ein Studium ohne Abitur. So können beispielsweise Personen mit einer Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung statt einer Eignungsprüfung auch ein Probestudium absolvieren. Drei bis zehn Prozent aller Studienplätze sind vorab für beruflich Qualifizierte reserviert. Mit einem bundeslandbezogenen Anteil von fast zwei Prozent Hochschulabsolvent*innen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife liegt Bayern aktuell über dem deutschlandweiten Durchschnitt. Vor diesem Hintergrund kann sich der Freistaat hier im Bundesländervergleich um drei Plätze auf 4. Rang verbessern. Bei den Studienanfänger*innen- sowie Studierendenanteilen dagegen verliert Bayern wenige Plätze und befindet sich hier nun jeweils auf Position 9.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch erforderlich

Alle Fort- und Weiterbildungsabschlüsse, die außerhalb von Bayern erworben wurden, müssen von der Hochschule zunächst als gleichwertig anerkannt werden

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)
Beratungsgespräch an der Hochschule
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Art. 45 Abs. 1 BayHSchG und § 29 der QualV: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzen Absolvent*innen der Meisterprüfung und gleichgestellter beruflicher Fort- und Weiterbildungsprüfungen, wenn sie ein Beratungsgespräch an der Hochschule wahrgenommen haben (muss durch Bescheinigung nachgewiesen werden).

Der Meisterprüfung gleichgestellt sind folgende Fortbildungsabschlüsse:

  • ein Abschluss nach §§ 53, 54 des Berufsbildungsgesetzes bzw. nach §§ 42, 42a der Handwerksordnung (wenn der Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
  • ein Abschluss einer öffentlichen oder staatlich anerkannten Fachschule oder Fachakademie (bei einer Fachakademie für Sozialpädagogik muss zudem die staatliche Anerkennung zum/zur „Staatlich anerkannten Erzieher*in“ oder eine Bescheinigung über ein bestandenes Berufspraktikum vorgelegt werden),
  • ein Fortbildungsabschluss einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (mit staatlich genehmigter Prüfungsordnung und/oder Prüfungsmitwirkung eines Staatskommissars, dessen Lehrgang mindestens 400 Stunden umfasst),
  • sowie eine bestandene Prüfung zum/zur Verwaltungsfachwirt*in oder die bestandene Fachprüfung II der Bayerischen Verwaltungsschule.

Bei Fortbildungsabsolvent*innen, die ihren Abschluss außerhalb von Bayern erworben haben, werden § 54 des Berufsbildungsgesetzes und § 42a der Handwerksordnung nicht erwähnt. Diese Paragraphen regeln jeweils die Zuständigkeit der Kammern gesetzt den Fall, dass Rechtsverordnungen nach § 53 Berufsbildungsgesetz bzw. § 42 der Handwerksordnung nicht erlassen worden sind. Ferner müssen alle Fortbildungsabschlüsse, die außerhalb von Bayern erworben wurden, erst von der Hochschule als gleichwertig anerkannt werden (in Zweifelsfällen ist eine örtliche Stelle nach § 71 des Berufsbildungsgesetzes aufzusuchen) (§ 29 QualV Abs. 2).


Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Art. 45 Abs. 2 BayHSchG und § 30 QualV: Die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung wird erlangt nach Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und anschließender, in der Regel mindestens dreijähriger hauptberuflicher Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich). Die Feststellung der fachlichen Verwandtschaft obliegt der Hochschule, an der das Studium aufgenommen werden soll. Wenn es sich um denselben oder einen eng verwandten Studiengang handelt, wird eine von einer bayerischen Hochschule getroffene Feststellung von einer anderen Hochschule anerkannt. Als hauptberufliche Berufspraxis gilt eine Teilzeitbeschäftigung im Umfang von mindestens der Hälfte der durchschnittlichen regelmäßigen Arbeitszeit eines oder einer Vollzeitbeschäftigten.

  • Die Studieneignung stellt die Hochschule je nach Angebot entweder in einem besonderen Prüfungsverfahren (Hochschulzugangsprüfung) oder bei nachweislich erfolgreichem Bestehen eines Probestudiums von mindestens zwei Semestern (und höchstens drei bis vier Semestern) fest. In beiden Fällen findet davor ein Beratungsgespräch an der Hochschule statt. Die jeweiligen Regelungen für die Verfahren werden durch Satzungen an den Hochschulen getroffen (§§ 31 und 32 der QualV).
  • § 30 QualV: Bei Personen, die ein Aufstiegsstipendium des Bundes erhalten, genügt eine zweijährige hauptberufliche Berufspraxis.


Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 33 der QualV: Ein Wechsel an eine bayerische Hochschule ist nach einem Jahr erfolgreichen Studiums möglich (Probestudium außerhalb von Bayern zählt nicht mit).


Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen, Modulstudien und sonstigen weiterbildenden Studien

Art. 43 Abs. 5 und 6 BayHSchG: Der Zugang zu einem Masterstudiengang, zu sonstigen postgradualen Studiengängen und postgradualen Modulstudien setzt einen Hochschulabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss voraus. „Sonstige weiterbildende Studien stehen […] auch solchen Bewerbern und Bewerberinnen mit Berufserfahrung offen, die die für die Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben.“ Letztere sind Studien die zu keinem formalen Abschluss führen (Art. 56 Abs. 6 BayHSchG).


Berufsbegleitende Studiengänge

Laut Art. 56 Abs. 4 und 6 BayHSchG können Hochschulen berufsbegleitende Studiengänge anbieten (sowohl im Bachelor- als auch im konsekutiven Masterbereich). Die Hochschule hat mit der „Konzentration der Präsenzveranstaltungen auf die Abendstunden, auf Wochenenden und auf Blockkurse sowie Anteile virtueller Lehre“ dafür Sorge zu tragen, dass die Studiengänge neben einer Berufstätigkeit erfolgreich absolviert werden können. Gleichermaßen sind sogenannte Modulstudien möglich, in denen die Studieninteressierten einzelne Module eines grundständigen oder postgradualen Studiengangs absolvieren und damit Leistungspunkte akkumulieren können.


Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

Gemäß Art. 63 Abs. 2 BayHSchG können u. a. Kompetenzen, die im Rahmen einer berufspraktischen Tätigkeit erworben wurden, auf die zu erbringenden Studienleistungen zu maximal 50 % angerechnet werden.


Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Art. 5 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BayHZG: Im bayerischen Hochschulzulassungsgesetz ist eine Vorabquote von 3 bis 10 % für qualifizierte Berufstätige gemäß Art. 45 BayHSchG vorgesehen. Die genaue Höhe wird durch die Hochschulsatzung bestimmt. Sofern keine Höhe festgelegt wurde, beträgt die Vorabquote 5 % (Art. 5 Abs. 3 Satz 5 BayHZG). Die Auswahl im Rahmen der Quote geschieht vorrangig nach der Befähigung der Bewerber*innen (Art. 5 Abs. 3 Satz 7 BayHZG). Frei bleibende Studienplätze der Quote werden zunächst über ein Nachrückverfahren vergeben. Sollten Studienplätze im Nachrückverfahren ungenutzt bleiben, werden diese den Hauptquoten zugeteilt (Art. 5 Abs. 3 Satz 6 BayHZG).

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

 

In Bayern ist beim Studium ohne Abitur zwischen 2010 und 2019 ein kontinuierliches Wachstum zu beobachten. Lediglich die Zahl der Studienanfänger*innen, die über den beruflichen Weg in die Hochschule kommen, stagniert seit 2017 etwas. Der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an allen Studienanfänger*innen im Freistaat liegt laut den jüngsten verfügbaren Daten bei 2,53 Prozent. Die Studierendenquote beträgt 2,07 Prozent. Allerdings rangieren beide Werte unter dem Bundesdurchschnitt. Damit belegt Bayern im Bundesländervergleich in beiden Kategorien den jeweils 9. Platz.

Eine positive Entwicklung ist indes bei der Absolvent*innenquote zu verzeichnen. Hier ist der Anteil an allen Hochschulabsolvent*innen in Bayern um 0,21 Prozent gestiegen. Damit hat sich der Wert in dieser Kategorie auf 1,96 Prozent verbessert und einen neuen Höchststand erreicht. Vor diesem Hintergrund ist der Freitstaat auch im Bundesländervergleich um drei Plätze gegenüber 2018 vorgerückt und erreicht aktuell den 4. Rang. Insgesamt ist Bayern bei der Quote der Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur nun im oberen Drittel angekommen.