Baden-Württemberg

Baden-Württemberg gehört nach wie vor zu den Bundesländern, in denen die Möglichkeit zum Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife relativ wenig genutzt wird. Die aktuellen Daten zeigen zwar, dass das Bundesland mit 4.355 Studierenden und 822 Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur neue Höchstwerte erreicht. Dennoch liegt Baden-Württemberg damit weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt und schafft im Vergleich mit den anderen Bundesländern insgesamt nur die jeweils vorletzten Plätze. Dasselbe gilt auch für den leicht rückläufigen Anteil an Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur. Beruflich Qualifizierte mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung als Meister*in, Fachwirt*in etc. können in Baden-Württemberg nach einem Beratungsgespräch an der Hochschule und im Fach ihrer Wahl studieren. Dagegen müssen Studieninteressierte mit Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung eine Eignungsprüfung bestehen und sind bei der Wahl des Studienfachs auf die Bereiche beschränkt, die eine Nähe zum erlernten Beruf aufweisen.


Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Beratungsgespräch

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich entsprechende Berufsausbildung (2 Jahre)
Fachlich entsprechende Berufserfahrung (3 Jahre)
Beratungsgespräch an der Hochschule
Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Gemäß § 58 Abs. 2 Nr. 5 LHG berechtigt „eine Meisterprüfung oder eine andere öffentlich-rechtlich geregelte berufliche Aufstiegsfortbildung, insbesondere nach dem Berufsbildungsgesetz, nach der Handwerksordnung oder nach § 14 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg, die grundsätzlich auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung aufbaut und deren Lehrgang mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst,“ zu einem Studium aller Fachrichtungen an allen Hochschulen. Jedoch müssen die Bewerber*innen einen schriftlichen Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erbringen.

Weitere berufliche Fortbildungen, die der oben genannten Meisterprüfung gleichgestellt sind, werden in der baden-württembergischen Berufstätigenhochschulzugangsverordnung genannt. Darunter fallen Abschlüsse an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie als Verwaltungs-Betriebswirt*in, Verwaltungs-Diplom-Inhaber*in, Betriebswirt*in, Betriebswirt*in eines Schwerpunktfachs, Diplom-Finanzierungsfachwirt*in, Kommunikationsfachwirt*in,Wirtschaftsfachwirt*in oder Technische*r Fachwirt*in, wenn vor der Ausbildung an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen wurde.

Auch der Abschluss einer ein- oder zweijährigen Fachschule kann zur Berechtigung einer Studienplatzbewerbung nach der Berufstätigenhochschulzugangsverordnung führen.

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: Bewerber*innen, die eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen haben sowie über eine in der Regel dreijährige Berufserfahrung verfügen (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich entsprechenden Bereich), sind berechtigt, eine studiengangbezogene Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. Zudem ist ein schriftlicher Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erforderlich. Die Qualifikation für ein Hochschulstudium wird schließlich durch das Bestehen einer Eignungsprüfung erworben.

    • Laut § 70 Abs. 10 LHG dürfen staatlich anerkannte Hochschulen in Baden-Württemberg die Eignungsprüfung sowie die Begabtenprüfung abnehmen.

    • Einzelheiten der Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung nach Maßgabe von § 58 Abs. 3 LHG, wonach die Prüfung „aus schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen“ besteht und „sowohl allgemeine als auch fachspezifische Prüfungsanteile“ umfasst.

    • § 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: In „besonders begründeten Einzelfällen kann auch beim Nachweis einer mehrjährigen herausgehobenen oder inhaltlich besonders anspruchsvollen Tätigkeit zur Eignungsprüfung für ein Studium in einem dieser Tätigkeit fachlich entsprechenden Studiengang zugelassen werden“.

    • § 58 Abs. 3 LHG: Familienarbeit mit selbstständiger Führung eines Haushaltes und Verantwortung für mindestens eine erziehungs- oder pflegebedürftige Person wird bei fachlicher Entsprechung mit bis zu zwei Jahren auf die Berufserfahrung angerechnet. 

 

Ausländische Qualifikationen

In § 58 Abs. 2 Nr. 10 LHG ist geregelt, dass eine ausländische Vorbildung, sofern sie sich nicht wesentlich von den im Hochschulgesetz benannten Qualifikationsnachweisen unterscheidet, ebenfalls als Qualifikation für ein Hochschulstudium anerkannt wird.

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 35 Abs. 3 LHG: Außerhalb des Hochschulsystems erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten sind auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn die Voraussetzungen für den Hochschulzugang bestehen (zum Zeitpunkt der Anrechnung), die Kompetenzen nach Inhalt und Niveau gleichwertig zu den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen sind und eine Akkreditierung die Kriterien für die Anrechnung überprüft hat. Höchstens 50 Prozent des Hochschulstudiums dürfen so ersetzt werden. Die Hochschulen regeln die Einzelheiten – auch eine mögliche Einstufungsprüfung – in einer Prüfungsordnung.

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 58 Abs. 2 Nr. 9 LHG: Bei einem Wechsel aus einem anderen Bundesland ist nach einem Jahr nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums (ein Probestudium zählt nicht dazu) ein Weiterstudium an einer baden-württembergischen Hochschule derselben Hochschulart in dem gleichen oder einem affinen Studiengang möglich.

Weiterbildende Studiengänge und Teilzeitstudiengänge

Im Landeshochschulgesetz werden Teilzeitstudiengänge explizit erwähnt, die unter anderem dazu dienen sollen, die Lebensumstände von Berufstätigen zu berücksichtigen (§ 30 Abs. 3 LHG). Erwähnt werden auch weiterbildende Bachelorstudiengänge, die sich an Personen richten, „die bereits über eine im sekundären Bildungsbereich erworbene Berufsausbildung verfügen“ und an in dieser Berufsausbildung erworbene Kenntnisse und Kompetenzen anknüpfen, um sie zu vertiefen und zu erweitern (§ 31 Abs. 2 LHG).

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Studien

§ 31 Abs. 3 LHG: Der Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen und zu sonstigen weiterbildenden Studien setzt „mindestens einen Studienabschluss in einem grundständigen Studiengang“ voraus.

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze 

Baden-Württemberg sieht keine gesetzlichen Regelungen zu Vorabquoten oder speziellen Auswahlverfahren für Bewerber*innen ohne eine schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.

(Stand: März 2021)


Daten-Monitoring

In den zurückliegenden Jahren ist die Zahl von Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) in Baden-Württemberg kontinuierlich gestiegen und erreicht mit 4.355 nun den bisherigen Höchststand. Damit beträgt der Anteil an allen Studierenden im Bundesland aktuell 1,21 Prozent. Ein leichter Abwärtstrend zeigt sich dagegen bei den Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur. Deren Quote liegt laut den jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2019 bei jetzt 1,36 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den Hochschulabsolvent*innen zu beobachten, die über den beruflichen Weg ins Studium gelangt sind. Stieg deren Anteil an allen Hochschulabsolvent*innen im Bundesland bis 2018 kontinuierlich an, so gab es 2019 einen minimalen Rückgang auf 0,96 Prozent.

Insgesamt liegt Baden-Württemberg mit seinen Werten weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich der Bundesländerländer belegt Baden-Württemberg in allen drei Kategorien den 15. Rang und damit jeweils den vorletzten Platz.